Ein intergalaktischer Krimi

Mit der weitreichenden Förderung, die das Medium Videospiel in den letzten Jahren erfahren hat, wurden die Welten immer größer, Charaktere und Systeme komplexer und Handlungsstränge relevanter, wenn es um die moderne Präsentation neuer Titel ging. Wer möchte, kann mit Leichtigkeit in einer Videospielwelt versinken, wie es bei Filmen oder Büchern der Fall ist. Das bedeutet allerdings nicht, dass fein gearbeitete Geschichten ausschließlich in großen, filmreifen Produktionen zu finden sind. Atmosphärische Erzählungen finden sich auch in Indie-Projekten, die geschickt mit den vorhandenen Mitteln umzugehen wissen. Mit Lacuna präsentiert DigiTales Interactive ein Science-Fiction-Abenteuer, das ebenfalls auf eine starke Handlung setzt und eine spannende Kriminalgeschichte aus einer Welt erzählt, in der sich die Menschen den Weltraum zu eigen machen konnten. Ob Lacuna die eigenen detektivischen Sinne wecken und das Erzählte überzeugen kann, erfahrt ihr in unserem Test.


Ermittler Neil Conrad in schwieriger Mission


Wie eingangs erwähnt, haben wir es in Lacuna mit einer Handlung zu tun, die in einer Zukunftsvorstellung der Menschheitsgeschichte spielt. In dieser ist die Erde längst nicht mehr das einzige Heim unserer Art. Die Menschen haben wortwörtlich nach den Sternen gegriffen und sind dank neuartiger Batterien nun auf den Planeten Ghara, Drovia und New Jordan zuhause. Doch die Menschheit hat weiter mit ihren typischen Fehlern zu kämpfen und so gibt es zwischen den Bewohnern der verschiedenen Planeten starke Spannungen, die sich in ihren Idealen, ihrem Glauben und ihren Interessen voneinander unterscheiden. Dies wird bereits im Prolog deutlich, der angenehm kurz, aber auch bereits vielschichtig geraten ist und mit einer dichten und glaubhaften Atmosphäre in das Abenteuer einführt.


Neil wird bei seinen Nachforschungen mit allerlei Zeugen konfrontiert. Dabei sind nicht alle kooperativ.

© Assemble Entertainment

Von der ersten Sekunde an wirkt die Welt, in die man hier hineingeworfen wird, lebendig und plastisch. Mit einer gut abgewogenen Menge an Hintergrundinformationen und aktiver Handlung werden hier bereits die Weichen gestellt, um grob erahnen zu können, wohin die Reise gehen und gleichzeitig das Interesse daran zu schüren, was diese Welt noch zu bieten haben wird. Dieses gelungene Erzähltempo zieht sich durch das gesamte etwa fünf bis sechs Stunden lange Abenteuer. Es bleibt immer so vielschichtig, dass es dem Worldbuilding zuträglich ist, aber gleichzeitig nicht zu komplex wird, um noch angenehm spielbar zu sein. Je weniger vorab über die Handlung bekannt ist, desto besser wird natürlich euer Erlebnis mit Lacuna, daher müssen Details bei einem Story-zentrierten Spiel wie diesem außen vor bleiben.

Was ist nun aber eure Aufgabe im Spiel? Ihr schlüpft in die Rolle des reservierten CDI-Agenten Neil Conrad, der sich als Ermittler in einem Mordfall von besonderer Wichtigkeit wiederfindet, nachdem ein ranghoher Politiker eines anderen Planeten erschossen wird. Immer vor dem Hintergrund der großen Spannungen zwischen den drei Fraktionen muss die Aufklärung des Falls die Ordnung zwischen den Streithähnen wiederherstellen. Für die Erzählung werden dabei viele Elemente des Noir-Stils verwendet. Das beginnt mit unserem ruhigen, aber gutherzigen Protagonisten und seinen Monologen und zieht sich über die gesamte Erzählstruktur, wodurch zwar auch klassische Kriminal-Klischees bedient werden, die in der Mischung die Geschichte aber stimmig rüberbringen können. Problematische Familienverhältnisse, soziale Differenzen, unkooperative Zeugen; ihr wisst, wovon die Rede ist. Insgesamt kann die Handlung von Lacuna absolut überzeugen.

Die Stilelemente sind passend in die Geschichte verwoben, ohne aufgesetzt zu wirken, die Chemie zwischen den Charakteren funktioniert und die Schlussfolgerungen führen spannend und spaßig zum nächsten Ziel. Aber apropos Schlussfolgerungen: Was hat Lacuna in Sachen Gameplay zu bieten? Schließlich fallen unserem Star-Ermittler die Lösungen ja nicht einfach in die Hände. Das Gameplay von Lacuna ist simpel und schnell erklärt. Ihr bewegt euch durch die Welt zu den verschiedenen Orten, an die euch eure letzten Hinweise führen und stellt entsprechende Ermittlungen an. Es gibt Hinweise zu finden, Zeugen oder Involvierte zu befragen und Entscheidungen zu fällen. Mit einem Knopfdruck könnt ihr durch eine farbige Umrandung verschiedene Objekte oder Personen erkennen, mit denen ihr euch näher befassen solltet. Aufmerksamkeit ist hier wichtig, denn auch Kleinigkeiten können euch entscheidende Hinweise geben. In eurem Journal findet ihr sämtliche Infos, die ihr durch eure Ermittlungen erhaltet.


Während eurer Ermittlungen könnt ihr Daten und Aussagen checken, die ihr bereits erhalten habt. Eine gute Deduktion ist der Schlüssel zum Sieg.

© Assemble Entertainment

Hier könnt ihr bereits geführte Gespräche noch einmal durchlesen, Akten checken, Nachrichten lesen, die euch andere Figuren senden und schlussendlich auch die Hinweise zu einer Lösung zusammentragen, indem ihr die richtigen Hinweise auswählt, Aussagen abgleicht oder ähnliches. Herumprobieren ist hier nicht möglich, denn Lacuna lässt euch nicht manuell speichern und sichert eure Entscheidungen automatisch ab. Je nachdem, wie ihr entscheidet und ob ihr richtige oder falsche Schlussfolgerungen anstellt, ändert sich der Ausgang der Geschichte zu einem von acht möglichen Enden. Es gibt also kein Zurück, außer ihr startet das Spiel komplett von Neuem. Lacuna schafft es dadurch, die Erfahrung immer aufregend zu halten und Gewicht auf die eigenen Handlungen zu legen. Durch den Fokus auf die Story, die nicht durch Nebenbeschäftigungen unterbrochen wird, wird das nochmal unterstrichen.

Das prägnante Gameplay fügt sich wunderbar in die Handlung ein und lässt euch an der Geschichte teilhaben, anstatt diese nur von außen zu betrachten. Ein kleines Manko lässt sich in der Speicherfunktion aber dennoch sehen, denn durch die fehlende Option, das Spiel manuell zu sichern, verliert ihr sämtlichen Fortschritt seit dem letzten Speichern. Das kann ärgerlich sein, wenn ihr vom nächsten Speichern noch entfernt seid, aber das Spiel gerne unterbrechen wollt und die Wahl habt, zwanghaft weiterzuspielen oder Fortschritt zu verlieren.

Zudem müsst ihr durch das langsame Tempo von Neil teilweise etwas längere Strecken bis zum nächsten Zielort zurücklegen, was hier den Frust erhöhen kann. Die Musik in Lacuna ist stimmig und verpasst den Szenen einen treffenden mysteriösen Unterton, ohne dabei die Atmosphäre einer Science-Fiction-Großstadt zu vernachlässigen. Allerdings hebt sich keines der Stücke besonders ab, sodass kein wirklicher Ohrwurm-Charakter entsteht. Auf technischer Seite gab es während des Tests keine Schwierigkeiten mit der Nintendo Switch-Version. Die Controllersteuerung funktioniert gut und fühlt sich nur zu Beginn ein wenig ungenau an.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Robin Jung

Das Adventure Lacuna des deutschen Entwicklerteams DigiTales Interactive weiß genau, was es sein will. Es verliert sich nicht in Gameplay-Experimenten, die dem Eindruck von der Geschichte im schlimmsten Fall abträglich wären, sondern bindet das Gameplay gekonnt in die Erzählstruktur ein und macht es besonders durch den einen Versuch, den man für seine Entscheidungen besitzt, sehr spannend, wie die Geschichte weitergehen wird. Die Handlung steht im Zentrum und wird durch Worldbuilding-Gameplay und die klassische Krimi-Struktur komplementiert, sodass die gesamte Welt rund und lebendig wirkt. Es hat sehr viel Spaß gemacht die recht kurze, aber konzentrierte Geschichte von Neil Conrad zu erleben und die verschiedenen Enden bieten den Anreiz, andere Antwortmöglichkeiten auszutesten. Wer Interesse an einer spannenden Kriminalgeschichte in einer gelungenen Sci-Fi-Welt hat und dem Pixel-Look noch nicht müde geworden ist, sollte definitiv einen Blick auf Lacuna werfen.
Mein persönliches Highlight: Das Zusammenbringen der Hinweise und die Spannung, wie sich Entscheidungen auswirken.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

0 User haben bereits bewertet

Kommentare 3

  • iZen

    Turmheld

    Ich kann das Spiel nur empfehlen. Hab es durchspielen müssen, weil der Charme, der Look&Feel, die Musik und vor allem die Story mich in den Bann gezogen haben. Ich hoffe so sehr, auf weitere Spiele dieser Art von diesem talentierten Team :love:

    Hinweis: Langsames Tempo? Man kann Neil auch laufen lassen ;) Außerdem ist der wunderschöne Pixellook doch nebenbei ganz große Klasse. Man entdeckt immer mehr Feinheiten.

  • Rob64 Gaming

    Turmheld

    Hört sich gut an. Bin gerade aber gut ausgelastet mit Games. Kommt aber mal auf meine Liste. Danke für den Test 👍

  • Cap

    Monkey Island resident.

    Das Spiel werd' ich mir in nächster Zeit auch noch holen. Wurde durch iZen schon früher darauf aufmerksam gemacht. Danke für das Review. Hört sich alles sehr interessant an. :)