Ein Spiel, das verbindet

Fans von Rollenspielen werden möglicherweise schon einmal vom Atelier-Franchise gehört haben. Die langjährige Videospielserie von Koei Tecmo feiert nächsten Mai ihren 25. Geburtstag und erlebt dank neugewonnener Popularität gerade einen zweiten Frühling. Gewiss gilt die Marke als Aushängeschild von Gust, dem dahinterstehenden Entwicklerstudio. Nichtsdestotrotz wagen sich die kreativen Köpfe hin und wieder auch an etwas völlig Anderes. So kam Blue Reflection zustande, ein 2017 veröffentlichtes Rollenspiel, welches die Beziehung zwischen Mädchen und ihre Entwicklung als Person erforscht.


Nun, wenige Jahre später, sind Koei Tecmo und Gust bereit, der noch jungen Marke einen zweiten Anlauf zu geben. Die Hoffnungen sind groß, Blue Reflection zur vollwertigen Multimedia-IP werden zu lassen. Zuvor im Jahr wurde mit Blue Reflection Ray eine Anime-Adaption mit zwei Staffeln ausgestrahlt. In der Zukunft soll ein Mobile-Spiel namens Blue Reflection Sun herauskommen. Verbunden werden sollen all diese Geschichten durch Blue Reflection: Second Light – oder wie es treffenderweise in Japan genannt wird: Blue Reflection Tie. Wir haben uns tiefgehend mit dem Titel befasst und wollen ihn euch mit diesem Test näherbringen.


Ein unvergesslicher Sommer


Für Ao Hoshizaki hätte es ein weiterer stinknormaler Tag werden können. Die japanische Oberschülerin befand sich gerade auf dem Weg zum Nachhilfeunterricht, als sie eine seltsame Nachricht auf ihrem Smartphone entdeckt und urplötzlich in eine andere Welt transportiert wird. Als Schauplatz dieser fremden Dimension dient eine verlassene Schule – umrundet von nichts als Meer. Hier trifft sie auf drei andere Mädchen, welche auf dieser mysteriösen Insel feststecken, sich mit Ausnahme ihrer Namen aber nicht an ihre Vergangenheit erinnern können. Die Gruppe entschließt sich, gemeinsam einen Weg zurück nach Hause zu finden, wo auch immer das sein mag.


Die Sommerferien hat sich Protagonistin Ao sicher anders vorgestellt. Was hat es mit dieser mysteriösen Welt nur auf sich?

© Koei Tecmo Games Co., Ltd. / Exnoa LLC / AASA

Es dauert nicht lange nach der Ankunft von Ao, bis sogenannte „Heartscape“-Bereiche auftauchen, die mit der Schule verbunden sind. Sie stellen die Dungeons von Blue Reflection: Second Light dar. Neugierig begibt sich die Mädelsbande in das unerforschte Gebiet und stellt fest, dass Heartscapes allem Anschein nach durch Erinnerungen und Emotionen einer Person entstehen. Die menschliche Psyche ist ein wirres Konstrukt und so erscheinen auch die Heartscape-Umgebungen übernatürlich, bedrohlich und unberechenbar. Hier lauern Dämonen, welche sich aus den bleibenden Gefühlen dieser Person manifestiert haben und nun über diese mysteriösen Lande wachen.


Die Truppe ist sich einig: Um die Geheimnisse dieser Welt lösen zu können, wird es von Vorteil sein, die Erinnerungen der Mädchen wiederherzustellen. Nur so kommen sie auf die Spur, was sich wirklich ereignet hat, bevor sie an diesem traumähnlichen Ort aufgewacht sind. Dafür müssen alle an einem Strang ziehen. Es gilt, die Heartscapes zu erkunden; allerhand Monster plattzumachen; Items und Materialien zu besorgen und irgendwie an dieser einsamen Schule zu überleben. Am Ende des Tages möchte man schließlich auch etwas auf dem Teller haben – oder irgendwo entspannen können.


Nach diesem groben Überblick des Spielinhalts schauen wir uns nun einmal genauer an, woraus das Gameplay von Blue Reflection: Second Light besteht. Dieses lässt sich grundlegend in zwei unterschiedliche Phasen einteilen, welche jeweils mit eigenen tief reichenden Mechaniken ausgestattet sind. Zum einen gibt es das gemütliche Leben in der Schule, zum anderen die gefährliche Reise durch die Heartscapes. Beide Phasen bauen aufeinander auf und ergänzen sich gegenseitig, wodurch ein natürlicher, äußerst spaßiger Loop entsteht.


Mädchen unter sich


Die Schule steht unweigerlich im Zentrum des Abenteuers. Hier kommen alle Figuren zusammen, lernen sich gegenseitig kennen und wachsen an gemeinsamen Interessen und Herausforderungen. Der Schauplatz ist in erster Linie funktionell und beherbergt alle wichtigen Funktionen und Aktivitäten, die euch im Spiel zur Verfügung stehen. Dabei ist es euch überlassen, ob ihr euch als Ao frei über das Schulgelände bewegt und zu den Interaktionspunkten hinlauft, oder ob ihr diese schlicht über ein Menü auswählt.


Das Mittagessen ist gesichert, aber Ao wundert sich, welche exotischen Zutaten wohl im Topf gelandet sind.

© Koei Tecmo Games Co., Ltd. / Exnoa LLC / AASA

Das Erkunden bietet den Vorteil, hier und da einzelne Items finden zu können, welche langfristig aber kaum von Belang sind. Deutlich reizender war es für mich stattdessen, den Alltag der Gruppe und das Leben in dieser rätselhaften Welt zu verfolgen. Jede Figur geht ihrer eigenen Routine nach und kann zu verschiedenen Zeiten bei diversen Aktivitäten beobachtet werden. Dies reicht von Fensterputzen und Blumengießen bis hin zu Kochen oder einer Lesestunde in der Bibliothek. Dass dieser verlassene Ort doch mit so viel Leben gefüllt werden konnte, kam überraschend.


Dazu tragt ihr als Spieler auch maßgeblich bei. All die sonderbaren Materialien, die ihr auf eurer Exkursion in ein Heartscape aufsammelt, lassen sich durch das Crafting-System vielfältig verarbeiten. Ein Aspekt davon ist das Zubereiten von Speisen, welche in- und außerhalb von Kämpfen als Item eingesetzt werden können. Hierbei haben wir es mit üblicher Rollenspielkost zu tun. Manche Items sind zum Heilen da, andere stärken euch oder schwächen den Gegner. Die Auswahl eurer Köchinnen entscheidet jedoch über die Qualität des Endprodukts. Es gilt also, verschiedene Kombinationen auszuprobieren und Charakteren möglichst hilfreiche Crafting-Fähigkeiten beizubringen.


Ein anderer Aspekt des Crafting-Systems ist die Konstruktion von Einrichtungen. Figuren werden euch im Handlungsverlauf immer wieder neue Vorschläge machen, um das Schulgelände etwas heimeliger und abwechslungsreicher zu gestalten. Eine Strandbar oder Sonnenliegen auf dem Schulhof mögen zwar etwas albern wirken, aber es ist der Gedanke, der zählt. Diese Locations werden sich schnell zu einem beliebten Treffpunkt unter den hier gestrandeten Mädels entwickeln und sie dazu ermutigen, im Kampf ihr Bestes zu geben. Jede Einrichtung kommt mit passiven Verstärkungen für eure Figuren daher und kann als Set mit anderen Einrichtungen sogar noch größere Werteboni verleihen. Auch hier ist Experimentieren und Verbessern das A und O.


Die Kraft der Freundschaft


Ein wesentlicher Bestandteil von Blue Reflection: Second Light ist es, Freundschaften zu knüpfen und die Bande zwischen den Mädchen zu stärken. Indem sie Seite an Seite gegen Monster kämpfen und in der Schule Zeit miteinander verbringen, kommen sich die Charaktere näher und öffnen sich einander. Das bringt auch spielerische Vorteile, so beruhen einige Spielmechaniken darauf, einen guten Draht zu pflegen. Die Gespräche, in denen sich die Figuren gegenseitig ihr Herz ausschütten, zählen zu meinen liebsten Dialogen im Spiel, so zeigen sie die verschiedenen liebenswerten Seiten des Casts am besten.


Einrichtungen bereichern nicht nur Schulgelände und Freizeitmöglichkeiten, sondern geben den Mädchen auch Anlass, über sich selbst zu sprechen.

© Koei Tecmo Games Co., Ltd. / Exnoa LLC / AASA

Ist die Beziehung zwischen Ao und einer anderen Figur ausreichend fortgeschritten, kann sie auf ein Date eingeladen werden. Dabei lauft ihr gemeinsam durch das Schulgelände zum vereinbarten Zielort, wo ihr schließlich einem lustigen oder sentimentalen Austausch beiwohnt. Hier könnt ihr an verschiedenen Stellen auswählen, wie Ao antworten oder reagieren soll und so den Gesprächsverlauf bestimmen. Größere Auswirkungen scheinen die Dialogoptionen zwar nicht zu haben, aber es ist schön, dass man Einfluss auf die Charakterisierung von Ao haben kann. Kommt ihr auf dem Weg an bestimmten Stellen vorbei, könnt ihr euch außerdem auf zusätzliches Wortgeplänkel einstellen. Herzallerliebst!


Die Beziehung zu anderen Personen zu stärken bedeutet, Talentpunkte zu sammeln, welche letztlich den Talentlevel eines Charakters erhöhen. Im Talentmenü lässt sich einsehen, welche Talente mit den aktuell angesammelten Punkten und dem bislang erreichten Level freischaltbar sind. Die hier angebotenen Möglichkeiten reichen von neuen Fähigkeiten für den Kampf oder fürs Crafting bis hin zu permanenten Werteverbesserungen oder zusätzlichen Fragment-Plätzen. Talente können nicht vergessen und ausgegebene Talentpunkte somit nicht zurückerstattet werden. Eure Entscheidungen wollen also wohlüberlegt sein. Auch wenn sich im Spielverlauf ausreichend Gelegenheiten ergeben, weitere Talentpunkte zu sammeln.


Neben Einrichtungen und Talenten sind Fragmente die dritte Mechanik im Bunde, mit der sich Charaktere verbessern lassen. Ihr erhaltet ein Fragment nach jedem abgeschlossenen Date – sozusagen als manifestierte Erinnerung an euer Treffen. Die verliehenen Effekte reichen von Werteverbesserungen bis zu Fähigkeiten für den Kampf. Jede Figur verfügt standardmäßig über drei Fragment-Plätze, wobei die Anzahl durch Talente erhöht werden kann. Da sich Fragmente jederzeit ausrüsten und wieder ablegen lassen, braucht ihr nicht lange fackeln und könnt neue Herangehensweisen einfach einmal ausprobieren. So wird sich euch bald erschließen, welcher Effekt zu welcher Kämpferin passt.


Der Blick ins Herz


Jetzt geht es ans Eingemachte: Lasst uns über die Heartscapes sprechen! Wenn die Schule die Oberwelt darstellt, so sind die Heartscapes die Level von Blue Reflection: Second Light. Nach bestimmten Ereignissen in der Handlung tauchen diese überirdischen Szenerien auf und bergen die Erinnerungen von einem Mädchen aus eurem Kreis. Sie zeigen das Innere des Herzens auf kunstvolle Art und Weise: Die Landschaft als ein Spiegelbild der persönlichen Geschichte und emotionalen Lage, vor allen Dingen von Leid und Sorge. Gepaart mit den brillanten Musikstücken, die sich irgendwo zwischen melancholisch und träumerisch einordnen, wird hier eine solch ergreifende, fast schon hypnotisierende Stimmung erzeugt, wie ich sie selten erlebt habe.


Beim Erkunden tauchen immer wieder Erinnerungsfragmente in der Umgebung auf. Diese können auch schon einmal auf eine falsche Fährte führen...

© Koei Tecmo Games Co., Ltd. / Exnoa LLC / AASA

Innerhalb der Grenzen eines Heartscape-Areals könnt ihr euch frei bewegen. Die Umgebungen sind nicht unbedingt schlauchig, bieten aber auch nicht viel Raum für Erkundung. Euer Ziel und der Weg dorthin sind eigentlich immer vorgegeben. Abseits davon findet sich der ein oder andere optionale Bereich, wo ein Erinnerungssplitter oder andere Sammelgegenstände gefunden werden können. Das ist also vor allem für 100-Prozent-Jäger interessant. Auf spielerischer Ebene lässt das Umgebungsdesign allgemein jedoch zu wünschen übrig. Rätsel – wenn man sie denn überhaupt so nennen kann – sind rar gesät, wesentliche Interaktionsmöglichkeiten sucht man vergeblich. Scheinbar offene Bereiche werden durch unsichtbare Wände limitiert und das Terrain so unnötig zerstückelt.


Wie viele andere Rollenspiele setzt Blue Reflection: Second Light auf „Symbol Encounters“. Im Gegensatz zu Zufallsbegegnungen seht ihr eure Gegner also in der Spielwelt und eröffnet den Kampf bei Kontakt. Drückt ihr den B-Knopf, geht Ao in den „Search Mode“ über und bewegt sich geduckt auf leisen Sohlen fort. In diesem Zustand könnt ihr das Blickfeld von Gegnern sehen. Erspäht euch einer, nimmt er die Jagd auf. Schwingt ihr eure Waffe mit dem Y-Knopf und trefft das Monster, bekommt ihr einen Vorteil zum Kampfbeginn. Tut ihr dies, während ihr euch unbemerkt von hinten an einen Gegner heranschleicht, wird zusätzlich seine Verteidigung geschwächt.


Das Kampfsystem orientiert sich im Kern an der klassischen Rollenspielformel, erweitert diese jedoch um diverse Echtzeit-Action-Elemente. Über Zeit sammeln die Figuren „Ether Points“ (ep) an, die für den Einsatz von Techniken benötigt werden. Prinzipiell ist es das Ziel, so schnell wie möglich Äther zu gewinnen, um möglichst rasch Aktionen ausführen zu können. Nach ihrem Einsatz sorgen die meisten Techniken für einen beschleunigten Äthergewinn, manche speziellen Techniken verlangsamen ihn stattdessen. Üblicherweise beginnen eure Figuren mit einem Ätherlimit von eintausend. Wie viel Äther einer Figur zur Verfügung steht und wie schnell sie diesen gewinnt, lässt sich ganz einfach anhand einer Zeitleiste ablesen.


Kämpfe sind schick inszeniert und der Kampfbildschirm nicht überladen. Hier seht ihr die „Magical Girl“-Verwandlung in Aktion.

© Koei Tecmo Games Co., Ltd. / Exnoa LLC / AASA

Hat die Geschwindigkeit, in der eine Figur Äther sammelt, ein bestimmtes Level erreicht, schaltet sie in den nächsten Gang und erhöht das Ätherlimit um weitere eintausend Punkte. Je höher der Gang, desto mehr Techniken stehen einer Figur im Kampf zur Auswahl. Techniken aus vorherigen Gängen werden dabei außerdem verstärkt. Sobald ihr den zweiten Gang erreicht habt, werden Kämpfe weitaus strategischer. Dann muss überlegt werden: Nutzt ihr die eine Technik für 1.500 ep oder wartet ihr noch etwas länger und setzt dann zwei Techniken für je 1.000 ep ein? Könnt ihr es euch überhaupt leisten, länger zu warten, oder braucht ein Partymitglied sofort Unterstützung?


Erreicht eine der Mitstreiterinnen den dritten Gang, aktiviert sich ihre Reflector-Form. Durch die Kraft von Gefühlen ändert sie ihr Aussehen und kann Gegnern nun mächtig zusetzen. Ein wichtiger Bestandteil des Kampfsystems ist es, eure Kontrahenten mit Angriffen zu bombardieren und so eine Kombo aufzubauen. Je höher der Zähler, desto mehr Schaden teilt ihr mit einzelnen Techniken aus. Umso besser ist es, wenn ihr die Schwächen eures Gegenübers ausnutzt. Drückt ihr im Kampf den Plus-Knopf, erscheint ein Analysebildschirm, welcher über aktive Effekte und über die Wirksamkeit der fünf Techniktypen aufklärt.


Ein Problem von Blue Reflection: Second Light ist die Gegnervielfalt. Während ihr euch durch einen Dungeon bahnt, werdet ihr nur einer Handvoll verschiedener Dämonenarten begegnen. Noch dazu scheinen sich diese ungern zu mischen. So findet sich in der Aufstellung von Gegnergruppen kaum Variation. Daraus folgt, dass Kämpfe gegen gewöhnliche Gegner meist zu schnell vorbei sind und wenig taktisches Kalkül erfordern. Bei zunehmendem Spielfortschritt könnte man es keinem verübeln, dies stellenweise als repetitiven Grind zu bezeichnen.


Hinten wartet ein Bossgegner auf mich. Ich bin aber damit beschäftigt, mich an der wunderschönen Umgebung zu ergötzen.

© Koei Tecmo Games Co., Ltd. / Exnoa LLC / AASA

Das Kampfsystem kann dann glänzen, wenn man in lange, intensive Auseinandersetzungen verwickelt ist. Dies ist der Fall, wenn ihr euch den optionalen, deutlich anspruchsvolleren Gegnern stellt, welche sich durch eine lila Aura zu erkennen geben, oder wenn ihr es mit einem Bossgegner zu tun bekommt. Dann nehmen die Kämpfe erst so richtig Fahrt auf und ihr erhaltet die Chance, von eurem vollen Fähigkeiten-Repertoire Gebrauch zu machen, – etwa von der „Knockdown“-Mechanik, welche Gegner kurzzeitig außer Gefecht setzt, oder den adrenalingeladenen 1-vs-1-Kämpfen bei Bossen.


Ein weiteres Beispiel dafür ist das Unterstützungssystem: Neben den drei aktiven Mitstreiterinnen, die sich am Kampf beteiligen, gibt es noch einen zusätzlichen Charakter, der aus dem Hintergrund mithilft. Jede Figur kann als Unterstützer der Party festgelegt werden und verfügt über eigene Support-Fähigkeiten. Diese werden vom Unterstützer in gewissen Intervallen automatisch eingesetzt. Ein visueller Indikator dafür ist der „Order Ring“ links im Kampfbildschirm. Im Laufe eines Gefechts füllt sich diese Anzeige selbstständig und gibt so den zeitlichen Fortschritt an. Support-Fähigkeiten besitzen unterschiedliche Effekte, Bedingungen und Abklingzeiten, hier bietet sich für Enthusiasten von tiefgreifenden Kampfmechaniken also reichlich Raum zum Experimentieren.


Für all diejenigen, die mehr aus den Dungeons rausholen wollen, sind Nebenquests verfügbar. Ao wird im Spielverlauf immer wieder um verschiedene Erledigungen gebeten: Mal braucht es Zutaten oder Materialien; mal sollen bestimmte Gegner(mengen) beseitigt werden; mal wird es etwas komplizierter und Ao muss eine Stealth-Mission durchlaufen. In meiner Zeit mit dem Spiel habe ich nie eine Nebenquest ausgeschlagen, da sie eine prima Möglichkeit darstellen, in alte Gebiete zurückzukehren und Verpasstes nachzuholen. Manche Heartscape-Bereiche lassen sich beim ersten Besuch sogar gar nicht betreten und erfordern etwas Backtracking zu einem späteren Zeitpunkt. Nebenquests bescheren euch zudem reichlich Talentpunkte und sind daher immer lohnenswert.


Wo war noch gleich meine Brille...?


Wenn ihr euch jetzt fragt „Was waren noch mal Talentpunkte?“ oder „Wie soll ich mir das alles bloß merken?“, dann kann ich Entwarnung geben. Blue Reflection: Second Light führt all seine Mechaniken in einem bedachten Tempo ein. Ihr lernt alle wesentlichen Mechaniken im Laufe der ersten zehn Stunden und könnt euch im Grunde so viel Zeit lassen, wie ihr wollt. Es gibt keine Zeitlimits und keine Strafen.


Ich könnte wahrscheinlich Stunden damit füllen, mich durch die vielen sorgfältig angelegten Einträge im Spiel zu lesen.

© Koei Tecmo Games Co., Ltd. / Exnoa LLC / AASA

Und wenn ihr dann einmal nicht weiterwisst, müsst ihr nicht sofort eine Google-Suche bemühen, sondern könnt euch in den verschiedenen Menüs des Spiels schlaumachen. Die sehen nämlich nicht nur außerordentlich schick und stilsicher aus, sondern sind auch aufgeräumt und hilfreich. Der Großteil der umfangreichen spieleigenen Datenbank kommt sogar mit charmanten Texten daher, die aus der Perspektive der Charaktere geschrieben wurden. Das hat mir besonders imponiert und mir einmal mehr bewiesen, dass das Spiel mit viel Liebe gemacht wurde.


Umso mehr ärgert es mich, dass die Nintendo Switch nicht die beste Plattform ist, um Blue Reflection: Second Light zu erleben. Während meiner Zeit mit dem Spiel sind mir diverse optische und technische Defizite untergekommen, darunter eine niedrige Auflösung, durch welche feine Details verloren gehen; unscharfe Texturen und Umgebungsdetails; grobe Schatten, die unter Treppchenbildung leiden; ein äußerst unglücklicher Fall von Pop-In, selbst in kleinen Bereichen wie der Schule oder im Vergleich zu anderen Plattformen lange Lade- und Wartezeiten. All diese Unannehmlichkeiten haben sich zwar nicht gravierend auf meinen Spielgenuss ausgewirkt, zeigen aber, das hier besser hätte poliert werden können.


Als ein einschneidendes Problem erachte ich jedoch die in manchen Fällen nicht optimierte und zu klein geratene Darstellung von Bildschirmtexten, weshalb ich dies gesondert hervorheben möchte. Für die spieleigene „FreeSpace“-Messenger-App wäre es etwa nötig gewesen, die Textgröße an den Handheld- beziehungsweise an den TV-Modus der Konsole anzupassen. Manche wird es enttäuschen, dass der Titel ausschließlich in die englische Sprache übersetzt wurde, die Lokalisierung ist allerdings gut gelungen und dürfte für Nicht-Muttersprachler nicht schwierig zu verstehen sein. Bei der Sprachausgabe setzt man auf japanische Stimmen – authentisch und stets von hoher Qualität. Mein Favorit ist Emiri Suyama als Shiho.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Daniel Kania

Vom ersten Moment an war ich ergriffen von den melancholischen Klängen, den malerischen Landschaften und den einfühlsamen Geschichten in Blue Reflection: Second Light. Das neue Rollenspiel der Atelier-Macher baut auf dem Fundament des 2017 herausgebrachten Erstlings auf und scheut sich nicht davor, die Formel sinnvoll weiterzuentwickeln. Dazu gehört ein rundum überarbeitetes und innovatives Kampfsystem sowie zahlreiche tief ineinander verflochtene Gameplay-Mechaniken, die diesen Titel zum wahren Leckerbissen für RPG-Fans machen. Aufgrund der Natur des Spielinhalts – der Schwerpunkt liegt auf „Slice of Life“ und „Magical Girls“ – wird das Abenteuer zwar nicht jeden ansprechen, solltet ihr jedoch diese Nische mögen, dann kann hier beherzt zugegriffen werden. Aufgrund von optischen und technischen Mängeln sollte die Nintendo Switch-Version jedoch nicht eure erste Wahl sein.
Mein persönliches Highlight: Egal, ob die mysteriösen, wehmütigen Klänge im Heartscape oder die dynamischen, mitreißenden Musikstücke in den Kämpfen – dieser Soundtrack wird mir lange im Gedächtnis bleiben.

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Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 11

  • Lando

    Calrissian

    Die schlechte Auflösung, vor allem im Handheld-Modus, ist mir ebenfalls aufgefallen. Auch die blassen Texturen, wodurch vor allem die Augen der Protagonistinnen sehr leblos wirken. Immerhin ist die Performance gut, zumindest hatte ich hier keine Probleme. Ich würde das Game aber ebenfalls auf PC oder PS4 empfehlen, wer es nicht unbedingt für unterwegs braucht.

  • Aoi

    Hübsch.

    Die Atelier Reihe is mir zu Fan-Servic-ey...


    Das hier sieht aber recht i.O. aus.

    Irgendwann geb ich mir nochmal son Spiel.


    Ansonsten gibts ja dann noch so Klassiker wie "The Misantrophic Girl"

    Wooo 😂

  • Rob64 Gaming

    Turmheld

    Die Demo war super und hat Bock auf mehr gemacht. Nur die DLC Politik hält mich ab das Game zu kaufen.

  • EdenGazier

    Prinzipal der Spiele

    Rob64 Gaming


    Das muss es nicht, da die kein Content flöten geht.


    Grundsätzlich sind sie nur Kosmetischer Natur

  • Daniel Kania

    Dösendes Obst

    Rob64 Gaming DLC-Politik darf man natürlich kritisch beäugen. Aktuell beschränken sich die DLCs, wie EdenGazier schon schrieb, vorrangig auf kosmetischen Extras. Das wird aber nicht immer so sein, da ein Season Pass mit wesentlicheren Inhalten schon auf dem Weg ist.


    Ich finde die "Dann kauf ichs einfach nicht"-Kommunikation seitens Konsumenten aber immer etwas schwierig. Damit sagt man dem Publisher zwar, dass etwas nicht stimmt, aber nicht konkret, was genau. Das mindert die Chancen, dass sich etwas daran ändert. Spieler und Publisher sollten besser den direkten Kontakt suchen.


    Wenn man aber am "Ich spreche durch mein Kaufverhalten" festhalten möchte, finde ich es in diesem Fall nicht verkehrt, einfach das Hauptspiel, nicht aber die DLCs zu erwerben. Dadurch äußert man ein Desinteresse am Zusatzinhalt oder Probleme mit der Politik. Wenn dir die Demo Spaß gemacht hat, dann lass es dir nicht entgehen. :)

  • BANJOKONG

    Frieden!

    Ich müßte vorher neo twewy, ni no kuni 2, trails of cold steel 3, atelier ryza 2 beenden (oh man:sweat:)

  • sandtigerhai

    Turmbaron

    Ich hatte schon ein Auge auf den Titel geworfen und der Test hat mich nun neugierig gemacht. Wird erstmal auf die Wunschliste gepackt und iiiiiiiirgendwann, wenn das RL mir wieder mehr Zeit zum Spielen einräumt nachgeholt.

    Aber eine Frage stellt sich: muss man den Vorgänger kennen um Spaß mit dem Titel zu haben?

  • Daniel Kania

    Dösendes Obst

    sandtigerhai Freut mich, dass ich dein Interesse wecken konnte! :)


    Ich würde behaupten, dass es nicht notwendig ist, Vorwissen zu haben. Hatte ich auch nicht und konnte alles genießen.


    Im Spiel tauchen Figuren aus anderen Blue Reflection-Storys auf (erster Teil oder Anime), was man wohl mehr wertschätzen könnte, wenn man ihren Ursprung kennt. Da alle jedoch an Amnesie leiden, lernt man ihre Vergangenheit auch nochmal im Laufe der Geschichte kennen. Das war für mich mehr als ausreichend.

  • VegetaBln

    Turmheld

    Ist das noch aktuell, dass die Performance schlecht ist oder wurde das per Patch verbessert?

  • Daniel Kania

    Dösendes Obst

    VegetaBln Hey, danke für dein Interesse selbst so lange nach der Veröffentlichung! :) Zwischenzeitlich kamen eine Handvoll Patches, die möglicherweise Feinheiten angepasst haben, die Patchnotes geben allerdings nur Bugfixes her, weshalb ich keine allzu großen Verbesserungen in Optik/Technik vermuten würde. Alle Updates zum Spiel lassen sich auf der offiziellen Webseite nachlesen.

  • VegetaBln

    Turmheld

    Daniel Kania Vielen lieben Dank für die Rückmeldung 🙂