Durch die Zeit und abwärts Richtung Hölle

Es ist wieder so weit: Nach Sam & Max Save the World erwartet das Detektiv-Pärchen Sam und Max ein neues Abenteuer, welches abermals aus der Feder von Steve Purcell stammt und ursprünglich von Telltale Games entwickelt wurde. Sam, der anthropomorphe Hund mit grauem Anzug, und sein gewaltverliebter, narzisstischer Freund Max der Hase ermitteln dieses Mal an verschiedenen Zeitpunkten in ihrem Leben und bereisen dabei exotische Orte: vom Nordpol über die Osterinseln in Polynesien nach Stuttgart und am Ende sogar die Hölle, um dort Beelzebubs Machenschaften zu beenden. Wieder Mal ist es an den beiden, die Welt zu retten.


Commissioner, wird sind (wieder) auf dem Weg!


Insgesamt fünf Episoden, abermals vollgestopft mit derbem Humor, schrägen Charakteren, ausgefallenen Ideen und parodistischen Anspielungen auf die amerikanische Popkultur, erwarten euch. Alle davon bieten in sich geschlossene Geschichten, die in eine größere Rahmenhandlung eingeflochten sind. In welcher Reihenfolge ihr die einzelnen Kapitel spielt, ist euch selbst überlassen.


Ab in die Vergangenheit – Sam & Max sind öfter mal in anderen Epochen unterwegs, um die Welt zu retten.

© Skunkape Games LLC and Steve Purcell

Passend zur Veröffentlichung des Spiels zum Beginn der Weihnachtszeit führt euch die erste Episode an den Nordpol. Nachdem sich herausstellt, dass die heidnische Gottheit Santa Claus kurz vor Weihnachten einen riesigen Killer-Roboter zu Sam & Max Detektiv-Büro geliefert hat, beschließen die beiden, der seltsamen Schenkung auf den Grund zu gehen. Am nördlichsten Punkt der Erde angekommen, trefft ihr auf drei alte Bekannte, die Limo-Lauser. Der wohl zum Dämon gewordene Weihnachtsmann soll laut ihnen wild um sich schießend die schwer schuftenden nihilistischen Elfen davon abhalten, die Geschenke vorzubereiten. Der Zeitplan ist hinüber und das Weihnachtsfest in Gefahr. Ob die beiden es schaffen, mithilfe der Geister der vergangenen, zukünftigen und gegenwärtigen Weihnacht den Heiligen Abend zu retten, dürft ihr selbst herausfinden.


In den weiteren Episoden geht es unter anderem auf die Osterinseln, wo Stars wie Jimmy Hoffa und Amelia Earhart ihre ewige Jugend als Baby verbringen – einem Jungbrunnen sei Dank –, nach Stuttgart, wo ein Vampir haufenweise Zombies produziert und auf die Welt loslässt, sowie in die Hölle, wo ihr dem Teufel trotzen müsst. Neben neuen Orten bereist ihr aber auch wieder Bekannte aus dem vorherigen Teil. Neben Sam und Max Büro sind Boscos Laden, Sybils Therapie-Studio sowie euer Polizeiwagen, der DeSoto, die wichtigsten Konstanten im Spiel. Hinzu kommen noch ein alter schäbiger Diner namens Stinkys sowie eine Garage voller altertümlicher Computer und Konsolen, die bereits vorhandene Erfindungen als wegweisende Neuerungen präsentieren. Überall trefft ihr auch wieder auf alte Freunde, die euch in schräge Dialoge verstricken. Einige von ihnen scheinen jedoch etwas zu verbergen und verhalten sich noch merkwürdiger, als es im Vorgänger der Fall war.


Der Gebrauch eurer Dienstwaffe ist durchaus erwünscht und legitim.

© Skunkape Games LLC and Steve Purcell

Wie es sich in einem klassischen Adventure gehört, bewegt ihr Sam & Max zwischen den verschiedenen Orten hin und her, führt Gespräche und benutzt gesammelte Gegenstände. Der Hase Max bleibt dabei zumeist im Hintergrund, agiert als Sidekick und kommentiert eure Aktionen und Konversationen mit derben Sprüchen. Ähnlich wie die beiden tierischen Protagonisten sind alle anderen Charaktere ebenso schräg, völlig überzeichnet und passen perfekt in die Spielwelt. Dasselbe gilt auch für die Rätsel. Ein paar Minispiele erwarten euch auch, die dürft ihr aber glücklicherweise überspringen, denn diese sind weder sonderlich fordernd noch spektakulär. Insgesamt schwankt die Qualität der einzelnen Episoden hier und da leider etwas, trotzdem sind allesamt durchweg unterhaltsam und toll geschrieben. So müsst ihr beispielsweise den Dämon, der Santa Claus innewohnt, vertreiben. Die „Mein kleiner Dämon“-Spielesammlung soll euch dabei helfen. Alles, was ihr dazu benötigt, sind die vier Reiter der Apokalypse in Form von Actionfiguren. Leider haben die Elfen die lustigen Holzspielsachen alle schon an verschiedene Personen zu verschiedenen Zeiten versandt. Ihr reist also durch die Zeit, tragt die Reiter aus Holz zusammen und vereinigt sie schlussendlich an einem stark magnetischen Pol, der sich glücklicherweise direkt in Santas Behausung an einem Nordpol-Wegweiser befindet. Noch die Schallplatte „Das Lied vom lieben Dämon“ für die richtige Weihnachtsstimmung aufgelegt, und schon kann der Exorzismus des rundlichen kleinen Mannes mit Bart beginnen. Daneben ist beispielsweise die Prämisse beim Fall mit der Zombie-Invasion aus Stuttgart, hervorgerufen von einem recht tuntig angehauchten Vampir, ebenso unfassbar komisch, doch hier hätten die Rätsel etwas intelligenter und die Geschichte besser ausgeschmückt sein können.


Wirklich logische Rätsel werdet ihr im Spiel mit der Lupe suchen müssen, aber genau das passt perfekt dazu und macht den Spaß daran aus. Die Spielwelt sowie die Charaktere und auch Sam und Max selbst geben aber genug Hinweise, die euch auf des Rätsels Lösung bringen werden. Bedingt dadurch, dass es nur recht wenig Schauplätze gibt, ihr viele davon über die Episoden hinweg häufiger besucht, alle Gegenstände direkt aufnehmen könnt und Charaktere von Anfang an anwählbar sind, halten sich die Möglichkeiten aber durchaus in Grenzen. Die Komplexität ergibt sich also nicht aus der Interaktion oder Kombination von Objekten, sondern eher daraus, wie der Lösungsweg beschritten wird. Etwas um die Ecke denken, ist gefragt, und manchmal ist die Lösung auch simpler, als man denkt. Warum sich zum Beispiel lange mit Baby-Jimmy Hoffa rumärgern, der einen Hölleneingang bewacht, wenn man ihn mithilfe des Wassers vom Jungbrunnen weit zurück in die Nicht-Existenz befördern kann.


Gut gelungene Neuveröffentlichung


Wie schon bei Sam & Max Save the World gibt es auch im Nachfolger von technischer Seite aus wenig zu bemängeln. Die Umgebungsgrafiken wurden leicht angepasst und deren Kanten haben ebenso wie bei den Charakteren ganz fein gezeichnete schwarze Linien verpasst bekommen. Das hebt den Comic-Look deutlicher hervor und ist ein willkommener Wandel. In Verbindung mit einer verbesserten Beleuchtung verleihen diese der Spielwelt deutlich mehr Plastizität gegenüber dem Original. Auch die Kameraausrichtung wurde teilweise etwas angepasst, sodass einige Szenen nun mehr Wirkkraft haben. Nur eine stärkere Kantenglättung wäre hier und da wünschenswert gewesen.


Neben ausschließlich englischer Sprachausgabe gibt es glücklicherweise recht gut geschriebene deutsche Untertitel.

© Skunkape Games LLC and Steve Purcell

Auf Soundebene gibt es ebenso wenig zu bemängeln. Die englische Vertonung der Charaktere ist exzellent, wurde verbessert und ist nun merklich lippensynchroner als noch im Original. Details wie die englische Stimme mit sehr deutschem Einschlag von Jürgen, dem Vampir aus Stuttgart, verleihen der Szenerie zusätzlichen Charme. Leider ist nur die englische Sprachausgabe im Spiel enthalten, deutsche Untertitel können aber glücklicherweise an- oder abgeschaltet werden. Warum die deutschen Synchronstimmen, genauso wie beim Re-Release des Vorgängers, abermals mit Abwesenheit glänzen, ist nicht nachvollziehbar. Doch auch wenn diese in der Urfassung enthalten waren, so kann ich persönlich in der Neufassung darauf verzichten. Insgesamt fiel damals die deutsche Synchronisation gegenüber der Englischen deutlich ab, denn einige Dialoge wirkten falsch pointiert und teilweise deutlich emotionsloser. Für den einen oder anderen könnte eine fehlende deutsche Sprachausgabe aber kaufentscheidend sein.


Insgesamt haben wir es also mit einer aufpolierten Neuauflage des damaligen Adventures zu tun, das nur wenig Neues bietet. Es ist natürlich immer schwierig bei einer geschlossenen Rahmenhandlung, neue Narrationen und Inhalte einzubinden, aber gerade die Aufteilung in Episoden hätte die optimale Gelegenheit geboten. Die wirklich guten acht neuen Musikstücke, komponiert von Jared Emerson-Johnson, sind da leider auch nur eine nette Dreingabe, die vielen nicht mal auffallen wird. Beispielsweise wird auf der Straße vor dem Büro nun je nach Episode eine andere Hintergrundmusik gespielt. Im Original war es immer dieselbe. Und auch die sammelbaren Aufkleber, die ihr bei den Minispielen mit dem DeSoto ergattern könnt, sind vernachlässigbar. Diese kleben an einem Poster in der Gasse, wo das Auto geparkt steht, und mir sind Sticker erst recht spät im Spiel überhaupt aufgefallen. Ein bisschen mehr Fan-Service in Form von nie veröffentlichten Zeichnungen, einer Juke-Box im Hauptmenü zum Abspielen des Soundtracks oder Ähnlichem wäre ein gern gesehener Bonus gewesen. Die Spielzeit beläuft sich auf ca. 12–14 Stunden, je nachdem, wie schnell ihr die Rätsel löst. Gemessen an der Spielzeit ist die Neuauflage fair bepreist und bietet viel Rätselspaß in einer Welt voller abstruser Ideen, Witz und mit charmanten Charakteren.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von David Kuhlgert

Als riesiger Fan von Sam & Max habe ich mich natürlich auch auf das neuste Abenteuer des Detektiv-Duos gefreut, auch wenn es sich hier nur um eine Neuauflage handelt. Sam, der eher recht ruhige und gefasste Hund, der immer einen kecken Spruch auf den Lippen hat, und sein Sidekick Max, ein Hase, der leicht narzisstische Züge aufweist und zur Weltherrschaft neigt, sind zwei so einzigartige und witzige Charaktere, welche man heutzutage eher selten in Spielen antrifft. Die vielen abgedrehten Adventures aus den Neunziger- und frühen Zweitausenderjahren finden schon länger keine Nachfolger mehr und Sam & Max: Beyond Time and Space – ursprünglich als Sam & Max Season Two erschienen – bietet somit eine perfekte Abwechslung für alle Adventure-Freunde dort draußen. Und auch wenn das Spiel spielerisch keine Neuerungen oder neue Episoden beinhaltet, macht es dennoch unfassbar viel Freude, sich durch die fünf Episoden zu rätseln. Doch auch wie schon bei meinem Test zu Sam & Max Save The World kann ich meine Empfehlung eigentlich nur an Serien-Neulinge aussprechen oder an die, die den Teil bisher noch nicht gespielt haben. Diejenigen unter euch erwartet ein schräges Abenteuer mit viel Humor und einzigartigen Charakteren, deren Sprüche und Unterhaltungen euch sicherlich die ein oder andere Lachfalte ins Gesicht ziehen werden. Die Rätsel sind mit etwas kreativem Um-die-Ecke-Denken und Ausprobieren zwar relativ gut lösbar, aber insgesamt etwas schwerer und noch ein Quäntchen abstruser als beim Vorgänger. An das 1993er Lucas Arts-Urgestein Sam & Max Hit the Road kommt auch dieser Sam & Max-Fall nicht heran, aber dennoch ist es eine würdige Fortsetzung. Und da Steve Purcell alle damaligen Telltale Games-Teile der Reihe zur Neuauflage freigegeben hat, wird uns sicherlich in einem Jahr auch noch der letzte Teil, Sam & Max: The Devil's Playhouse, als Remaster erwarten. Ich freu mich drauf!
Mein persönliches Highlight: Max überspitzte und teils derben Sprüche – „Sam, bin ich der Einzige, der Weihnachten mit Pistolenschüssen in Verbindung bringt?"

Die durchschnittliche Leserwertung

2 User haben bereits bewertet

Kommentare 3

  • iZen

    Turmheld

    Ich hätte gerne das Original Sam & Max Hit the Road als Remaster.

  • Marty92

    Turmknappe

    Wieso kriegen die neuen Entwickler es nicht hin, auch eine deutsche Sprachausgabe zu integrieren ?


    Heutzutage sollte das möglich sein.


    So werde ich die Remaster-Versionen vorerst meiden.

  • David Kuhlgert

    Redakteur

    Wieso kriegen die neuen Entwickler es nicht hin, auch eine deutsche Sprachausgabe zu integrieren ? [...]

    Laut den Entwicklern hatten sie leider nur Zugang zu den englischen Sprachdateien.

    Auch wenn die deutsche Sprachausgabe echt schwach war im Original, ist es natürlich ärgerlich, dass die nicht mit dabei ist.