Ein atmosphärischer Tauchgang

Spiele wollen manchmal mehr sein als bloße Unterhaltungselektronik und auch Beyond Blue hat dieses Ziel. Die Mischung aus Einzelspieler-Erfahrung, welche gepaart wird mit interessanten Dokumentar-Filmchen, möchte euch in das Reich des Meeres eintauchen lassen und dies ganz nach euren Bedürfnissen. Wie gut dieser Spagat funktioniert, halten wir nachfolgend für euch fest.


Das wohl Schönste im Spiel ist das gemeinsame Schwimmen mit den Meeresbewohnern.

© E-Line Media LLC

In der Rolle der Meeresforscherin Mirai findet ihr euch im Spiel wieder und erlebt in insgesamt acht verschiedenen Tauchgängen die Faszination des Meeres. Ihr trefft auf insgesamt 45 verschiedene Meeresbewohner, erhaltet Instruktionen von eurem Team aus der Ferne und schaltet dabei sogar spannende Infos und Filmsequenzen rund um das Thema Meer frei. Zwischendrin findet ihr euch dann in eurem U-Boot wieder, telefoniert mit eurer Crew und auch einige persönliche Gespräche mit eurer Schwester werdet ihr erleben. Dabei kann das Spiel auf eine gute englische Sprachausgabe setzen, welche sich echt anfühlt und euch dabei durchaus an die Hand nimmt, um in die Gespräche einzutauchen.


Das Hauptaugenmerk besteht jedoch aus dem Erkunden des Gewässers. So müsst ihr euch in den einzelnen Missionen mit Mirai den Taucheranzug überstreifen und die auf eurem Radar festgelegten Ziele abklappern. Diese bestehen in den meisten Fällen aus Walen, Haien oder einigen Fischarten, welche von euch gescannt werden müssen. Dadurch schaltet ihr nicht nur Modelle der einzelnen Arten frei, sondern auch weiterführende Informationen über sie, die interessant gestaltet sind. Je nachdem wie viele Tiere einer Art ihr dokumentiert, schaltet ihr nach und nach sogar noch weitere Details frei, was für manch einen durchaus motivierend ist. Dank eines speziellen Roboters dürft ihr ab dem zweiten Tauchgang aber auch Details von manchen Arten genauer untersuchen, wie beispielsweise die Schwanzflosse eines Wals. Einen spielerischen Mehrwert bietet diese Funktion jedoch nicht, da sie von Grund auf das Gleiche macht, wie Mirais regulärer Scanner. Damit ist die größte Spielmechanik des rund dreistündigen Abenteuers auch schon erzählt.


Neben dem Untersuchen von Flora und Fauna dürft ihr manches Mal auch mit eurer Ausrüstung interagieren.

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Eure restliche Zeit unter Wasser bewegt ihr euch schwimmend vorwärts, sammelt an einigen Stellen Materialien ein, untersucht Korallen und schwimmt zu eurem nächsten Ziel. Insgesamt fühlt sich das alles aber viel zu wenig und zu monoton an. Es gibt weder Geheimnisse zu lüften, noch spannende Höhlen zu erforschen. Das heißt, dass ihr nach rund 20–30 Minuten alles relevante im Spiel bereits gesehen habt. Zwar dürft ihr euch auch in eurem U-Boot fortbewegen, die Möglichkeiten sind dort jedoch sehr limitiert. So könnt ihr zwar auf eine stimmige Musikbibliothek zurückgreifen, die Modelle der Meeresbewohner bewundern und auch reale Filmsequenzen samt Kommentaren von Experten freischalten, dies alles fesselt aber nicht dauerhaft an den Bildschirm, sondern fühlt sich nur wie eine nette Dreingabe an. Besser wäre es gewesen, das U-Boot als Start- und Zielpunkt festzulegen, in welchem ein offenes Meer erforscht werden darf. Stattdessen sind die einzelnen Missionen in ihrem Umfang und ihrer Weitläufigkeit jedoch sehr beschränkt.


Ebenso fehlt es dem Spiel an einem Druck, der auf den Spieler wirkt. Es finden sich weder feindselige Tiere im Meer, noch müsst ihr auf eure Vitalfunktionen achten. Mirai kann also ohne Ende tauchen und es interessiert niemanden, ob dies nur wenige Minuten dauert oder ob ihr euch stundenlang an der gleichen Stelle aufhaltet. Auch hier wird Potenzial verschenkt. Natürlich ist mir klar, dass es sich nicht um einen Survival-Titel handelt, jedoch hätte sich eine Art von einfachem Stress, auf welchen geachtet werden muss, positiv auf das Spielgeschehen ausgewirkt. Gut vorstellen könnte ich mir beispielsweise feindselige Tiere, welche nur aus der Ferne beobachtet werden müssen.


Technisch zeigt sich Beyond Blue leider auch von einer durchschnittlichen Seite. Die Umgebungen samt Tierwelt sind nett gestaltet, gerade im Detail fallen aber matschige Texturen auf und trüben das entspannte Eintauchen ins Meer. Dafür konnte mich der Soundtrack vollends überzeugen und landet auf meiner privaten Playlist für Musikstücke, die zum Entspannen beitragen sollen. Alles in allem bekommen wir somit zwar ein unterhaltsames, jedoch sowohl kurzweiliges wie auch technisch durchschnittliches Spiel geboten. Schade, denn das grundlegende Potenzial ist gut, wird jedoch nicht ausgeschöpft.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Maik Styppa-Braun

Eigentlich hatte ich nach den ersten Bildern auf eine Wiedergeburt von Endless Ocean gehofft, welches seinerzeit für die Nintendo Wii erschienen ist. Aufgrund des monotonen wie auch leider teils langweiligen Gameplays war es jedoch gar nicht so einfach, das Ende des Spiel zu erleben. Mich konnten zwar die Modelle der Arten und vor allem die Dokumentarfilme begeistern, das sich ewig wiederholende Scannen der Meeresbewohner bot für mich jedoch spielerisch absolut nichts Neues. Dadurch steht sich das Spiel leider selbst im Weg, da es die Chance verpasst, nach den ersten Tauchgängen Neues zu wagen. Dafür habe ich meine persönliche Musikbibliothek mit neuen Titeln erweitert, welche mich wohl dauerhaft begleiten werden.
Mein persönliches Highlight: Der atmosphärische Soundtrack.

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 4

  • megasega2

    Turmfürst

    Teile ich. Habe mich damals auch sehr über das Spiel gefreut. Dachte auch an einen geistigen Endless Ocean Nachfolger. Leider ist es aber eher eine Real Life-Tauchsimulation. Man erfährt zwar sehr interessante Dinge über den Ablauf einer Tauchtour und wie das mit Senderplatzierung etc. funktioniert, aber das gab es in Endless Ocean auch.


    Ich hätte mir mehr freies Tauchen gewünscht, weniger lineares Abarbeiten der Missionen.

  • Tomberry

    Minish Mage

    Zweites Bild, "Flora und Fauna"

  • Zettes

    Turmheld

    Ich hoffe noch immer darauf, dass irgendwann Endless Ocean 3 kommt :)

  • Knusel

    Turmbaron

    Zettes

    Ich würde mich auch über den 2. Teil in HD freuen