Ein RPG-Klassiker zum Mitnehmen

2007 veröffentlichte das kanadische Entwicklerstudio BioWare Mass Effect. Das SciFi-Rollenspiel entwickelte sich schnell zu einem Kritiker- wie Fan-Liebling und setzte neue Maßstäbe bei der Inszenierung seiner Spielwelt und der Handlung. Gleichzeitig zeigte BioWare mit dem Spiel, wie das oft als sperrig verschriene Genre für Neueinsteiger und Konsolenspieler zugänglich gemacht werden konnte. Doch nach den ersten Sätzen werdet ihr euch sicher fragen, warum ein Test zur Nintendo Switch-Umsetzung von Star Wars: Knights of the Old Republic ausgerechnet mit Mass Effect anfängt. Der Grund ist ganz leicht: Knights of the Old Republic (oder kurz: KotOR) gilt gemeinhin als geistiger Vorgänger des Epos rund um Commander Shepard und seine Crew. Viele der Spielmechaniken und Aspekte, für die Mass Effect völlig zureicht gefeiert wird, implementierte BioWare zum ersten mal in dieser Form in KotOR. Seit dem 11. Novemveber ist dieser Rollenspiel-Meilenstein jetzt für Nintendos Hybridkonsole erhältlich. Wie sich der Klassiker auf der Hardware schlägt und ob sich der Ausflug in eine weit entfernte Galaxis vor langer, langer Zeit auch heute noch lohnt, klären wir in unserem Testbericht.


Die Alte Republik steht am Scheideweg – und ihr bestimmt das Schicksal der Galaxis


KotOR spielt viertausend Jahre vor den Klonkriegen und dem Aufstieg des Galaktischen Imperiums. Die bekannten Teile der Galaxie sind allesamt Teil der Alten Republik, einem Zusammenschluss freier Systeme, der seit Jahrtausenden Bestand hat. Eine lange Phase des Friedens kommt zu einem abrupten Ende, als die Sith plötzlich zurückkehren. Unter Führung des Sith-Lord Revan und seinem Schüler Malak gelingt den Truppen der Sith ein empfindlicher Schlag gegen die Republik. Eine militärische Niederlage reiht sich an die andere und nur dank der Hilfe des Jedi-Ordens gelingt es den Streitkräften der Republik überhaupt, den Sith etwas entgegen zu setzen. In dieser Situation erwacht ihr als Rekrut an Bord eines republikanischen Kreuzers, der von der Sith-Flotte attackiert wird.


Zu Beginn des Abenteuer erstellt ihr in klassischer RPG-Manier euren Helden.

© Aspyr Media / Lucasfilm Ltd.

Der Grund für den Angriff ist die Anwesenheit von Bastila, einer mächtigen Jedi, die wegen einer Mission auf dem Schiff ist. Bastila verfügt über eine seltene Fähigkeit, die sogenannte Kampfmeditation, die ganze Armeen stärker machen und der Republik so einen strategischen Vorteil verschaffen kann. Der Angriff auf den Kreuzer führt zur Zerstörung des Schiffes. Nur dank eines republikanischen Piloten mit dem Namen Carth gelingt es euch, euch an Bord einer Rettungskapsel zu begeben und so dem sicheren Tod zu entkommen. Wie ihr kurz darauf feststellt, hat es auch Bastila geschafft, mit einer Kapsel zu entkommen. Genau wie die Jedi-Ritterin strandet ihr auf dem Planeten Taris, einem Handelsumschlagplatz, der von den Sith kontrolliert wird. Eure Mission ist kurz nach dem Erwachen klar: Ihr müsst Bastila finden und mit ihr zusammen vom Planeten entkommen.


Ausgehend von dem Absturz auf dem Planeten Taris entspinnt sich eine Geschichte, die euch durch die verschiedensten Winkel der Galaxis führt. Von der fantastischen Story des Spiels, die mit zu den besten der Videospiel-Gesichte gehört, soll an dieser Stelle nichts vorweg genommen werden. Nur so viel sei verraten: Im Verlauf der Handlung entdeckt natürlich auch euer Charakter seine Macht-Affinität und wird in einer Akademie des Jedi-Ordens auf dem Planeten Dantooine ausgebildet. Nach dieser Grundausbildung, in deren Verlauf ihr auch euer eigenes Lichtschwert herstellt, öffnet sich die Spielwelt und erlaubt es euch, mit eurem Schiff, der Ebon Hawk, verschiedene Planeten anzusteuern und so den Machenschaften des Sith-Lords Malak Einhalt zu gebieten.


Knights of the Old Republic ist im Kern ein klassisches gruppenbasiertes Rollenspiel. Ihr seid mit bis zu insgesamt drei Charakteren unterwegs, wobei ihr immer auf euren Hauptcharakter festgelegt seid. Daneben könnt ihr zwei Begleiter mitnehmen, die euch nicht nur im Kampf unterstützen, sondern auch euer Verhalten kommentieren und eigene Lösungsvorschläge unterbreiten. Damit wären wir schon bei einem zentralen Gameplay-Element des Titels, denn die Handlung von KotOR ist nicht linear angelegt, sondern erlaubt euch unterschiedliche Lösungswege. So könnt ihr Konfrontationen beispielsweise aus dem Weg gehen, indem ihr euer Gegenüber einschüchtert oder von eurer Meinung überzeugt. Daneben könnt ihr aber auch – je nach Gesinnung – zu eurem eigenen Vorteil oder im Sinne der Allgemeinheit handeln.


Die Galaktische Republik droht im Kampf gegen die Sith vernichtet zu werden.

© Aspyr Media / Lucasfilm Ltd.

Um zu große Spoiler zu vermeiden, sei eine Mission aus dem Startgebiet Taris als Beispiel angeführt. Früh im Spielverlauf kommt ihr an einer Krankenstation vorbei, in der Patienten behandelt werden, die von der sogenannten Rakghoul-Krankheit befallen sind. Die Krankheit entsteht durch Bisse der Rakghoul, die in den unteren Bezirken des Planeten heimisch sind. Der Leiter der medizinischen Station merkt an, dass vor der Besetzung von Taris durch die Sith ein Serum extrahiert werden konnte, das zur Heilung der Krankheit verwendet werden kann. Allerdings ist dieses Serum jetzt den Sith-Soldaten vorbehalten und wird nicht für die Bevölkerung bereitgestellt. Euch bieten sich nach Erhalt dieser Information zwei Möglichkeiten: Ihr könnt dem Leiter der Station das Serum bringen oder dieses alternativ auf dem Schwarzmarkt verkaufen und euch so persönlich bereichern.


Je nachdem, wie ihr euch verhaltet, reagieren eure Begleiter auf euch und werden euer Verhalten kritisch oder positiv kommentieren. Daneben ändert sich auch die Gesinnung eures Charakters. KotOR bedient sich eines Moralsystems, das euren Charakter der hellen oder dunklen Seite zuordnet. Unabhängig von der Spielerfahrung schaltet dieses System auch zusätzliche Jedi- oder Sith-Fähigkeiten frei. So müsst ihr beispielsweise genügend böse Aktionen ausführen, um die gefürchteten Machtblitze freizuschalten. Die Fähigkeiten der hellen Seite neutralisieren hingegen dunkle Machtkräfte und ermöglichen es euch, euch und eure Begleiter zu heilen. So haben eure Entscheidungen einen unmittelbaren Einfluss auf den Ablauf der Kämpfe im Spiel.


Das bietet uns einen guten Anlass, näher auf das Charakter- und Kampfsystem von KotOR einzugehen. Zu Beginn des Spiels habt ihr die Möglichkeit, zwischen insgesamt drei Charakterklassen zu wählen: Gauner, Späher und Soldat. Die drei Klassen stehen euch sowohl in einer männlichen als auch einer weiblichen Version zur Verfügung, wobei das Geschlecht sich nur auf das Aussehen eures Charakters auswirkt. Durch die Klassenwahl legt ihr nicht unmittelbar Attribute und Fähigkeiten fest, sondern bestimmte Vorteile eures Charakters. So müssen Gauner beispielsweise einige Punkte investieren, um ihre Überreden-Fähigkeit auszubauen. Späher bekommen hingegen einen Bonus auf ihre Computerfähigkeiten, während Soldaten besonders effektive Kämpfer sind. Grundsätzlich stehen euch zwei verschiedene Kampfstile zur Verfügung, der Fernkampf und der Nahkampf. Beide Kategorien sind intern noch einmal feingliedriger unterteilt. So verändern sich die Angriffswerte beispielsweise je nachdem, ob man in beiden Händen ein Item führt oder sich auf den Kampf mit einer Waffe spezialisiert. Eure Begleiter sind je nach Vorgeschichte ebenfalls auf einen Kampfstil festgelegt. Carth ist beispielsweise ein besonders geschickter Blaster-Schütze, während Bastila als Jedi natürlich mit dem Lichtschwert in den Kampf zieht.


Die Kämpfe laufen in Echtzeit ab, basieren aber auf einer rundenbasierten Mechanik.

© Aspyr Media / Lucasfilm Ltd.

Die Kämpfe in Knights of the Old Republic laufen in Echtzeit ab, sind aber im Hintergrund rundenbasiert. Ihr steuert grundsätzlich immer einen Charakter eurer dreiköpfigen Gruppe, könnt aber per Knopfdruck jederzeit frei zwischen den Teammitgliedern wechseln. Zwar könnt ihr eure Charaktere direkt an einen bestimmten Punkt in der Spielwelt steuern, grundsätzlich greift ihr aber indirekt durch Befehle in die Kämpfe ein. Eure Figuren greifen automatisiert an, besondere Fähigkeiten und Items wie ein Medikit könnt ihr manuell über eine Leiste in der unteren linken Ecke des Bildschirms ansteuern. Ihr könnt in der Nintendo Switch-Fassung des Spiels bis zu zwei Befehle hintereinander auswählen und in die Aktionsliste setzen. So bekommen die Kämpfe eine leicht taktische Komponente. Insgesamt muss man aber sagen, dass die Schwierigkeit der Kämpfe relativ moderat ist. Gerade in den ersten Arealen werdet ihr nur selten wirklich gefordert. Das ändert sich aber, sobald ihr mit Gegnern konfrontiert seid, die selbst über Machtfähigkeiten verfügen. Dann müsst ihr stärker darauf achten, welche Fähigkeiten ihr wann sinnvoll einsetzen könnt. Insgesamt machen die Kämpfe auch heute noch viel Spaß, auch wenn die rundenbasierte Mechanik für Neulinge auf den ersten Blick mit Sicherheit etwas altbacken wirkt.


Eine besondere Stärke von KotOR war schon zum Zeitpunkt des Erscheinens, dass BioWare versucht hat, den Spielfluss mit kleineren Renn- und Action-Passagen aufzulockern. So müsst ihr vereinzelt an Rennen teilnehmen oder mit Geschützen feindliche Schiffe abwehren. Diese kurzen Sequenzen sind spielerisch recht simpel gehalten, tragen aber gut zur Atmosphäre bei und geben einem das originale Star Wars-Gefühl, denn die Sequenzen sind ganz klar an ikonische Filmszenen angelehnt.


Bevor wir genauer auf die technische Umsetzung der Nintendo Switch-Version von KotOR eingehen, soll ein Punkt nicht unerwähnt bleiben. Knights of the Old Republic gilt gemeinhin als ein Höhepunkt der westlichen Rollenspiele. Neben der bereits gelobten Handlung rund um die Bedrohung durch die Sith, tragen dazu vor allem die unvergesslichen Charaktere bei, die ihr im Rahmen eurer knapp 30- bis 40-stündigen Reise an Bord der Ebon Hawk versammelt. Die Figuren zählen mit zu den kreativsten Videospiel-Charakteren überhaupt. Erwähnt sei hier exemplarisch der zynische Roboter HK-47, dessen wesentlicher Lebensinhalt darin besteht, alle organische Lebensformen vernichten zu wollen. Jedes eurer Crew-Mitglieder hat eine individuelle Vorgeschichte, die die eigenen Handlungen und Überzeugungen plausibel machen. Was eure Begleiter erlebt haben und was sie antreibt selbst in Gesprächen herauszufinden, macht einen großen Teil der Spielerfahrung von KotOR aus und das Spiel auch heute noch zu einer tollen und einzigartigen Erfahrung. Zumal KotOR viele der Star Wars-Konzepte – wie die Kultur des Jedi-Ordens und die Ziele der Sith – auf eine Weise dargestellt hat, die bis heute prägend ist.


KotOR lockert das Spielgeschehen immer wieder mit kleineren Action-Passagen auf.

© Aspyr Media / Lucasfilm Ltd.

Diese Reise macht – um das direkt vorweg zu nehmen – auch auf der Nintendo Switch einen guten Eindruck. KotOR wurde mittlerweile auf verschiedenste Plattformen portiert. Aspyr selbst hat den RPG-Klassiker zuvor beispielsweise für Android und iOS veröffentlicht. An diesen Fassungen scheint sich auch die Nintendo Switch-Version zu orientieren. So wirken bestimmte Anzeigefelder im Kampf größer als auf dem PC, wahrscheinlich, weil sie für die Touch-Optimierung auf den Mobile-Plattformen ausgelegt sind. Touch-Unterstützung bietet euch die Nintendo Switch-Fassung allerdings nicht, weshalb die großen Anzeigen teils etwas deplatziert wirken und gerade im Kampf störend groß ausfallen. Hier ist zu hoffen, dass Aspyr durch ein Update eine klassischere Ansicht nachreicht.


Abseits davon ist die Umsetzung aber gelungen. Das Spiel läuft mit einer variablen Bildwiederholrate von über 30 FPS, was insgesamt für ein flüssiges Spielgefühl sorgt. Daneben ist die Auflösung an die Möglichkeiten der Hardware angepasst worden, sodass ihr beispielsweise im Handheld-Modus auf die vollen 720p kommt. Positiv hervorzuheben ist, dass sowohl die fantastische englische als auch die solide deutsche Sprachausgabe enthalten sind. Allerdings könnt ihr diese nur über die Systemeinstellung eurer Konsole umstellen, was nicht so elegant gelöst ist. Insgesamt muss man sagen, dass KotOR trotz einer soliden Umsetzung für die Nintendo Switch sein Alter zeigt. Hier handelt es sich nicht um eine Remastered-Fassung, sondern einen recht originalgetreuen Port. Das zeigt sich insbesondere in den Bewegungsanimationen, die deutlich aus der Zeit gefallen wirken. Auch die Gesichtsanimationen wirken heute sperrig. Trotzdem ist das Spielgefühl des Klassikers auch heute noch intakt, was nicht zuletzt an der nach wie vor fantastischen Soundkulisse liegt.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Adis Selimi

Ein Spiel wie Star Wars: Knights of the Old Republic heute zu testen, ist ein kniffliges Unterfangen. Denn KotOR ist und bleibt ein absoluter Meilenstein des westlichen Rollenspielgenres. BioWare erreichte mit dem Titel eine Genialität, die das Unternehmen danach in Serien wie Mass Effect und Dragon Age auslebte. Viele der Konzepte und Mechaniken dieser großen Marken wurden in KotOR entwickelt. Etwas ketzerisch kann man sagen, dass Mass Effect im Grunde KotOR ohne die Star Wars-Lizenz ist. Wenn ihr BioWares moderne Marken also kennt und schätzt, solltet ihr hier unbedingt einen Blick riskieren. Aber generell ist die Reise mit der Ebon Hawk allen ans Herz zu legen, die Interesse an einer tollen Geschichte und erinnerungswürdigen Charakteren haben. Zwar muss man mit Blick auf die Technik die ein oder andere Einschränkung in Kauf nehmen, wenn man das fast 20 Jahre alte Spiel heute startet. Doch gerade im Handheld-Modus der Nintendo Switch fallen diese Einschränkungen weniger ins Gewicht und bieten ein nach wie vor tolles Erlebnis.
Mein persönliches Highlight: Die fantastisch geschriebenen Begleiter, die man im Verlauf seiner Reise um sich sammelt.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

3 User haben bereits bewertet

Kommentare 5

  • AlexWoppi

    Turmbaron

    Also läuft es viel besser als die GTA Trilogy! Schaut Rockstar, so geht es auch 8o

  • Cirno the strongest

    AlexWoppibeeindruckend leistung würde ich sagen grade weil ps2 ports nahezu unmöglich sind :troll: Scherz beiseite ich werd kotor definitv mal anschauen hab ich schon länger auf der liste nur hab ich das spiel immer nach hintek geschoben

  • nec3008

    Turmbaron

    Das wird bestimmt einige freuen, dass sie das Spiel jetzt überall spielen können oder es überhaupt erst nachholen können.

    Ein großer Teil wird jetzt aber bestimmt auch erstmal auf das Remake warten.

  • Darkseico

    Turmbaron

    Danke für den tollen Test. :)

    nec3008

    Denke die kotOR schon kennen warten auf das Remake, aber für andere wäre dann die Frage, wie lange wollen die warten?:D

    Das Spiel wird nicht vor 2023 bzw irgendwann 2024 erscheinen wenn alles gut geht. :S

  • RobinNyan

    News Hunter

    Find's persönlich schade, dass eine Instabile Framerate, die sich nicht entscheiden kann ob 30 oder 60, als flüssig dargestellt wird :/