Allein zwischen Action und Horror gefangen

Ich bin großer Fan von atmosphärischen Horrorspielen jeglicher Art. Diese dürfen mal mehr oder mal weniger actiongeladen sein, solange sie mich immersiv einbinden und meine Nerven austesten. Für mich wird das Gefühl von Horror durch viele Elemente hervorgerufen, vor allem aber durch Isolation oder dem Gefühl, allein und der Gefahr schutzlos ausgeliefert zu sein. Ob Hollow 2 den Ansprüchen gerecht wird oder doch nur wie sein Vorgänger nicht genau das ist, was es versucht zu sein, schauen wir uns in diesem Test an.


Zu Beginn von Hollow 2 wacht ihr in der Rolle von Mark in der Raumstation Schakhter auf und findet gleich nach Verlassen der Kryokammer eine Pistole, die nicht zu verfehlen in einer großen leuchtenden Truhe präsentiert wird. Mit dieser im Gepäck macht ihr euch also auf, weitere Überlebende der Raumstation zu finden. Per Funk ertönt gleich am Anfang auch eine weibliche Stimme, die allerdings eine Künstliche Intelligenz zu sein scheint, gleichzeitig aber auch die Ex-Frau des Protagonisten darstellt. Klingt erst einmal sehr kurios, wird im Laufe der verwirrenden Geschichte aber noch näher erläutert – leider allerdings ausschließlich durch ihre Kommentare; diesbezüglich hätte ich mir beispielsweise rumliegende Notizen oder andere Möglichkeiten gewünscht, die die Story näher erläutern. Das wäre auch eine Möglichkeit, euch zum Erkunden der Raumstation zu motivieren.


Manche Szenerien haben das Potenzial zur Gänsehaut.

© MegaPixel Studio / Forever Entertainment

Während ihr also durch die dunkle Raumstation streift, die ihr zu Beginn noch klassisch mit einer Taschenlampe erkundet, hält euch die Stimme eurer Ex-Frau bei Laune. Auch wenn sie dadurch bereits zu Beginn das Gefühl des Horrors und des Alleinseins nimmt und euch regelrecht mit Beleidigungen bombardiert. Wenn sie mal keine stumpfe Beleidigung auf Lager hat, reißt sie allerlei substanzlose Witze. Mark leidet nämlich an einer Amnesie und lernt die Raumstation auf ein Neues kennen – gefundenes Fressen für die KI. Sie brüllt euch für das erste Drittel des Spiels nahezu pausenlos an, danach verstummt sie urplötzlich und spricht euch nur noch kurz bei bestimmten Spielevents an und erklärt euch, was gerade passiert – als würdet ihr nicht wissen, was ihr da eigentlich gerade macht. Sie versucht euch im Grunde ständig davon abzuhalten, die Raumstation zu untersuchen und eventuelle Überlebende zu finden. Wie ein Podcast, der euch nur Schmerzen bereitet und zum Kopfschütteln bringt. Manche ihrer Witze können für ein Grinsen sorgen, vor allem, wenn sie die Wertungen des ersten Teils betreffen, die nicht gerade berauschend ausgefallen sind. Als wären die Sprüche und beleidigenden Anmerkungen aber nicht schon anstrengend genug, hetzt euch die Stimme auch noch unzählige Monster auf den Hals. Was am Anfang vielleicht witzig klingt und sich mit einem zugedrückten Auge verzeihen lässt, ist diese Art von Exposition letztlich doch sehr anstrengend. Das war es dann leider komplett mit dem Horror-Feeling – nach nicht einmal zehn Minuten.


Actionreicher Horror oder eher schaurige Action?


Fairerweise muss allerdings beachtet werden, dass Hollow 2 nicht wie sein Vorgänger als Survival-Horror gelistet wird, sondern als Action-Horror. Und Action hat das Spiel mehr als genug: In klassischer Ego-Perspektive ballert ihr euch mit verschiedenen Waffen durch die menschenleere Raumstation. Darunter fallen erwähnte Pistole, ein Laser-Sturmgewehr und eine Nahkampfwaffe in Form einer Kreissäge. Im Laufe des Spiels findet ihr weitere Waffen, die ihre eigenen Kniffe mit sich bringen. Jede dieser Waffen ermöglicht auch einen Alternativschuss, der nochmal ein wenig Abwechslung ins Gameplay einbaut. Das Gunplay macht Spaß und ist vor allem mit dem recht flotten Movement gelungen. Es erinnerte mich vorallem mit dem Laser-Sturmgewehr ein wenig an Arena-Shooter á la Doom, doch leider gibt es nur bedingt Trefferfeedback, das gerade in Bosskämpfen nerven kann.


Mit diesen Waffen kämpft ihr euch dann nicht nur durch viele, sondern wirklich vielen Gegnerhorden, welche aus verschiedenen Gegnertypen bestehen. Diese sehen interessant aus und fallen mit ihrem leuchtenden Grün auf und erinnern zudem an Feindmodelle aus Dead Space. Es gibt neben fliegenden, laufenden und kriechenden Feinden auch Selbstzerstörer mit Benzinfass auf dem Rücken. Im Laufe des Spiels trefft ihr immer mal wieder auf neue Kreaturen, die aber keine Variation bereits bekannter Feinde sind. Die Entwicklerinnen und Entwickler von MegaPixel Studios haben damit zwar keine neuen Gegnerdesigns erfunden und irgendwo habe ich jeden Feind zuvor schon einmal gesehen. Hinzu kommt, dass es gerade bei kleinen Titeln fast schon gängig ist, dass es sich die Entwicklerinnen und Entwickler oft einfach machen und uns einen eigentlich alten Gegnertypen neu verkaufen wollen, indem sie Farbe oder Accessoire ändern. In Hollow 2 aber war das Team kreativ und präsentiert euch verschiedene Modelle, die das Repertoire im Laufe stetig erweitern. Neben Monstern jeglicher Art, die euch beim Erkunden stören, halten euch maschinelle Geschütze ebenso davon ab. Nach einiger Zeit stören jedoch die massiven Monsterhorden stark das Pacing des Spiels. Oft werden diese genutzt, um euch länger in einer Spielpassage festzuhalten mit dem Auftrag „Besiege alle Gegner!“, was manchmal sehr frustriert. Zwischendurch trefft ihr auch hier und da auf einen Bossfight, die an sich nicht übermäßig komplex sind, aber nichtsdestotrotz eine Strategie benötigen, damit ihr siegreich hervorgeht. Davon gibt es im Verlauf des Spiels leider nur wenige, bringen aber die wirklich nötige Abwechslung in Hollow 2. Ach ja, wenig überraschend werden auch diese von der unheimlich anstrengenden KI auf euch gehetzt.


Freundlich werdet ihr zum Ausgeben eurer Stones eingeladen.

© MegaPixel Studio / Forever Entertainment

Neben neuen Waffen gibt es leider keine Elemente, die euch das Gefühl geben, stärker zu werden. Zwar gibt es nach jedem Abschnitt einen Automaten, an dem ihr eure Ausrüstung aufstocken könnt, aber beispielsweise die Lebensanzeige oder Rüstung erweitern – Fehlanzeige. Es wird zudem – nicht wie bei anderen Shootern – keine Munition fallengelassen, die von euch aufgesammelt werden könnte. Diese müsst ihr vor den jeweiligen Abschnitten bei den Automaten aufstocken und im Voraus abwägen, welche Waffe ihr benutzt. Ist die Munition leer, kämpft ihr euch ohne bis zum nächsten „Kontrollpunkt“ durch. Dieses Management macht die Levelabschnitte nochmal spannender und setzt ein wenig Planung voraus. Aber keine Sorge, zumindest die Pistole besitzt unendlich Schuss, damit ihr auf keinen Fall in eine Notlage geratet. Nur sogenannte „Stones“ könnt ihr nach Erledigen von Feinden finden. Stones ist die Währung von Hollow 2, die euch neben Munition an den Automaten auch den Kauf von Medikits, Adrenalin und eine Ampulle zur Waffenverstärkung ermöglichen. Medikits heilen euch, Adrenalin lässt euch für einen kurzen Zeitraum schneller werden und die Waffenverstärkung – na ja – verstärkt eure Waffen temporär. Adrenalin hingegen ist gerade bei Bosskämpfen nützlich und hilft auch enorm bei bestimmten Gegnertypen. Nach jedem Kontrollpunkt startet ihr also ordentlich gestärkt mit vollem Inventar in den nächsten Abschnitt. Leider verfehlt Hollow 2 auch durch diesen Aspekt das Gefühl des Horrors – das Gefühl, verwundbar zu sein.


Horror wird vielmehr insbesondere durch das Sounddesign an die Spielerin oder den Spieler gebracht. Gerade im Gruselgenre sind der Soundtrack und die Geräusche mit die wichtigsten Elemente, um eine schaurige Atmosphäre zu erzeugen. Hollow 2 hingegen hat leider genau an diesem Punkt gespart. Gerechterweise muss aber gesagt sein, dass es sich um Action-Horror handeln soll – allerdings müsste dann auch entsprechendes Gleichgewicht gegeben sein. Leider haben sich die Entwicklerinnen und Entwickler des MegaPixel Studios anscheinend nur auf die Action in Hollow 2 konzentriert. Sobald ihr auf die ersten Gegner trefft, dröhnt euch immerhin ein gelungener elektronischer Sci-Fi-Song auf die Ohren, der das Gefecht noch spaßiger gestaltet. Schade ist, dass sich der Song jedes Mal wiederholt, wenn ihr Feinden begegnet – selbst wenn ein Feind vergessen wurde und ihr ihn später zufällig nochmal in der Raumstation vorfindet. An sich existieren nur insgesamt zwei Songs, die jeweils das Gefühl von „Bereit machen, gleich geht’s rund!“ geben. Diese können gerade zu Beginn motivieren und unterstützen die Schießeinlagen, nach kurzer Zeit aber sind sie nur noch ermüdend und suggerieren ein falsches Spielerlebnis. Nicht jeder Encounter ist actiongeladen und artet in einer riesigen Schlacht aus – mehrere Soundtracks, die zu passenden Szenarien ertönen, hätten dem Spiel einiges getan. Zudem hätte es allgemein mehrere Soundelemente geben können, die das Setting der Raumstation unterstützen. Neben sich öffnenden Türen und das Piepen mancher Steuerkonsolen gibt es nämlich sehr wenig, das euch erinnern lässt, dass ihr eigentlich komplett allein in einem riesigen Raumschiff rumturnt.


So hat sich die Crew wohl ihre Zeit vertrieben.

© MegaPixel Studio / Forever Entertainment

Nach langem Suchen und wiederkehrenden Feuergefechten kommen sie aber endlich: die Horrorelemente. Diese fühlen sich zwar erzwungen und wenig natürlich an, damit das Spiel dem Genre gerecht wird, aber sie waren da. Nur damit ihr dann ein paar Minuten später in einem monströsen Mech-Roboter alles plattmacht, was da rumkreucht und fleucht. Der Einsatz dieser Mechs ist ohnehin fragwürdig: In diesen Passagen kommen, wie üblich, unzählige Wellen aller Arten von Feinden auf euch zugestürmt. Da es sich aber um einen Bergbau-Mech handelt, könnt ihr die Feinde nur mit riesigem Bohrer aus dem Weg räumen. Na ja, nicht ganz: Mit dem Alternativangriff schlägt der Mech mit voller Wucht auf den Bereich vor sich – nur wusste ich nie, ob ich getroffen habe. Bei diesem Angriff gab es schlicht wenig bis kein Trefferfeedback.


Irreführend ist leider auch der Indikator, der den Standort der Gegner anzeigt. Der Bildschirm färbt sich ganz klassisch rot am Rand und zeigt damit die Richtung des Feindes an. Nur lediglich ob vorne, hinten oder zu eurer Seite. Also wie in anderen Games auch, könnte man sagen, aber trotzdem ist dieser Indikator ungenau und gaukelt euch vor, die Feinde würden beispielsweise an der Decke hängen. Ich habe mich oft dabei erwischt, Löcher in die Luft zu schauen, um den letzten Gegner des Raumes zu entdecken, damit ich endlich zum nächsten Abschnitt schreiten kann. Falls ihr diesen aber nicht findet, weil ihr euch verlaufen habt, was ab der Mitte des Spiels durchaus vorkommen kann, hilft euch ein Questpfeil aus der Patsche. Dieser taucht auf, wenn ihr die Gegend per Knopfdruck abscannt, und weist euch den Weg. Der Pfeil war sehr hilfreich und gut in den Bildschirm eingebunden.


Wenn die verschachtelten Korridore mal verlassen werden, zeigt Hollow 2 sein wahres Gesicht.

© MegaPixel Studio / Forever Entertainment

Hollow 2 ist ein hübscher Sci-Fi-Shooter für die Nintendo Switch. Zwar haben die Unmengen an Monsterhorden irgendwann genervt, aber das Ablaufen der facettenreichen und gut anzusehenden Raumstation hat Spaß gemacht. Ich bin gerne durch die verlassenen Gänge gestreunt und habe Freude daran gehabt, die seelenlosen Schauorte der Crewmitgliederinnen und -mitglieder zu besuchen. Das Gleichgewicht zwischen wiederkehrenden Assets und neuen

Bereichen war überraschend positiv ausgeglichen – gerade im letzten Drittel kommt nochmal ein wenig Schwung ins Visuelle.


Nur wurde die Balance zwischen Horror und Action leider massiv verfehlt. Hier hätte ich mir mehr Horrorpassagen gewünscht, die mit passendem Sounddesign Potenzial gehabt hätten. Die verlassene Raumstation gibt auf jeden Fall eine gute Grundlage dafür. Hier und da trefft ihr auf plötzlich stehengelassene Schauplätze, die erinnern, dass hier mal Leben stattgefunden hat. Diese Schauplätze machen Lust auf mehr Informationen darüber, was passiert ist. Diese werdet ihr aber nie erhalten.


Grundsätzlich habe ich zwischen Handheldmodus und am Fernseher keinen Unterschied in der Performance gemerkt. In beiden Varianten wurde die Bildrate gehalten und sah ordentlich aus. Dadurch, dass ihr im Spiel einen Helm mit digitalem Interface tragt, kann Hollow 2 in einer recht geringen visuellen Qualität erlebt werden, ohne dass es stark negativ auffällt. Im Gegenteil: Bis auf manche schwammige Gegnermodelle kann ich nichts an der Grafik aussetzen. Diese ist wirklich in Ordnung für einen Titel in dieser Preisklasse. Zudem ist Hollow 2 zum Testzeitpunkt nur auf Englisch spielbar.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Michael Barg

Hollow 2 versucht die Brücke zwischen Action und Horror zu schlagen, schafft dies aber so gut wie gar nicht. Das Studio hätte sich auf einen Aspekt konzentrieren und die Ressourcen dementsprechend zuordnen sollen. Zwar sind die Schießeinlagen mit der großen Auswahl an Waffen gelungen und es sieht ganz hübsch aus, hat aber seine entscheidend störenden Faktoren. Dazu zählen die geringe Anzahl an Soundtracks, die bei jedem Aufeinandertreffen unnötig laut wiederkehren, und das ständige Meckern der begleitenden Stimme. Die zwar gute Musik unterstützt passend die Action, hemmt aber im gleichen Zuge stark den Horror. Ich hätte mir zudem mehr Informationen zu unserem Protagonisten und der Raumstation Schakhter gewünscht, vielleicht in Form kleiner Notizzettel oder ähnliches, die die Narrative ausbauen. Das hätte mich motiviert, das Schiff zu erkunden und hier wäre dann auch Spielraum für (weitere) Horrorelemente gewesen. Auf die zeitschindenden Wellen von Feinden blicke ich enttäuscht zurück, da es mir fragwürdig erscheint, bei dem ohnehin sehr kurzen Spielerlebnis auf dieses Element zurückzugreifen. Hier wurde leider eindeutig Potential verschenkt.
Mein persönliches Highlight: Das Gunplay und spätere Passagen der Spielwelt.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 2

  • qinn

    Turmbaron

    den Vorgänger habe ich vor einigen Jahren mal für 99 Cent im Sale gekauft und durchgespielt -war eine stellenweise sehr nervige Erfahrung, da Feinschliff und Balancing an allen Stellen fehlte und es viel zu sehr Dead Space sein wollte, dessen Qualität aber in jedem Punkt dramatisch unterbietet. Hier scheint's ja nicht besser geworden zu sein, aber für 99 Cent würde ich mir das wahrscheinlich auch noch antun, allein des ungewollten Trash-Faktors wegen.

  • BANJOKONG

    Xenoblade chronicles 3 Hy

    Ja das grauen hatte ich gehabt mit hollow 1 (Gameplay , Grafik usw.) !