Ein höllischer Überraschungshit

Vergangenen Oktober wurde Infernax für Konsolen, darunter die Nintendo Switch, und den PC angekündigt. Zum Jahresbeginn gaben Entwickler Berzerk Studio und Publisher The Arcade Crew bekannt, dass das höllische Abenteuer um Ritter Alcedor und dessen von Dämonen geplagte Heimat am Valentinstag, den 14. Februar, erscheinen wird. Mitschöpfer Mike Ducarme eröffnete zuletzt, dass man ein Spiel habe schaffen wollen, welches den Achtzigerjahren zuzuordnen, aber niemals so veröffentlicht worden wäre. Einen Titel, den Kinder im Zuckerrausch zusammenfantasiert hätten und dessen Mysterium hohe Wellen auf dem Schulhof schlagen würde. Ob Infernax jene Nostalgie einfängt und zugleich noch Spaß macht, erfahrt ihr in unserem nachfolgenden Test.


Am Anfang war das Necronomicon


Bevor ihr in ein neues Spiel startet, überlässt euch Infernax die Wahl zwischen zwei Schwierigkeitsgraden – dem einfachen und dem klassischen Modus. Der einfache Modus kommt mit zusätzlichen automatischen Speicherpunkten daher, während ihr im klassischen Modus nach dem Ableben stets an eurem zuletzt manuell platzierten Speicherpunkt zurückgesetzt werdet. Zudem dürft ihr einen Bruchteil eurer Beute sowie Erfahrungspunkte behalten und verfügt zu Beginn bereits über ein Extraleben, welche ihr im klassischen Modus zunächst erspielen müsst. Außerdem dürft ihr eure Spielfigur benennen, insofern euer Name weniger als zehn Zeichen umfasst – oder ihr nehmt mit der Vorgabe „Alcedor“ vorlieb. Nachdem ihr eure gewünschten Einstellungen getätigt habt, beginnt auch schon das Spiel.


Weshalb euer Held seinen Mageninhalt im Verlies entleert, möchte ich euch nicht verraten – aber es ist eine witzige Geschichte.

© The Arcade Crew / Berzerk Studio

Infernax startet mit einer simplen Zwischensequenz. Euer Held kehrt erfolgreich aus einer Schlacht zurück, findet jedoch seine Heimat in einer prekären Situation vor. In seiner Abwesenheit haben sich Dämonen im Herzogtum Upel eingenistet und begehen dort allerlei Gräueltaten. Zwar lässt sich der Ursprung der Höllenbrut schnell ermitteln, jedoch verhindert ein schwarzmagisches Siegel ein rasches Eingreifen. Um die Tür zum finsteren Hort zu öffnen, müsst ihr das gesamte Königreich bereisen, die teuflischen Torwächter aufsuchen und diese anschließend im blutigen Zweikampf bezwingen.


Die pragmatische Handlung von Infernax bietet dabei nicht sonderlich viel Originelles, hält euch jedoch auf Trab und motiviert, die teils knackigen Herausforderungen zu meistern. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ihr einige folgenschwere Entscheidungen im Verlauf eures Abenteuers treffen müsst, die euren fortlaufenden Spielverlauf maßgeblich beeinflussen. Verhältnismäßig früh begegnet ihr ein paar zwielichtigen Personen, die sich später als gefährliche Kultmitglieder herausstellen. Gebt ihr deren Forderungen nach, werden sie euch fortan immer häufiger für ihre Pläne missbrauchen. Bietet ihr ihnen jedoch Paroli, werden sie alsbald von euch ablassen, allerdings werdet ihr dann auch niemals in die düsteren Machenschaften des Kults eingeweiht. Ein Durchgang allein reicht nicht aus, um alle Geheimnisse von Infernax entdecken zu können, doch die verhältnismäßig kurze Spielzeit plus diverse freischaltbare Annehmlichkeiten laden zum nochmaligen Erkunden ein.


Infernax lässt sich im Genre der Metroidvania verordnen, bietet allerdings auch kleinere Rollenspielelemente. So verfügt das zweidimensionale Abenteuer nicht nur über eine offene Spielwelt, die sich euch mit jeder neuen Fähigkeit weiter erschließt, sondern auch über zahlreiche Nebencharaktere, die euch mit verschiedenen Missionen versorgen. Obwohl darunter auch simplere Aufgaben wie das Beseitigen unerwünschter Unholde fallen, führen jene Bitten nicht selten zu optionalen Bosskämpfen und tragen daher enorm zur Unterhaltung bei. Natürlich werdet ihr nach dem Abschluss mit Erfahrungspunkten und Gold belohnt, um schrittweise eure drei Statuswerte – Macht, Gesundheit und Mana – sowie eure Ausrüstung verbessern zu können. Selten winken euch sogar besondere Schätze wie ein neuer Zauber oder die Aufwertung eines bereits erlernten Spruchs. Freilich reicht das System weniger tief als in manch anderem Genrevertreter, doch passt es ganz gut in den überschaubaren, kurzweiligen Gesamteindruck, den das Spiel vermitteln möchte.


Endgegner wie dieser erwarten euch am Ende eines jeden Dungeons und wollen von euch erlegt werden.

© The Arcade Crew / Berzerk Studio

Jene Leichtigkeit macht sich auch in der Steuerung bemerkbar. Die fällt herrlich unkompliziert aus und verzichtet größtenteils auf eigenartige Tastenkombinationen, die in der heutigen Flut an Videospielen, die parallel gezockt werden möchten, gerne einmal vergessen werden. Das Aktionsrepertoire eurer Spielfigur beschränkt sich auf einen simplen Waffenhieb, den Sprung, das Zaubern und die Verwendung von Tränken – mehr gibt es nicht und alles geschieht durch einen einfachen Tastendruck. All das erinnert an Zeiten, als Controller noch deutlich entschlackter daherkamen. Die Einstiegshürde ist demnach verhältnismäßig niedrig, insofern man die Herausforderung nicht scheut.


Denn das Sterben ist fester Bestandteil der Spielerfahrung, wie bereits im Trailer deutlich gemacht wurde. Zwar wird eure Frusttoleranz nicht annähernd so hart auf die Probe gestellt wie in manchen „From Software“- oder diversen Roguelite-Titeln, doch gerade im klassischen Modus können gerne einmal die Zähne knirschen. Denn dort werdet ihr nach dem Tod an eurem zuletzt manuell getätigten Speicherpunkt zurückgesetzt – und dies geschieht an dafür vorgesehenen Schreinen, die ihr überall in der Spielwelt findet. Innerhalb der einzelnen Dungeons könnt ihr jedoch vergeblich nach den prunkvollen Altären suchen, denn die gibt es dort nicht. Solltet ihr also beim Boss scheitern und alle Extraleben aufgebraucht haben, werdet ihr vor dessen Tür gesetzt und müsst den ganzen Weg dorthin mitsamt Gegnern noch einmal zurücklegen. Wer darauf keine Lust hat, greift zum einfachen Modus, der euch mit automatischen Speicherpunkten zusätzliche Sicherheit verschafft.


Infernax macht eine gute Figur, sofern euch die Pixeloptik im 8-Bit-Stil nicht abschreckt. Die einzelnen Schauplätze können sich sehen lassen und glänzen mit einer hohen Vielfalt sowie kleineren, liebevollen Details, darunter auch ein für das Spiel relevanter Tag-Nacht-Zyklus. Die größte Stärke liegt jedoch in den Modellen der mannigfaltigen Endgegner, die teils wunderschön grotesk daherkommen und auf spektakuläre Weise aus dem Leben scheiden. Allgemein scheut Berzerk Studio nicht vor dem Einsatz übertriebener Gewaltinszenierung, besonders als Resultat eurer Entscheidungen, wenn das Geschehen in detaillierten Bilderreihen wiedergegeben wird.


Ein kompaktes Abenteuer mit sauberer Technik


Infernax ist ein kompaktes Abenteuer, dessen Abspann bereits nach sechs bis acht Stunden über den Bildschirm flimmert, und eignet sich daher wunderbar als spaßiger Videospielsnack für zwischendurch. Technisch hinterlässt das Spiel wenig überraschend einen sehr guten Eindruck. Die vergleichsweise rudimentäre Optik sollte auch die Nintendo Switch nicht zum Schwitzen bringen und bietet folglich sowohl im mobilen als auch im stationären Modus des Hybriden eine geschmeidige Spielerfahrung. Begleitet wird der Retrospaß von passenden Chiptunes, deren Klänge euch noch etliche Tage später verfolgen werden.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Felix Kraus

Infernax ist ein absoluter Überraschungshit, der durchweg zu unterhalten weiß. Zwar erzählt der Titel nichts Neues und bedient sich klassischer Fantasy- sowie Horrorelemente, doch kann die Handlung angesichts des variablen Spielverlaufs überzeugen. Das Spiel vermittelt eine angenehme Kompaktheit, die der heutige Spielemarkt etwas vermissen lässt, und eignet sich daher auch hervorragend für Spielerinnen und Spieler mit einem vollen Terminkalender. Solltet ihr keine Abneigung gegen die Pixeloptik hegen und die Herausforderung nicht scheuen, erwartet euch mit Infernax ein aufregendes Abenteuer mit allerlei liebevollen Details und zahlreichen Geheimnissen, welches euch den Tag der kommerziellen Romantik nur zu gerne versüßen möchte.
Mein persönliches Highlight: TEYETPAX – mehr verrate ich nicht.

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