Interessanter Genre-Mix für geduldige Flipperliebhaber

Eigentlich sollte Zombie Rollerz: Pinball Heroes bereits im vergangenen Jahr erscheinen, wurde jedoch kurzerhand in das aktuelle Frühjahr verschoben. Der interessante Genre-Mix aus Pinball, Rollenspiel, Rogue-lite und einer kleinen Prise Tower Defense erfuhr bereits im vergangenen Sommer eine Veröffentlichung auf mobilen Endgeräten der Marke Apple. Nun wagen Publisher Daedalic Entertainment und Entwickler Zing Games den Sprung auf die Nintendo Switch und spieletaugliche Rechner. Beim Anblick des Genre-Hybriden drängt sich unweigerlich die Frage auf, ob die verschiedenen Spielmechaniken überhaupt miteinander harmonieren und ineinandergreifen. Jener Frage wollen wir mit unserem nachfolgenden Test auf den Grund gehen.


Der einsame Held und der geschwätzige Wälzer


Zu Beginn steht euch einzig einer der insgesamt zehn Helden zur Verfügung – der hitzköpfige Brennjamin. Ohne Umwege werdet ihr unsanft auf die simple Oberwelt von Zombie Rollerz: Pinball Heroes geworfen. Dort macht ihr erstmals Bekanntschaft mit eurem treuen Begleiter. Hierbei handelt es sich um den redseligen Wälzer Professor Omnipedia, der euch in kurzen Worten die derzeitige Situation erklärt. Eine rätselhafte Zombieplage wütet durch das Land und verwandelt alle Menschen in Untote. Eure Aufgabe ist es nun, den Ursprung der myteriösen Pandemie zu ermitteln und den Spuk ein für allemal zu beenden. Wie in vielen Rogue-lites dient die Geschichte vielmehr als Leitfaden und erzählt sich in kurzen, oftmals humorvollen Dialogen. Den Pulitzer-Preis wird man damit jedoch nicht abstauben.


Die Grabsteine sorgen für eine endlose Gegnerflut, demnach solltet ihr diese unverzüglich zerstören.

© Daedalic Entertainment / Zing Games

Doch das ist auch nicht das Ziel von Zombie Rollerz: Pinball Heroes, denn hier steht das außergewöhnliche Spielprinzip im Vordergrund. Auf der Oberwelt bewegt ihr euch über hexagonale Felder durch verzweigte Gassen zu eurem angestrebten Ziel. Die einzelnen Gebiete sind nicht sonderlich groß, verlaufen werdet ihr euch demnach nicht. Doch gründlich umsehen solltet ihr euch dennoch! Denn abseits von gegnerischen Begegnungen gibt es einiges zu entdecken, was euch die fortlaufende Reise erleichtern könnte, darunter kostbare Truhen, glänzende Edelsteine, wertvolles Gold oder die Behausung eines ansässigen Händlers. Wie eingangs erwähnt, besitzt das Spiel rudimentäre Rollenspielelemente. Euer Charakter steigt im Level auf, was euch neue Fertigkeiten und zusätzliche Attributspunkte beschert, um im späteren Kampf bestehen zu können. Zudem findet eure Spielfigur im Verlauf eines jeden Durchgangs Ausrüstungsgegenstände, die sich mal mehr, mal weniger positiv auf das weitere Geschehen auswirken. Zombie Rollerz: Pinball Heroes ist längst nicht so simpel, wie seine einfache Darstellung vermuten lässt. Es gibt unzählige Fähigkeiten, die ihr wahres Potenzial erst in den späten Spielstunden vollständig entfalten. Da ihr nur eine ultimative Fähigkeit und vier Unterstützungsfertigkeiten zugleich ausrüsten könnt, solltet ihr stets auf ein stimmiges Arsenal achten, um für alle Situationen bestens gewappnet zu sein.


Eröffnet ihr auf der Oberwelt einen Kampf, indem ihr das entsprechende Feld aufsucht, wechselt das Spiel von der Vogelperspektive ins Gefecht. Dort findet ihr euch auf einem Schlachtfeld wieder, welches einem simplen Flipperautomaten nicht ganz unähnlich ist. Mit mindestens zwei Flipperfingern versucht ihr den Ball – gelegentlich auch die Bälle – auf anrückende Feinde zu feuern. Um möglichem Frustpotenzial entgegenzuwirken, sind die Abstände zwischen den Fingern so gering, dass die Kugel nicht versehentlich hindurchrutschen kann. Einzig ein unachtsames Heben und Senken der Finger oder das Schrumpfen eurer Kugel durch den Gegner kann dazu führen, dass euer Geschoss ins Aus gerät. Ein solches Schlamassel passiert schon einmal im Eifer des Gefechts und wird folglich nur mit geringem Schaden bestraft. Ihr solltet allerdings stets darauf achten, euer Gegenüber auf Distanz zu halten. Ihr könnt euch zwar aus feindlicher Bedrängnis mithilfe eurer Flipperfinger befreien, doch je nach Truppenstärke kostet euch eine solche Belagerung eine Menge Lebensenergie.


Die Oberwelt ist in hexagonale Felder unterteilt und fällt zunehmend der Plage zum Opfer.

© Daedalic Entertainment / Zing Games

Die Untoten in Zombie Rollerz: Pinball Heroes treten nicht nur in hoher Anzahl auf, sondern auch in verschiedenen Variationen. Die heranschlurfenden Zombies stellen dabei die geringste Gefahr dar, weil sie euch erst Schaden zufügen können, wenn sie an euren Flipperfingern angekommen sind. Euren Fokus solltet ihr zunächst auf besondere Feinde richten, die euch auch aus der Entfernung schaden können. Jene Unholde gilt es als Erstes auszuschalten, ehe ihr euch dem einfachen Fußvolk widmet. Da sich ein solcher Gegner nicht selten hinter kleineren Feinden versteckt, kann es schon einmal schwer werden, eine freie Schusslinie zu finden. Hier kommen die bereits erwähnten Fähigkeiten eures Helden ins Spiel. Durch erfolgreiche Abschüsse füllen sich die Leisten eurer Fertigkeiten. Ist der maximale Füllstand erreicht, könnt ihr per Knopfdruck ein tödliches Spektakel auslösen, welches großflächigen Schaden, gezielte Salven oder schädliche Malusse für euren Feind zur Folge hat und längst nicht die Präzision eines herkömmlichen Angriffs erfordert. Apropos Präzision: Um das wandelnde Gammelfleisch zielgenau ins Visier zu nehmen, zeigt euch eine gestrichelte Linie stets die Flugrichtung eurer Kugel an. Am Ende eines jeden Spielabschnitts erwartet euch zudem ein zufälliger Bosskampf. Die Endgegner kommen jeweils mit eigenen Angriffsmustern daher und können einiges einstecken, ehe sie ein weiteres Mal das Zeitliche segnen. Neben der Kämpfe dürft ihr euch auch an Rätseln versuchen. Puzzles kommen gänzlich ohne Gegner aus und stellen prächtige Beutetruhen in Aussicht. Hierfür müsst ihr eine Reihe Aktionen ausführen, bevor ihr euch die Habseligkeiten zu eigen machen könnt.


Doch auf dem Schlachtfeld finden sich nicht nur Gegner, sondern auch nützliche Verteidigungsanlagen wie Brunnen, Hackblöcke oder Sprengstoffkisten. Damit ihr die teils zweckentfremdeten Helferlein nicht dauerhaft missbraucht, wurden diese mit einem Cooldown von mehreren Sekunden versehen. Ihr solltet sie also nicht leichtfertig benutzen und für besondere Momente aufsparen. Habt ihr einen Kampf für euch entschieden, erhaltet ihr Erfahrungspunkte und Belohnungen in Form von Schlüsseln, Schaufeln und anderen Gegenständen, die vornehmlich auf der Oberwelt ihren Nutzen finden. Sowohl Kämpfe als auch Rätsel sorgen nach dem Absolvieren für einen Tageswechsel, der leider etwas nervig hervorgehoben wird und immer dieselbe Information für euch parat hat: Die Zombieplage breitet sich aus. Überspringen könnt ihr jene Sequenz leider nicht. Solltet ihr den Löffel abgeben, wird euer Highscore ermittelt und eurem Punktekonto gutgeschrieben. Je mehr Punkte ihr anhäuft, desto mehr potenzielle Fähigkeiten und Gegenstände könnt ihr in eurem nächsten Durchlauf finden. Auch die zusätzlichen Charaktere werden nach diesem Prinzip freigeschaltet.


Solide Technik, aber unattraktiver Grafikstil


Die Bildrate von Zombie Rollerz: Pinball Heroes ist zumeist flüssig und bricht einzig in sehr chaotischen Sequenzen merklich ein, was aber niemals in die Unspielbarkeit mündet. Leider erinnert der Grafikstil ein bisschen an beliebige Shovelware aus dem App Store und wird dem Spielspaß zu keiner Sekunde gerecht. Ein ähnliches Problem hatte seinerzeit auch das erste Dungeon Defenders, welches optisch billig anmuten ließ und erst mit dem Nachfolger visuell strahlen konnte. Auch der Soundtrack sticht wenig hervor und beschränkt sich auf leicht schauriges Jahrmarktgedudel, was zwar zur Präsentation passt, jedoch schnell wieder in Vergessenheit gerät.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Felix Kraus

Zombie Rollerz: Pinball Heroes verfügt über ein außergewöhnliches Spielprinzip und weiß, die einzelnen Elemente verschiedener Genres zu einem harmonischen Gesamtbild zusammenzufügen. Die Kämpfe sind spaßig, kurzweilig und bieten eine angenehme Herausforderung. Der Titel ist zwar längst nicht perfekt und wirkt zeitweise etwas chaotisch, schafft jedoch eine gute Basis für ein potenzielles Sequel. Habt ihr etwas für Flipperautomaten übrig und stört euch nicht an der stillosen Ästhetik oder der Unerbittlichkeit eines Rogue-lites, solltet ihr einen Blick in den Genre-Mix wagen.
Mein persönliches Highlight: Die kurzweiligen Durchgänge und das spaßige Spielprinzip.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 1

  • Tomberyx

    Minish Mage

    Hätte zwar schon gerne was, was ein bisschen an Pokémon Pinball erinnert, aber Grabsteine und co kann ich gerade in meinem Leben gar nicht brauchen..