Der Höllentrip geht in die letzte Runde

Alles hat einmal ein Ende und im Falle von The Binding of Isaac war dieser Zeitpunkt Ende März dieses Jahres gekommen. Seine Anfänge hatte der Rogue-lite-Titel bereits im Jahr 2011 und heute, über zehn Jahre später, feiert die letzte Erweiterung, die auf den Namen Repentance hört, endlich auch ihr Debüt auf der Nintendo Switch. Dabei kam das Spiel, das bereits einige Monate zuvor für den PC erschienen ist, gar nicht so gut bei der Community an und sorgte zeitweise auch für eine kleine Spaltung innerhalb der Fangemeinde. Im folgenden Test möchte ich euch näherbringen, wieso The Binding of Isaac: Repentance trotzdem der beste und würdigste Abschluss des Titels ist und wieso ihm kleine technische Mängel den Aufstieg zur absoluten Höchstwertung verbauen.


Die neuen Bosse haben es teils ziemlich in sich.

© Nicalis

Da es sich bei Repentance um eine Erweiterung von The Binding of Isaac handelt, die jedoch im Laufe des nächsten Jahres ebenfalls als physische Version in den Handel kommen wird, sei die Prämisse des Spiels hier nur ganz kurz angerissen: Isaac lebt mit seiner Mutter, die den lieben, langen Tag vor dem Fernseher sitzt und Bibel-Sendungen schaut, allein in einem kleinen Haus. Eines Tages erhält die Mutter eine Vision, in der Gott zu ihr spricht und sie damit beauftragt, ihren Jüngsten zu opfern. Panisch flieht Isaac in die Tiefen des Kellers, wo er sich nun gegen allerlei seltsame Wesen zur Wehr setzen muss, um sich am Ende seiner Mutter zu stellen. Was das Spiel damals wie heute ausgemacht hat, sind die teils starken Verbindungen zur biblischen Mythologie; nicht nur ist die zugrundeliegende Handlung angelehnt an die Geschichte von Abraham und seinen Sohn Isaak, auch im restlichen Spiel lassen sich unzählige biblische und kirchliche Elemente finden. Diese schlagen jedoch einen recht düsteren Ton an und im Laufe der Jahre kamen immer mehr alt- wie auch neutestamentliche Bezüge dazu, die dem Spiel einen recht finsteren Anstrich verpassten. In Repentance bekommt die Geschichte rund um Isaac endlich ihr glorreiches Finale spendiert, welches von den Entwicklern ganz gut gelöst wurde und das ich natürlich an dieser Stelle nicht weiter verraten möchte. Nur so viel sei gesagt: Die letzten Puzzlestücke rund um Isaac, seine Mutter, seinen Vater, der die Familie verlassen hat, sowie die Frage, ob es sich bei all den Geschehnissen im Spiel um einen Fiebertraum oder sonstige Visionen handelt, werden adressiert und beantwortet.


Spielerisch hat sich auch einiges getan und wenn man es ganz genau nehmen möchte, so könnte man die letzte Erweiterung als ein The Binding of Isaac 1.9 bezeichnen. Denn neben der abschließenden Handlung bietet euch Repentance zwei komplett neue Routen, durch die ihr ans Ende des Spiels gelangen könnt. So verschlägt es euch in die Abwasserkanäle des Hauses, in einen verlassenen Minenschacht sowie in ein Mausoleum an dessen Ende euch … aber wir wollen ja nicht zu viel spoilern. Die neuen Gebiete kommen allesamt originell daher und bringen teils auch komplett neue Mechaniken mit sich. Denn um die zweite der beiden neuen Routen begehen zu können, müsst ihr teils kleine Puzzles lösen oder auch mal in einer Runner-Sequenz vor einem unbesiegbaren Gegner fliehen, während ihr euch unter Zeitdruck mit Bomben den Weg freisprengt. Dadurch wirken die neuen Gebiete deutlich frischer und abwechslungsreicher als es noch bei Afterbirth+ der Fall gewesen ist und die Tatsache, dass ihr oftmals erst herausfinden müsst, wie ihr die Türen zu manchen Leveln öffnen könnt, garantiert einen zusätzlichen Wiederspielwert des eh schon süchtigmachenden Prinzips.


Die neuen Gebiete warten mit einigen frischen Effekten auf.

© Nicalis

Am eigentlichen Spielprinzip hat sich nämlich recht wenig getan. Ihr kämpft euch mit einem von vielen Charakteren von der ersten Ebene an immer weiter in die Tiefe, schlagt euch dabei mit verschiedenen Monstrositäten und Abnormalitäten herum, sammelt passive oder aktive Gegenstände auf und tretet verschiedenen Bossgegnern gegenüber. Dabei schaltet ihr, ganz nach dem klassischen Rogue-lite-Prinzip stets neue Gegenstände oder Level frei, die ihr in zukünftigen Durchgängen nutzen könnt, um zum Ziel zu gelangen. Repentance fügt dem Spiel 130 weitere Gegenstände hinzu, wodurch man, laut Hersteller, auf eine Gesamtzahl von über 700 Gegenstände kommt, die man im Spiel nutzen kann. Zusätzlich dazu wurden dem Spiel 19 neue Charaktere hinzugefügt. Wer nun aber beim Starten des Spiels stutzt und sich denkt „Nanu, da sind doch nur zwei Schloss-Symbole, die neue Charaktere symbolisieren, was redet der McHugh da?!“, dem sei gesagt, dass es mit Bethany und Jacob und Esau nur zwei komplett neue Charaktere gibt. Die übrigen 17 Stück stellen die sogenannten „Verdorbenen“ dar – alternative Versionen der bereits bestehenden Charaktere, die jedoch allesamt mit ihren eigenen Fähigkeiten und Mechaniken daherkommen und so auch einige Neuheiten wie ein Crafting-System mit ins Spiel bringen, die allerdings auch erst einmal freigeschaltet werden wollen. Insgesamt kommt ihr damit auf 34 Charaktere, mit denen ihr weitere Gegenstände freischalten und euch den Herausforderungen stellen könnt.


Und genau diese teils gravierenden Änderungen und Erweiterungen waren bei Erscheinen der PC-Version für viele ein Grund der Verstimmung. Denn Repentance hat einige bekannte Taktiken und Synergien komplett aufgewirbelt und beinahe obsolet gemacht. Viele der neuen Items können nämlich die gewohnte Spielweise gehörig durcheinanderbringen, so in etwa wenn ihr plötzlich mit Steinen durch die Gegend schleudert oder mithilfe von Teleportation durch den Level springt. Zudem wurden auch einige alte Gegenstände hinsichtlich ihrer passiven oder aktiven Boni verändert und teils entschärft oder um weitere Funktionen erweitert. Das führt letztendlich dazu, dass sich Veteranen der bisherigen Erweiterungen teils neu orientieren müssen und Repentance sich auch für diese Sorte Spieler erst einmal neu und vielleicht fremd anfühlen mag. In meinem Fall kann ich nur sagen: Mir war die Abwechslung mehr als recht und die vielen neuen Synergien, Bosstaktiken und Levelmechaniken haben eher dafür gesorgt, dass der Spaß am Spiel noch einmal neu aufgeflammt ist. Wer jedoch eher mehr vom Alten sucht, den könnte Repentance aus seiner Komfortzone drücken. Insgesamt hatte ich jedoch auch das Gefühl, dass das Spiel an sich etwas leichter geworden ist, allem voran dann, wenn man die neuen Level und Mechaniken erst einmal ein wenig ausprobieren konnte.


Der Mehrspielermodus wertet das Spiel um einiges auf.

© Nicalis

Freunde eines lokalen Mehrspielers können in The Binding of Isaac: Repentance auch endlich aufatmen. Hatte der Mehrspieler-Modus in den bisherigen Erweiterungen seinen Namen nicht einmal verdient, hat sich dies nun geändert. Anstatt mit nur einem zusätzlichen Mitspieler zu kämpfen, der dann auch nur ein kleines Baby steuern durfte und sich zudem noch die Lebensleiste mit dem Hauptspieler teilen musste, könnt ihr euch nun mit bis zu vier Kämpfern ins Getümmel stürzen. Dabei kann jeder Spieler aus dem bisher freigeschalteten Charakter-Pool frei wählen und auch eigene Gegenstände aufnehmen und verwenden. Während der Testphase konnte ich diesen Modus ausgiebig testen und hier handelt es sich tatsächlich um die größte und beste Neuerung des Spiels. Die Kämpfe zu zweit haben enorm viel Spaß gemacht und die Spielmechaniken werden im Hintergrund so angepasst, dass ihr dennoch gefordert werdet und euch zeitgleich nicht um Gegenstände streiten müsst. Zudem könnt ihr in diesem Modus auch neue Gegenstände freischalten oder Erfolge erzielen.


Das klingt nun erst einmal alles perfekt, oder? Und das ist es auch beinahe. The Binding of Isaac: Repentance ist tatsächlich der logische, letzte Schritt innerhalb der Reihe und bringt eigentlich nur Verbesserungen mit sich. Umso ärgerlicher ist dabei der Umstand, dass gerade die technische Umsetzung auf der Nintendo Switch gelegentlich für etwas Ärger sorgt. Wieso das so ist, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel, denn die Grafik des Spiels ist nun nicht unbedingt die aufwändigste. Trotzdem bringen vor allem die neuen Level einiges an Wasser- Spiegelungs- und Lichteffekten mit sich, die dafür sorgen, dass das Spiel immer wieder leicht zu ruckeln beginnt – und das kann bei einem Spiel wie diesem, wo man teils recht zielgenau Geschossen ausweichen muss, auch mal in einem ungewollten Bildschirmtod enden. Im Einzelspieler halten sich die Ruckler noch in Grenzen, im Mehrspielermodus hingegen kommen sie entschieden häufiger vor, allem voran in den Kanalisations-Leveln oder wenn eine Menge Feuereffekte im Spiel sind. Davon ab haben die Entwickler optisch zumindest noch einmal alles aus dem Spiel herausgeholt und es zu einem schön-widerlichen Anblick gemacht. Der Soundtrack kommt wie schon bei den vorherigen Erweiterungen recht düster, teils rockig, teils einfach nur verstörend daher und weiß zu gefallen. Fans einer deutschen Übersetzung müssen leider erst einmal mit englischen Texten vorliebnehmen, jedoch wurde jüngst auf dem PC ein Patch veröffentlicht, der eine deutsche Lokalisation mit sich brachte. Es bleibt zu hoffen, dass diese auch ihren Weg auf die Nintendo Switch findet.

Unser Fazit

9

Geniales Spiel

Meinung von Florian McHugh

725 Stunden habe ich laut meiner Nintendo Switch nun schon in The Binding of Isaac gesteckt und die neueste Erweiterung hat bestimmt bereits gut über 100 Stunden dazu beigetragen. Mit Repentance liefern die Entwickler des kultigen Rogue-lite ihre finale Glanzleistung ab, die das Spiel um mehrere hundert Gegenstände, 19 neue Charaktere, zwei völlig neue Routen sowie unzählige neue Monster und Bosse erweitert. Damit einher kommt jedoch auch die Tatsache, dass viele alte Taktiken und Synergien, die alteingesessene Spieler liebgewonnen haben, nicht mehr richtig funktionieren und man sich noch einmal neu einfühlen und -spielen muss. Wem das nicht geheuer ist, der sollte lieber einen Bogen um Repentance machen – aber ihr verpasst dabei etwas. Für Neulinge, die dem Spiel in seiner Ganzheit nun eine Chance geben wollen, kann ich nur empfehlen: Greift zu. Denn gerade der neu hinzugefügte lokale Mehrspielermodus, in dem ihr euch mit bis zu drei Freunden in den Kampf stürzen könnt, ist ein Riesenspaß. Leider scheint das Spiel auf technischer Ebene nicht ganz so sauber portiert worden zu sein, denn in manchen Momenten kommt es – vor allem in den neuen Leveln – immer wieder zu Rucklern, die sich auch mal als fatal erweisen können. Nichtsdestotrotz: Wer The Binding of Isaac liebt, der muss hier schon beinahe zugreifen und wer seine ersten Schritte in dem Genre wagen möchte, der sollte sich den Titel unbedingt einmal anschauen!
Mein persönliches Highlight: Der neue Mehrspielermodus!

Awards

Spiele-Hit Multiplayer-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 14

  • Ben_89

    Turmritter

    Wichtig zu sagen wäre noch dass das update nur für die digitale Version des Spiels verfügbar ist:/ oder hab ich das überlesen?


    Ansonsten gut geschriebenes Review, sind die Ruckler spielbeeinträchtigend?

  • N-Switcher

    Turmbaron

    Ok. Ich jab es retail also kann ich es nicht seperat dazu kaufen?

  • Florian McHugh

    Tellerrandwäscher

    Ben_89 Ich hab das Basisspiel als Cartridge und konnte den DLC problemlos installieren und starten, sofern beim ersten Start die Cartridge natürlich eingelegt war.


    Und was die Ruckler angeht; sie können zum falschen Zeitpunkt für den einen oder anderen Treffer sorgen aber im Großen und Ganzen kommen sie dafür nicht häufig genug vor, um das mit einem klaren "Ja" zu beantworten.

  • N-Switcher

    Turmbaron

    Ja steht sogar im e-shop das es nur für digital zur zeit geht. Aber man arbeitet dran. Ich werde jedenfalls nicht nochmal die retail nur wegen dem dlc kaufen wollen

  • Maexiko

    Old Man of the Sea

    Neben den biblischen sind auch die Bezüge zu Freuds Trieb- und Bindungstheorie sehr stilprägend.

    Sollte mit erwähnt werden.


    Danke für den Bericht.

  • Ben_89

    Turmritter

    Florian McHugh oh dann ist das verwirrend im eshop geschrieben:saint: nun das ist vertretbar. Ich warte aber lieber dann noch bis dieser spruch im shop weg ist:D

  • Mr.Schonso

    Turmheld

    Kann es leider auch nicht spielen, da ich die Retail-Version besitze. Laut dem Nicalis-Support gibt es da einen Fehler seitens Nintendo, da hält man Retail und Digital für zwei unterschiedliche Spiele (glaub weil Headup Publisher für Europa ist). Naja, immerhin wird an einer Lösung gearbeitet, dann muss ich mich noch etwas gedulden.

  • micky87

    Turmknappe

    Kann es leider auch nicht spielen. Hab es grad voller Freude runtergeladen und das Spiel erkennt es leider nicht :bowser_cry:

  • justchriz

    Turmbaron

    Nicalis ist der publisher in den USA und der bietet im eigenen Store eine physikalische Edition an.

    KP ob dann alle Inhalte drauf sind oder nur die Erweiterung, denke aber das es ähnlich wie bei Xenoblade 2 ist, also seperat spielbar...

    Sehe gerade ist ein Vollpreistitel, denke dass dann alles vorhanden ist, zumal der Basis-Teil im Release-Jahr der Switch 30$ war.

    Liest sich für mich wie eine complete Edition.


    https://store.nicalis.com/prod…ce?variant=36500725006501

  • Cirno the strongest

    spiel repentance auch seit release auf switch und muss sagen es ist deutlich schwerer geworden auch die fps probleme sollen wohl mit den erschienenen patch gefkxt sein

  • Florian McHugh

    Tellerrandwäscher

    Kann es leider auch nicht spielen, da ich die Retail-Version besitze. Laut dem Nicalis-Support gibt es da einen Fehler seitens Nintendo, da hält man Retail und Digital für zwei unterschiedliche Spiele (glaub weil Headup Publisher für Europa ist). Naja, immerhin wird an einer Lösung gearbeitet, dann muss ich mich noch etwas gedulden.


    Kann es leider auch nicht spielen. Hab es grad voller Freude runtergeladen und das Spiel erkennt es leider nicht :bowser_cry:


    Ich kann mir das höchstens so erklären, dass wir zum vorzeitigen Testen einen US-Key bekommen haben und da lief alles problemlos. Seltsame Sache, ich hoffe allerdings noch, dass Nicalis das schnellst möglichst behebt.

  • Darkseico

    Turmbaron

    Weiß man mittlerweile ob man diesen dlc mit der Retail Version kombinieren kann? Mittlerweile ist es echt nen Armutszeugnis. :/

  • micky87

    Turmknappe

    Nein, hatte mir damals auch den dlc runtergeladen und funktioniert bis heute nicht. Konnte leider nicht länger warten und hab mir dann das Spiel erneut über den eshop gekauft. Leider überträgt er den speicherstand auch nicht rüber so das ich alles nochmal machen muss :(

  • Darkseico

    Turmbaron

    micky87

    Was für ein Dreck. Danke für die Info. Dann spare ich bei diesem Mist Geld. Tut mir für dich leid. :(

    Das ist so traurig das die sowas nicht gefixt bekommen. Werde das Game ganz sicher nicht doppelt kaufen.