Ein Schulleben voller Verzweiflung und ein wenig Hoffnung

Visual Novels werden oft als träge Lektüre wahrgenommen. Dabei gibt es Ausnahmen wie beispielsweise die Ace Attorney-Spiele oder die Zero Escape-Titel. Ein noch intensiveres Erlebnis bieten die Danganronpa-Spiele. Bisher nur für PlayStation-Systeme und den PC erschienen, gibt es die gesamte Trilogie nun auch für die Nintendo Switch zu erwerben. In diesem Spieletest schauen wir uns den ersten Titel, Trigger Happy Havoc, näher an. Zeit also, dem Kampf zwischen Hoffnung und Verzweiflung beizuwohnen.


Makoto Naegi hat es geschafft. Bei einer Auslosung wurde er auserwählt, die Hope’s Peak Academy zu besuchen. Dort sind regulär nur die besten der besten Kinder erwünscht, sogenannte „Ultimates“. Makoto selbst ist jedoch nur ein durchschnittlicher Schüler, wurde aber aufgrund seines Glücks in der Auslosung als „Ultimate Lucky Student“ auserwählt. Zusammen mit 14 anderen Schülern bildet er den 78. Jahrgang der prestigeträchtigen Einrichtung. Neben ihm befinden sich Charaktere wie der Ultimative Baseballspieler, das Ultimative Popsternchen oder die Ultimative Programmiererin. Doch kurz nach dem Betreten der Schule wird Makoto ohnmächtig und erwacht später in einem Klassenraum, dessen Fenster mit Metallplatten verhangen sind.


Danganronpa glänzt mit einer Vielzahl an fantastischen Charakteren.

© Spike Chunsoft

Nachdem er seine Gedanken gesammelt hat, trifft er auf die anderen Mitschüler, denen das gleiche widerfahren ist. Die Verwirrung hält nur kurz an, denn eine Stimme ruft sie in die Turnhalle. Dort treffen sie auf den sprechenden Teddybär Monukuma, der ihnen eine frohe Botschaft verkündet. Sie werden bis an ihr Lebensende in der Hope’s Peak verbleiben. Es gibt jedoch eine Ausnahme. Schafft eines der Kinder den „Abschluss“, darf es gehen. Der Abschluss besteht jedoch darin, eine Person zu töten und dabei nicht entdeckt zu werden. Natürlich würden die 15 Kinder niemals ihre Mitschüler ermorden. Oder…?


Wie eingangs erwähnt, handelt es sich bei Danganronpa um keine klassische Visual Novel. Zwar gibt es auch weiterhin längere Dialoge, doch im Gegensatz zu anderen Spielen des Genres könnt ihr euren Charakter frei durch die Schule in einer dreidimensionalen Welt bewegen. Neben dem Schlafsaal, in dem jeder sein eigenes Zimmer hat, gibt es diverse Klassenräume und andere Einrichtungen wie die Bibliothek, ein Schwimmbad oder einen Computerraum zu erkunden. Bei den einzelnen Räumen handelt es sich um dreidimensionale Bilder, in denen ihr mit einem Cursor Objekte markieren und auswählen könnt, um zu erfahren, um was es sich dabei handelt. Das Erkunden aller Räume ist optional, wird aber empfohlen, um das meiste aus Danganronpa herauszuholen.


Insgesamt bestehen die Danganronpa-Spiele, darunter auch Trigger Happy Havoc aus vier Teilen. Neben den Storyelementen, in denen die Geschichte vorangetrieben wird, gibt es auch die „Free Time“. Darin könnt ihr euch mit den einzelnen Studenten treffen, ihnen Geschenke machen und mehr über sie erfahren. Da die Charaktere eines der Highlights des Spiels sind, ist es nahezu unerlässlich, diese Gespräche zu führen. Geschenke erhaltet ihr an einem Automaten, dem ihr Monocoins geben könnt, um zufällig ein Item zu erhalten. Monocoins könnt ihr beispielsweise finden, wenn ihr bestimmte Objekte näher betrachtet habt. Details zu euren Mitschülern werden in eurem Schülerhandbuch gespeichert, so dass ihr sie jederzeit einsehen könnt.


In den Klassengerichten geht es um Leben und Tod.

© Spike Chunsoft

Wie ihr dem USK 16-Symbol entnehmen könnt, bleibt es natürlich nicht friedlich. Schnell stirbt die erste Person. Der Mörder muss sich jedoch bedeckt halten. Wie Monokuma seinen verängstigen Studenten mittteilt, wird ein Klassengericht stattfinden. Sollte per Mehrheitssystem der Mörder ausgewählt werden, wird er exekutiert. Wird die falsche Person beschuldigt, darf der Mörder den Abschluss machen, während alle anderen Schüler exekutiert werden. Um diesem Schicksal zu entgehen, ist es eure Aufgabe, Ermittlungen anzustellen. Das Ganze erinnert dabei stark an die Ace Attorney-Spiele. Ihr sucht in verschiedenen Räumen nach Hinweisen, sprecht mit euren Mitschülern und sammelt sogenannte „Truth Bullets“. Dabei handelt es sich im Großen und Ganzen um Beweise. Die Morde selbst sind meistens extrem abstrus und nicht leicht zu durchschauen. Etwas besonderes ist das Blut, denn der verwendete Grafikstil färbt den Lebenssaft pink. Das dürfte nicht nur dafür gesorgt haben, dass keine USK 18-Bewertung vergeben wurde, es passt auch zu den stylischen Mitteln des Spiels, die einem Anime ähneln.


Nachdem die Ermittlungsphase beendet ist, geht es zum Klassengericht. Dort stehen sich alle Mitschüler gegenüber, um den Mörder zu ermitteln. Während zwar auch hier Elemente von Ace Attorney entdeckt werden können, ist bei Danganronpa das Ganze DEUTLICH dynamischer. Während in den anderen drei Abschnitten nur vereinzelt Szenen synchronisiert wurden, ist während des Prozesses jede Zeile eingesprochen., wobei ihr die Auswahl zwischen englischer und japanischer Sprachausgabe habt. Die Diskussion unter den Schülern findet in sogenannten „Nonstop Debates“ statt. Darin tauchen auf dem Bildschirm die Aussagen eurer Mitschüler auf und es ist eure Aufgabe, darin einen Widerspruch zu entdecken. Gelingt euch das, verwendet ihr eine der „Truth Bullets“ und schießt auf die fehlerhafte Aussage, wobei ihr aktiv zielen müsst. Das Ganze hat zudem eine Zeitbegrenzung. Findet ihr den Widerspruch zu spät, werdet ihr für schuldig befunden und müsst den jeweiligen Abschnitt von vorne beginnen. Ist das Gameplay der „Nonstop Debates“ am Anfang recht simpel, werden nach und nach weitere Funktionen hinzugefügt. Dies geschieht sogar in weiterfolgenden Prozessen. So könnt ihr später zwischen verschiedenen Truth Bullets wechseln oder aber neue Munition generieren, indem ihr Aussagen markiert und diese gegen andere Aussagen verwendet. Aus Spoilergründen gehe ich hier nicht auf alle Funktionen ein. Ihr habt zudem die Chance, den Schwierigkeitsgrad der Prozesse auf zwei Wege zu verändern. Einerseits können besonders komplexe Mechaniken deaktiviert werden, wenn ihr einen einfacheren Schwierigkeitsgrad wählt. Zudem erhaltet ihr bestimmte Fähigkeiten, wenn ihr an Free Time-Events teilnehmt. So werden beispielsweise Animationen verlangsamt oder es fällt euch leichter zu zielen. Ihr könnt jedoch nur eine begrenzte Anzahl an Fähigkeiten vor Beginn des Prozesses auswählen.


In Hope's Peak gibt es viele Räume, die es zu erkunden gilt.

© Spike Chunsoft

Außerhalb der „Nonstop Debates“ lassen sich auch einfach Aussagen auswählen. Etwas schwieriger ist das „Hangman's Gambit“. Dort müsst ihr ein Wort bilden, welches gesucht wird. Dabei werden euch einige Buchstaben vorgegeben, die anderen müsst ihr passend abschießen, sollten sie auf dem Bildschirm auftauchen. Da das Spiel auf Englisch ist, kann es ziemlich schwierig werden, das passende Wort zu finden. Ein weiteres Minispiel sind die „Bullet Time Battles“. Dort müsst ihr im Rhythmus Tasten drücken, um den Widerstand eines Schülers zu brechen. Ist dies geschehen, zerstört ihr mit der entscheidenden Kugel das entsprechende Argument.


Habt ihr den Mörder ermittelt, beginnt das Schlussplädoyer. Das ist ohne Frage eine der coolsten Mechaniken. Das ganze Verbrechen wird in einem Comic dargestellt. Einige Felder sind jedoch leer und es ist eure Aufgabe, diese Szenen an den richtigen Plätzen einzufügen. Ist euch das gelungen, wird der gesamte Fall in diesem Stil nacherzählt. Nach dem Plädoyer endet der Prozess, der Mörder wurde gefunden und ihr dürft weiterleben. Nun gut, bis auf den Täter. Dieser wird auf besonders brutale Art und Weise getötet, die seinem Talent oder Motiv angepasst wurde. Aus diesem Grund kann ich hier kein Beispiel nennen. Auch bei diesen Animationen wurde sich viel Mühe gegeben. Neben der Exekution wird eure Leistung bewertet. Habt ihr oftmals wahre Aussagen angegriffen oder in den Minispielen versagt, sinkt der Rang. Umso besser ihr seid, desto mehr Monocoins erhaltet ihr, mit denen ihr Items erhalten könnt, die im Free Time-Modus verwendet werden. Nach jedem Prozess wird zudem ein weiteres Stockwerk freigeschaltet, welches ihr erkunden könnt. Und so beginnen der Schulalltag und die Free Time-Events von neuem, bis das Unausweichliche passiert.


Trigger Happy Havoc ist Bestandteil von Danganronpa Decadence!


Visuell und musikalisch ist Danganronpa: Trigger Happy Havoc phänomenal. Die Inszenierung ist großartig. Betretet ihr beispielsweise einen Raum, wird vor euren Augen das Mobiliar aufgebaut. Die verschiedenen 2D-Sprites der Charaktere sind lebhaft und ausdrucksstark. Die dynamischen Klassengerichte sind eine Augenweide, auch wenn sie zum Teil ablenken. Musikalisch legt Danganronpa nochmals eine Schippe drauf: die verschiedenen Lieder sind absolut gelungen und ich habe mich oftmals dabei erwischt, mitzusummen. Auch die Sprachausgabe ist zu großen Teilen gelungen. Gerade Monukumas nervige Stimme passt hervorragend, um den Hass auf ihn zu steigern.


Abschließend sollte noch erwähnt werden, dass es einen Post-Game-Modus gibt. Da manche Schüler sterben, bevor ihr alle Free-Time-Events mit ihnen abgeschlossen habt, gibt es so die Möglichkeit, in einem nicht tödlichen Umfeld alles über eure Mitschüler herauszufinden. Das Ganze wird mit einem Minispiel versüßt, auf das ich aufgrund von Spoilern jedoch nicht eingehen will.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Niels Uphaus

Während die Nachfolger oftmals als die besseren Spiele betrachtet werden, ist Danganronpa: Trigger Happy Havoc ebenfalls ein absoluter Genuss und das nicht nur für Visual Novel-Fans. Die Story rund um Hope Peak’s Academy und Monokuma ist ohne Frage das Highlight. Die Dialoge, die Charaktere und die Klassengerichte sind allesamt gelungen. Das dynamische Gameplay kann jedoch klassische Visual Novel-Fans abschrecken. Ein einfaches Zurücklehnen ist nicht möglich, da ihr gerade bei den Prozessen unter Zeitdruck steht und zudem genau zielen müsst, um voranzukommen. Für solche Spieler empfiehlt sich der einfache Schwierigkeitsgrad. Damit lässt sich die Geschichte genießen, ohne allzu große Gameplay-Herausforderungen zu bestreiten. Alle Rätsel sind dabei weiterhin intakt, so dass ihr das stilistisch beeindruckend Trigger Happy Havoc in vollen Zügen genießen könnt. Mit einer Spielzeit von weit über 20 Stunden ist euer Abenteuer mit dem Motto Hoffnung vs. Verzweiflung zudem nicht zu kurz, aber auch nicht zu lang und damit auch für Einsteiger geeignet.
Mein persönliches Highlight: Die grandiose Story, die die Grundlage für die Nachfolger legt!

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

2 User haben bereits bewertet

Kommentare 8

  • Chri1986

    Turmheld

    Bin gerade mittendrin und überaus angetan davon.

    Grundsätzlich finde ich Visual Novels sehr interessant und habe jetzt schon einige gespielt aber teilweise sind die extrem unterschiedlich .

    @ntower

    Könntet Ihr nicht mal ein Artikel zu den mitlerweile doch zahlreichen VN machen? Wäre toll, Infos zu den Games sind leider rar.

  • Pascal Hartmann

    I'm not a cat

    Habe auch den ersten angefangen. Da ich aber den Anime bereits kenne, dürfte nicht mehr sooo viel Überraschendes passieren. Muss aber mal Weiterspielen, Wochenende steht ja vor der Tür :D

  • Tabby

    Turmbaron

    Schöner Test.

    Ich hätte gerne die physische Collection , aber momentan ist es gar nicht so einfach, da ran zu kommen.

  • Niels Uphaus

    You shall be as gods...

    Pascal Hartmann Hast du auch "Danganronpa 3: The End of Hope's Peak High School" gesehen? Das würde dir einen der großen Plottwists von Teil 2 ruinieren.

  • Rosalinas Boyfriend

    Sterngucker

    Nicer Test, für mich ist 1 klar eine 10, liegt aber daran das ich den Cast extrem mag, 2 gut aber nicht besser fand und 3 nur unsympatische Dullis hat weswegen ich den damals auf Vita sogar abgebrochen hatte...hoffe mit der Switch Collectors die ich zu Weihnachten bekam nen etwas besseren Start vor allem in Teil 3 hinbekomme...testet ihr 2 und 3 auch noch? bestimmt oder?

  • Pascal Hartmann

    I'm not a cat

    Niels Uphaus Nein, habe ich nicht. Aber danke für den Hinweis, werde ich dann mal sein lassen, das liegt nämlich glaube ich auf meiner Amazon Watchlist. Dann doch die Spiele erstmal spielen :kirby_happy:


    Tabby Ja, ich war auch ein wenig spät dran und musste suchen, dass ich es noch bekomme. Bei Gamestop wurde ich dann fündig.

  • Tabby

    Turmbaron

    Pascal Hartmann

    Bei Gamestop habe ich es noch nicht probiert, vielleicht versuche ich da nochmal mein Glück.

    Danke für den Tipp.

  • Solaris

    Elden Tower

    Ich fand alle drei Hauptteile großartig.

    Wenn man alle Teile in einem Fazit zusammenfassen würde, gerade Danganronpa V3, dann wäre es wohl ein fettes


    Jetzt hab ich Hunger auf Aois Donuts bekommen. ;(