NERF Legends trifft nicht den Nerv der Spieler

Beinahe 12 Jahre ist es nun schon her, dass wir euch hier bei ntower unseren Test zu NERF N-Strike für die Wii präsentieren durften. Der Shooter zu den beliebten Spielzeugwaffen samt Schaumstoffprojektilen konnte jedoch nur mäßig glänzen. Dies soll sich mit NERF Legends für die Nintendo Switch nun ändern. Ein packender Singleplayer-Modus, freischaltbare Waffen und das Spiel gegen andere per Internetverbindung sind nur einige Aspekte, mit welchen uns NERF Legends begeistern möchte. Wie gut dies in der Praxis funktioniert, erfahrt ihr nachfolgend.


Relativ schnell fällt auf, dass vieles im Spiel eine Unschärfe aufweist.

© GameMill Entertainment

NERF Legends bietet euch eine Einzelspieler-Kampagne, welche sich aus insgesamt 19 mehr oder weniger linearen Leveln zusammensetzt. In diesen bewegt ihr euch durch die vorgegebenen Areale und kämpft gegen unzählige roboterartige Wesen, welche euch zu Fuß als auch aus der Luft befeuern. Dabei löst ihr das ein oder andere Schalterrätsel, hüpft per Plattformen durch die Lüfte und macht euren Gegnern das Leben ebenso schwer. Unterstützt werdet ihr dabei vom Coach, welcher euch immer wieder zugeschaltet wird und mit nützlichen Hinweisen auf eure nächste Mission hinweist. Insgesamt ist dieses Szenario aber bestimmt von Monotonie, da die einzelnen Aufgaben nur wenig Abwechslung bieten. Im Grunde ist es immer euer Ziel, einem Weg zu folgen, einen Schalter zu aktivieren oder eine Horde von Gegnern zu besiegen. Fünf Bosse sorgen zumindest für etwas Abwechslung und eine besondere Herausforderung.


Dabei stehen euch zu Beginn nur insgesamt drei Waffen zur Verfügung. Im Spielverlauf könnt ihr mit steigendem Fortschritt aber weitere Schießeisen freischalten und bis zu drei Stück von ihnen auf eure Missionen mitnehmen. Dies wird vor allem Kenner der Spielzeug-Vorlagen freuen, da nun nicht mehr die eigenen Kinder oder Freunde in den heimischen vier Wänden abgeschossen werden dürfen, sondern eben die bereits erwähnten Roboter. Dies funktioniert im Grunde auch wirklich gut. Mit eurer mittels Charakter-Editor erstellten Spielfigur bewegt ihr euch durch die Level, schießt euch den Weg frei, ladet die Kanonen nach, sammelt neue Schaumstoffprojektile für eure Waffen, wechselt eben jene blitzschnell per Knopfdruck und rutscht unter Hindernissen hindurch. Ebenso könnt ihr mittels Knopfdruck einen Schild aktivieren, welcher bei zu langer Nutzung jedoch überhitzt und euch dadurch kurzzeitig zum einfachen Ziel werden lässt. Im Verlauf dürfen die einzelnen Waffen sogar noch verbessert werden, was weitere Spieltiefe ermöglicht. Hierzu müsst ihr jedoch eine ausreichende Anzahl an Punkten sammeln, die ihr durch das Spielen der Missionen erhaltet. Einige Komponenten setzen jedoch auch voraus, dass ihr möglichst erfolgreich und mit einem hohen Rang bestimmte Missionen absolviert. Was mir persönlich jedoch im gesamten Spiel fehlt, ist die Möglichkeit, sich zu ducken. Gerade in hitzigen Gefechten fühlt es sich sehr unbefriedigend an, sich lediglich hinter Wände stellen zu können, um Schutz zu suchen. Hier hilft auch nicht der vorhandene Schild.


Solche Sprungpassagen, in welchen euch Plattformen durch die Lüfte schießen, finden sich immer wieder im Spiel.

© GameMill Entertainment

Klingt dies auf dem Papier insgesamt nach einem spaßigen Titel, offenbaren sich bereits innerhalb der ersten Spielminuten riesige Probleme. Das für mich schwerwiegendste ist die Grafik. Dabei meine ich jedoch nicht, dass diese zu schlecht sei oder die Nintendo Switch-Version zu viele Abstriche in Kauf nehmen musste. Das Problem an eben jener Darstellung der Figuren und Spielwelt ist, dass alles den Anschein erweckt, als würde ein Filter darüber gelegt sein, welcher eine Unschärfe erzeugt. Das bedeutet, einfach das komplette Spielgeschehen sieht aus, als hätte ich vergessen meine Kontaktlinsen einzusetzen. Interessant ist dabei, dass dies wirklich nur die Geschehnisse beim Spielen betrifft. Die Anzeige eurer aktuellen Mission oder eure Munition wirken hingegen scharf und können nicht bemängelt werden. Hier erhoffe ich mir zukünftig Optimierungen.


Doch auch die gesamte Steuerung und das Trefferfeedback sind gewöhnungsbedürftig. So fühlt es sich nicht nur unbefriedigend an, die Feinde zu treffen, sondern ist es auch eine Tortur, überhaupt so weit zu kommen. Die kleinen Projektile in Kombination mit der ungenauen Steuerung der Waffen sorgt vor allem in schnellen Gefechten dafür, dass etliche Schüsse daneben gehen. Da die Waffen dann aufgrund der realen Vorlage auch nur sehr wenig Munition enthalten können, seid ihr andauernd damit beschäftigt, nachzuladen.


Der Auswahlbildschirm schreckt aufgrund der Ideenlosigkeit und Lieblosigkeit schon ab.

© GameMill Entertainment

Glänzen kann leider auch nicht der Auswahlbildschirm, in welchem ihr euch zu Spielbeginn wiederfindet. Dieser ist als ein offener und von euch frei begehbarer Raum gestaltet und ihr könnt mittels der Bewegung eures Charakters die Einzelspieler-Kampagne, den Mehrspieler-Modus oder auch den Charakter-Editor aufsuchen. Insgesamt macht dieser grafisch wie auch atmosphärisch eine so schlechte Figur, dass die weiteren Probleme des Spiels bereits vorauszusehen waren. Liebe im Detail zur Oberwelt sieht wirklich anders aus. Unverständlich ist für mich, warum sich für einen solchen Auswahlbildschirm entschieden wird, wenn dieser nicht sinnig genutzt wird. Easter Eggs oder zusätzliche Herausforderungen, um neue Waffen oder Inhalte freizuspielen, wären hier ja gut zu implementieren gewesen. Ebenso dürft ihr euch in diesem auch nur bewegen und keine eurer Waffen verwenden. Das macht das Szenario irgendwie sinnlos.


Zu den Dingen, die nicht wirklich gelungen sind, gehört leider auch der Mehrspieler-Modus. In meiner Testphase konnte ich diesen nicht ein einziges Mal ausprobieren, da einfach keinerlei Kontrahenten gefunden wurden. Hierbei habe ich sogar versucht, zu unterschiedlichen Tageszeiten zu spielen, da der Fehler ja durchaus bei mir hätte liegen können. Leider half dies nicht, sodass ich nur erahnen kann, was dieser mir geboten hätte. Laut Spielbeschreibung sollen nämlich Gefechte im Team-Modus 4 gegen 4, ein Modus jeder gegen jeden mit 8 Spielern und weitere Online-Multiplayer-Modi möglich sein. Schade, dass gerade dieser Aspekt nicht funktionierte. Ob das Problem bei einer zu geringen Anzahl an Spielern oder den Server-Strukturen liegt, kann ich ebenfalls nicht beantworten.


Grundsätzlich muss ich bei all der Kritik jedoch erwähnen, dass ich durchaus Spaß mit NERF Legends hatte. Um den Kopf auszuschalten und sich durch die Horden von Gegnern zu schießen, funktioniert das Spiel nämlich echt gut. Zwar könnten die Level durchaus interessantere Ideen bereithalten, nichtsdestotrotz kam bei mir nie der Gedanke auf, das Spiel zu resetten. Entsprechend könnt ihr euch auf einige spaßige Stunden im Singleplayer-Modus freuen und mit etwas Glück, dürft ihr auch in den Mehrspieler-Modus reinschnuppern. Zudem verrät der Auswahlbildschirm bereits, dass es zukünftig DLCs geben wird. Ob es sich bei diesen um eine Erweiterung der Kampagne, neue Spielmodi oder weitere Waffen handelt, ist unklar.

Unser Fazit

4

Erträglich

Meinung von Maik Styppa-Braun

NERF Legends hätte so viel Potenzial gehabt, zumindest als Mehrspieler-Titel zu trumpfen. Wohl jeder hatte schon einmal eine NERF-Waffe in der Hand, weshalb es ein leichtes gewesen wäre, die Begeisterung für diese auch auf den heimischen Bildschirm zu übertragen. Designentscheidungen wie der Auswahlbildschirm, welcher keinerlei Mehrwert bietet oder auch die unscharfe Grafik stören jedoch bereits wenige Sekunden nach dem Spielbeginn. Ob dies alles so gewollt ist oder sich noch einige Fehler in das fertige Spiel eingeschlichen haben, ist unklar. Nichtsdestotrotz können vor allem Einzelspieler Spaß mit NERF Legends haben, indem sie die Missionen der Kampagne durchspielen, die liebsten Waffen modifizieren und auf Punktejagd in den Missionen gehen. Wen jedoch die Mängel abschrecken, sollte wohl zu anderen Genre-Vertretern greifen.
Mein persönliches Highlight: Die unzähligen Waffen und die Möglichkeit, diese zu modifizieren.

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Die durchschnittliche Leserwertung

2 User haben bereits bewertet

Kommentare 2

  • Tomberyx

    Minish Mage

    Hm.. die Wertung kommt mir schlechter vor als es der Text hergibt o,o

  • Maik Styppa-Braun

    Redakteur

    Tomberyxhaha hatten intern genau darüber auch gesprochen. Ursprünglich war ich bei ner 5, habe mich dann aufgrund der doch desolaten grafischen Darstellung, dem monotonen Gameplay und dem nicht funktionierenden Multiplayer-Modus doch für die 4 entschieden. Es ist nicht unspielbar und beispielsweise die Waffen sind cool, aber der Rest ist einfach nicht stimmig genug, um mit unserem Wertungssystem zusammen zu passen.