Ein Wunderland für alle kleinen (und großen) Disney-Fans?

Seit fast hundert Jahren verzaubern die Serien und Filme von Disney Generationen von Menschen. Ob sich die beiden Brüder bei der Gründung schon haben träumen lassen, dass ihr Unternehmen mal so populär sein und so viele ikonische Charaktere wie kein anderer Medienkonzern unter ihrem Firmendach beherbergen wird? Zwar hat sich der mächtige Megakonzern in den vergangenen Jahrzehnten beliebte Marken wie Marvel und Star Wars einverleibt und ist unfassbar erfolgreich mit den daraus entstandenen Filmen und Serien, aber die allermeisten verbinden den Namen Disney wohl eher mit Charakteren wie Micky Maus, Goofy, Donald Duck und Daisy. Mit der Gründung des ersten Themenparks Mitte des 20. Jahrhunderts erwachten die Figuren quasi zum Leben und waren für Besucher erstmals anfassbar und die Disney-Magie erlebbar. Bis heute strömen Massen von Menschen in die mittlerweile 14 rund um die Welt verteilten Themenparks, um ihre Lieblingswelten und Charaktere hautnah zu erleben. Wer allerdings etwas günstiger in die fabelhaften Welten eintauchen möchte, der kann eine Eintrittskarte in Form des Spiels Disney Magical World 2: Enchanted Edition kaufen und gemütlich von zu Hause aus Micky und Co. in ihrem wundervollen zu Hause besuchen. Ob sich der Ausflug lohnt, das lest ihr in den nachfolgenden Zeilen.


Triff Micky Maus und seine Freunde


Was wäre es schön, einmal das auf Neuschwanstein basierende Disney-Schloss und all die schönen Welten, die uns die Traumfabrik in den letzten Jahrzehnten beschert hat, mit einem virtuellen Alter Ego besuchen zu können. Disney Magical World 2: Enchanted Edition verspricht genau das und lädt euch ein, auf eben jenes Schlossgelände zu ziehen. Ihr übernehmt dort aber nicht einen beliebigen Disney-Charakter, sondern dürft mit eurem eigens kreierten Ich das Abenteuer antreten. Hierzu kommen die bereits seit dem Nintendo 3DS bekannten Miis zum Einsatz. Ihr könnt also ein bereits bestehendes Mii-Abbild von euch wählen, oder ihr baut euch in dem spieleigenen Editor einen Charakter und wählt anschließend noch eins von vier Geschenken aus, welches Bekleidung für euch beinhaltet. Dabei ist das Spiel sogar genderneutral, ihr könnt also als Mann zum Beispiel auch ein Kleid anziehen. Ein nettes, aber wahrscheinlich nicht zwangsläufig von den Entwicklern beabsichtigtes Detail.


Im Spiel gibt es viele kleine Welten und diverse Disney-Charaktere zu entdecken.

© Disney

Per Luftschiff geht es anschließend auf zum Schlossplatz und vor Ort werdet ihr von den ersten Bewohnern schon herzlich in Empfang genommen. In den ersten Stunden im Spiel werdet ihr von da an verstärkt an die Hand genommen und herumgeführt. Ihr lernt neue Disney-Bewohner kennen, wer auf dem Schlossgelände ein Geschäft unterhält, womit ihr eure Zeit verbringen, oder auch den ein oder anderen Taler verdienen könnt. Alle neuen Dinge, die ihr erfahrt, werden in Tutorial-Einblendungen genauestens erklärt und sind verständlich aufbereitet. Interessantes Detail dabei am Rande: Die Bilder in den Tutorials stammen noch allesamt aus der Nintendo 3DS-Version. Dann führt euch Micky zum Vorplatz des Zauberschlosses und zusammen mit Minnie, Donald und Daisy führt die Maus mit den ikonischen runden Ohren einen Willkommenstanz auf. Anschließend erhaltet ihr euren ersten Happy-Sticker, den ihr stolz in eines euer vielen Alben, die ihr über die Zeit erhaltet, kleben dürft. Je mehr ihr davon sammelt, desto mehr Bereiche, Attraktionen, Geschäfte und andere interessante Dinge schaltet ihr im Verlauf des Spiels frei. Dann bittet auch der König im Zauberschloss um eine Audienz und lehrt euch euren ersten Gruß, damit ihr den Bewohnern auch immer freundlich zuwinken könnt. Insgesamt sind alle Einwohner stets gut gelaunt und überschütten euch mit überschwänglichem Lob. Egal was ihr macht, alles ist fantastisch. Das sorgt anfangs für Euphorie, wirkt aber in den Augen eines Erwachsenen mit der Zeit etwas aufgesetzt und nervig.


Danach werdet ihr endlich zu eurem Eigenheim geführt, das in bester Lage auf der Insel, an einem schönen Springbrunnen gelegen, auf den Erstbezug wartet. Einrichten und mit Leben füllen dürft ihr dieses natürlich auch. Neue Tapeten, neue Möbel und Accessoires, alles was das Herz begehrt und das Meiste davon sogar mit Disney-Bezug. Ein Sessel mit Micky-Maus-Ohren, ein Baumstumpf-Tisch aus dem Hundertmorgenwald oder auch ein hübsch verzierter Stuhl aus Rapunzels Schloss – zu Beginn ist die Auswahl nur sehr begrenzt, aber im Verlauf eures Aufenthalts kommen einige Möglichkeiten zum renovieren und verschönern hinzu. Die neuen Nachbarn stellen sich anschließend auch recht schnell vor. Micky, Daisy, Goofy und Donald wohnen fußläufig entfernt, freuen sich stets über einen Besuch und benötigen hier und dort mal eure Hilfe.


Nach einer gelungen Party im eigenen Café darf natürlich ein Erinnerungsfoto nicht fehlen!

© Disney

Dann geht es weiter ins Geschäftsviertel wo Dagobert zusammen mit seinen Neffen Tick, Trick und Track ein Kaufhaus unterhält. Gegen Münzen, die ihr beispielsweise durch Verkäufe und das Erledigen von Quests erhaltet, könnt ihr hier neue Möbel und Gegenstände erwerben. Gegenüber führt Daisy noch ihre Boutique, in der ihr neue Klamotten von ihr schneidern lassen könnt – natürlich gegen Bezahlung und die passenden Materialien – und Chip und Chap betreiben in der Nähe eine Werkstatt, in der ihr Möbel herstellen könnt. Grundsätzlich müsst ihr für jeden Gegenstand den ihr erstellen lassen wollt, das passende Material bereitstellen und Münzen berappen. Beides erhaltet ihr bei Quests und beim Erkunden der verschiedenen Umgebungen im Spiel. Finanzielle Mittel habt ihr aber eh zumeist mehr als genug und am einfachsten lässt sich das eigene Portemonnaie, mit der Bewirtschaftung eures Cafés füllen. Der König überlasst euch nämlich das Etablissement, welches ihr fortan leiten sollt. Genauso wie euer Eigenheim dürft ihr dieses nach Lust und Laune umgestalten. Eure Gäste sind natürlich hungrig und wollen unterhalten werden. Eure Aufgabe ist es also Essen zuzubereiten, anhand von verschiedenen Rezepten, die ihr mit der Zeit erlernt, und hin und wieder eine Party zu schmeißen, sobald ihr genug Party-Punkte gesammelt habt. Diese erhaltet ihr durch die themengerechte Bekleidung eurer Angestellten. Habt ihr euer Café gänzlich einem bestimmten Thema gewidmet, beispielsweise dem von Rapunzel – Neu verföhnt, dann kommen mit Rapunzel und Flynn Rider sogar die passenden Gäste vorbei und ihr dürft zusammen mit ihnen auf der Party das Tanzbein schwingen, sowie ein Erinnerungsfoto schießen.


In jeder Themenwelt erwarten euch Quests, in denen ihr Geister bekämpfen müsst.

© Disney

Generell dient die Schlossumgebung mit dem Café, den Geschäften, eurem Eigenheim und allem anderen als eine Art Hauptbereich, von dem aus ihr mittels Portalen in die verschiedenen Themenwelten reisen könnt. Doch nicht immer herrscht nur Friede und Freude in den idyllischen Disney-Universen. So treiben sich überall in der Welt Geister herum, die ihr für die jeweiligen Bewohner der Themengebiete aus verschiedensten Gründen verscheuchen müsst. Mit einem Zauberstab ausgerüstet, der magische Projektile abfeuert, geht es den fiesen Fabelwesen an den Kragen. In drei aufeinanderfolgenden, von der eigentlichen Welt abgetrennten Instanzen, kämpft ihr euch durch die auftauchenden Geistgegner bis hin zum Portal-Ausgang. Zwischendurch hagelt es natürlich Belohnungen und Truhen dürfen geplündert werden. In den weiteren Welten von Schneewittchen und den sieben Zwergen, Alice im Wunderland und allen anderen erwartet euch ein ähnliches Schema in den Arealen, nur mit verschiedenen Geistern und mit kleinen Herausforderungen gespickt. Insgesamt sind die Quests, die ihr an den Anschlagtafeln in jeder der Themenwelten annehmen könnt, ziemlich einfach und wenig fordernd. Euer Charakter zielt automatisch auf die Gegner und simples Knöpfchendrücken zum Abfeuern des Zauberstabs reicht in den allermeisten Fällen völlig aus, selbst bei den größeren Boss-Geistern, von denen euch stets einer am Ende erwartet.


Neben den vielen Aktivitäten im Spiel, die ihr jederzeit auf einer eingeblendeten Umgebungskarte sehen könnt, gibt es unfassbar viele verschiedene Sammelobjekte und Währungen zum Tausch gegen Gegenstände: Happy-Sticker, Münzen, Materialien, Schönpunkte, welche ihr für besondere Kleidungskombinationen, so genannte Ass-Ensembles, erhaltet, Puzzle-Stücke, Medaillen, und, und, und. Ähnlich wie in vielen Mobile-Spielen verliert man schnell mal die Übersicht über die schiere Menge an verschiedenen Sammelgegenständen. Überall in der Welt wo es lila glitzert gibt es zudem noch etwas aufzusammeln und recht schnell saugt man einfach nur noch alles auf, weil man es sicherlich irgendwann mal gebrauchen kann. So viel ist aber sicher: Bis man mal alle 747 Möbel und 877 Outfits mittels Münzen und Materialien erstellt und gesammelt hat, dürften einige Stunden vergehen. Und je nach Jahreszeit gibt es außerdem noch besondere Gegenstände, die ihr herstellen und sammeln könnt.


Angestaubt wie so mancher Disney-Film


Doch so abwechslungsreich und vollgestopft die Welt von Disney Magical World 2: Enchanted Edition auch ist, die Schönste ist sie leider nicht. Matschige Texturen begegnen einem an jeder Ecke, die Welt ist insgesamt sehr polygonarm und kantig und eine Vielzahl der Objekte wirkt platt und aufgeklebt. Was für den Nintendo 3DS damals funktioniert hat – auch aufgrund des kleineren Bildschirms – ist heute einfach nicht mehr zeitgemäß und hätte deutlich mehr Aufarbeitung benötigt. Hinzu kommt dass die zumeist fehlenden Schatten den Umgebungen völlig die Räumlichkeit entziehen. Die ausmodellierten Comic-Vorbilder aus den diversen Disney-Franchises sind aufgrund ihrer gezeichneten Herkunft jedoch recht hübsch anzusehen, allerdings wirken die Animationen sehr starr und manchmal schon fast roboterhaft. Insbesondere bei den Tanzveranstaltungen in eurem Café fällt das besonders deutlich auf. Auch scheint jeder Charakter nur ein Muster aus einer Handvoll Bewegungsabläufe zu besitzen.


Die kargen Umgebungen wirken leider wenig einladend.

© Disney

Auf was ich persönlich gespannt war, ist die Umsetzung der verschiedenen Universen, denen die Disney-Charaktere entstammen. Beispielweise das Schloss aus Die Eiskönigin, der Hundertmorgenwald aus Winnie-Puuh oder auch die Unterwasserwelt von Arielle der Meerjungfrau. Doch auch hier wird man als Spieler bzw. Spielerin ein wenig enttäuscht und viele der Umgebungen bleiben hinter den Erwartungen zurück. Leider besitzen diese nämlich nur wenig bis gar keinen Wiedererkennungswert und sind nur rein vom Setting her entsprechend passend umgesetzt. Außerdem sind die dort zu entdeckenden Aktivitäten – so kann man im Hundertmorgenwald ein kleines Feld bewirtschaften oder bei Lilo und Stich am Strand von Hawaii surfen gehen – in der Regel sehr simpel gehalten und bieten nur kurzweilige Unterhaltung. Recht begrenzt und klein sind die Areale zudem auch, was ebenfalls der Nintendo 3DS-Herkunft geschuldet sein dürfte. Positiv, aber auch erwartbar sind die deutlich schnelleren Ladezeiten bei Szenenwechseln und auch die allgemein recht gute Performance. Bis auf den Wohnbereich des Schlossgeländes konnte ich keine Einbrüche bei der Bildschirmrate feststellen.


Musikalisch dürft ihr leider keine Ohrwürmer á la „Lass jetzt los“ bzw. im englischen „Let it Go“ aus Die Eiskönigin erwarten, aber dennoch laden die Lieder in den Umgebungen oder den Tanzveranstaltungen im Café hin und wieder zum mitsummen ein. Die weitere Geräuschkulisse ist weder spektakulär, noch großartig erwähnenswert, geht aber völlig in Ordnung. Übersetzt ist das Spiel komplett auf Deutsch, jedoch wurden die Logos der Franchises nicht angepasst. Schneewittchen und die sieben Zwerge wird beispielsweise im Einleitungsfilm der Themenwelt als Snow White and the Seven Dwarfs angezeigt.


Zum Abschluss noch ein Wort zum Mehrspieler-Modus: Bei der Nintendo 3DS-Version konntet ihr via StreetPass das Schlossgelände von anderen Spielern und Spielerinnen besuchen und die Funktion findet man, solange ihr eine aktive Nintendo Switch Online-Mitgliedschaft besitzt, auch in der Nintendo Switch-Portierung wieder. Die Aktivitäten sind aber auch schon wie beim Original nur äußerst begrenzt. Zusammen auf Missionen gehen, an Aktivitäten teilnehmen, oder in etwaigen Minispielen wie beispielsweise Wettangeln gegeneinander antreten, gibt es nicht. Mehr als ein paar Medaillen abgreifen, sowie die Behausung und das Café als Gast zu besuchen ist nicht drin. Hier wäre eine Erweiterung des Umfangs wünschenswert gewesen.


Wer sich zum Vergleich einen ausführlichen Bericht zur damaligen Nintendo 3DS-Version durchlesen möchte, dem sei der Test von unserem lieben ehemaligen Kollegen Marco Primmer ans Herz gelegt.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von David Kuhlgert

Direkt vorweg: Disney Magical World 2: Enchanted Edition richtet sich ganz klar an ein jüngeres Publikum. Die vielen Mechaniken und Funktionen sind alle leicht verständlich, werden ausführlich erklärt und das Spiel führt einen in den ersten Stunden sehr langsam in die Welt und wie sie funktioniert ein. Dabei bemerkt man recht schnell einige Parallelen zu den damaligen Spielen der Animal Crossing-Reihe und die Entwickler haben sich sicherlich sehr stark von diesen inspirieren lassen – angefangen bei den Aktivitäten im Spiel, bis hin zur allgemeinen Aufmachung. Und ich sage bewusst damalig, denn man merkt dem Titel seinen Nintendo 3DS-Ursprung und die begrenzten Möglichkeiten des Systems an. Das fällt nicht zuletzt auch an der Grafik, die sehr polygonarm und für einen kleineren, weniger hochauflösenden Bildschirm entwickelt wurde, und den sehr begrenzten Umgebungen auf. Dass einige Objekte wie aufgeklebt wirken und manche Texturen nicht mal als solche zu Bezeichnen sind, fällt da schon fast nicht mehr so stark ins Gewicht. Lobenswert sind die nach wie vor recht hübschen Charaktere, die insbesondere durch ihren Comic-Ursprung sehr gut in das Videospiel passen. Nichtsdestotrotz hätte ich mir für eine Portierung etwas mehr Entwicklungsarbeit und Liebe zum Detail gewünscht. Neue Inhalte sucht man übrigens leider auch vergeblich. Wer den Vorgänger Disney Magical World 2 zuvor nie gespielt, aber Interesse an dem Konzept hat, eine absolute Disney-Affinität besitzt oder kleine Kinder im Haus hat, für den dürfte das Spiel ein Fest sein – auch wegen des unfassbar umfangreichen Inhaltsangebots. Zählt ihr jedoch nicht zu einer dieser Personengruppen, dann würde ich euch das Spiel nur bedingt empfehlen wollen.
Mein persönliches Highlight: Der riesige Umfang und die vielen Disney-Themenwelten mit ihren liebevollen Charakteren.

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Die durchschnittliche Leserwertung

2 User haben bereits bewertet

Kommentare 5

  • Tisteg80

    Meister des Turms

    komplett auf Deutsch? Heißt das, dass auch die Sprachausgabe deutsch ist?

  • David Kuhlgert

    Redakteur

    Es gibt keine Sprachausgabe, nur die vereinzelten Lieder im Spiel werden auf englisch gesungen und sind dann mit deutschen Untertiteln.

  • Pascal Hartmann

    I'm not a cat

    Den ersten auf dem 3DS mochte ich ja schon ganz gerne. Schade, dass sie sich hier so ausgeruht haben.

  • Red Realm Rabbit

    Turmheld

    Frag mich ja immer ne 6/10 die Bezeichnung "überzeugend" bekommen kann...

    In diesem Sinne dann Danke für die Review.

    Jetzt weiß man, dass man eher einen Bogen um das Spiel machen sollte :)

  • nec3008

    Turmbaron

    Also ein sehr lieblose Neuauflage, die man wohl kaum als Remaster bezeichnen kann, da so gut wie keine Arbeit reingesteckt wurde.