Alarm für Cobra Drölf – Mit der Gurkentruppe auf der Autobahn

Ein Leben auf der Überholspur – rasante Verfolgungsjagden, spektakuläre Schmuggelfunde und wilde Schießereien. So aufregend stellen sich sicher die ein oder anderen die Arbeit der Autobahnpolizei vor. Glücklicherweise kann sich nun jeder auch mobil auf der Nintendo Switch die Uniform überstreifen und ein Bild davon machen, wie spannend der Job tatsächlich ist, und zwar in ... – na, wer möchte lösen? Publisher Aerosoft nennt sein Spiel auf der offiziellen Website „Autobahnpolizei Simulator 2 – Nintendo Switch Edition“, der offizielle Eintrag im eShop der Nintendo Switch hingegen lautet „Autobahn Police Simulator 2 Switch Edition“, wohingegen das Home-Menü der Nintendo Switch mit einem einfachen „Autobahn Polizei Simulator 2“ auskommt. Während das Marketing-Team noch einmal nachdenkt, wie ihr Spiel denn nun heißen soll, verletze ich das Dienstgeheimnis und verrate euch, wie sich die Simulation auf Nintendos Hybridkonsole schlägt.


Das kann mir doch keiner erzählen, dass das hier echte Menschen sind ...

© Aerosoft / Z-Software

Ihr schlüpft in die Rolle von wahlweise Frau oder Herr Schmidt und beginnt euren ersten Tag im Dienst bei der Autobahnpolizei. Nachdem ihr Bekanntschaft mit eurem neuen Vorgesetzten sowie den euch zu erschlagen versuchenden (Kühlschrank-)Türen auf dem Revier gemacht habt, trefft ihr euren Partner Hans Haas, der euch von nun an zur Seite stehen – und wirklich nur stehen – wird. Das ist nämlich das Motto aller Mitarbeiter der hiesigen Polizeiwache: möglichst leblos in der Gegend herumstehen. Letzteres ist vielleicht auch besser so, sonst würde ihre Identität als Cyborgs auffliegen, anders jedenfalls kann ich mir die roboterähnlichen Bewegungen sämtlicher Figuren im Spiel nicht erklären. Immerhin kann Hans wunderschön synchron mit euch in die drei verfügbaren Dienstfahrzeuge ein- und wieder aussteigen, wie sonst sollte er auch an den verschiedenen Einsatzorten möglichst teilnahmslos herumstehen.


Apropos Einsatzorte – so spannend wie eingangs erwähnt gestaltet sich euer erster Tag im Dienst natürlich nicht. Eure ersten Aufgaben umfassen Unfallaufnahmen, Verkehrskontrollen und Gefahrenbeseitigungen auf der Autobahn. Nach einem Tutorial, das euch die Grundlagen eures Jobs näherbringt, könnt ihr wahlweise der Hauptkampagne folgen oder auch selbst die Zügel in die Hand nehmen, indem ihr eigenständig den Verkehr überwacht oder Funksprüche von der Zentrale beantwortet und euch kleineren Aufgaben stellt. Bei letzteren beiden Optionen stellt sich jedoch schnell eine gewisse Monotonie ein, denn egal ob Verkehrskontrolle oder sonstige zufällig bestimmte Einsätze, die Abläufe hierbei sind meistens gleich und wenig herausfordernd. Trotzdem werdet ihr regelmäßig Nebenmissionen erfüllen müssen, denn nur durch den Abschluss von Haupt- und Nebenmissionen kommt ihr an Einflusspunkte, die ihr zum Ausbau der Polizeiwache, eures Fuhrparks sowie der eigenen körperlichen Fähigkeiten benötigt. In Form eines Fähigkeitenbaums könnt ihr diverse Upgrades am Computer auf eurem Schreibtisch vornehmen – viele davon müsst ihr sogar freischalten, um in der Hauptkampagne weiterzukommen.


Ein Donutladen direkt gegenüber der Polizeistation – mehr Klischee geht nicht.

© Aerosoft / Z-Software

Die Spielwelt umfasst hauptsächlich die Autobahn, die die Form einer großen liegenden Acht hat und von diversen Rastplätzen, Tankstellen und Abfahrten gesäumt wird, von denen viele als Schnellreisepunkte dienen. Durch die Schnellreise könnt ihr euch glücklicherweise viel Fahrzeit sparen, während der tatsächlich in der Regel rein gar nichts passiert. Häuser zum Betreten gibt es nur wenige, wobei man es sich aber nicht hat nehmen lassen, das Klischee zu bedienen und den ein oder anderen Donutladen zu platzieren. Entlang der Autobahn könnt ihr Mahnmale für Verkehrstote oder gelbe Quietscheentchen entdecken – auch wenn sich mir nicht erschließen mag, warum man sich gerade für diese „Sammelgegenstände“ entschieden hat. Für etwas mehr Abwechslung unterwegs sorgen die drei unterschiedlichen Fahrzeuge, die ihr verwenden könnt. Neben dem anfangs verfügbaren Einsatzfahrzeug könnt bzw. müsst ihr euch noch ein Zivilfahrzeug sowie einen Sicherungskraftwagen mit Einflusspunkten freischalten.


Wer den Simulator bereits vom PC kennt, wo er immerhin schon im Jahr 2017 veröffentlicht wurde, wird sicher einige Details vermissen. So wurde der Charakter-Editor, in dem man erstaunlich viel kreative Freiheit hatte, ersatzlos gestrichen. Nintendo Switch-Spieler werden mit je drei männlichen bzw. weiblichen Charakter-Vorlagen abgespeist, zwischen denen man wählen kann. Auch der Fotomodus wurde entfernt, was ich herausfand, nachdem ich mich über die auffällige Lücke zwischen den einzelnen Punkten des Hauptmenüs gewundert hatte. Die wohl größten Abstriche müssen Nintendo Switch-Besitzer jedoch bei Grafik und Leistung hinnehmen. Die Qualität der Texturen wurde teilweise so heruntergeschraubt, dass verschwommene Schilder nur noch mit viel Wohlwollen erkennbar sind. Licht- und Schatteneffekte sind quasi nicht existent, was vor allem in der Nachtschicht jegliche Authentizität ruiniert. Mit Ausnahme der Bäume wurde fast die gesamte Vegetation im Spiel entfernt, weshalb die Landschaften links und rechts der Autobahn traurig und leblos wirken. Auch die Modelle sämtlicher Charaktere wurden so vereinfacht, dass diese teils skurril, beinahe schon gruselig wirken. Dass die Ladezeit beim Start des Spiels trotz dieser ganzen grafischen Downgrades fürchterlich lang ausfällt, zeigt, dass hier definitiv keine Experten an der Portierung gearbeitet haben. Als ich dann auch noch einmal bei einer Fahrt entlang der Autobahn mit gravierenden Einbrüchen der Framerate konfrontiert wurde, konnte ich meinen Augen kaum trauen. Besonders frech: Im Nintendo eShop wird mit Screenshots geworben, die definitiv nicht der Nintendo Switch-Version entstammen.


„Hans, sieht der Laster nicht irgendwie komisch aus?“ – „Nein, das muss so ...“

© Aerosoft / Z-Software

Den K. o. verpasst sich das Spiel jedoch durch seine zahlreichen Bugs und Fehler, die das Ganze teilweise zu einem echten Frusterlebnis verkommen lassen. Während der ein oder andere Bug – wie zum Beispiel die anfangs erwähnten Türen, die einen beim Öffnen derart zur Seite schieben, dass man im wahren Leben vermutlich in der Notaufnahme landen würde, oder Gegenstände, die plötzlich im Nichts verschwinden oder aus diesem auftauchen – noch für den ein oder anderen Lacher bei mir sorgen konnten, wurde ich jedoch auch regelmäßig Opfer diverser Softlocks. Untersucht man beispielsweise ein für eine Mission relevantes Objekt zu früh, kann man später nicht mehr mit diesem interagieren, wenn man es eigentlich müsste, um voranzukommen. Diverse NPCs, vor allem in den zufälligen Nebenmissionen beim Annehmen eines Funkspruchs, frieren im Gespräch ein, sodass man nur durch einen Neustart des Spiels wieder herauskommt. Bei einer Verkehrskontrolle lässt sich mit bestimmten Teilen des zu überprüfenden Fahrzeugs einfach nicht interagieren. All dies sind Beispiele für ärgerliche Bugs, die die Entwickler mehr als vier Jahre nach Ersterscheinung ihres Spiels noch immer nicht ausgemerzt haben. Hinzu kommt die Tatsache, dass das Spiel ständig unvorhersehbar abstürzt. In meiner Testphase musste ich mit einer deutlich zweistelligen Anzahl an Crashes vorliebnehmen, welche – gemeinsam mit den überall lauernden Softlocks – regelmäßig meinen jüngeren Spielfortschritt ungeschehen machten. Besonders ärgerlich ist das, wenn man während laufender Missionen nicht einmal speichern darf, warum auch immer ...


Positiv an der Hauptkampagne sowie dem Spiel im Allgemeinen möchte ich die durchweg verfügbare deutsche Synchronisation hervorheben. Leider kann jedoch auch die beste Synchronisation nicht von schlecht geschriebenen und durchweg klischeebehafteten Dialogen ablenken. So ganz erschließt sich mir bisher auch nicht, für welche Zielgruppe der Titel nun eigentlich gedacht ist. Die USK sprach zwar keine Altersbeschränkungen aus, jedoch werden im Laufe der Hauptkampagne auch sensible Themen wie Menschenhandel und Suizid auf eine recht flapsige Art behandelt. Ich jedenfalls würde nicht wollen, dass ein Kind diesen Titel spielt. Aufgrund der beschriebenen grafischen sowie technischen Mängel kann ich aber auch älteren Spielerinnen und Spielern keine wirkliche Empfehlung aussprechen. Allenfalls wer auf trashige Games mit einem gewissen Meme-Potenzial steht, könnte hier einen Blick riskieren, wenngleich ich dann jedoch nicht gerade zur ständig abschmierenden Nintendo Switch-Version raten kann. Ich leihe mir hier einmal die Worte von Sidekick Hans Haas: „Ich habe den Simulator für euch überprüft, kümmert ihr euch in der Zwischenzeit lieber um was anderes.“

Unser Fazit

3

Eher nicht überzeugend

Meinung von Philipp Pöhlmann

Selten habe ich beim Testen eines Spiels so gelacht – und das, obwohl das Spiel überhaupt nicht witzig ist. Durch seine mittelmäßige bis schlechte Umsetzung von im Wesentlichen gar nicht so schlechten Ideen bietet der Autobahn Police Simulator 2 bereits auf dem PC seit 2017 reichlich Potenzial für das ein oder andere Meme. Dabei entspringt die unfreiwillige Komik zumeist diversen Spielfehlern, die ihren Weg auch auf die Nintendo Switch gefunden haben. Hier wurde jedoch die Grafik derart heruntergeschraubt, dass die Welt völlig leblos und die Menschen teilweise schon gruselig aussehen. Trotz der zahlreichen Downgrades stürzt der Simulator regelmäßig ab, wodurch ein ernsthafter Durchspielversuch zu einem reinen Frusterlebnis wird. Wer für die Memes lebt, wird hier vielleicht auch den ein oder anderen Lacher herausbekommen, alle anderen lassen lieber die Finger vom Lenkrad – zumindest auf der Nintendo Switch.
Mein persönliches Highlight: Der Kampf zwischen Polizist und Kühlschranktür.

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 16

  • Simon Münch

    Inselsprecher

    Also das erste Bild mit der "Person" – das sieht ja aus wie aus nem Horrorfilm:ugly:

  • 5cool3me

    High Tech, Low Life

    2,08 Promille, grüner Bereich, auf dem ersten Bild, geht klar oder ?


    Das Spiel hat auf jedenfalls extremes Meme Potential, wie bereits im Test erwähnt

    :troll:

  • Heldissimo

    Turmbaron

    So Spiele muss man sich bei diversen Streamer anschauen. Sehr amüsant. :D

    Aber bitte niemals kaufen

  • nikothemaster

    Turmbaron

    Das schlimme ist, Leute werden durch dieses Spiel wieder sich bestätigt sehen, dass die Switch eine scheiß Konsole ist... Es nervt und wer ernsthaft glaubte dass das gut geht wo die PC Version schon echt schlimm aussah, dem ist nicht zu helfen...

    Besonders schlimm ist, dass man mit Bildern wirbt die nicht den echten Tatsachen entsprechen. Es ärgert einen und es nervt dass Publisher diese Ports nur machen um einige dumme Leute zu fangen und das muss nicht sein...

  • Zplatoon

    Turmknappe

    Warum tut ihr euch das an?

  • 1232ditto

    Turmheld

    Bei einer 3 "eher nicht überzeugend" zu sagen, ist doch etwas zu harmlos. Das ist doch eher enttäuschend, katastrophal oder ein Reinfall.

  • Kel

    Turmamazone

    Hab mich damals schon beim Video-Test bzw. Let's Play der Gamestar-Jungs kaputtgelacht!:rover:

    Immerhin taugt es zum trainieren der Lachmuskeln.:awesome:

  • FrogBook

    Turmritter

    Ist echt ein schlimmes Spiel. Aber den test hab ich gern gelesenen

  • Phantomilars

    Weltraummönch

    Meine Bewertung:

    Präsentation 1

    Story 1

    Spielspaß 0

  • mrcb

    Turmheld

    Ich bin ja gespannt wie das Spiel "Police Simulator - Patrol Officers" wird.

    Bisher ist es im Early Access, und das erste mir bekannte Spiel dieser Art, dass bisher von der Presse und Spielern eine gute (!) Bewertung bekommt... Kann jetzt aber gar nicht sagen, ob es für die Switch kommt...

  • HuiDerWannenWichtel

    Turmritter

    Selten so beim Lesen eines Reviews gelacht. Ich liebe euch! Danke!

  • Hightower76

    Turmritter

    Heldissimo


    Obwohl ich, wenn ich mir solch eine Art Spiel bei nem guten Streamer anschaue, doch immer sehr gewillt bin, dieses Spiel auch zu kaufen. Wenn ich´s danach aber selbst spiele, merke ich, dass nur anschauen doch die weit bessere Alternative war... :D - Spassiger ohne nerviger zu sein.

  • Taske

    Turmritter

    Klingt nicht viel weniger spannend, als "Die Supermarkt-Kassierer" oder "Der Abwasserrechts-Experte". ;)

  • Heldissimo

    Turmbaron

    Klingt nicht viel weniger spannend, als "Die Supermarkt-Kassierer" oder "Der Abwasserrechts-Experte". ;)

    Und den Stellwerksimulator nicht vergessen. Nervenkitzel pur

  • Grischa

    Turmprinz

    Finde das Spiel recht interessant und glaube es würde mir auch spass mache es zu spielen.

  • HuiDerWannenWichtel

    Turmritter

    GrischaDu bist ein Bot, oder? Alternative: du hast die Ironie-Tags vergessen.