Fehler sind zum Lernen da

Drei Sekunden. Manchmal sind es nur wenige Augenblicke, die über Sieg oder Niederlage entscheiden und gerade wenn das Gameplay mit einem nicht zu unterschätzenden Tempo daherkommt, ist die Kluft zwischen Frustration und Erfolg nicht groß. Was wäre wenn? Hätte ich doch bloß? Warum bin ich nicht gesprungen? Während viele solche „Was wäre wenn?“-Fragen für sinnlos halten, dienen sie lediglich dafür Fehler zu reflektieren und aus ihnen zu lernen. Was passiert aber, wenn man sich diese Selbstbesinnung zum Vorbild nimmt und ein ganzes Spiel um die Mechanik schnürt, den Moment für wenige Sekunden zu wiederholen? COGEN: Sword of Rewind gibt euch die Möglichkeit, jede Situation immer wieder zu erleben und entführt euch in eine ausdrucksstarke Welt voller schräger Figuren und knallharter Aufgaben.


Hübsche Illustrationen werten die Darstellung der Geschichte auf.

© Gemdrops, Inc.

Ohne Erinnerungen, wo und wie sie dort gelandet ist, erwacht die junge Dame Kohaku Otori in einer geheimnisvollen, verlassenen Einrichtung. In ihrer Hand: Eine gesprächige Klinge namens ExeBreaker, die mit Rat und Tat zur Seite steht, um die Protagonistin bestmöglich zu unterstützen. Gemeinsam machen sich die beiden auf den Weg, die Rätsel hinter der Einrichtung zu lüften und offenbaren dabei unerklärliche Mysterien und unvorstellbare Wahrheiten. So banal die Prämisse von COGEN auf dem ersten Blick nun auch klingen mag, wäre es falsch, sehr viel mehr über die Handlung zu spoilern. Das Spiel gibt sich Mühe, seine Geheimnisse langsam aufzudecken und setzt auf überraschende Wendungen, die euch auf dem kalten Fuß erwischen sollen. Ob dies auch immer funktioniert, sei mal dahingestellt, immerhin ist mit einer überschaubaren Spielzeit von etwas fünf Stunden nur wenig Zeit, um wirklich alle Charaktere und ihre Hintergründe ausreichend aufzubauen. Gerade deswegen wäre es wahrscheinlich sinnvoller gewesen, die Geschichte entweder ein wenig mehr in den Hintergrund zu stellen oder die essenziellen Momente besser zu verteilen.


So wie es jetzt ist, ziehen sich Dialoge gerade zu Beginn entweder unheimlich in die Länge, ohne nennenswerte Details zu präsentieren oder stören ganz einfach den Spielfluss und tragen nicht wirklich zur Stimmung bei. Umso unglücklicher wird diese Tatsache, wenn das Spiel zum Ende hin versucht, alle Handlungsstränge einigermaßen unter einen Hut zu bekommen, was einen erheblichen Teil des Finales für sich beansprucht und obendrein viel zu träge abläuft. Immerhin fällt der Humor des Spiels einigermaßen amüsant aus und schafft es hin und wieder die Erzählung in ein positives Licht zu rücken. Für ein Spiel, dass nur wenige Stunden andauert, ist die Geschichte einfach viel zu aufgebläht und sollte sich stattdessen lieber an der Schnelllebigkeit des Gameplays orientieren.


Zähe Geschichte, flottes Gameplay


Das Spielprinzip des 2D-Action-Spieles setzt nämlich ein gewisses Tempo voraus und gibt euch einige Optionen für flexible Fähigkeiten. Neben der einfachen Möglichkeit, Schwerthiebe in allen Richtungen auszuführen, könnt ihr unter anderem mit einem schellen Spurt gegnerischen Angriffen ausweichen oder wahlweise eine Spurt-Attacke einsetzen. Dieses akrobatische Manöver fokussiert sich hauptsächlich auf die Bewegung in der Luft, während eine Ausweichrolle am Boden euch in die Lage versetzt, ganz einfach durch feindliche Geschosse hindurchzudringen. Timing ist hierbei das Stichwort, da sich viele Projektile zurückschleudern lassen, solltet ihr die Kugeln im richtigen Moment mit dem Schwert treffen. All diese Befähigungen fördern einen aggressiven Spielstil und zwingen euch gewissermaßen dazu, die Konfrontation mit dem Gegner zu suchen.


Bosskämpfe verlangen einiges von euch ab.

© Gemdrops, Inc.

Selbstverständlich sind Tode in einem solchen Szenario nicht zu vermeiden, wo wir wieder am Punkt der Selbstreflexion angekommen wären. Erleidet ihr auch nur einen Gegentreffer, habt ihr die Chance, das Spielgeschehen bis zu drei Sekunden wieder zurückzuversetzen. Dabei seid ihr keinem Druck ausgesetzt und könnt völlig in Ruhe die Situation noch mal observieren und den passendsten Moment auswählen. Die Zeitkraft ist an eine Ausdaueranzeige gebunden und sollte stets im Auge behalten werden. Für jede Verwendung wird eine Einheit aufgebraucht und sobald ihr drei Wiederholungen ohne Pausen zwischendurch verwendet, heißt es Game Over. Glücklicherweise lässt sich die Fähigkeit wieder aufladen, indem ihr für einen kurzen Augenblick still steht oder keine Angriffe ausführt. Was zunächst absolut problemlos klingt, ist in einem Spiel wie COGEN einfacher gesagt als getan, da ihr dauerhaft in Bewegung sein müsst und euch Kontrahenten nur wenige Momente zum Verschnaufen gönnen.


Im gleichen Atemzug sollte nicht unerwähnt bleiben, dass sich der Schwierigkeitsgrad an erfahrene Spieler richtet und gerade in der zweiten Hälfte unheimlich anzieht. Erneut ergibt die Spieldauer in Kombination mit der allgemeinen fordernden Natur des Gameplays eine nicht ganz so harmonische Kombination. Das Spiel mag zwar relativ problemlos beginnen, fühlt sich aber gleichzeitig gezwungen, die Schwierigkeit zügig zu erhöhen, da einfach nicht genug Zeit ist, um eine natürlichere Kurve aufzubauen. So kann es schnell zu Frust kommen, was sich gerade in den spannend inszenierten Bosskämpfen schnell zeigt. Euer treues Schwert mag euch zwar Tipps nach zu vielen Niederlagen geben, allerdings reichen diese häufig nicht aus und geben euch lediglich das Offensichtlichste mit auf den Weg.


Optisch wirkt das Spiel hingegen insgesamt stimmig und obwohl der Stil sicherlich für keine neuen Maßstäbe sorgt, überzeugen gerade fabelhafte Illustrationen, die immer wieder zwischendurch auftauchen und eine Szene besonders betonen. Leider mangelt es der Spielwelt etwas an visueller Abwechslung, wenn es um die verschiedenen Level geht. Denn obwohl hier die Prämisse eigentlich dafür ausgelegt ist, verschiedene Schauorte zu besuchen, werdet ihr stattdessen vor den immer gleichen metallischen Hallen platziert. Dementsprechend fällt der Soundtrack etwas einseitig ab, klingt aber insgesamt wenigstens durchgehend passend. Wer die Geschichte vollständig verstehen möchte, muss sich auf oberflächliche Englischkenntnisse verlassen, da deutsche Bildschirmtexte nicht zur Verfügung stehen.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Kevin Becker

COGEN: Sword of Rewind wirkt wie das Konzept eines sehr viel größeren Titels und gibt sich nicht genug Zeit, um seine eigentlich interessanten Ideen genügend auszuarbeiten. Die Geschichte wirkt aufgebläht und versucht eine Handlung zu erzählen, die nicht wirklich zur kurzen Spieldauer passt, während Dialoge größtenteils durchaus lustig sein können, oftmals aber zäh wie ein Kaugummi erscheinen. Genauso mag der Schwierigkeitsgrad zwar angenehm fordernd sein, nimmt aber im Verlauf unheimlich stark zu und kann euch schnell überrumpeln. Glücklicherweise haucht die Zeitmechanik dem Ganzen einen gewissen Grad an Individualismus ein und lässt euch Fehler der Vergangenheit wieder gut machen. Sowohl optisch als auch musikalisch macht das Spiel einen soliden Eindruck und auch wenn es dem Abenteuer an visueller Abwechslung mangelt, ist der Stil zumindest dauerhaft stimmig. Wer nur wenig Zeit hat und gerne seine Zähne an kniffligen Kämpfen ausbeißen möchte, erlebt mit COGEN: Sword of Rewind ein ausgewogenes Gesamtpaket, das hier und da seine Baustellen hat, insgesamt aber konzeptionell überzeugt.
Mein persönliches Highlight: Die flexible Steuerung.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 1

  • Marq

    Anime-Spiele ohne Chibis!

    Danke für den Test! Habe mich für das Spiel interessiert, aber bei dem hohen Schwierigkeitsgrad überlege ich noch.


    Die Dialoge stören mich nicht. Im Gegenteil, je mehr Story, desto besser.