Das bessere Monopoly?

Monopoly – so gut wie jeder Mensch auf Erden dürfte das Spiel um Ruhm, Reichtum und Insolvenz zumindest vom Namen her kennen. Mittlerweile gibt es das über einhundertjährige und ehemals als „The Landlord's Game“ patentierte Brettspiel in unzähligen Versionen zu kaufen und das sogar mit offiziellen Lizenzen beispielsweise aus der Videospiel-, Film- und Serienwelt. Doch am generellen Spielprinzip hat sich seit Einführung der Monopoly-Marke nur wenig geändert. Noch immer dreht man zyklisch seine Runden auf einem viereckigen Spielbrett, kauft Grundstücke, bestückt diese mit Häusern und Hotels, kassiert Miete, um damit sein Grundstücksimperium immer weiter auszubauen und die Konkurrenz schließlich in den finanziellen Bankrott zu treiben. Monopoly Madness bricht dieses Spielprinzip auf und eventuell kann es der doch recht angestaubten Spielweise wieder neues Leben einhauchen. Denn anstatt nacheinander per Würfelwurf bewegen sich alle Spieler und Spielerinnen in Echtzeit und alle Aktionen laufen innerhalb von nur wenigen Minuten ab.


Monopoly mal anders


Ebenfalls anders als im klassischen Monopoly: Es dürfen sich nur bis zu sechs anstatt acht Spieler und Spielerinnen auf den virtuellen Spielbrettern austoben. Davon gibt es eine recht große Auswahl im Spiel, aufgeteilt in vier verschiedene Szenarien, welche zu unterschiedlichen Jahres und Tageszeiten die Schlacht um Moneten und Macht möglich machen. Ähnlich wie beispielsweise in Overcooked sieht man das Spielfeld aus einer isometrischen Perspektive und hat damit das gesamte Geschehen immer im Blick – was gut und schlecht zugleich ist, aber dazu später mehr. Bevor ihr in das Spiel einsteigt, werdet ihr mit einer zuvor gewählten Figur, von denen es zwanzig Unterschiedliche gibt, in ein kleines Tutorial verfrachtet. Der schnauzbärtige Zylinder-tragende Mr. Monopoly erklärt euch nacheinander die Basisfunktionen und entlässt euch anschließend in eine Proberunde. Nach Beendigung habt ihr die freie Wahl zwischen drei verschiedenen Spielmodi: Den Story-Modus, also die Kampagne, sowie ein Jeder-gegen-jeden- und einen Team-Modus.


Verschiedene Spielmodi sorgen für Abwechslung.

© Hasbro / Ubisoft Entertainment

Die Kampagne gibt euch die Möglichkeit, die verschiedenen Level der vier Szenarien sowie neue Charaktere und Accessoires für diese freizuschalten. Dabei werden euch je Level verschiedene Kombinationen aus Ziel, Zeit und Regeln geboten. Mal müsst ihr also innerhalb von 10 Minuten so viele Punkte wie möglich erreichen oder eine bestimmte Anzahl an Grundstücken erwerben. Punkte erhaltet ihr beispielsweise durch den Grundstückserwerb selbst, aber auch dessen Ausbau mittels Wasser und Strom oder durch das Zerstören sowie Übernehmen gegnerischer Grundstücke. Das Wasser- und Elektrizitätswerk sind nun also keine Kaufobjekte mehr, sondern liefern in gewissen zeitlichen Abständen immer wieder Ressourcen. Neben dem bekannten Monopoly-Geld sind dies die wichtigsten Objekte im Spiel, von denen ihr immer genug haben solltet. Anders als die Geldscheine könnt ihr diese aber nur in begrenzter Menge mit euch führen. Alle drei Ressourcen können mithilfe eures Universal-Saugblaser aufgesammelt und genutzt werden und nein, hierbei handelt es nicht um den Heinzelmann aus Weihnachten bei den Hoppenstedts von Loriot. Das praktische Werkzeug lässt euch zudem Ereigniskisten aufsaugen, welche diverse Power-Ups beinhalten. Damit könnt ihr eure Kontrahenten ins Gefängnis schicken, ihnen per diebischer Elster Geld abluchsen, Straßensperren errichten oder auch positive Effekte erzielen, wie ein sofortiges Upgrade eines eigenen Grundstücks um eine Ausbaustufe, oder einen Geldregen.


Beginnt das Spiel, dann werden nach kurzer Zeit die ersten Grundstücke feilgeboten. Nun heißt es schnell sein, denn nun hat jeder Spieler für ein paar Sekunden die Möglichkeit, das gesammelte Geld per Saugblaser in die laufende Auktion zu pumpen. Der oder die Höchstbietende gewinnt und bei ausbleibendem Gebot kann das Grundstück zum Einstandspreis direkt erworben werden. Sind alle Grundstücke in einen Besitz übergegangen, gibt es Mittel und Wege - sowie zufällige Ereignisse - die euch die Möglichkeit bieten, diese euren Kontrahenten wieder zu entziehen. Je mehr die Grundstücke mittels Wasser und Strom aufgewertet wurden, desto schwieriger wird es jedoch, diese dem Besitzer oder der Besitzerin wieder abzunehmen bzw. wieder zum Kauf verfügbar zu machen. Zufällig eingestreute Ereignisse wie Flugzeuge, welche die Sicht auf das Spielfeld versperren oder ein einsetzender Regen, der den Untergrund rutschig und damit die Spielfiguren schwerer steuerbar macht, lockern das Spielgeschehen auf. Etwas fiesere Ereignisse, wie der plötzliche Verlust oder der zufällige Tausch von Gebäuden, gibt es ebenfalls, welche hin und wieder für etwas mehr Frust als Lust sorgen, besonders wenn so etwas zum Spielende hin passiert.


Der Mehrspieler-Modus macht am meisten Laune – vorausgesetzt, man verfügt über genug menschliche Mitspieler und Mitspielerinnen.

© Hasbro / Ubisoft Entertainment

Neben der Kampagne könnt ihr auch noch frei konfigurierbare Runden mit echten Mitspielern und Mitspielerinnen oder der KI spielen – wahlweise online oder lokal. Dabei unterscheidet das Spiel zwischen jeder-gegen-jeden und einem Team-Spiel. Solltet ihr nicht über genug menschliche Monopoly-Mogule verfügen, dann könnt ihr die restlichen freien Plätze optional mit KI-Spielern füllen, allerdings geht dies nicht beim Team-Spiel. Das ist nur auf menschliche Spieler und Spielerinnen ausgelegt. Leider tummeln sich in Online-Partien nur äußerst wenig potenzielle Mitspieler in den Lobbys herum. Nur äußerst selten ist es mir während meines Tests gelungen, überhaupt jemanden zu finden und wenn, dann waren es nur maximal zwei oder drei Spieler pro Partie. Das ist insbesondere beim Team-Spiel schade, da man dort wie erwähnt keine KI-Spieler hinzufügen kann. Erwähnenswert ist auch, dass ihr bei der Erstellung einer eigenen Partie nur die Level wählen könnt, die ihr auch schon in der Kampagne freigeschaltet habt. Habt ihr eine Mehrspieler-Party beendet, dann werden bei der Platzierung noch drei zufällige Ereignisse prämiert und die jeweiligen Spieler bzw. Spielerinnen erhalten Bonus-Punkte. Ähnlich wie bei der Mario Party-Reihe kann sich bei einem knappen Sieg oder einer knappen Niederlage das Blatt also nochmal wenden. Insgesamt kann man sagen, dass Monopoly Madness deutlich mehr Spaß mit menschlichen Spielern und Spielerinnen macht und es stark darauf ausgelegt ist.


Die verschiedenen Level sind abwechslungsreich gestaltet und wie in Overcooked oder auch Bomberman so gut wie immer auf einen Blick ersichtlich. Doch hier kommt das bereits erwähnte Paradoxon: Zwar habt ihr stets alles im Blickfeld aber dadurch, dass gefühlt jeder Pixel im Spiel eure Aufmerksamkeit benötigt, kann das Geschehen schon mal sehr unübersichtlich werden, was das strategische Vorgehen erschwert. Zwischenzeitlich habe ich mich dabei erwischt, wie ich zombieartig dahin renne, wo Objekte auftauchen, um mich anschließend darauf zu konzentrieren, was ich in meiner unmittelbaren Umgebung gerade damit anfangen kann. Die urplötzlichen Ereignisse oder auch der Einsatz von Power-Ups durch einen selbst oder die Konkurrenz zwingen einen dann noch zu einem schnellen Wechsel der Strategie. Allerdings artet das eher in Chaos und Verwirrung aus, da auf dem Bildschirm zu viel auf einmal passiert. Das Gefühl von wirklicher Kontrolle wollte sich nur selten einstellen. Ein taktisches Vorgehen ist da schon eher im teambasierten Modus möglich. So könnt ihr beispielsweise Aufgaben, wie die Häuseraufwertung oder auch die Behinderung der Konkurrenz, zwischen den Teammitgliedern aufteilen oder jeder übernimmt einen bestimmten Teil der Karte. Das ist dann auch der allgemeinen Übersichtlich zuträglich, da ihr dann nur einen gewissen Teil des Levels im Auge behalten müsst. Acht geben solltet ihr nur auf das verfügbare Monopoly-Geld, denn das müsst ihr euch, im Gegensatz zu den restlichen Ressourcen, teilen.


Nach einer Mehrspieler-Partie werden zufällig noch drei Medaillen verliehen, die einen entscheidenden Unterschied ausmachen können.

© Hasbro / Ubisoft Entertainment

Seid ihr, unabhängig des Spielmodus, in einer Spielrunde, dann geht es wie erwähnt hektisch aber glücklicherweise nie ruckelig zur Sache. Die Bildrate blieb auch während vieler Ereignissen und Objekten auf dem Spielfeld erfreulich stabil. Visuell ist auf dem Bildschirm einiges los. Es blinkt und blitzt an jeder erdenklichen Ecke und insgesamt wird euch eine recht bunte Spielwelt mit poppigen Farben präsentiert. Stilistisch passt es sehr gut zur allgemein recht comichaften Monopoly-Präsenz. Für das wuselige Spielgeschehen sind für meinen Geschmack aber zu viele Animationen und Effekten im Spiel untergebracht worden. Zu leicht wird man von allem möglichen abgelenkt. Etwas gewöhnungsbedürftig ist zudem die Steuerung des eigenen Charakters. Diese ist etwas schwammig und es fühlt sich so an, als würde man eher schweben, anstatt festen Halt auf dem Boden zu haben. Eine visuelle Unterscheidung der ausgeführten Interaktion fällt zudem auch schwer. Pumpe ich Geld in ein Gebäude oder sauge gerade nutzlos an dessen Hauswand? Das ist nicht immer sofort erkennbar.


Wer die Spieltöne von anderen Monopoly-Videospielen kennt, wenn beispielsweise die Kasse klingelt, der wird sich auch bei Monopoly Madness an diesen erfreuen können. Zwischendurch geben die Charaktere zudem, je nach Situation, verschiedene Töne von sich. Gleiches gilt für Objekte wenn sie auftauchen und im allgemeinen herrscht eine recht vollmundige Geräuschkulisse. Begleitet wird diese von einer leicht verspielten Musik und dem Mr.-Monopoly-Sprecher aus dem Off, der einen auf den Verkauf von Gebäuden aufmerksam macht, oder wenn plötzlich Events beginnen. Immer wenn dieser losträllert, solltet ihr die Ohren spitzen, denn dann heißt es: aufpassen und auf das Fokussieren, was er euch mitteilt, um wichtige Ereignisse nicht zu verpassen, die euch den Sieg kosten könnten.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von David Kuhlgert

Euch war eine Runde Monopoly immer zu lang und ausufernd, aber ihr mögt das generelle Spielprinzip aus Imperiumsaufbau, unvorhersehbaren Ereignissen und Freunde in den spielerisch finanziellen Ruin zu treiben? Dann könntet ihr mit Monopoly Madness euer Spiel gefunden haben, solange ihr gewillt seid das recht ruhige Spielgeschehen gegen ein etwas hektisches Durcheinander einzutauschen. Stärken des Spiels sind die kurzen Partien und das für Monopoly frische Spielprinzip, ohne dass der Kern der eigentlichen Idee hinter dem Brettspiel zu sehr in den Hintergrund rückt. Jedoch spielt sich jede der Partien – unabhängig vom Spielmodus oder der gewählten Karte – gleich unübersichtlich und hektisch. Die Möglichkeit, mit Taktik zu Ruhm zu gelangen, war mir nur selten möglich, denn dafür ist die Übersicht einfach nicht genug gegeben. Neben der umherwuselnden Spielerschaft tauchen überall Objekte auf, plötzlich werden Ereignisse eingeläutet, die einem zusätzlich die Sicht rauben, Häuser werden zufällig zum Kauf angeboten und dann kann man auch noch mit diversen Power-Ups hantieren, um noch mehr Verwirrung zu stiften. Das man dann noch sein Geld, seine Ressourcen zum Aufwerten seiner Eigenheime und häufig auch die Punktezahl im Blick behalten sollte, verkommt da schon eher zur Nebensache. Richtig ärgerlich wird es dann, wenn gegen Ende einer Runde Ereignisse auftreten, die das komplette Spielgeschehen umwerfen und dadurch gut und gerne die Platzierung der Spieler und Spielerinnen komplett umwerfen. Vielleicht soll das die Umsetzung der Entwickler für ein unvorhersehbares Würfelergebnis sein, aber es ergänzt das Spiel nur noch um einen weiteren Zufallsfaktor, der leicht für Frust sorgen kann. Wie auch bei der Brettspielversion von Monopoly, läuft das Spiel größtenteils zufallsbasiert ab und wem das schon beim Original kein Dorn im Auge war, der könnte auch mit Monopoly Madness seinen Spaß haben. Genug Inhalt und Ideen bietet das Spiel durchaus. Im Couch Co-Op sowie Team-Modus entfaltet das Spiel dann deutlich mehr Potential und es dürfte dem ein oder anderen sehr viel Spaß bereiten. Alle Mehrspieler-Muffel und Einzelspieler sollten sich den Kauf aber gut überlegen.
Mein persönliches Highlight: Die schnellen Partien und die verschiedenen Szenarien, die für Abwechslung sorgen.

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 5

  • AlexWoppi

    Turmbaron

    Der Grund warum Online so wenig los ist ist einfach der Preis von 30€ der abschreckt. 20 hätten es auch getan. Zumal das Spiel vielleicht einige Stunden Spass machen könnte aber dann links liegen bleibt. Zumindest eine Demo könnte Ubisoft ja mal bringen um sich selbst ein Bild vom ganzen zu machen. Ich werde auf nen Angebot warten im eShop, schätze mal, das zu Ostern eins kommt wie damals mit dem Erscheinen vom normalen Monopoly.

  • Lucien

    Held

    Das war der totale Fehlgriff. Es hat sich nur wenig bis kein Spaß eingestellt. Für mich volle Enttäuschung. Kann die Bewertung daher nicht teilen, 3-4 von 10 hätte ich da gesagt.

  • David Kuhlgert

    Redakteur

    Lucien Hast du es nur im Einzelspieler gespielt, oder auch im Couch-Coop z. B.? Wenn nur Ersteres, dann würde ich deiner Wertung schon nahe kommen, aber insbesondere im Mehrspieler, und gerade zusammen mit Freunden auf der Couch, hat das Spiel m. M. n. durchaus seinen Reiz.


    Den Preis von 30€, wie AlexWoppi sagt, finde ich auch definitiv zu hoch angesetzt. Wenn es von einem Indie-Studio gekommen wäre, dann wären es sicherlich "nur" 20€ geworden.

  • billy_blob

    Meister des Turms

    Das Spiel is definitiv zu anstrengend und zu schwer. Meine Freundin hat mit dem Spiel echt Probleme.


    Dadurch kommt auch nur wenig Spielspaß auf. Man ist permanent hektisch am gucken auf der ganzen Map, das ermüdet sehr.


    Als Partyspiel bedingt zu empfehlen ebenso wie für Monopoly Liebhaber.

    Wir haben das Spiel ein paar Runden gespiel, aber wirklich Spielspaß kam nich auf.


    Einfach viel zu anstrengend. Dann lieber weiterhin das normale Monopoly für Konsolen. Oder halt andere Partyspiele. :/

  • Lucien

    Held

    David Kuhlgert mehrspieler auf der couch, wir waren zu dritt und hatten alle eher wenig spaß. Nach knapp einer stunde wurde das spiel beendet und nicht mehr angefasst.