Eine Lebenssimulation der etwas anderen Art

Kennt ihr noch die Anime-Serie zu Monster Rancher? Diese begeisterte mich als Kind ebenso wie Pokémon und Digimon, weshalb ich bis heute viele positive Erinnerungen zur Reihe hege. Mit der Ankündigung von Monster Rancher 1 & 2 DX für die Nintendo Switch erhoffte ich, diese alten Gefühle wieder aufleben zu lassen. Warum dieses Unterfangen nicht ganz glückte, erfahrt ihr im nachfolgenden Test.


Ist das Tamagotchi?


Die ersten Minuten mit Monster Rancher 1 & 2 DX könnten für den einen oder anderen durchaus verwirrend sein. Ohne langes Tutorial werdet ihr nämlich in die Story geworfen. So findet ihr euch als Monster-Züchter wieder, welcher zusammen mit seiner Assistentin den Alltag meistert. Dabei steht euer Partner-Monster, welches ihr anfangs auswählt, im Mittelpunkt und ihr müsst zusammen mit diesem an unterschiedlichen Turnieren teilnehmen, um am Ende siegreich hervorzugehen. Dabei unterscheidet sich die Geschichte vom ersten zum zweiten Teil der Monster Rancher-Reihe nur marginal und auch spielerisch bekommen wir nicht so viel neues geboten, als das beide Titel einzeln zu behandeln wären.


Die Animationen des Trainings sind in Monster Rancher 1 noch sehr schlicht gehalten.

Euer Alltag als Monster-Züchter erinnert im weitesten Sinne an eine Lebenssimulation oder auch an die Tamagotchi der 90er-Jahre. Mittels unterschiedlicher Menüpunkte bestimmt ihr nämlich darüber, welche Aktionen für euer Monster anstehen. So dürft ihr dieses zum Training schicken, um einige der Werte zu verbessern, Jobs annehmen, die ebenfalls die Werte verbessern, jedoch deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen, oder auch mal eine Pause einlegen, damit sich euer Partner erholt. Jede der Aktionen wird von netten Animationen begleitet, ihr selbst habt dabei aber keinen Einfluss auf das Gelingen der Aufgaben. Das bedeutet in der Praxis, dass häufig der Zufall darüber entscheidet, ob sich euer Monster in seinen Fähigkeiten verbessert oder eben nicht. Die dabei ablaufenden Animationen sind bei Monster Rancher 1 noch sehr schlicht und wenig unterhaltsam, wohingegen der Nachfolger durchaus nette Sequenzen zu bieten hat.


Nach den täglichen Aufgaben habt ihr als Züchter dann auch die Möglichkeit, euren Partner zu loben oder zu tadeln. Dabei müsst ihr eure Entscheidungen mit bedacht treffen, um das Verhältnis zu eurem Partner nicht zu zerstören. Gleichzeitig muss aber auch eine Prise Strenge an den Tag gelegt werden, um ein gut erzogenes Monster hervorzubringen. Denn nur wenn euer Partner gehorsam ist und sich stets bemüht, habt ihr in den Kämpfen eine Chance, siegreich hervorzugehen. Dies ist darin begründet, dass die Kämpfe durchaus an euer Glück gekoppelt sind. Zwar habt ihr die Möglichkeit, in die Kämpfe einzuschreiten und Befehle zu erteilen, eine wirkliche Kontrolle über euere Monster habt ihr dabei jedoch nie. Entsprechend frustrierend können die Turniere werden, wenn plötzlich ein potenziell schwächerer Gegner euch in die Knie zwingt, weil das Schicksal euch eben nicht wohl gesonnen war.


Die Kämpfe sind geprägt von Glück und Zufall.

Die für mich nervigste Spielmechanik ist jedoch das Geld. Dieses wird allgegenwärtig benötigt, wenn es beispielsweise darum geht, euren Partner mit Futter zu versorgen oder um an den Jobs teilzunehmen. Hausiert ihr nämlich schlecht mit der Währung, endet das Spiel und der Game Over-Bildschirm erwartet euch. Dank einiger Quality of Life-Verbesserungen habt ihr in den Portierungen jedoch genug Speicherplätze, sodass auch von euch gemachte Fehler durchaus verziehen werden. Aus eben jenen Fehlern besteht auch das gesamte Prinzip von Monster Rancher 1 & 2 DX. Durch das sehr knappe Tutorial gehört es zum Spiel dazu, Fehlentscheidungen zu treffen und diese beim nächsten Mal besser zu machen. Dies sorgt zwar für eine angenehme Lernkurve, sorgt aber vor allem zu Beginn für gehörig Frust.


Neben den zusätzlichen Speicherplätzen wurden weitere kleinere Optimierungen vorgenommen. So finden sich beispielsweise in Monster Rancher 2 zusätzliche Monster, die es zuvor nicht gab. Durch das Kaufen und Kreuzen der Wesen ergibt sich so eine ordentliche Anzahl an Partnern, die euch erwarten. Zudem dürft ihr mittels eines geheimnisvollen Menüpunkts auch Monster anhand eures musikalischen Geschmacks beschwören. Im Originalspiel war es nämlich möglich, eine CD in das Laufwerk der PlayStation einzulegen und anhand dieser tauchte ein Monster im Spiel auf. Da dies heutzutage mit der Nintendo Switch nicht mehr möglich ist, wurden einige bekannte Größen der Musikbranche integriert. Eine nette Idee, um das dröge Spielsystem aufzuwerten.


Viel Inhalt, wenig Abwechslung.


Solltet ihr es schaffen, euch voll und ganz auf Monster Rancher 1 & 2 DX einzulassen, könnt ihr pro Spiel mindestens zwanzig Stunden investieren. Zur Komplettierung darf es aber auch noch etwas mehr sein. Um dahin zu kommen, müsst ihr euch jedoch nicht nur durch ein in die Jahre gekommenes Gameplay beißen, sondern auch mit Portierungen leben, die wenig Neues im Vergleich zu den Originalen bieten. Dadurch entsteht schnell Monotonie beim Spielen, was gepaart mit den vielen Momenten, die auf Zufall basieren, frustrierend sein kann.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Maik Styppa-Braun

Monster Rancher 1 & 2 DX sollte eigentlich alte Gefühle bei mir aufflammen lassen. Leider war dieses Unterfangen jedoch ein Schuss in den Ofen, da mich die beiden Titel nicht wirklich abholen konnten. Grund ist hierfür vor allem das monotone Gameplay, welches phasenweise wirklich Spaß macht, im Kern aber heutzutage nicht mehr überzeugt. Spaß werden vor allem Nostalgiker haben, die entweder mit der Monster Rancher-Reihe etwas anfangen können oder vielleicht sogar die Originale auf der PlayStation 1 gespielt haben. Alle anderen sollten vorsichtig sein, da die Menge an Spielzeit und auch Inhalt – mit Blick auf die vielen Monster – durchaus seinen Reiz hat, diesen jedoch schnell verliert, wenn man sich durch etliche Menüs klickt, Kämpfen zusieht und immer auf ein Quäntchen Glück hoffen muss.
Mein persönliches Highlight: Das Aussehen der ulkigsten Monster wie zum Beispiel das Aushängeschild der Reihe „Suezo“.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 12

  • NiFaBo

    Turmheld

    Erschreckenderweise sieht das immernoch moderner aus als die angegammelten und permanent neuaufgewärmten Nintendo Games der alten Konsolen. Bei NES oder SNES Games wird mir auch nur schlecht. 😂

  • Maik Styppa-Braun

    Redakteur

    NiFaBoIst aber auch etwas unfair, dass du einen PlayStation 1-Titel mit NES und SNES vergleichst :D

  • NiFaBo

    Turmheld

    Maik Styppa-Braun

    Nur dass man hier Prügel kassiert, wenn man die heiligen SNES Games kritisiert. Die ps1 ist mit dem SNES zeitgleich auf dem Markt gewesen...

  • Maik Styppa-Braun

    Redakteur

    NiFaBonaja das Spiel lässt sich ja aber deutlich besser mit der Nintendo 64-Ära vergleichen. Gerade weil das Spiel 97 auf den Markt kam. Zudem war das SNES bereits 3 Jahre auf dem Markt, als die PS1 erschien. Also finde der Vergleich hinkt etwas 😅

  • NiFaBo

    Turmheld

    Maik Styppa-Braun

    Okay, die N64 Games sind heute aber auch nur etwas für Fans ohne Schmerzgrenze. Früher mag das vielleicht gut ausgesehen haben (bezweifle ich aber weil is immernoch Nintendo wo alles hinterher hinkt) aber heutzutage verursachen die Games vom N64 nur Kopfschmerzen bei mir. Null Kantenglättung, Flimmern, Auflösung schlimmer als unser Kühlschrank Display. Diese ersten 3D Games sind alle heutzutage nur noch bedingt spielbar. Wir sind ja aber auch schon etwas weiter in der Entwicklung und die Games sehen doch auch seit einigen Jahren sehr viel besser aus (außer auf Switch halt).

    Ich finde es generell keine gute Idee, so extrem alte Spiele neu aufzulegen.

  • Torben22

    Meister des Turms

    NiFaBo


    Ich glaube vieles beruht auf nostalgischen Gefühlen der Zeit gegenüber als man das Spiel gespielt hat.

    Ich bereue es nie richtig Pokemon Soul Silver gespielt zu haben aber dank der Besserungen zb bei Lets Go kann ich das auch kaum noch. Klar die alten Spiele sehen alt aus.

  • Cirno the strongest

    NiFaBosnes spiele sehen doch gut aus ( mit ausnahmen natürlich )

  • NiFaBo

    Turmheld

    Cirno the strongest

    Naja, wenn man nen Sehschaden hat vielleicht. Da sieht selbst Candy Crush besser aus.

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    Turmknappe

    Man könnte meinen, manch einer wurde in seiner Kindheit von einem Nintendogerät verprügelt. Wie man bei so einer grundsätzlich ablehnenden Einstellung gegenüber Nintendoprodukten auf einer Seite kommentiert, die.. Nunja.. Nintendoprodukte zum primären Thema hat, erschließt sich mir auch nur mit der traumatischen Kindheitserfahrung.

    Einzige Frage bleibt nun: war es ein Gameboy? Ein NES? :ugly-classic:

  • Matz

    Turmknappe

    Ich verstehe die Bewertung nicht. Warum geht man mit einem alten Spiel so kritisch um. Mario Sunshine Remaster bot auch keine neuen Inhalte und war kein Kritikpunkt. Hier aber schon. Das finde ich unseriös

  • Maik Styppa-Braun

    Redakteur

    Matzpuh also mit unseriös tu ich mir jetzt schwer. Aber zur Begründung: nicht das Alter ist ausschlaggebend gewesen, sondern das Gesamtkonzept des Spiels. Vieles ist von Glück bestimmt und man klickt sich eigentlich nur durch Menüs. Daher einfach. Jungs, was an den Bildschirm fesselt.

    Nicht zuletzt muss sich das Spiel aber auch vergleichen mit heutigen Spielen gefallen lassen. Immerhin stehen Kunden vor der Entscheidung, ob sie Monster Rancher kaufen oder beispielsweise Monster Sanctuary, welches im Kern nämlich das gleiche bietet (Monster züchten, trainieren, entwickeln). Daher schlagen vermutlich hauptsächlich die zu, die etwas mit der Reihe oder dem Spiel selbst verbinden.

  • Cado

    Turmritter

    Schade, aber die Spiele sollen ja auch früher schon nicht die Besten gewesen sein - das Monster Fusions Feature war eher das Ausschlaggebende. Ist wohl echt nur was für Nostalgiker und vielleicht auch nicht mich, der den Anime sehr mochte.

    Hach, jetzt wünsche ich mir aber eine Digimon World Collection für die Switch... ||