Die Barbaren sind los

Was tut man, wenn die Wiederbelebung des Oberschurken schief läuft und nicht genug Zeit (oder Lust) übrig bleibt, um einen passenden leiblichen Körper als Hülle zu finden? Richtig, man veranstaltet einen aufregenden Wettkampf und lockt den stärksten Helden des Landes in die Festung des Bösewichts. So oder so ähnlich lässt sich die komödiantisch angehauchte Handlung von Conan Chop Chop zusammenfassen. Unterstützt wird die Erzählung von charmanten Illustrationen und einer Prise Humor, der sich selbst nicht zu ernst nimmt und glücklicherweise zu keinem Zeitpunkt penetrant wirkt. Zwischen dem Prolog und dem Finale werdet ihr nämlich keine Zwischensequenzen sehen und müsst für optionale Dialoge mit Dorfbewohnern das Spielgeschehen niemals unterbrechen, da die Textboxen unmittelbar auftauchen.


Die Optik ist relativ simpel gehalten.

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Diese Konzentration auf das Gameplay, ohne die Geschichte unnötig aufzublähen, passt ausgesprochen gut zur Prämisse der leichtherzigen Handlung und macht relativ schnell klar, dass man hier keine ernstzunehmende Erzählung erwarten sollte. Unter anderem liegt dies an karikaturistischen Figuren, die nicht zu absurd erscheinen und dem Spiel einen zeitlosen Charakter verleihen. Nicht jeder wird etwas mit der zeichnerischen Grafik, die größtenteils an Smartphone-Spiele erinnert, anfangen können – allerdings erzielt sie unabhängig vom eigenen Geschmack ihr Ziel und hebt sekundäre Elemente, wie Items oder Waffen, von primären Fokuspunkten, wie Gegnern und der eigenen Spielfigur, ausreichend ab. Diese simplistische Darstellung führt ebenso zu einer stabilen Bildrate und geschmeidigen Animationen, weswegen Conan aus einer technischen Perspektive überzeugt.


Doch wie sieht es mit dem Gameplay aus? Bevor das Abenteuer startet, wählt ihr einen von vier unterschiedlichen Kriegern aus – allesamt mit gewissen Eigenheiten. Da hätten wir zum Beispiel Conan selbst, der mit seinem wütenden Sprung nach vorne eilt und dabei allen betroffenen Gegnern Schaden zufügt und sie lähmt. Oder aber Bêlit, die einen zügigen Hechtsprung ausführt und dabei messerscharfe Pfeile abfeuert. Solche individuellen Spezialfähigkeiten gehen häufig mit der Gefahr einher, unausgeglichen zu sein und können demgemäß manchmal zu erheblichen Qualitätsunterschieden zwischen den spielbaren Protagonisten führen. Glücklicherweise ähneln sich die Manöver im Falle von Conan allesamt unheimlich stark und geben den jeweiligen Talenten eine eigene Note, ohne unbalanciert zu wirken.


Was die Helden verbindet, ist ein überschaubarer Talentbaum, der grundlegende Attribute, wie die Geschwindigkeit oder Gesundheit des Charakters, erhöht. Wirklich ausschlaggebend wirken sich diese Zusatzeffekte auf das Gameplay nicht aus und geben euch mehr einen Grund, immer wieder eine Runde zu starten. Die aus der Vogelperspektive dargestellte Spielwelt selbst basiert nämlich auf dem Zufallsprinzip und verändert das Level-Design bei jedem Durchlauf vollständig. So könnt ihr Glück haben und relativ problemlos alle der vier Dungeons erobern oder aber schnell in einen Raum voller Monster geraten und voreilig das Zeitliche segnen. Unfair oder willkürlich wirkt das Spiel hierbei aber keinesfalls und sortiert lediglich die Anordnung der Räume um und nicht die Spiellänge. Leider gilt dies nicht für die Reihenfolge der Dungeons, welche immer gleich bleibt und nicht ganz zur flexiblen Natur des Spielprinzips passt. Tode sind im Grunde genommen vorprogrammiert und da ihr bei jeder Niederlage von vorne starten müsst, ist es langweilig, den immer gleichen Ablauf abklappern zu müssen.


Gemeinsam entfaltet sich der Spaß


Natürlich liegt dies vermutlich an einem einheitlichen Schwierigkeitsgrad und den Bosskämpfen. Diese bauen theoretisch aufeinander auf, die Praxis sieht jedoch anders aus. Es ist zwar nicht zu verneinen, dass der erste Boss leichter ist als der vierte, dennoch habe ich nicht den Eindruck, dass die Schwierigkeitskurve steil genug ist, um eine festgesetzte Reihenfolge der Dungeons zu rechtfertigen. Die Kartenabschnitte mögen immer wieder neu erscheinen, können aber die Monotonie des Spielflusses nur bedingt rechtfertigen. Hierbei sollte betont werden, dass der erzählerische Fortschritt zwar mit einem Tod verloren geht, die inhaltliche Progression aber bestehen bleibt. Um den Einstieg in einen neuen Versuch zu erleichtern, werden Fähigkeitenpunkte für den Talentbaum erst nach dem Lebensende erhalten, sodass der anfänglichen Frustration vorgebeugt wird. Ihr geht im vierten Dungeon zugrunde und seid sauer, dass ihr wieder von Anfang an starten müsst? Entmutigend, ja – aber dafür könnt ihr eure wertvollen Erfahrungen direkt in nützliche Erweiterungen umwandeln.


Insgesamt vier Spieler können gemeinsam mitmachen.

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Was schon sehr viel nerviger auffällt, sind die vier Gebiete. Sie mögen sich atmosphärisch voneinander unterscheiden, inhaltlich wird aber nur wenig Abwechslung geboten, trotz der unähnlichen Ambiente. So hätte es sich angeboten, die monsterbefüllte Wüste mit gefährlichem Treibsand auszustatten, während der dunkle Wald einen mit verzwickten Wegen in die Irre führen möchte. Das Potenzial ist vorhanden, die Umsetzung aber so unheimlich minimalistisch, dass es nicht besonders viel Spaß macht, die Umgebungen zu erkunden. Stattdessen werdet ihr gezwungen, Kämpfe zu bestreiten, bevor ihr den nächsten Kartenabschnitt betreten dürft, was gerade nach mehreren Neuversuchen lästig wird. Es sollte die Entscheidung des Spielers sein, ob er trainieren möchte oder dort weitermacht, wo er zuletzt aufgehört, statt den Fortschritt immer wieder künstlich aufzuhalten.


Erfreulicherweise ist das komplette Spiel schon sehr viel weniger eintönig, sobald ihr anfangt, gemeinsam mit bis zu drei weiteren Spielern in die Schlacht zu ziehen. Erst mit Freunden, oder wahlweise Spielern online, entfaltet sich das komplette Chaos des Gameplays und macht deutlich mehr Laune, als einsam durch die Felder zu ziehen. Dabei fällt einem schnell auf, dass gewisse Aspekte erst im Multiplayer wirklich Sinn ergeben. Ihr fandet die zusätzlichen Gegner während eines Bosskampfs strapaziös und unnötig? Nun, zu viert ist diese Designentscheidung schon sehr viel verständlicher und verwandelt das Kampffeld in ein echtes Gemetzel. Die Kartenabschnitte wirken häufig merkwürdig aufgebläht und lang gezogen? Das liegt daran, dass vier Spieler normalerweise ihren Platz benötigen. Egal wie man es dreht und wendet, das Spiel ist auf den Multiplayer ausgerichtet und begründet zahlreiche Tatsachen mit dieser Entscheidung. Umso ernüchternder ist es, dass Einzelspieler leider etwas zu kurz kommen, obwohl Anpassungen, wie die schiere Gegnermenge während eines Bosskampfs, mit Sicherheit justierbar gewesen wäre. Wer aber alleine unterwegs ist, hat die Zeit, auf andere Dinge zu achten und lauscht der entspannten Musik, die in Anbetracht der ausdrucksstarken Optik auffälliger hätte ausfallen können, insgesamt aber ihren Job angemessen erfüllt.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Kevin Becker

Conan Chop Chop ist ein ausgefallenes Mehrspieler-Abenteuer, welches gerade mit Freunden für zahlreiche unterhaltsame Stunden sorgt. Die unterschiedlichen Helden besitzen kleine Gegensätze, die aber niemals zu konträr erscheinen und die eingängige Steuerung sowie das simple Spielprinzip erlauben einen schnellen Einstieg ohne große Lernkurven. Der motivierende Talentbaum negiert die Frustration nach einem Tod zum großen Teil und gibt euch immer wieder einen Grund, noch einmal in die zufallsgenerierte Welt zu reisen. Leider beißt sich dieses Prinzip mit gewissen Designentscheidungen und zeigt gerade im Einzelspieler seine doch recht auffälligen Schwächen, die sich hätten leicht umgehen lassen können. Gezwungene Gegnerscharmützel und uninspirierte Gebiete tragen weiterhin nicht zu einem kreativen Gesamtpaket bei, obwohl die Optik, die Erzählung und der Soundtrack eine andere Sprache sprechen. Wer es aber auf entspannte Runden für zwischendurch gemeinsam mit seinen barbarischen Freunden abgesehen hat, wird mit Conan Chop Chop nicht viel falsch machen.
Mein persönliches Highlight: Das eingängige Gameplay.

Die durchschnittliche Leserwertung

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