Die Pforten zu Union City öffnen sich ein weiteres Mal

Nach einer gefühlten Ewigkeit ist Robert Foster wieder zur Stelle. Vor 27 Jahren erschien der Titel Beneath a Steel Sky. Seit dem fulminanten Finale in der dystopischen Zukunftsmetropole Union City wurde es sehr ruhig um diesen Adventure-Klassiker. Umso größer ist da doch die Überraschung, dass mit dem Titel Beyond a Steel Sky endlich eine Fortsetzung zum heißgeliebten alten Eisen erschienen ist. Statt einen neuen Protagonisten vorzustellen, dürfen wir weiterhin den Gap-Bewohner Foster und seinen mechanischen Freund Joey auf ihrem neuesten Abenteuer begleiten.


Beyond a Steel Sky spielt etwa zehn Jahre nach den Geschehnissen des ersten Teils. Foster hat sich in den Gap, einer lebensfeindlichen Wüstenlandschaft, in sein Heimatdorf zurückgezogen und versucht dort das Leben der Menschen zu verbessern. Joey dagegen blieb in Union City zurück, um die Stadt wieder neu zu errichten, nachdem die KI Linc versuchte, Menschen zu seinen Sklaven zu machen. Die Vorgeschichte der beiden Helden wird hierbei ungewöhnlich schick in einer Art Comic-Animation erzählt. Neueinsteiger wie ich haben also problemlos Zugang zu diesem Titel, ohne den ersten Teil gespielt haben zu müssen.


„Herzlich Willkommen, Bürger Graham.“


Unser neues Abenteuer beginnt im Gap bei Foster, als eine mysteriöse, vierbeinige Maschine mit Robotern, sogenannten Stalkern, einen Jungen namens Milo entführen. Foster möchte seinen jungen Freund retten und marschiert los – immer tiefer hinein in die Wüste, bis er vor den mechanischen Toren von Union City steht. Um sich Zugang zur Stadt zu verschaffen, pflanzt er sich einen Mikrochip ein und speichert darauf die Bürgerdaten eines Verstorbenen, den er in der Wüste gefunden hatte. Als Bürger Graham versucht unser Held nun herauszufinden, wohin Milo entführt wurde und was der verstorbene Graham mit dieser ganzen Aktion zu tun hat.


In allen Ecken und Winkeln glänzt die Perfektion von Union City.

© Revolution Software

Nachdem Linc untergegangen war, hatte der Roboter Joey die Kontrolle über die Stadt bekommen. Er installierte ein neues Gesellschaftssystem namens MINOS. Über MINOS laufen alle Protokolle und Dienstleistungen. Ohne Bürger-ID kann man nichts in Union City machen. Geleitet wird die Gesellschaft jedoch zum Zeitpunkt unserer Handlung nicht mehr von Joey, sondern von einem Rat, der aus den Ministern verschiedener Ministerien besteht. Diese Ministerien kümmern sich um Sektoren wie Sicherheit, Wohlbefinden und bürgerliche Ambition. Ziel einer Einzelperson ist es, sich gesellschaftlich besserzustellen, indem man an den täglichen sozialen Aktivitäten teilnimmt. Essen, Obdach und Beschäftigung gibt es in Hülle und Fülle – klingt doch perfekt, oder? Als Bürger Graham taucht ihr in sein Leben ein, was auf einige Hindernisse trifft. So fällt zum Beispiel auf, dass die KI euch zwar als Graham akzeptiert, aber Auffälligkeiten beim Körperwachstum feststellt. Die lange Abwesenheit des echten Graham ruft außerdem das Ministerium für Wohlbefinden auf den Plan, das penetrant versucht herauszufinden, was mit euch los ist. Eure vermeintliche Ehefrau spielt hierbei die ganze Scharade zum Schutze ihres sozialen Standes mit. Insgesamt wirkt die ganze Situation sehr humoristisch und glaubhaft in Szene gesetzt.


Beyond a Steel Sky erzählt pointiert eine Geschichte in einer riesigen Umgebung, ohne jedes Detail dieser Umgebung in der Story zu nutzen. Zwar gibt es detaillierte Informationen zu allen Ministerien, doch nur zwei sind von echter Relevanz, während die restlichen eher wenig Beachtung finden. Die Stadt wirkt riesig und unübersichtlich – die Handlung selbst beschränkt sich dagegen aber auf übersichtliche, abgetrennte Bereiche der Stadt. Ihr werdet das Gefühl haben, eine richtig spannende Kurzgeschichte über Union City zu lesen. Gefesselt werdet ihr durch die Vielzahl an neuen und zurückkehrenden Charakteren, die euch nicht selten ein Lächeln auf die Lippen zaubern.


Ein Adventure-Spiel für die Nintendo Switch mit überschaubaren Mängeln


Beyond a Steel Sky bedient sich beim User Interface an einer Mischung aus Point-and-Click und frei schwenkender Kamera in einer vollständigen 3D-animierten Umgebung. Die Spielentwickler Revolution Software, welche eher für 2D-Spiele bekannt sind, haben merklich viel Zeit, Arbeit und Herzblut investiert, um eine stimmige Umgebung zu schaffen. Während die einzelnen Prozesse innerhalb des Spiels ohne Probleme laufen und überwiegend eine stabile Bildrate aufweisen, sind besonders die kleinen Cutscenes die Problemkinder der Produktion. Insbesondere bei hektischen Situationen kommt es nicht selten dazu, dass die Texturen oder ganze Objekte wie Menschen nicht schnell genug laden. So kann es passieren, dass NPC plötzlich mitten in der Cutscene auftauchen oder einzelne Dinge erst unscharf sind, bevor deren Textur korrekt geladen ist.


Witze lockern die teils ernste Handlung sehr auf. Fosters Umgebung ist immer wieder für einen Lacher gut.

© Revolution Software

Ebenfalls schwierig sind die vorgegebenen Wege, die die NPC gehen. Manchmal kommt es vor, dass Personen durch einander durchgehen. Wenn ihr ein Gespräch auf einem Pfad anderer Charaktere eröffnet, können sich auch kleine Knäuel aus Leuten von zwei bis vier Personen bei euch bilden, was natürlich sehr eigenartig aussieht und nicht konsequent gelöst wurde. Es gibt zum Beispiel auch Roboter, die stehen bleiben und melden, dass ihr weg blockiert ist und eben nicht unangenehm ineinander reinlaufen.


Abgesehen von diesen grafischen Schönheitsfehlern ist Union City mit seinen quirligen Charakteren einfach atemberaubend. Die Skyline und auch die Einstrahlung der Sonne vermitteln ein Gefühl von Perfektion, die die Stadt versucht zu verkörpern. Foster und sein maschineller Begleiter fallen durch ihr schmutziges und recht funktionales Auftreten aus diesem Bild heraus. Unterstützt werden die verschiedenen, detailreichen Szenerien durch musikalische Komponenten, die euch das Gefühl geben, kein Spiel mehr zu spielen, sondern einfach einen Film zu sehen. Fans aus Deutschland dürfen sich hierbei über ein besonderes Schmankerl freuen: Beyond a Steel Sky ist vollständig in deutscher Sprache vertont und bietet viel Text, den man nicht mehr lesen muss.


Im Kern ist das Spiel nichts anderes als ein klassisches Adventure-Spiel in einer sehr schicken Verpackung. Ihr nutzt Dialoge mit vorgegebenen Dialogoptionen, um neue Informationen zu sammeln, sucht Gegenstände in der Umgebung, um voranzukommen und grübelt auf einem der riesigen Hochhäuser über das weitere Vorgehen nach. Zusätzliche Würze gibt es durch eine Art Minispiel, in welchem man sich in die Systeme der verschiedenen Maschinen hacken kann, um diese umzuprogrammieren. Zum einen sind diese Hackereien dringend notwendig für verschiedene Aufgaben-Lösungen, andererseits kann man auch einfach dumme Bewohner von Union City mit manipulierten Automaten ärgern. Als Genre-Jüngling ist die Schwierigkeit der diversen Rätsel durchaus herausfordernd. Während einige Rätsel mit ein wenig Kreativität gut zu lösen sind, gibt es auch Rätsel, die ein wenig Scharfsinn verlangen. Zu meinem Glück gibt es aber im Menü einen Hilfesektor, der nach 30 Sekunden neue Tipps beziehungsweise eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Verfügung stellt. Das Spiel habe ich nur wegen dieser netten Hilfestellung geschafft, wofür ich sehr dankbar bin, denn Beyond a Steel Sky ist nicht eine Sammlung von Rätseln und Problemen. Es erzählt eine packende Geschichte in einer absurden Welt, von der man kaum genug bekommen kann. Wer das Spiel einmal richtig beginnt, wird sich nur schwer losreißen können.


Falls ihr neugierig auf den Entstehungsprozess und tiefere Einblicke in das Studio hinter Beyond a Steel Sky seid, schaut euch hier unser Interview mit Adventure-Entwicklerlegende Charles Cecil an.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Simon Münch

Nach über einem Vierteljahrhundert verschlägt es uns wieder nach Union City. Adventure-Fans werden sich regelrecht danach verzehren, aber auch Neulinge werden auf ihre Kosten kommen. Durch eine ausführliche und liebevoll gestalte Einführung im Comic-Stil können auch Neueinsteiger ohne Probleme in diese Fortsetzung finden. Beyond a Steel Sky zeigt wahre Ambitionen, statt die bisher bewährte 2D-Grafik zu nutzen, ist das Spiel modern in einer dreidimensionalen Spielwelt umgesetzt. Kleinere Bugs und Grafikfehler sind zwar nicht selten vertreten, stören aber aus meiner Sicht nicht wirklich das Spielerlebnis. Das Highlight dieser Produktion ist die Erzählung, die sich langsam und über synchronisierte Dialoge entfaltet. Das Mysterium nimmt immer weiter an Fahrt auf, um dann in einem spannenden Finale zu münden, ohne zu übertreiben. Beyond a Steel Sky liefert alles, was man von einer Adventure-Produktion erwarten kann: eine spannende Geschichte, knackige Rätsel, vielseitige Charaktere und eine ordentliche Prise Humor. Liebes Revolution Software-Team, das Ministerium für Wohlergehen vermeldet Wohlwollen für diese gekonnte Fortsetzung!
Mein persönliches Highlight: Die „perfekte” Gesellschaft von Union City, in der ich gerne leben würde.

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Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 18

  • iZen

    Turmheld

    Ich kann es nur empfehlen. Es hat eine tolle Atmosphäre und macht unheimlich Laune :)

  • Hightower76

    Turmritter

    Mir wäre der alte Zeichenstil in etwas modernerer Form sehr viel lieber gewesen. Aber ich bin auch alt... :D

  • barnacleboy

    Turmheld

    Ich werde es mir auch demnächst zulegen als alter Revolution Fanboy... Hoffe, dass die Handlung besser ist als beim letzten Baphomets Fluch...

  • AgentYork

    Turmheld

    Obwohl ich ein großer Point & Click-Adventure-Fan bin, habe ich den Vorgänger ehrlich gesagt nie gespielt, obwohl ich ihn seit Ewigkeiten bei GOG in der Liste habe. Muss ich echt mal nachholen und dann die Fortsetzung hier anschauen :)

  • Aoi

    Ui, des sieht ja klasse aus 🤩.

    Ab auf die Liste 🤗

  • ThyTrueMaverick

    Turmheld

    Schön, dass die Portierung gelungen ist. Habe den Titel schon länger im Blick und hoffe auf eine (wenigstens kleine) Preissenkung, dann werde ich auch zuschlagen bei der Cartridge-Version! :ddd:

  • iZen

    Turmheld

    Hightower76ich bin auch alt ;) dennoch find ich den neuen Stil echt erste Sahne :)


    barnacleboy

    ??? BF 5 war doch ein super Adventure, mit toller Story. Für mich nach Teil 1 und 2, gleich der nächst Beste ;)

  • barnacleboy

    Turmheld

    iZen

    Die Story hat das Niveau eines Fanadventures, das dem Original nacheifert. Mir fehlt oft der Übergang von einem Schauplatz zum anderen - zB. wirken die paar Bildschirme in London einfach so reingeklatscht und wie ein Fremdkörper. Und dann sind manche Schauplatzwechsel wieder ganz abrupt zu Ende: Zum Abschluss des Abschnitts hört man nur die Stimme von George aus dem Off während die Sirenen zu hören sind. Für eine schöne Zwischensequenz war wohl kein Geld da und nach dem Fadeout ist man in Nicos Wohnung.


    Charles & Co. hätten es sicher gekonnt das Spiel runder zu machen, aber sie mussten wohl viel Kompromisse eingehen. Hätten sie lieber das viele unnötige Fanservice mit den Charakteren aus Teil 1+2 weggelassen...

  • wonderboy

    Turmbaron

    Wann erscheint es auf Modul?

  • Simon Münch

    Inselsprecher

    wonderboy Meines Wissens gibt es Beyond a Steel Sky bereits als Cartridge zu kaufen.

  • iZen

    Turmheld

    barnacleboyja gut da stimme ich dir zu. Das hätte man bei BF5 definitiv besser machen können und das fand ich auch schade.

  • MichiP

    Videogamer

    iZen  Simon Münch mal ne Frage an die Besitzer des Spiels:

    In den youtube Videos sieht die switch Grafik in Bewegung an den Kanten so doppelt aus, ist das im Spiel wirklich so? Dann würde ich nämlich lieber zu einer anderen Version greifen

  • Simon Münch

    Inselsprecher

    MichiP hättest du ein konkretes Beispiel (Screenshot o.ä.)? Ich verstehe nicht ganz, was du genau meinst.

  • barnacleboy

    Turmheld

    Ich finde die Switch Grafik entspricht auch ca. dem was ich von den Videos kenne. Hätte jetzt auch die PS5, aber mir war lieber, dass ich es auf der Switch hab, wegen Portabilität usw.

  • MichiP

    Videogamer

    Simon Münch

    Z.B. hier bei 12:45

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    Das wirkt so doppelt finde ich. An den Hilzpfeilern und auch Pflanzen. Wie ein Blur-Effekt. Oder die alten TVs beim Fussball, wenn der so hinterhergezogen gedoopelt war. Sah bei den PS5 Videos nicht so aus.

  • Simon Münch

    Inselsprecher

    Das wirkt so doppelt finde ich. An den Hilzpfeilern und auch Pflanzen. Wie ein Blur-Effekt. [...] Sah bei den PS5 Videos nicht so aus.

    Ich habe mir jetzt den Ausschnitt angesehen. So wie im Video sah es auch bei mir aus. Wobei mir das eigentlich nicht negativ aufgefallen ist. Hin und wieder werden Objekte unscharf dargestellt, um wahrscheinlich die Performance zu wahren. Wenn du die Wahl zwischen verschiedenen Konsolen hast und dich die Grafik stört (was bei einem solchen Spiel durchaus seine Berechtigung hat), dann nutze die Version der PS5. Das Problem das du hast, so verstehe ich es, ist Grafik vs. Portabilität – da kann ich dir leider keinen Rat geben, weil ich normalerweise die Grafik erdulde aber weniger die Nintendo Switch unterwegs nutze xD für mich persönlich ist Beyond a Steel Sky eher ein Erlebnis für den großen Fernseher, weil es sich eher wie ein Film oder eine Serie anfühlt.

  • MichiP

    Videogamer

    exakt das ist mein "Problem" Ps5 hat etwas bessere Grafik und Trophäen, die switchversuon kann ich dafür überall zocken. Zudem ist sie gerade im Angebot .


    Vielen Dank für Eure schnellen Antworten!

  • Simon Münch

    Inselsprecher

    MichiP also ich bin ja ein freudiger Trophäen-Jäger haha kann deinen Mobil-Aspekt verstehen – wenn es gerade im Angebot ist, dann schlag einfach zu. Egal, welche Version du kaufst, ganz am Ende wirst du den Kauf nicht bereut haben:D