Soras drittes Abenteuer kämpft nicht nur gegen Herzlose

Es hat gedauert, bis Fans der ersten beiden Kingdom Hearts-Spiele mit vollwertigem Nachschub versorgt wurden. Zwar gab es diverse Ableger, die die komplexe Geschichte der Spiele erweiterten, und doch wollte man einen neuen, vollwertigen Titel. Schließlich erschien Kingdom Hearts III 2019 für die PlayStation 4 und setzte die Reise von Sora, Donald und Goofy fort. Während PC- und Xbox-Spieler schon früher in den Genuss des dritten Teils kamen, mussten Nintendo Switch-Fans bis jetzt warten, um ebenfalls den dritten Teil der Hauptgeschichte zu spielen. Allerdings wurde auch hier von Square Enix auf eine reine Cloud-Version gesetzt, die eine ständige Verbindung zum Internet benötigt. Auch beim dritten Abenteuer stand ich unserem Protagonisten zur Seite und habe mir genauer angeschaut, ob auch hier die Cloud-Version überzeugen kann oder ob man lieber die Finger vom dritten Teil der Reihe lassen sollte.


Sora in der Krise


Im dritten Abenteuer schlüpfen wir von Anfang an in die Rolle von Sora, der jedoch in einer mittelschweren Krise steckt. Denn er hat sowohl einen Großteil seiner Kräfte als auch einen Teil seiner Erinnerungen verloren und damit auch sein großes Ziel. Donald und Goofy stehen erneut an seiner Seite und doch liegt es an Sora allein, wieder zu sich selbst zu finden. Während die Organisation XIII weiterhin versucht, ihn auf die dunkle Seite zu ziehen, entschließt er sich dazu, Roxas freizulassen, sodass er als eigenständige Person leben kann. Zudem geht er erneut auf eine Reise, um seine Fähigkeit, verlorene Herzen wiederherzustellen, wiederzuerlangen. Währenddessen ist Yen Sid damit beschäftigt, weitere Schlüsselschwert-Krieger auszubilden, um der Organisation XIII ein für alle mal den Garaus zu machen.


Sora steckt in der Krise und muss wieder zu sich selbst finden.

© Disney / Pixar / Square Enix

Viele Aspekte der vorherigen Spiele sind dabei erhalten geblieben und doch bringt Kingdom Hearts III zahlreiche Neuerungen, die vor allem das Kampfsystem deutlich komplexer gestalten. So kann man bereits zu Beginn des Spiels Voreinstellungen treffen, die das Spiel sehr schwierig gestalten oder so leicht, dass man viele der Gegner mit nur einem Schlag schachmatt setzen kann. Hier könnt ihr sogar Feinabstimmungen vornehmen und Fähigkeiten aktivieren, die euch das Leben erleichtern oder zusätzlich erschweren. Zu Beginn werden eure Charaktereigenschaften auch deutlich feiner bestimmt, wodurch ihr nicht mehr nur zum Schwert greifen müsst, um eure Kampfkraft zu verstärken. Nun fließen auch andere Werte wie die Balance in euer Spielgeschehen mit ein.


Im Kampf selbst habt ihr mittlerweile so viele verschiedene Möglichkeiten, Spezialfähigkeiten oder andere Hilfsmittel einzusetzen, dass es beinahe schon unübersichtlich wird. Hier muss man nicht mehr nur einfach mit dem Schlüsselschwert zuschlagen oder darauf hoffen, dass Donald einen heilt, sondern wirklich taktisch vorgehen und sämtliche Cooldowns im Auge behalten, um gegen die Horden an Gegnern anzukommen. Wenn man hier dennoch mal die Übersicht verliert oder eine längere Pause einlegen muss, hilft einem das übersichtliche Tutorial, das man im Menü aufrufen kann, sehr weiter.


Das Trio ist zurück und wohl auf.

© Disney / Pixar / Square Enix

Auch die Herzlosen, Niemande und Unversierte sind nicht nur zahlreicher, sondern auch stärker geworden, sodass man selbst bei normalen Spieleinstellungen etwas zu knabbern hat, wenn sie sich unzählig um einen scharen. Trotz der vielen verschiedenen Kampfstile geht die Steuerung in den Schlachten gewohnt simpel von der Hand und als eingefleischter Kingdom Hearts-Fan findet man sich schnell zurecht. Bei so vielen Gegnern auf einmal kommen vor allem die neuen Attraktionsattacken wie gerufen, die direkt aus einem Disney-Themenpark stammen könnten. So heizt ihr Gegnern, wenn die Attacken bereit sind, mit einem Piratenschiff oder anderen karussellartigen Gefährten ein, wodurch vor allem ein immenser Gruppenschaden entsteht.


Doch auch die Fortbewegung von Sora wurde deutlich erweitert und so kann er verschiedene Wände, die hell hervorgehoben sind, einfach emporklettern und macht Spiderman Konkurrenz. Die Spielmechanik Freier Fluss ermöglicht es ihm zudem, große Distanzen zu überspringen und mit seiner Umgebung zu interagieren, sodass er nun in Wäldern zum Beispiel auf Äste springen und dadurch Gegner effektiver angreifen kann. Selbst das Schlüsselschwert ist nicht mehr nur eine Nahkampfwaffe, sondern kann sich in verschiedene andere Waffen wie eine Doppelbogenpistole verwandeln. Zudem kann Sora mittlerweile mit drei verschiedenen Schlüsselschwertern auf einmal ausgerüstet werden. Auch die Beschwörungen sind wieder mit von der Partie, genau wie die Drive-Form, die Sora verschiedene Spezialkräfte verleiht.


Das Gumifon bringt diverse Neuerungen mit sich.

© Disney / Pixar / Square Enix

Natürlich stehen auch in Kingdom Hearts III die verschiedenen Welten im Vordergrund und es gibt viele neue Regionen zu erkunden. So sind Disney-Welten von Frozen, Rapunzel oder Toy Story vorhanden, aber auch fiktionale Welten wie Die letzte Welt oder der Schlüsselschwertfriedhof. Vor allem die Disney-Welten kommen jedem bekannt vor, der die entsprechenden Filme kennt, und während man in Toy Story eine ganz neue Geschichte erlebt, durchlebt man in anderen Welten die bekannte Geschichte aus den entsprechenden Filmen, nur eben etwas verändert, sodass unsere Helden ebenfalls ihren Teil zur Story beitragen können. Es handelt sich bei den neuen Regionen zwar keinesfalls um eine offene Welt, dennoch sind die Gebiete etwas weitläufiger gestaltet und die deutlich verbesserte Grafik im Vergleich zu Teil I und II fällt ebenso positiv auf.


Auch der Gumi-Jet kommt wieder zum Einsatz, wobei im All mittlerweile einiges los ist. Erneut muss man die Welten selbst finden, doch das ist bei Weitem nicht mehr so einfach, wie man es von den Teilen zuvor kennt. Hier warten nicht nur Herzlose, die wir separat bekämpfen müssen, man kann mithilfe des Gumifons nun auch Sternenkonstellationen fotografieren, um dafür Belohnungen zu kassieren. Natürlich finden wir auch hier wieder diverse Komponenten, um unseren Gumi-Jet weiter auszubauen. Hier stehen uns Chip und Chap erneut zur Seite und auch die Schmiede der Mogry ist wieder zugänglich. Eine Neuerung, die uns zusätzlich das Leben erleichtert, ist, dass die Mogry nun bei Speicherpunkten einen mobilen Shop eröffnet haben, in dem wir einkaufen können.


Die Mogry verkaufen euch diverse nützliche Gegenstände und auch Zutaten fürs Kochen.

© Disney / Pixar / Square Enix

Erneut hält einen nicht nur die Hauptgeschichte auf Trab. Durch das neue Gumifon bekommen wir nun verschiedene Aufträge von den Mogry, gewisse Dinge zu fotografieren, sodass wir das Bastel-Repertoire der Schmiede erweitern können. Es gibt zudem sogenannte Glücksembleme, die das Gesicht und die Ohren von Mickey darstellen. Die gilt es, zu finden und zu fotografieren, wofür ihr ebenfalls verschiedene Belohnungen bekommen könnt. Außerdem wurde Rémy, die niedliche Ratte von Ratatouille, im Spiel integriert, die euch das Kochen beibringt. In Twilight Town wurde er als Chefkoch eingestellt und bei ihm könnt ihr nun diverse Kochrezepte lernen. Das Ganze erinnert ein wenig an Cooking Mama und mit den gekochten Gerichten könnt ihr verschiedene Statuswerte aufbessern. Zutaten findet ihr überall in der Welt und auch die Mogry verkaufen verschiedene in ihrem Shop.


Alles in allem ist auch der dritte Teil eine würdige Fortsetzung der Geschichte. Viele Charaktere kehren zurück und die neuen passen wunderbar ins Gesamtkonzept. Zwar gibt es einige Lücken in den Erzählungen, wenn man die unzähligen anderen Kingdom Hearts-Spiele nicht gespielt hat, und doch kann man der Haupthandlung noch immer wunderbar folgen. Auch die Grafik hat sich natürlich deutlich verbesser; das merkt man vor allem, wenn man Szenen aus den ersten Teilen sieht, die jedoch komplett überarbeitet wurden. Fort sind die klobigen Charaktere, die nun alle wundervoll ausgearbeitet sind, und es macht einfach so viel Spaß, sich in einer solchen Welt zu bewegen. Soundtechnisch gibt es ebenfalls nichts zu meckern, da man hier definitiv wieder hohe Qualität geliefert bekommt, die man schon von der Reihe kennt.


Cloud-Version ohne Cloud Strife und mit vielen Problemen


Auch das dritte Abenteuer ist für Nintendo Switch-Spieler nur als Cloud-Version zugänglich und während es bei den ersten beiden Teilen, zumindest bei mir, kaum Probleme gab, sieht das beim dritten Teil leider deutlich anders aus. Noch immer sind die Zwischensequenzen wunderbar anzusehen und währenddessen merkt man nicht, dass man hier eine gestreamte Version des Spiels spielt. Sobald man aber selbst Hand an den Controller legt und Sora durch die Welt steuert, merkt man sofort, dass etwas nicht stimmt.


Sobald ihr selbst spielen könnt, wird die Grafik gedrosselt.

© Disney / Pixar / Square Enix

Die Qualität des Gameplays wird gedrosselt, was sich noch einmal verschlimmert, wenn man sich mitten im Kampf befindet. Denn während Herzlose um einen herum wuseln, HP-Kugeln und Taler durchs Bild fliegen und man dann noch eine Attraktionsattacke ausführen möchte, um aufzuräumen, sieht man nur noch einen großen Pixelbrei auf dem Bildschirm. Hier kann es dann auch vorkommen, dass es ruckelt, und erst, wenn der Kampf vorüber oder zumindest ein bisschen Ruhe eingekehrt ist, normalisiert sich das Ganze wieder.


Gerade wenn sehr viel los ist, wird die Bildqualität unglaublich grisselig; das wird bereits zu Beginn des Spiels ersichtlich, wenn viele Details auf einmal zu sehen sind. Denn wenn man am Anfang seine Stärken und Schwächen auswählen soll, sind im Hintergrund Abertausende Bilderrahmen auf dunklem Grund zu sehen, die man nicht mehr klar voneinander trennen kann. Im normalen Spielverlauf ist das nicht unbedingt auffällig und wenn wir durch die verschiedenen Welten laufen und eine Menge an Herzlosen bekämpfen, fällt es nur bedingt auf, jedoch sind die Welten so unglaublich detailreich und bunt gestaltet, dass man selbst mit einer sehr guten Internetverbindung auf verlorenem Posten steht. Hier ruckelt und hakelt es dann auch bei den kleinsten Begegnungen mit den Feinden, was einfach keinen Spaß bringt.


Komplette Abbrüche konnte ich während meines Durchlaufs zwar nicht feststellen, auch wenn ich bei Inaktivität, die länger als zwei oder drei Minuten anhielt, aus dem Spiel geworfen wurde. Auch die Ladezeiten an sich sind absolut in Ordnung und nicht von der lokalen Version auf der PlayStation 4 zu unterscheiden. Im Vergleich zu den ersten beiden Teilen, die in meinem Spieldurchlauf fast schon ohne große Schwierigkeiten liefen, merkt man doch, dass es beim dritten Teil der Reihe deutlich mehr Probleme gibt.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Kerstin Steiner

Als Kingdom Hearts III erschien, war ich tagelang in der Welt versumpft, auch wenn der dritte Teil der Reihe deutlich anders war. Dennoch gab es viele tolle Neuerungen und natürlich die altbekannten Gesichter, die mich erneut in die Welt der Herzlosen hineinzog. Kingdom Hearts III ist nach wie vor ein gutes Spiel, in das man Unmengen an Spielstunden stecken kann und die Geschichte um Sora würdig fortsetzt. Im Normalfall würde ich dem Spiel dahingehend auch eine gute Note geben, da es zwar an alten Mechaniken festhält, jedoch auch viel Neues zu bieten hat. Allerdings handelt es sich hier um die Cloud-Version und während die ersten beiden Teile mit ihren minimalen Rucklern und Unstimmigkeiten noch absolut vertretbar waren, sieht das hier leider anders aus. Denn hier handelt es sich nicht nur um Ruckler, sondern wirklich um einen dauerhaften Qualitätsverlust im Gameplay, der langfristig den Spielspaß enorm trübt. Vor allem während der Kämpfe, die teilweise wirklich Zeit und Energie kosten, ist es einfach unzumutbar, sich in einem Pixelbrei zurechtzufinden. Wenn man die Möglichkeit hat, den dritten Teil der Reihe auf einer anderen Plattform zu spielen, sollte man das tun, da das Spiel an sich unglaublich viel Spaß bringt. Ansonsten muss man leider mit Abstrichen leben, wenn man sich dennoch mit Sora, Donald und Goofy auf der Nintendo Switch in die dritte Schlacht stürzen möchte.
Mein persönliches Highlight: Nach wie vor die komplexe Geschichte und die unglaublich liebevoll gestalteten Welten.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 7

  • LordBackfisch

    Nervt mit Argumenten

    Ich finde schon Kingdom Hearts 3 am sich in vielen Punken eine story- und gameplaytechnische Katastrophe. Von viel zu überladenen und einfachen Kämpfen, wo fast jedes Kommando lächerlich stark ist und viel zu oft erscheint.


    Plus die teils leider echt grauenhaft langweilig designten Disney Welten, die nichts zur Story beitragen und eigentlich das Herzstück der Serie sein sollten, aber zu teils reinem Advertisement mutiert worden sind. Die Dialoge sind teils so charmvoll wie ein Ziegelstein, während die Story halt auch super schlecht und klischeehaft aufgelöst wird.


    Die Grafik und Musik sind aber wirkich sehr gut geworden, der Aufwand in den vielen Details macht es für ein Teil der Fans zu einem echt schmerzhaften Nachfolger.


    Wenn dazu jetzt aber noch die geschilderten Probleme kommen, dann hat man ein Spiel, welches man effektiv nicht mehr spielen kann. Da wären meiner Meinung nach noch 3 Punkte noch großzügig für gewesen

  • Ngamer

    Son of a Patriot

    Ich blicke positiv in die Zukunft, Cloud gaming wird der HIT! Da kann garnichts schiefgehen!



    Zum Spiel: Ich fands super, kommt aber nicht an den zweiten Teil heran. Leider war das Spiel auch viel zu einfach. Musste auf Hard umstellen, weil der normale Modus der easy Modus war.

  • sardello

    Turmbaron

    Wäre noch interessant, auf welchem WLAN-Frequenzband ihr gespielt habt. Wenn ich die empfohlenen 5GHz verwende, habe ich nicht derartige Probleme. Bei 2,4GHz ruckelt es dagegen sehr stark.

  • lunatic1988

    Wurstkönig

    Eine gebrauchte PS3 + die 3 Spiele sind zusammen günstiger als die Cloud-Versionen zusammen und man hat dann das Original als Retail vorliegen, dass nicht durch Server abgeschaltet werden kann und auch Offline funktioniert. kA also, wieso ich auf Cloud-Only Varianten zurückgreifen sollte =/ Finde es als Bonus-Service wie im Gamepass echt gut aber als einzige Möglichkeit, ein Spiel genießen zu können sehr fragwürdig.

  • dr.retro

    Retrogamer aus Leidenschaft

    LordBackfisch


    Sehr gut auf den Punkt gebracht.


    Trotz grundsätzlich positiver Kritiken zum Spiel, abgesehen von der Cloud Version, wirkt das Spiel wie eine einzige Bewerbung oder Werbung für Pixar Filme. Die Geschichte, die mit zig Ablegern ergänzt wurde, epischer wurde, wird hier auf ein Minimum zusammen gebrochen. Und am Ende geht alles so schnell, das hätte man intensiver innerhalb des Spiels erzählen können. Kingdom Hearts 2 hat es genau richtig gemacht. Das auch die ursprünglichen Disney Antagonisten aus 1 und 2 in 3 zu kaum auftauchenden Randfiguren verkommen, ist eine schlichte Fehlentscheidung.

    Es gibt nichts, aber auch gar nichts, was an dem Spiel, gegenüber den Vorgängern, irgendwie besser ist. Und die Cloud Version bringt das Fass zum Überlaufen. Shame, SquareEnix, Shame!

  • NiFaBo

    Eigentlich fände ich Cloud Gaming für die leistungsschwache Switch echt gut. Aber so mies wie das umgesetzt wird, verstehe ich den Widerstand. Keine Ahnung, wieso auf alten Smartphones sowas problemlos funktioniert und hier nicht. Die Switch ist ja nix anderes im Kern.

  • Wowan14

    Gamer aus Leidenschaft

    Respekt an den der die ganzen DLC Bosse packt auf der Switch Version :ugly-classic:


    Aber ja selbst ich als nicht KH Fan (weiß aber dennoch davon sehr viel dank meinem bruder) konnte eindeutig erkennen wie miserabel KH3 ist. Das einzige gute war daran wirklich die schicke Optik aber mehr nicht. Gerade hier schien SE keine richtig gesunde Mitte zwischen leicht und schwer zu finden. Alle kämpfe sehr einfach und dann hauen sie einen kritischen Modus und DLC hinterher der einen plötzlich etwas oder zu stark fordert aber auf eine falsche Weise. Zur Story selbst sage ich nichts außer dass man da einiges an Potenzial verschenkt hat. Nebenaufgaben wie "InGreDiEnTs" zu sammeln oder Fotos zu schießen fand ich furchtbar. Auch waren manche Welten viel zu groß dafür aber leer