Ahoi, ihr Puzzle-Piraten!

Bei Pirate's Gold handelt es sich nicht um die recht ähnlich klingende Piraten-Simulation von Sid Meier aus den frühen Neunzigern. Vielmehr ist es ein Klon des Spiels Sokoban, welches der Japaner Hiroyuki Imabayashi Anfang der Achtzigerjahre entwickelt hat und womit er bei einem Ideenwettbewerb den ersten Platz belegen konnte. Ziel bei dem simplen Puzzle-Spiel war es, mit einer Spielfigur alle Objekte auf dem Spielfeld nacheinander auf die dafür vorgesehenen Zielfelder zu bewegen. Ein simples Konzept, welches durch verschiedene Anpassungen wie ein Zeit- oder Zuglimit für Abwechslung und Erhöhung des Schwierigkeitsgrades sorgte. Das mittlerweile seit 40 Jahren bewährte Konzept ist bereits dutzendfach kopiert und erweitert worden und auch Pirate's Gold nutzt einige Ansätze für dessen eigenes Spielsystem. Das doch recht antiquiert klingende Konzept kann aber mit frischen Ideen und gutem Leveldesign punkten und durchaus für einige vergnügliche Rätselstunden sorgen. Schnappt euch also euer Piratenoutfit, setzt die Segel und macht euch auf in karibische Gefilde, um ein paar virtuelle Schätze zu heben.


Weiter fortgeschritten im Spiel werden die Puzzles immer schwieriger, – glücklicherweise liefert eine Flaschenpost nützliche Hinweise.

© Asylum Square

Im Gegensatz zum eingangs erwähnten Sokoban bewegt ihr keine Figur, um die Objekte – in diesem Fall verschiedene Schätze – über das Spielfeld zu bewegen, sondern ihr könnt direkt mit diesen interagieren. Zudem besteht die Aufgabe darin, die zueinander identischen Schätze wie Ringe, in Gold gefasste Edelsteine oder auch Muscheln und Seesterne jeweils aufeinander zuzubewegen und Pärchen zu bilden, um diese alle restlos vom rasterförmigen Spielfeld zu entfernen. Umrahmt ist diese stets aus insgesamt 100 Feldern bestehende Puzzleumgebung von Steinblöcken, damit keines der Objekte vom Spielfeldrand geschoben werden kann. Zudem lassen sich die Schätze nur einzeln nacheinander und nicht zeitgleich bewegen. Einmal angestupst, bewegen sich diese solange in die entsprechende Richtung, bis sie auf ein Hindernis auftreffen. Ihr müsst also geschickt die Umgebung ausnutzen, um alle vom Spielfeld nehmen zu können. Außerdem könnt ihr die Objekte nur vertikal sowie horizontal, aber nicht diagonal bewegen. Zusätzliche interaktive Elemente bringen mit Fortschreiten der Schatzsuche mehr Abwechslung in das Spielgeschehen. So gibt es Felder, welche die Objekte durch einmal aktivierte Stachelbarrieren aufhalten, Pfeile, welche diese umlenken, oder aber auch Bomben, welche in ihrem Explosionsradius gleich mehrere der Schätze auf einmal vom Spielfeld nehmen. Hinzu kommen dann noch Felder, welche die Objekte aktiv verändern. Beispielsweise färben Farbkleckse Objekte einmalig um oder miteinander verbundene Portale befördern die Objekte an eine andere Stelle auf dem Spielfeld. Die einzelnen Level sind so konzipiert, dass ihr alle Elemente nutzen müsst, um das Ziel zu erreichen. Jedes neu in die Spielmechanik eingeführte Element und dessen Auswirkung auf die Schätze wird durch eine Flaschenpost kurz erläutert.


Wollt ihr die bestmögliche Bewertung am Ende eines Levels erreichen, dann müsst ihr zumeist auch noch alle auf dem Spielfeld versteckten Münzen einsammeln, indem ihr die Objekte darüber hinweg bewegt. Ein X markiert die Stelle, wo diese zu finden sind. Habt ihr alle eingesammelt, nur wenige Züge benötigt und wart auch noch schnell genug, dann dürften euch drei von drei Sternen in der Bewertung sicher sein. Solltet ihr allerdings mal nur ein oder zwei Sterne kassieren, dann bietet euch das Spiel leider keinerlei Anhaltspunkte, wie ihr den Dritten noch erreicht. Die Gesamtzahl der Münzen ist zwar ersichtlich, aber ob ihr eine bestimmte Zeit oder Züge unterschreiten müsst, das verrät euch die Bewertung nicht. Letztendlich lässt sich nur mutmaßen, ob alleinig die Anzahl der Münzen ausschlaggebend für die Bewertung ist. Euren einmal aufgestellten Rekord könnt ihr zudem leider in der Levelübersicht nicht direkt einsehen.

Die Bewertung am Ende eines Levels verrät, ob ihr ein erfolgreicher Schatzsucher bzw. eine erfolgreiche Schatzsucherin wart.

© Asylum Square


Puzzle-Spiele machen auf der Nintendo Switch am meisten Sinn, wenn diese im portablen Modus gespielt werden, insbesondere wenn durch den Einsatz des Touchscreens die Bedienung vereinfacht wird. Bei Pirate's Gold ist das ebenfalls der Fall. Zwar hat man per Controller die Möglichkeit, durch einen Zeiger in Säbelform die Objekte über das Spielfeld zu bewegen, allerdings funktioniert das deutlich langsamer und unbefriedigender als die direkte Steuerung per Finger auf dem Bildschirm eurer Nintendo Switch. Das in den 100 Levels immer identisch große Spielfeld ist für die Eingabe ausreichend groß konzipiert und Fehleingaben habe ich nur selten erlebt. Auch die Gefahr, dass man Objekte in eine Sackgasse manövriert, ist mir im Test kaum untergekommen, was für das allgemein gut durchdachte Leveldesign spricht. Sollte euch dennoch mal ein Fauxpas unterlaufen, dann könnt ihr einzelne Schritte zurückspringen oder alles wieder auf Anfang setzen.


Die Puzzle-Schatzsuche einmal quer durch die Karibik wird wundervoll ergänzt durch ein musikalisches Bouquet an karibischen Klängen und Piratenmusik, die zum mitwippen einladen. Auch gibt es genug Titel, sodass etwaige Wiederholungen nicht störend auffallen. In grafischer Hinsicht gibt es hingegen leider wenig Abwechslung. Nur ein einziger Hintergrund umrahmt das Spielfeld, nur ab und zu wird dieses beispielsweise um einen schlicht animierten Affen ergänzt. Da wäre ein wenig mehr Abwechslung fürs Auge wünschenswert gewesen, denn man hat sich recht schnell sattgesehen.


Erwähnenswert ist auch die Spielzeit, denn die 100 Level sind in nur einer Handvoll von Stunden gelöst. Zwar gibt es zusätzlich noch 8 Trophäen zu erspielen und ihr könnt versuchen, jedes der Level bestmöglich abzuschließen, jedoch hält sich der Wiederspielwert doch recht stark in Grenzen.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von David Kuhlgert

Wer auf der Suche nach einem Sokoban-Klon mit erweiterten Spielregeln, aber ohne viel Schnickschnack ist, der dürfte mit Pirate's Gold fündig geworden sein. Das Puzzle-Spiel mit Piraten-Kulisse und passendem Soundtrack ist die perfekte Kombination, wenn man sich auf der Couch entspannen, dabei aber seine Hirnaktivität ins Rollen bringen will. Die stete Steigerung des Schwierigkeitsgrades sowie auch die immer wachsende Anzahl an interaktiven Elementen auf dem Spielfeld lassen nicht so schnell Langeweile aufkommen und sorgen für einige vergnügliche Rätselstunden. Der gute Soundtrack, bestehend aus sanften karibischen Klängen und Piratenmusik lässt zudem die richtige Stimmung für das digitale Schätzeheben aufkommen. Alle Puzzle-Piraten und Hobby-Freibeuter mit Rätsel-Affinität können bedenkenlos zugreifen und lösrätseln – am besten in einer Hängematte mit einem Getränk, serviert in einer Kokosnuss.
Mein persönliches Highlight: Der recht abwechslungsreiche Soundtrack, der durch seine karibischen Klänge Urlaubsstimmung aufkommen lässt.

Die durchschnittliche Leserwertung

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