Die Anfänge eines Meisterdetektivs

Fragt man nach den größten Detektiven in der Geschichte der Literatur, so wird man neben Sherlock Homes auch auf den Namen Hercule Poirot stoßen. Der belgische Meisterschnüffler aus der Federspitze Agatha Christies erlebte im Laufe seiner fiktiven Geschichte viele Fälle, die in Buch-, Film oder auch Videospielform zu fesseln wissen. Letzteres Medium erhielt vor Kurzem mit Agatha Christie: Hercule Poirot - The First Cases einen neuen Eintrag, der unter einem neuen Team einen anderen Ansatz verfolgt als das zuvor erschienene Agatha Christie: The ABC Murders. Ob dieses neue Rätsel-Adventure des berühmten Hercule Poirot zu überzeugen weiß und die „kleinen, grauen Zellen“ fordert, erfahrt ihr in unserem Test.


Ein junger Hercule Poirot ermittelt


Wie eingangs erwähnt, fällt Agatha Christie: Hercule Poirot - The First Cases anders aus als der „Quasi-Vorgänger“ ABC Murders. Erzählt wird diesmal eine Geschichte, die nicht aus den Romanen stammt und neu erdacht wurde. Dabei fällt der Plural des Titels „The First Cases“ unter Umständen etwas irreführend aus, denn im Prinzip handelt es sich vom Prolog bis zur Schlussszene um die Geschichte der wohlhabenden Familie van den Bosch, die jedoch Verzweigungen und auch verschiedene Schicksale von Nebenfiguren bereithält. Müsste ich Agatha Christie: Hercule Poirot - The First Cases mit einem Wort beschreiben, wäre es „Stil“, denn der wird in diesem Titel großgeschrieben. Auch wenn die Geschichte nicht so viele und abwechslungsreiche Schauplätze bietet, so schafft es das Spiel aber sehr gut, authentisch rüberzukommen. Die einzelnen Räume sind schön gestaltet und wirken lebendig und passen mit Ihrem Flair sehr gut in die Welt aus den Romanen.


Das Befragen involvierter Personen ist das A und O bei der Ermittlung. Nur so lassen sich alle benötigten Hinweise finden.

© Microids

Die Handlung ist gut und glaubhaft geschrieben und reiht sich passend in andere Detektivgeschichten ein. Nicht minder von Bedeutung und ebenso überzeugend fällt der Protagonist aus. Wie der Titel des Spiels bereits erahnen lässt, widmet sich dieses Mal ein noch junger Poirot der Aufklärung von Verbrechen und beginnt mit seiner Zeit als junger Polizist in Belgien. Dabei ist sein typisches Merkmal, seine Vorliebe für eine kühle und geordnete Ermittlung, bereits vorhanden und – kombiniert mit einem starken Sinn für Gerechtigkeit – gut in die Geschehnisse eingebracht. So kommentiert er in Gedanken inkorrekte Schlussfolgerungen des Spielers und somit sich selbst mit kleinen Sätzen, die auf eine Ordnung bei der gedanklichen Hinweisbeschaffung hinweisen oder seine so berühmten kleinen grauen Zellen ansprechen.


Die Glaubhaftigkeit erstreckt sich über unseren Meisterdetektiv allerdings auch auf die anderen Figuren hinaus, die facettenreich gestaltet und mit einer sehr gelungenen deutschen Vertonung untermalt sind. Zum bereits angesprochenen Thema „Stil“ sind hier außerdem die gelungenen Charakterportraits zu erwähnen, die während Dialogen auftauchen und den Figuren somit auch äußerlich ein gutes Design spendieren. Leider müssen an dieser Stelle die 3D-Modelle der Charaktere ein wenig Federn lassen, wobei diese trotzdem passend gestaltet sind, aber eben nicht ganz mithalten können. Von der Handlung einmal abgesehen bewegt sich The First Cases im Vergleich mit The ABC Murders auch in Sachen Gameplay in eine variierte Form und fokussiert sich ganz auf Dialogoptionen und das gedankliche Zusammenknüpfen von Hinweisen, um der Wahrheit näher zu kommen. Rätseleinlagen entfallen hier komplett, obwohl gerade diese dem Spiel etwas mehr Abwechslung hätten verschaffen können. Trotzdem geht das vorhandene, gewohnt langsame Gameplay gut von der Hand und durch eine gewisse Komplexität der Fälle gibt es mittels Gesprächen und Beobachtungen viele Gedankenstränge zu finden, deren lose Enden miteinander verknüpft werden müssen.


In Poirots Gedankenwelt müssen die einzelen Stränge logisch verknüpft werden, um schließlich die Wahrheit aufzudecken. Dabei können die Indiziengebilde ziemlich groß werden.

© Microids

Ob man dabei dem berühmten Detektiv selbst Konkurrenz macht oder auch mal für eine Schlussfolgerung einen Moment benötigt, ist natürlich sehr individuell. Bei falschen Antworten wird der entsprechende Pfad lediglich rot gekennzeichnet, sodass es keine wirkliche Strafe dafür gibt, vom eigenen Stolz eventuell einmal abgesehen, sollte man sich zu sehr aufs Raten verlassen. Insgesamt fällt der Titel nicht besonders schwer aus und trotzdem ist die Lösung nicht in jeder Situation und nach jedem Hinweis sofort ersichtlich. Ein klein wenig Tempo erhält das Gameplay in signifikanten Befragungen.


Hier muss in einer besonderen Ansicht mit klug gewählten Antworten die mentale Verteidigung des Befragten geschwächt werden, um wichtige Hinweise zu erhalten. Die Hinweissuche im Spiel gestaltet sich also durchaus spannend, bietet aber keine Abwechslung und verläuft stur nach einem Schema, wenngleich nach einem gelungenen.


Als weitere Schwäche von The First Cases entpuppt sich leider die musikalische Untermalung, die in kleineren Variationen essenziell aus einem Stück besteht. Zwar entwickelt sie sich auch nicht zu einem Ärgernis und erfüllt ihren Zweck als leise Begleitung, doch wäre hier viel mehr möglich gewesen, um – abermals beim Thema Stil angelangt – die ansonsten so gelungene Spielwelt und die Handlung ideal zu untermalen. Was die Dauer des Krimis betrifft, hat The First Cases zumindest bei erstmaligem Durchspielen einiges zu bieten. Auch hier fällt die Spielzeit natürlich immer individuell aus, doch zwischen sieben und neun Stunden dürften für ein erstes Erleben veranschlagt werden. Darüber hinaus bietet der Titel einige Trophäen zum Sammeln, darunter das Bestreiten des Abenteuers ohne einen einzigen Fehler zu machen. Somit wird die Spielzeit für Komplettierer nochmal etwas angehoben.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Robin Jung

Agatha Christie: Hercule Poirot - The First Cases ist ein gelungenes Kriminal-Abenteuer, das in vielen Punkten, gemessen an seinen Möglichkeiten, überzeugen kann. Besonders ansprechend wirken dabei Welt und Figuren, die hier trotz einer fehlenden Vorlage nichts von dem typischen Charme der Poirot-Erlebnisse einbüßen müssen. Die Handlung wirkt erwachsen und glaubhaft und die Vertonung gestaltet sich sehr gelungen. Das Gameplay ist spaßig und basiert auf einem guten System, leidet aber ein wenig unter fehlender Abwechslung. Insgesamt ist The First Cases ein empfehlenswertes Abenteuer für erfahrene und frischgebackene Detektive und entführt stimmig in die Welt des gefeierten Hercule Poirot.
Mein persönliches Highlight: Das Verknüpfen von Indizien und der originalgetreue Charme

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Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 5

  • Heldissimo

    Turmbaron

    Nicht schlecht. Hatte das Spiel schon im Auge. Das neue Sherlock Holmes Spiel auf des Ps5 muss ich auch noch Spielen. Mag das ganz gerne^^

  • RhesusNegativ

    Meister des Turms

    Wow. Damit habe ich nicht gerechnet. Scheint ja ganz gut zu sein. Bin großer Agatha Christie Fan.

  • Raven41

    Nintendo Switch süchtig.

    Schön. Habe dieses und noch das andere Agatha Christie Spiel letztens für meine Lebensgefährtin gekauft. Bekommt sie von mir zu Weihnachten, da sie gerne die Filme und Serien davon mag, da sie dann meine Switch bekommt, wenn ich dann meine OLED bekomme. Daher finde ich die Wertung sehr gut, da ich schon ein gutes gefühl hatte.:)

  • ThyTrueMaverick

    Turmheld

    Steht ja schon länger auf meinem Wunschzettel, da ich Agatha Christie im Speziellen sowie Krimis und Point'n'Click Adventures im Allgemeinen sehr gerne mag. Schön, dass es so gut geworden ist! Jetzt nur noch auf einen guten Preis hoffen. :mariov:

  • iZen

    Turmheld

    Ich liebe dieses Spiel und wie es umgesetzt wurde :)