Ein anspruchsvoller Puzzler mit Bedienproblemen

Puzzler gibt es mittlerweile zuhauf und neuen Titeln fällt es dadurch immer schwerer, sich deutlich genug von der Konkurrenz abzuheben. Where Cards Fall gelingt dies schon einmal durch seine grundlegende Spielmechanik. Ob das Gameplay tatsächlich ausgefallen genug ist, um auch einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, das wollen wir uns im Folgenden näher ansehen. Doch zuerst sei das eine oder andere Wort zur Geschichte verloren: Die eigentliche Handlung von Where Cards Fall ist anfangs gar nicht so ersichtlich. Das Spiel kommt nämlich ohne große Erklärung oder einleitenden Dialogen daher. Vielmehr wird hier gar nicht wirklich „gesprochen“, die Charaktere geben während der Dialoge ein unverständliches Kauderwelsch von sich. Letztendlich habt ihr es hier mit einer typischen Coming-of-Age-Geschichte zu tun, in der euer namenloser Protagonist auf seine Zeit an der Schule, der Uni und all den dazwischenliegenden Schicksalsschlägen und Höhepunkten zurückblickt. Bis man das jedoch erst einmal verstanden hat, vergeht ein bisschen Zeit. Letztendlich reißt die Handlung keine Bäume aus und ist auch recht vorhersehbar. Sie ist jedoch eine nette Umrahmung für den wichtigen Teil des Spiels – nämlich die Karten-Mechanik.


Ihr begleitet euren namenlosen Protagonisten auf seiner typischen Coming-of-Age-Geschichte.

© Snowman

Denn zwischen den recht kurzen Rückblicken in das Leben des Namenlosen absolviert ihr eines von 52 Leveln. Darin müsst ihr stets einen Ausgang erreichen, der natürlich außerhalb eurer normalen Reichweite liegt. Damit ihr also Fortschreiten könnt, müsst ihr euch der eigentlichen Spielmechanik bedienen und die namensgebenden Karten verwenden, um durch den Level zu gelangen. In jedem der überschaubaren und fest abgesteckten Gebiete stehen euch eine oder mehrere Spielkarten zur Verfügung, die verdeckt auf dem Boden liegen. Indem ihr die einzelnen Karten anwählt, könnt ihr diese hin und her bewegen, sie auf dem Boden ausbreiten und per Knopfdruck aktivieren. Was dann passiert, hängt ganz von dem Symbol auf der Karte ab; manche erheben sich dann zu einem Block, andere wiederum zu einer Art Hauskonstruktion mit spitzzulaufendem Dach oder ihr errichtet hochhausähnliche Türme, die besonders weit hinauf ragen. Und eben diese Konstruktionen könnt ihr nun nutzen, um Brücken zu bauen oder höhere Stellen zu erreichen. Dabei ist ein gewisses Maß an Raum- und Tiefenverständnis ganz hilfreich, denn ihr müsst vor allem in den späteren Leveln stets gut abschätzen, wo ihr eure Karten platziert und wie weit ihr sie ausbreitet. Denn je weiter die Karten verteilt sind, umso größere Flächen deckt ihr ab oder umso höher fallen die Konstruktionen letztendlich aus. Im späteren Verlauf des Spiels kommen dann noch zusätzliche Hindernisse wie ein Luftzug vor, der eure Karten wegweht, wenn ihr sie an der falschen Stelle platziert oder Plattformen, die sich je nach Gewicht heben und senken.


Das richtige Abschätzen, die verschiedenen Karten sowie die neu eingeführten, zusätzlichen Elemente sorgen dafür, dass der Schwierigkeitsgrad stetig steigt und stets angemessen bleibt. Gegen Ende des Spiels, das ihr nach gut 10 bis 12 Stunden erreichen könnt, werden die Rätseleinlagen immer kniffliger und fordern euren grauen Zellen so einiges ab. Trotz allem fiel keiner der Level in irgendeiner Weise unfair aus; die Knobeleien sind alle gut durchdacht und wenn man einmal auf die Lösung gekommen ist, stellt sich so gut wie immer ein Aha-Effekt ein. Wer einmal doch nicht weiterkommen sollte, der kann sich auch von einem Hinweis-System stets den nächsten Schritt anzeigen lassen. Dieses System ist jedoch vor allem in den späteren Leveln nicht so hilfreich, wie man annehmen möchte. Euch werden dann zwar die Positionierungen der nächsten Karten angezeigt, das Spiel ignoriert dabei jedoch die aktuelle Position eurer Figur – ein Umstand, der später ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Was etwas schade ist, ist die Tatsache, dass es letztendlich nur vier unterschiedliche Kartenkonstruktionen gibt, was der Abwechslung nach Hinten heraus letztendlich schadet.


Zwei Karten wurden links bereits platziert, nur wie soll die Lücke überwunden werden?

© Snowman

Auch wenn ihr in Where Cards Fall keine Tode sterben könnt und auch die Sprungpassagen sich darauf beschränken, von einem Kartenkonstrukt zum nächsten zu hüpfen, ist die Steuerung ein nicht zu unterschätzender Faktor in Spielen wie diesem. Und hier kränkelt der Puzzler nämlich gut und gerne einmal da, wo es wirklich wichtig ist; nämlich bei der Bedienung der Karten. Man merkt dem Titel an, dass er ursprünglich für Apple Arcade und damit das Ipad entwickelt wurde, denn die Steuerung mit den Analogsticks und Knöpfen der Nintendo Switch ist anfangs sehr gewöhnungsbedürftig. Gerade das hin- und herschalten zwischen den Kartendecks entwickelt sich mitunter zu einer ziemlich hakeligen Angelegenheit, da manche Eingaben mal nicht richtig erkannt oder wiederum zu schnell abgehandelt werden. Dazu kommt der Umstand, dass euch manchmal auch einfach die Übersicht fehlt, vor allem wenn mehrere Kartenkonstrukte gleichzeitig aufgestellt sind. Zwar bietet euch das Spiel theoretisch die Möglichkeit, per Gyroskop-Steuerung den Schauplatz leicht zu drehen und zu neigen, das hat in meinem Fall allerdings eher schlecht funktioniert und eine entsprechende Funktion per Analogstick oder Tasten gibt es unerklärlicherweise nicht.


Grafisch kommt Where Crads Fall mit einer hübschen Optik und Leveln daher, die mit viel Liebe zum Detail glänzen, sich thematisch mit der Zeit jedoch stetig wiederholen. Durch die Tatsache, dass es fernab des Gemurmels der Charaktere keine richtige Sprachausgabe gibt, gibt es entsprechend auch keine deutsche Synchronisation. Alle Texte sind jedoch ins Deutsche übersetzt worden. Der Soundtrack kommt ganz getreu des eigentlichen Spielprinzips sehr ruhig und harmonisch daher, fällt aber weder in die eine, noch in die andere Richtung wirklich merklich auf.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Florian McHugh

Where Cards Fall macht in Sachen Gameplay im Grunde alles richtig: Die Rätsel sind anspruchsvoll, steigen stetig im Schwierigkeitsgrad und nutzen die Mechaniken rund um das Errichten von Kartenkonstrukten vollends aus. Ein gewisses Verständnis für Raum und Tiefe sind ebenfalls recht hilfreich, da sonst vor allem die späteren Level teils im frustrierten Trial & Error enden können. Was nicht ganz so gut gelungen ist, ist die Steuerung des Titels, der ursprünglich auf Apple Arcade erschienen ist. Gerade das Auswählen der unterschiedlichen Karten sowie die nicht wirklich sinnvolle Gyroskop-Steuerung haben bei mir das eine oder andere Mal für ein genervtes Grummeln gesorgt. Puzzle-Fans erwartet hier nichtsdestotrotz 10 bis 12 Stunden Knobelspaß.
Mein persönliches Highlight: Die ruhige Musik in Kombination mit den fordernden aber nachvollziehbaren Rätseln.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 1

  • Marq

    Anime-Spiele ohne Chibis!

    Anscheinend hat das Spiel mit ein paar Steuerungsproblemen zu kämpfen. Ich bin mir jetzt immer noch unsicher, ob ich mich trotzdem heranwagen sollte, da die Rätsel durchaus interessant wirken.