Einmal das jährliche Update mit noch weniger drin, bitte!

Alle Jahre wieder folgt der obligatorische FIFA-Ableger, der auf der Nintendo Switch meist nicht gerade für Jubelstürme sorgt. Was dabei am Rande vielleicht untergehen könnte, ist die Tatsache, dass noch ein weiterer Fußball-Titel sein jährliches Update erhält. Die Rede ist natürlich vom Football Manager, der auch dieses Jahr als Touch-Version für die Nintendo Switch erscheint. Was euch letztendlich für Änderungen erwarten und ob Fußballmanager-Enthusiasten zuschlagen sollten, das klären wir im folgenden Test.


Mehr vom Gleichen, aber dafür schöner


Neben der Legacy-Edition von FIFA, die mit ihren sehr spärlichen Neuerungen für einigen Unmut unter Nintendo-Fans sorgte, kommt auch Sports Interactive Limited eigener Fußballmanager mitsamt FIFA-Lizenz in einer eigenen Version daher. Denn im Gegensatz zu anderen Versionen erhält die Nintendo Switch-Fassung noch den Zusatz „Touch“, der aber eigentlich auf allen anderen Plattformen, inklusive Smartphones, mittlerweile eingestellt wurde. Hinter diesem kleinen Namensanhang verbirgt sich die Tatsache, dass ihr es hier mit einer abgespeckten Version zu tun habt. So fehlen einige Funktionen wie zum Beispiel die Pressekonferenzen oder die Jobinterviews mit Spielern. Nun könnte man auf der Habenseite natürlich verbuchen, dass man sich dadurch auf die wichtigen Manager-Aspekte konzentrieren könnte, doch auch hier kommt bei mir, der vor allem in seiner Jugend mit Spielen wie Anstoss oder der Bundesliga Manager-Serie groß geworden ist, ein fader Beigeschmack auf. Doch erst einmal eins nach dem anderen.


Die Reaktion der Medien auf eure Spiele wurde verbessert.

© Sports Interactive Limited

Zu Beginn des Spiels könnt ihr aus drei Varianten wählen: Entweder könnt ihr eine klassische Manager-Karriere starten und aus einer Fülle an internationalen sowie nationalen Vereinen wählen, deren Geschicke ihr lenken wollt. Habt ihr darauf keine Lust, könnt ihr euch auch euren Traumverein zusammenstellen, indem ihr die Ligen mehrerer Länder auswählt und unter den dort verfügbaren Spielern eine Mannschaft erstellt. Zu guter Letzt bleibt euch dann noch die Möglichkeit, euch an speziellen Herausforderungen zu erproben. So müsst ihr zum Beispiel einen Verein im verzweifelten Abstiegskampf übernehmen oder ein Großteil eures Teams fällt durch langfristige Verletzungen aus. Das Herzstück des Spiels ist und bleibt dabei jedoch die Karriere, in der ihr euch euren Lieblingsverein aussucht und diesen in seiner Liga zu Ruhm und Glorie leiten wollt. In meinem Fall war dies der FC St. Pauli – doch bevor ich in die Verhandlungen mit dem Vorstand einsteigen konnte, musste erst einmal der eigene Avatar erstellt werden. Euer Alter-Ego zu erstellen ist zwar nett, letztendlich aber relativ nutzlos, denn euer Abbild bekommt ihr selten zu Gesicht und auch die sonstigen Angaben abseits eures gewählten Namens spielen keine große Rolle im Spiel. Habt ihr diesen Schritt dann hinter euch gebracht, geht es darum, mit dem Vereinsvorstand über eure Saisonziele zu verhandeln. Im Falle des FC St. Pauli war dem Vorstand zum Beispiel wichtig, in der oberen Tabellenhälfte mitzumischen, was mir im Laufe der ersten Saison auch gut gelingen sollte und mir entsprechendes Vertrauen beim Vorstand einbrachte – letztendlich das A und O eurer Karriere. Denn wenn das Vertrauen einmal weg ist, dann war es das und ihr seid euren Job beim kleinsten Fehler los.


Wenn all die Verhandlungen um eure Person vorbei sind, geht es nun endlich ans Eingemachte. Als Manager und Chefcoach eurer Mannschaft seid ihr für Training, Aufstellung, Transferentscheidungen, Vertragsverlängerungen und noch mehr zuständig. Wem das alles zu viel ist, der kann aber auch einen Großteil der Aufgaben an seine Co-Trainer und Mitarbeiter übergeben. Ihr wollt nicht ständig die auslaufenden Verträge eurer Spieler im Auge behalten? Dann lasst das einen eurer Mitarbeiter machen. Das individuelle Training eurer Spieler ist euch zu aufwendig? Wozu habt ihr denn einen Co-Trainer?


Theoretisch könnt ihr nahezu jeden Aspekt aus der Hand geben und euch regelmäßig über die Fortschritte eurer Mitarbeiter informieren lassen, doch dann droht der Football Manager schnell ziemlich dröge zu werden, denn in dem Fall werdet ihr abseits der einzelnen Spiele nur diverse Mails lesen und vielleicht die eine oder andere einzelne Entscheidung treffen. Der Vorteil dieses Systems liegt letztendlich darin, dass ihr euch frei aussuchen könnt, auf welche Aspekte des Manager- und Trainerdaseins ihr euch konzentrieren wollt. Bevor es dann zu einem Spiel eurer Mannschaft kommt, erhaltet ihr zudem noch eine sehr genaue Detailanalyse hinsichtlich der nächsten gegnerischen Mannschaft, aus der ihr dann eure Schlüsse bezüglich der Aufstellung und des Spielverhaltens ziehen könnt. Denn in dieser Hinsicht glänzt der Football Manager mit einer Reihe an detaillierten Einstellungsmöglichkeiten. Ihr könnt genau festlegen, wie eure Spieler auftreten sollen, ob ihr ihnen kreative Freiheiten erlaubt, sie strikt und diszipliniert spielen sollen oder wie stark und lang das Passspiel ausfallen soll. Wer die entsprechend richtigen Entscheidungen trifft, der wird deutliche Erfolge während des Spiels verbuchen.


Immer noch schön anzusehen: Die Highlights des Spiels.

© Sports Interactive Limited

Womit wir auch bei der Darstellung der einzelnen Spieltage sind. Anstatt euch ein komplett 90-minütiges Spiel zu präsentieren, befindet ihr euch zu Beginn in einem Menü, dass euch die wichtigsten Informationen zum Spiel auf einen Blick bietet. Hier könnt ihr Auswechslungen vornehmen oder euch auch Tipps von euren Co-Trainern anhören und diese auch gleich umsetzen lassen. Immer dann, wenn es zu einem Highlight auf dem Platz kommt, wird in eine Spielansicht umgeschaltet. Hier seht ihr dann tatsächlich, wie entweder ihr oder eure Gegner einen Angriff startet und diesen entweder in ein Tor verwandelt oder patzt. Die Animationen fallen dabei gerade für einen Fußballmanager sehr flüssig und meistens auch gut inszeniert aus. Zwischendrin kann es jedoch auch passieren, dass sich die einzelnen Chancen dahinziehen, wenn dreimal zwischen den einzelnen Mannschaften hin und her gespielt wird, ohne dass am Ende etwas dabei rumkommt. Zum Glück ist das eher die Seltenheit. Ebenfalls wieder mit dabei sind die Zurufe an das eigene Team, mit denen ihr während der laufenden Partie eure Spieler noch einmal anstacheln, sie loben, kritisieren oder zur Ruhe mahnen könnt. Letztendlich handelt es sich bei diesem Teil des Spiels um das eigentliche Highlight, denn es hat mir jedes Mal Spaß gemacht, den Spielen zuzusehen und zu beobachten, ob meine Entscheidungen nun Früchte tragen werden oder nicht.


Dass die jährlichen Updates der Reihe nicht sonderlich groß ausfallen, dürfte eigentlich keine Überraschung darstellen, doch der Football Manager 2022 Touch treibt das Ganze noch einmal auf die Spitze. Zu den Neuerungen gehören dabei die detaillierten Analysen, natürlich die aktuellen Kader der Mannschaften, bessere Medienreaktionen auf eure Spiele sowie eine überarbeitete Controller-Steuerung. Letztere war in unserem Test zum Vorgänger Teil der Kritik und eine wirklich signifikante Besserung konnte ich ehrlich gesagt nicht feststellen. Noch immer ist es recht umständlich, mithilfe des Controllers oder mit dem virtuellen Mauszeiger, der sich immer noch nicht wirklich gut manövrieren lässt, durch die einzelnen Menüs zu schalten. Einzig die Touch-Steuerung kann weitestgehend überzeugen, wofür ihr eure Nintendo Switch dann aber natürlich nicht im Dock lassen könnt. Insgesamt fallen die Neuerungen also noch unbedeutender aus als schon im letzten Jahr. Natürlich bleibt der Football Manager weiterhin so umfangreich wie kein anderer Manager und angesichts der fehlenden Konkurrenz ist dieser Titel weiterhin die erste Wahl für alle Nintendo Switch-Spieler, es bleibt jedoch ein fader Beigeschmack vorhanden – allen voran dann, wenn die Vorgänger alle deutlich sinnvollere Verbesserungen erhielten und dieses Update nun nicht.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Florian McHugh

Bitte nicht falsch verstehen: der Football Manager 2022 Touch hat mir Spaß gemacht. Er ist an sich auch ein verdammt gutes Spiel innerhalb seines Genres und auf der Nintendo Switch dazu noch so gut wie konkurrenzlos. Umso bitterer ist dabei die Tatsache, dass die diesjährigen Neuerungen fast genauso banal ausfallen wie bei der neuen FIFA Legacy-Edition. Ein aktualisierter Kader, ein paar bessere Analysen, flüssigere Animationen sowie eine angeblich optimierte Controllersteuerung, die sich nicht wie eine solche anfühlt. Auch wenn ich den Preis in den allermeisten Fällen nicht zu Rechnung trage, muss man in diesem Falle allerdings sagen: Das ist eindeutig zu wenig für den verlangten Preis. Wer also nicht unbedingt großen Wert auf den aktuellsten Kader legt, der sollte überlegen, stattdessen zum Vorgänger zu greifen. Mit diesem werden alle Fußballmanager-Fans nämlich genauso ihre Freude haben und ihr spart euch ein paar Euros.
Mein persönliches Highlight: Die Highlights in Spielgrafik

Die durchschnittliche Leserwertung

0 User haben bereits bewertet

Kommentare 3

  • Tabby

    Turmbaron

    Da kann ich ja beruhigt beim Vorgänger bleiben, den ich mal günstig im Sale gekauft habe.

  • Zarathustra

    Muad'dib

    Florian McHugh


    Das du Pauli gewählt hast, macht dich zur zweit-sympathischsten Art von Fussbalfan,die man aus meiner Sicht sein kann.


    Sind alle Erst und Zweitligisten enthalten? Kann ich nicht ganz rauslesen aus der Stelle,an der du über die FIFA Lizenz und eine Fülle an Vereinen schreibst.

  • Florian McHugh

    Tellerrandwäscher

    Zarathustra Alle Erst- und Zweitligisten soweit ich das mitbekommen habe, ja.


    Und danke für die Blumen :D