Die erfolgreiche Wiedergeburt eines Klassikers

1994 erschien der Spielhallenklassiker Windjammers – in Japan unter dem Namen Flying Power Disc bekannt – erstmals für eine Heimkonsole, das Neo Geo. Einst von Data East entwickelt, kümmerte sich Dotemu später um eine überarbeitete Neuveröffentlichung des kompetitiven Geheimtipps auf PlayStation 4, PlayStation Vita und Nintendo Switch. Mit einem fulminanten Trailer kündigte das französische Entwicklerstudio 2018 eine Fortsetzung zum virtuellen Wurfscheibenduell an. Ursprünglich für das Folgejahr geplant, erfuhr Windjammers 2 zahlreiche Verschiebungen und soll nun schlussendlich das Spielejahr 2022 einleiten. Die Spieleschmiede bewies bereits mit dem letztjährigen Streets of Rage 4 den korrekten Umgang mit einer klassischen Marke. Ob Windjammers 2 eine ähnliche Renaissance vergönnt ist, erfahrt ihr in unserem nachfolgenden Test.


Klassisches Spielprinzip trifft auf spannende Neuerungen


Habt ihr den Vorgänger gespielt, werdet ihr euch in Windjammers 2 schnell zurechtfinden. Zwar beinhaltet der Titel einige Neuerungen, die fiktive Sportart bleibt allerdings nahezu unangetastet und einzigartig. Erneut saust ihr durch eure Spielfeldhälfte, um die Wurfscheibe vom Boden oder euren Torzonen fernzuhalten, und natürlich versucht ihr, ebendies bei eurem Kontrahenten oder eurer Kontrahentin zu erreichen. Das Ganze könnte man als eine Kombination aus Frisbee, Air-Hockey und ein Hauch von Badminton beschreiben. Wer zuerst zwei Sätze für sich entscheidet, siegt. Ein Satz ist vorbei, wenn 15 Punkte – zuvor waren es zwölf – erzielt oder die Zeit von 90 Sekunden – im Erstling waren es noch 99 – abläuft. Tritt der letzte Fall ein, entscheidet das vorläufige Ergebnis.


Man achte auf die Leuchtreklamen am Spielfeldrand, die mit dem Wert des Pokerchips übereinstimmen – ein nettes Detail.

© Dotemu SAS / PAON DP Inc.

Der Kader besteht aus den sechs originalen Figuren, darunter der stämmige Klaus Wessel und die leichtfüßige Hiromi Mita, sowie vier brandneuen Charakteren wie der blitzschnelle Jao Raposa oder die modische Sophie Delys. Die zehn Athletinnen und Athleten unterscheiden sich in ihrer Geschwindigkeit und Wurfkraft voneinander. Zudem kommen sie jeweils mit einer eigenen Spezialtechnik daher – doch dazu später mehr. Auf insgesamt zehn Spielfeldern gilt es, euer Können unter Beweis zu stellen. Die Plätze heben sich nicht nur optisch voneinander ab, sondern variieren in Größe, der Beschaffenheit des teilenden Netzes und der Lage der Punktezonen. Eine besondere Ausnahme stellt das Casino dar, in dem die Flugscheibe durch einen Pokerchip ersetzt wird, dessen abgebildeter Wert die Punktzahl für einen erfolgreichen Wurf definiert.


Windjammers 2 bietet drei verschiedene Modi – Online, Arcade und Versus. Während ihr im Versus-Modus mit eigens festgelegten Optionen einzig gegen lokale Spielerinnen und Spieler sowie den Computer antreten könnt, dürft ihr im Online-Modus die gesamte Welt herausfordern und schrittweise eure Statistik formen. Im Arcade-Modus stellt ihr euch einer Reihe computergesteuerter Kontrahenten und werdet am Ende mit einer simplen Bildergeschichte zu eurem Charakter belohnt. Eine nennenswerte Handlung gibt es – wie schon im Vorgänger – nicht.


Hinsichtlich der Spielmechanik gilt der Leitsatz: Leicht zu erlernen, schwierig zu meistern! Zunächst werdet ihr die integrierte Spielanleitung wälzen und Mühe haben, feindliche Würfe erfolgreich abzuwehren. Je länger ihr euch jedoch mit dem Spiel beschäftigt, desto selbstsicherer und kontrollierter werden eure Konterattacken. Bis ihr allerdings alle Spezialtechniken wie den Drall und die verschiedenen Wurfarten perfekt beherrscht, vergehen schon etliche Spielstunden. Windjammers 2 erinnert dabei nicht selten an den kultigen Prügler Street Fighter und profitiert wie dieser enorm von der Nutzung eines Arcade Sticks. Doch auch ohne die klobige Spielhallenperipherie kann aus euch mit ein wenig Übung ein richtiger Profi werden!


Spielt ihr den Arcade-Modus einmal durch, werdet ihr mit einer kurzen Bildergeschichte belohnt. Hier seht ihr Gary Scott mit seiner Liebsten.

© Dotemu SAS / PAON DP Inc.

Das Aktionsrepertoire eurer Spielfigur entspricht dem des Originals und wurde nochmals ergänzt. Um einen gegnerischen Wurf abzufangen, müsst ihr euch in die Flugbahn des Frisbees positionieren. Um größere Distanzen zügig zu überwinden, empfiehlt sich der Hechtsprung, welchen ihr mit einem simplen Knopfdruck ausführen könnt. Ist es euch gelungen, die Wurfscheibe zu fangen, habt ihr die Wahl, diese geradlinig, kurvenförmig oder im hohen Bogen zurückzuwerfen – bewegen könnt ihr euch damit nicht. Genauso könnt ihr auf das Fangen vollständig verzichten und das anrückende Sportgerät mit einem Hieb direkt ins feindliche Feld zurückstoßen. Dies erfordert allerdings eine Menge Präzision und gutes Training.


Gelegentlich prallt die Scheibe an einem Hindernis ab und wird folglich in die Luft geschleudert. In diesem Fall könnt ihr euch in den gekennzeichneten Landungsbereich stellen und Kraft für eure nächste Aktion sammeln. Je länger ihr in der Zone verweilt, desto verheerender fällt eure nächste Attacke aus. Ihr könnt jedoch auch dem Frisbee entgegenspringen und zum fiesen Schmetterwurf ansetzen. Zudem gibt es nun eine Leiste am unteren Bildschirmrand, die sich im Verlauf eines Matches mit Energie füllt. Ist diese vollständig geladen, könnt ihr bei Scheibenbesitz die eingangs erwähnte Spezialfertigkeit per Schultertaste auslösen. Dabei handelt es sich um einen mächtigen Angriff, der unvorsichtige Gegner mitsamt Frisbee ins Netz befördert. Alternativ könnt ihr die Ladung auch dazu nutzen, einen gegnerischen Wurf, den ihr nicht mehr rechtzeitig erreichen würdet, aufzuhalten. Die Neuerungen mögen auf dem Papier nach wenig klingen, für Enthusiasten stellen sie jedoch willkommene Änderungen da, womit sich der persönliche Spielstil nochmals aufpeppen lässt.


Starke Präsentation und fetziger Soundtrack


Die handgezeichnete Optik von Windjammers 2 kommt farbenfroh, abwechslungsreich und stimmig daher. Die stilsichere Überzeichnung von Charakteren oder Aktionen fügt sich grandios in das Universum der fiktiven Sportart ein und sorgt für Spaß beim Zuschauen. Obwohl der Fokus des Spiels auf den spannenden Wettkampf gerichtet ist, braucht sich Windjammers 2 keineswegs vor der Konkurrenz zu verstecken, wurde ihm doch eine ähnlich liebevolle Behandlung zuteil wie Streets of Rage 4 im letzten Jahr. Zudem dürft ihr euch auf eine stets geschmeidige Bildrate freuen – sowohl im mobilen als auch im stationären Betrieb der Nintendo Switch. Die hitzigen Matches werden von einem fetzigen Soundtrack untermalt, der ebenso mitreißend wie vielseitig ausfällt. Hier treffen rockige Gitarrenklänge auf dröhnende Trompeten und flotten Rap-Gesang. Ergänzt wird der harmonische Klangteppich durch die enthusiastischen Sprach-Samples der Athletinnen und Athleten sowie den fetten Soundeffekten der flammensprühenden Flugscheibe.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Felix Kraus

Windjammers 2 baut auf dem spaßigen Fundament seines Vorgängers auf und fügt der Formel sinnvolle Neuerungen wie Sprungwürfe oder Spezialattacken hinzu. Das Sequel eignet sich daher sowohl für geübte Spielerinnen und Spieler, die sich sofort heimisch fühlen werden, als auch für Neulinge, da der Einstieg verhältnismäßig seicht ausfällt. Wollt ihr jedoch in der oberen Liga rangieren, führt kein Weg am regelmäßigen Training im individuell anpassbaren Versus-Modus vorbei. Ob der Titel längerfristig motiviert, hängt sicherlich von der Online-Aktivität ab, worüber wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussage treffen können. Zwar verfügt Windjammers 2 zum Start über eine Crossplay-Funktion, allerdings nur innerhalb des Microsoft-Ökosystems. Ob es dieses Feature in naher Zukunft auch auf die Nintendo Switch schafft, ist derzeit noch unklar. Aufgrund des hohen Potenzials für spannende Wettkämpfe wäre es jedoch ein Jammer, wenn Windjammers 2 einem Spielermangel erliegen würde.
Mein persönliches Highlight: Die stimmige Gesamtpräsentation und das geschmeidige Spielerlebnis.

Awards

Spiele-Hit Multiplayer-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 3

  • Tabby

    Turmbaron

    Ich hab mir erst letztens den Erstling im Sale gekauft, sodass ich erstmal verzichten werde.

    Hätten die Entwickler einen richtigen Karriere Modus, ähnlich wie bei Virtua Tennis integriert, wäre ich wohl Day-One dabei gewesen.

    So aber gibt es für mich nicht genug Mehrwert, der einen Sofort Kauf rechtfertigen würde.

  • Tomberyx

    Minish Mage

    Ich fänd's gut wenn ihr mehr Bilder vom Spiel in die Tests aufnehmen würdet :)

  • Florian McHugh

    Retro-TowerCaster

    Tomberyx Das ist aufgrund von unserer Formatierung nicht immer möglich. Du kannst aber jederzeit ins Spielprofil gehen und dir dort die Galerie ansehen :)