Eine gelungene Renaissance des Neunzigerjahre-Shooters

DUSK erschien erstmals 2018 für den PC und konnte bislang zahlreiche positive Spielerstimmen für sich gewinnen. Der Shooter orientiert sich an den Klassikern des Genres, modernisiert deren etwas angestaubte Grundformel und drückt dem Ganzen zudem seinen ganz persönlichen Stempel auf. Ein Erfolgsrezept, dessen überwältigendes Feedback den Macher David Szymanski dazu bewegte, den Sprung auf die Nintendo Switch zu wagen. Nachdem jene Umsetzung im letzten Jahr zunächst auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben wurde, war es nun Ende des vergangenen Monats endlich so weit. Nach einem Jahr der Optimierung und Feinjustierung dürfen auch Besitzerinnen und Besitzer von Nintendos Hybridkonsole in die finstere Welt von DUSK abtauchen. Ob die frenetischen Schusswechsel im Retro-Gewand auch auf der Konsole überzeugen können, verraten wir euch in den nachfolgenden Zeilen.


Lovecraft'scher Horror trifft auf höllischen Spaß


DUSK ist ein kompromissloses Actionspektakel mit dünner Geschichte, doch umso dichterer Atmosphäre. Ihr erwacht zu Beginn in einem unterirdischen Gewölbe, wo ihr euch unter Zuhilfenahme zweier übergroßer Sicheln gegen drei Kettensägen schwingende Haubenträger verteidigen müsst. Das blutige Gemetzel macht unmissverständlich klar, was euch in den kommenden Spielstunden erwartet. Hier wird keine Zeit mit überflüssigem Palaver verschwendet, sondern ohne Umwege zu den durchschlagskräftigen Waffen gegriffen. Zwar werdet ihr Zeuge des fortschreitenden Wahnsinns, der die trostlose Umgebung und deren Bewohner befällt, eine wirkliche Aufklärung solltet ihr jedoch nicht erwarten. Die Geschichte von DUSK ist nettes Beiwerk und glänzt weniger durch die komplexe Erzählweise als durch den stimmungsvollen Aufbau der einzelnen Spielabschnitte.


DUSK besticht nicht selten durch sein ausgefallenes Leveldesign.

© New Blood Interactive

Die Kampagne von DUSK besteht aus drei Episoden mit jeweils zehn Missionen, die im Schnitt zwischen fünf bis fünfzehn Minuten dauern. Weitaus mehr, wenn man beabsichtigt, alle Gegner innerhalb eines Auftrages zu töten und sämtliche Geheimnisse eines Levels zutage zu fördern, was mit entsprechenden Auszeichnungen belohnt wird. Zudem stehen euch fünf verschiedene Schwierigkeitsgrade zur Auswahl, die unter anderem den feindlichen Schaden und die Projektilgeschwindigkeit gegnerischer Geschosse beeinflussen. Während euch die ersten beiden Stufen noch an die Hand nehmen, wird in den beiden letzten Modi jeder kleinste Fehler streng geahndet und enden nicht selten mit dem Tod der eigenen Spielfigur. Darüber hinaus dürft ihr entscheiden, ob ihr zuvor aufgesammelte Waffen über den Verlauf einer Episode behaltet oder jede Mission zunächst ohne Schießeisen beginnt.


Doch die Optionsvielfalt hört längst nicht beim Schwierigkeitsgrad auf. DUSK gibt euch die Möglichkeit, detaillierte Anpassungen wie beispielsweise die Darstellung eures Fadenkreuzes, die Größe eurer Waffe auf dem Bildschirm, Zielhilfe oder Bewegungssteuerung vorzunehmen. Auch Filter und anderweitige Bildeffekte lassen sich über das Menü anwenden. Da überrascht es schon fast, dass die Tastenbelegung entgegen der Vermutung nicht änderbar ist. Dank der mannigfaltigen Einstellungsmöglichkeiten reicht die Zielgruppe von DUSK vom Genreeinsteiger bis hin zum -veteran, insofern man der eigensinnigen Optik etwas abgewinnen kann.


Zu euren Nahkampfwaffen zählt im späteren Spielverlauf auch ein Schwert.

© New Blood Interactive

Spielerisch bietet DUSK alles, was man von einem klassischen Shooter erwartet. Mit einer erlesenen Auswahl an Waffen nehmt ihr an spannenden Feuergefechten teil. Die Mordinstrumente unterscheiden sich dabei in ihrer Handhabung sowie Durchschlagskraft und eignen sich mal mehr, mal weniger gut für bestimmte Situationen oder Gegner. Über ein leicht zugängliches Ringmenü könnt ihr jederzeit durch eure Schießeisen schalten und euch somit kinderleicht bestimmten Begebenheiten anpassen. So eignet sich in beengten Häuserkämpfen beispielsweise die streufreudige Schrotflinte, während auf dem weitläufigen Schlachtfeld die präzise Flinte das Mittel der Wahl darstellt. Natürlich solltet ihr stets nach Munition Ausschau halten, um nicht irgendwann in den weitaus schwächeren Nahkampf gezwungen zu werden. Solltet ihr doch einmal Schaden nehmen – und ihr werdet Schaden nehmen –, finden sich immer wieder einmal Medipacks, die vorübergehend Abhilfe schaffen. Haltet ihr zudem eure Moral mithilfe sammelbarer Klunker hoch, könnt ihr die feindliche Angriffswirkung auf ein Minimum reduzieren. Zudem solltet ihr regelmäßig von der Schnellspeichermechanik Gebrauch machen, um euch eigene Rücksetzpunkte im Falle eures Ablebens zu erstellen.


Aber DUSK bietet viel mehr als reines Geballer. Obwohl die Level mit festem Start- und Zielpunkt daherkommen, gibt es zahlreiche versteckte Passagen, die einzig aufmerksamen Spielerinnen und Spielern vorbehalten sind. Die Entdeckung eines solchen Geheimnisses wird mit zusätzlichen Hilfsgegenständen und Munition belohnt, mit denen ihr euer Überleben sichern könnt. Es empfiehlt sich also, stets wachsam durch die labyrinthartigen Level von DUSK zu schreiten und vermeintlich nutzlose Umgebungsdekoration wie explosive Fässer oder stapelbare Kisten zum eigenen Vorteil zu nutzen.


DUSK '82 ist ein schlichtes Puzzlespiel und erzählt die Vorgeschichte des Hauptspiels.

© New Blood Interactive

Zum Glück bieten die einzelnen Spielabschnitte nicht nur eine gelungene Herausforderung, sondern – der verhältnismäßig einfachen Optik zum Trotz – auch zahlreiche Schauwerte, die den Entdeckerdrang zusätzlich befeuern. Die Welt von DUSK ist herrlich skurril, extrem abwechslungsreich und trotzt mitunter jeder Logik. Die ganzen Geschehnisse um den blutigen Kult, dessen teils bizarre Kreaturen und Paralleldimensionen des Schreckens schöpfen gewaltig Inspiration aus den Erzählungen des namhaften Horrorautors H. P. Lovecraft. Eure Reise führt euch durch dunkle Wälder, verlassene Farmen, dampfende Industriegebäude, einsame Kapellen und den unvorstellbaren Wahnsinn selbst. Ebenso vielfältig wie die Ortswahl gestaltet sich der Feind. Es gibt die eingangs erwähnten Kettensägenmörder, Blut spuckende Ziegen, schwer bewaffnete Soldaten, Feuerball schleudernde Kuttenträger, Flinten schwingende Vogelscheuchen und mehr. Mein Favorit sind die unsichtbaren Wendigos, die durch das Flackern eurer Taschenlampe angekündigt werden. Auch kleinere Bosskämpfe wollen zwischendurch bestritten werden, wobei sich die meisten der Endgegner mit bloßer Waffengewalt in die Knie zwingen lassen – eine der wenigen Ausnahmen stellt der finale Endkampf dar.


Der Nintendo Switch-Umsetzung von DUSK liegt zudem DUSK '82 bei. Das schmale Puzzleabenteuer kommt mit schlichter Präsentation daher und erzählt die Vorgeschichte zum Shooter in Form kleiner Textbeiträge. Der Titel umfasst dreißig Level, in denen ihr jeweils alle Gegner ausschalten müsst, um in den nächsten Spielabschnitt gelangen zu können. Hierfür müsst ihr eure Umgebung taktisch nutzen, denn anders als im Hauptspiel lassen sich nicht alle Widersacher durch den simplen Gebrauch von Schusswaffen bezwingen. DUSK '82 ist eine nette Dreingabe, die allerdings nicht ansatzweise die spielerischen Höhen des eigentlichen Abenteuers erreicht.


Ein durchweg geschmeidiges Vergnügen


Die Grafik von DUSK verleitet gegebenenfalls zur Annahme, die Nintendo Switch müsse das Spiel mit Leichtigkeit stemmen können. Allerdings zeigen Videos früherer Versionen, dass dies nicht der Fall ist. Vor dem aufwendigen, mühseligen Optimierungsprozess konnte Nintendos Hybridkonsole nicht einmal dreißig Bilder pro Sekunde auf den Bildschirm zaubern – eine denkbar schlechte Voraussetzung für einen flotten Shooter dieses Kalibers. Doch die langwierig Arbeit hat sich gelohnt. DUSK läuft sowohl am TV als auch im portablen Modus mit geschmeidigen sechzig Bildern pro Sekunde und steht der PC-Version hinsichtlich der Optik in nichts nach. Seltene Ausnahmen lassen die Bildrate ein bisschen einbrechen, allerdings niemals so stark, dass die Spielbarkeit darunter leiden würde. Gekrönt wird das Ganze vom fantastischen Soundtrack, dessen tiefe, dreckige Töne die nicht minder schmutzige Atmosphäre des Titels gekonnt unterstreichen und teils für erwünschtes Unwohlbefinden sorgen. Solltet ihr euch von der eigensinnigen Optik nicht abschrecken lassen, erwartet euch mit DUSK ein audiovisueller Gaumenschmaus mit einem extrem befriedigenden, präzisen Spielgefühl.

Unser Fazit

9

Geniales Spiel

Meinung von Felix Kraus

Die Optik von DUSK mag auf manche abschreckend wirken, dahinter verbirgt sich jedoch purer Spielspaß und eine gelungene Atmosphäre. DUSK würzt klassische Spielmechaniken mit einer Prise modernen Komfort und schafft daraus ein schaurig-schönes Vergnügen, das über etwa acht Stunden Spielzeit andauert – weitaus mehr, strebt man die hundert Prozent an. Die vielen Anpassungsmöglichkeiten im Optionsmenü sowie die nahezu perfekte Performance lassen erahnen, wie viel Zeit und Mühe in die Umsetzung des hochgelobten Retro-Shooters geflossen ist. Einzig die Abwesenheit eines Mehrspielermodus, welcher der Langlebigkeit zuträglich gewesen wäre, sorgt für ein bisschen Ernüchterung. Sucht ihr nach kompromissloser, geschmeidiger Action mit seichtem Horroreinschlag, werdet ihr hier garantiert fündig.
Mein persönliches Highlight: Das präzise Spielgefühl und die tolle Atmosphäre.

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