Im Keller lauert das Böse

Für viele Kinder hat der Keller etwas Unheimliches an sich. Er ist in der Regel dunkel, manchmal etwas feucht und das schlimmste ist das viele Ungeziefer wie Spinnen oder Asseln. Das polnische Entwicklerstudio Mousetrap Games konfrontiert euch genau mit diesen Kindheitstraumas. Mousetrap Games selbst ist ein eher kleineres Entwicklerteam, das bisher hauptsächlich Smartphone Spiele erstellt hat. Für ihr erstes Nintendo Switch Spiel haben sie daher Unterstützung vom deutschen Publisher Daedalic Entertainment bekommen. Vielen Point-and-Click-Fans werden direkt die Erinnerungen an die Deponia-Reihe oder Edna & Harvey in den Sinn kommen. Bei JARS handelt es sich allerdings eher um eine Art Strategie bzw. Tower-Defense-Spiel.


Der klassische Aufbau eines Levels. Öffnet schnell die grünen Gläser.

© Daedalic Entertainment GmbH

JARS bietet euch nicht nur einen, sondern gleich zwei unterschiedliche Spielmodi. Zu Beginn habt ihr lediglich den Kampagnenmodus zur Verfügung. Dieser versucht euch mit einer kleinen Story durch jede Menge unterschiedlicher Level zu führen. Leider wird die Story selbst nur visuell durch Bilder und kleine Cutscenes erzählt, komplett ohne Dialoge oder erklärende Texte. Ihr begleitet den Jungen Viktor, der zu Beginn des Spiels mit seinem Vater an einer Fledermaus experimentiert. Als die Fledermaus den Vater schließlich angreift, verliert dieser den Verstand und flüchtet in die Dunkelheit. Einige Tage später macht Viktor versehentlich ein Einmachglas kaputt und wird daraufhin von seiner Mutter in den Keller gesperrt. Sein einziger Begleiter: ein sonderbares Buch, das verbotenes Wissen enthält.


Die Kampagne selbst ist in sechs Kapiteln unterteilt. Das erste Kapitel spielt auf der Treppe und dient als eine Art Tutorial. Die Untiere im Keller versuchen in den einzelnen kleinen Leveln mit Ketten verschlossene Behälter, in denen sich Fledermäuse befinden, zu öffnen. Wird auch nur einer dieser Behälter zerstört, so ist das aktuelle Level verloren. Eure Aufgabe besteht darin, mithilfe sogenannter Lakaien diese Behälter zu beschützen. Die eigentliche Siegbedingung ändert sich in den einzelnen Kapiteln immer wieder. So müsst ihr anfangs einfach nur alle Untiere besiegen, während später ein laufender Pilz eskortiert oder einige Schalter umgelegt werden müssen. Das macht die einzelnen Kapitel etwas abwechslungsreicher, allerdings wäre eine kurze Erklärung zu Beginn nicht verkehrt gewesen.


Für das Lösen der einzelnen Level müsst ihr zunächst die namensgebenden Gläser öffnen. Diese gibt es in drei Varianten: Rote Gläser enthalten Gegner und müssen im Laufe des Levels geöffnet werden, grüne Gläser enthalten Lakaien oder Gegenstände und schließlich gibt es noch weiße Gläser, deren Inhalt ihr nicht vorhersagen könnt. Zu Beginn des Levels werden diese Gläser teilweise durchgemischt und neu verteilt, sodass ihr grundsätzlich auch beim wiederholten Spielen nicht vorhersagen könnt, was in den Gläsern auf euch wartet. Nachdem ihr durch die Gläser Lakaien und Gegenstände bekommen habt, könnt ihr diese auf den einzelnen Feldern des Levels platzieren. Hat ein Feld ein graues Kreuz als Hintergrund, kann auf diesem keiner eurer Lakaien platziert werden. Mit den Gegenständen könnt ihr eure eigenen Truppen kurzfristig verstärken, neuplatzieren oder euren Gegner schwächen.


Zwischen den einzelnen Leveln könnt ihr eure bisher gesammelten Lakaien verbessern sowie festlegen, welche drei euch beim nächsten Level begleiten sollen. Das Verbessern erfolgt über Power-Ups, welche ihr gegen gesammelte Lebensenergie bei einem sonderbaren Händler kaufen könnt. Diese Power-Ups haben alle verschiedene Formen (Kreis, Rechteck, Herz …). Jeder Lakai besitzt hierfür passende Sockel. Diese könnt ihr nach belieben immer wieder aufs Neue füllen und so die perfekte Kombination für die Lakaien austüfteln. Zusätzlich gibt es für jedes Level Bedingungen an eure Lakaien, die erfüllt werden müssen. Im einfachsten Fall ist dies einfach nur die Anzahl die ihr mitnehmen könnt. Mal darf nur ein Lakai mit, ein anderes Mal bis zu drei. Komplizierter wird es, wenn nur bestimmte Lakaien oder Lakai-Gruppen verwendet werden dürfen. Zum Glück könnt ihr dann eure bisher wenig verwendete Lakaien noch mit Power-Ups aufwerten. So stellen dann auch diese Level keine großen Hindernisse mehr dar.


Im Heldenmodus zu mehr Lebensenergie


Benötigt ihr weitere Lebensenergie als Währung für die Power-Ups, könnt ihr wahlweise vorherige Level einfach mehrmals wieder spielen oder ihr wechselt in den zweiten Spielmodus: den Heldenmodus. In diesem übernehmt ihr nicht mehr die Kontrolle von Viktors Finger, sondern einen besonderen Heldenlakaien. Die vier Helden schaltet ihr durch euren Fortschritt im Kampagnenmodus nach und nach frei. Jeder Held wird direkt von euch gesteuert und besitzt unterschiedliche Spezialfähigkeiten. Mit jedem Level-Up des Helden dürft ihr eine neue Fähigkeit auswählen oder bereits erworbene Fähigkeiten verbessern. Das macht erstaunlich viel Spaß, erschreckenderweise sogar mehr als beim Kampagnenmodus. Die Level selbst werden meiner Einschätzung nach zufallsgeneriert. Auch hier müsst ihr die Gläser öffnen, befreit allerdings direkt Helferlakaien, ohne das diese vorher platziert werden müssen. Auch in diesem Modus müsst ihr die kettenverschlossene Kiste beschützen und alle Gläser öffnen.


Die Helden können dauerhafte Level-Ups erhalten, wodurch sie über die Spielrunden hinweg immer stärker werden.

© Daedalic Entertainment GmbH

Habt ihr im Heldenmodus ein Level geschafft, müsst ihr aus drei verschiedenen Gegnerboni auswählen. Somit steigt nach jeder Runde der Schwierigkeitsgrad, allerdings auf eine Art und Weise, die ihr selbst bestimmt. Hierbei reicht die Auswahl von neuen Gegnern über Elite-Gegner bis hin zu allgemeinen Bonuswerten auf alle Gegner wie beispielsweise 20 % mehr Schaden.


Wollt ihr lieber zukünftig Elite-Spinnen treffen oder kommt nicht doch der böse Bombenkäfer als neue Gegnerart hinzu? Die Entscheidung liegt ganz bei euch. Nach jedem Level habt ihr außerdem die Möglichkeit, den Heldenmodus zu beenden. In dem Fall bekommt ihr die bisher erbeutete Lebensenergie im Kampagnenmodus gutgeschrieben. Macht ihr jedoch weiter und verliert den nächsten Abschnitt, dann verliert ihr auch eine sehr große Menge an Lebensenergie und nur ein kleiner Bruchteil davon wird euch anschließend gutgeschrieben.


Grafisch versucht JARS mit einem düsteren, comicartigen Zeichenstil zu überzeugen, was bei mir auch gelingt. Ich fühle mich hierbei ein wenig an Don’t Starve erinnert. Die eigenen Lakaien wirken sympathisch bis niedlich, während man die Untiere schon beim Anblick erschlagen werden will. JARS ist in vielen Sprachen verfügbar, unter anderem Deutsch, Französisch, Spanisch und Englisch. Eine Sprachausgabe ist nicht vorhanden, da aber die Geschichte um Viktor sowieso nur auf Bildebene erzählt wird, ist dies nicht weiter störend.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Philipp Freibauer

JARS konnte mich mit seinem Grafikstil und dem Spielprinzip überzeugen. Die kurzen Level machen das Spiel theoretisch jederzeit unterbrechbar, dennoch werden diese zu einem wahren Zeitfresser. Die verschiedenen Ziele in den einzelnen Abschnitten sorgen für etwas Abwechslung, dennoch könnte das Ziel des aktuellen Levels für den Spieler irgendwo festgehalten werden. Die Optimierung der eigenen Lakaien ist grundsätzlich ein guter Ansatz, im Spielverlauf fehlt mir allerdings die Notwendigkeit dafür. Auch der Wiederspielwert der einzelnen Level fehlt mir ein wenig. Während Vertreter ähnlicher Genres hier mit einem Punkte-System versuchen, den Spieler zum erneuten Spielen und Optimieren zu bewegen, scheint dies bei JARS durch das teilweise Zufallssystem schwierig bis unmöglich zu sein. Der Heldenmodus hat mir besser gefallen als der Kampagnenmodus, sodass ich mir stellenweise gewünschte hätte, das gesamte Spiel hätte im Heldenmodus beendet werden können. Hier wirken sich die Verbesserungen des eigenen Helden sowie die Auswahl der gegnerischen Boni mehr auf das Spiel aus, womit hier taktischeres Vorgehen in den Vordergrund rückt.
Mein persönliches Highlight: Der Heldenmodus. Am liebsten hätte ich das ganze Spiel nur in diesem verbringen wollen.

Die durchschnittliche Leserwertung

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