Die geballte Ladung JRPG in einem epischen Pack

Franchises, die sich mit Videospielen beschäftigen, erfreuen sich auch hierzulande großer Beliebtheit. Spätestens seit Sword Art Online, einem Anime, in welchem diese tiefgreifend behandelt werden, ist klar, dass diese Themen und Geschichten großen Anklang bei Spielern und Animezuschauern finden. Schon früher gab es Spiele, die sich dieser Idee angenommen haben. Ein sehr gutes Beispiel hierfür wäre das plattformübergreifende Franchise .hack. Im Jahre 2006 erschien das Spiel .hack//G.U. Vol.1//Rebirth für die PlayStation 2. Mit unglaublichen drei weiteren Titeln wurde die Geschichte rund um den Spieler Haseo und seine Abenteuer in The World beleuchtet. Leider schafften es die Spiele damals nicht auf den europäischen Markt. Erst mit einer Remaster-Collection mit dem Titel .hack//GU Last Recode dürfen neugierige Spieler auch in unseren Gefilden mit überarbeiteten Texturen und vielen Extras in das Spiel eintauchen. Wieso dieses Spiel gerade für Nintendo-Switch-Nutzer interessant sein könnte, erfahrt ihr hier.


Tiefsinnige Gedanken sind keine Seltenheit. Haseo lernt durch die verschiedenen Spieler einiges dazu.

© Bandai Namco Entertainment

In .hack//G.U. Last Recode geht es um Haseo, einem eifrigen Videospieler, welcher das Spiel The World spielt. Hierbei wird ein System genutzt, welches dem des Full-Dive-Systems aus Sword Art Online ähnlich ist – ihr seid sozusagen wirklich in der virtuellen Welt. The World ist eine Spielwelt mit vielen Aktivitäten. Leveln, Craften, Erkundungen und Gilden – alles, was wir von MMORPGS kennen, bietet die farbenfrohe Welt. Doch um Haseo herum geschehen Dinge, die eigentlich nicht geschehen sollten. Ihr verfolgt die Handlung, nachdem Haseos gute Spielerfreundin von einer mysteriösen Person namens Tri-Edge im Spiel vernichtet wurde. Doch dieser Spielerkiller ist ungewöhnlich – er vernichtet nicht nur den Spieler im Spiel, sondern verfrachtet den echten Menschen dahinter in ein Koma. Haseo versucht mit aller Kraft, Tri-Edge zu finden und zu besiegen, ohne zu wissen, dass er einem der größten Mysterien der Videospiel-Geschichte auf der Spur ist.


Die Sammlung .hack//G.U. Last Recode besteht aus insgesamt vier Titeln: Vol.1//Rebirth, Vol.2//Reminisce, Vol.3//Redemption und Vol.4//Reconnection. Alle vier Titel haben Haseo und seine Abenteuer im Mittelpunkt des Geschehens. Dadurch, dass alle vier Titel direkt nacheinander spielbar sind, werdet ihr ein langes und episches Abenteuer mit vielen verschiedenen Highlights und Wendungen erleben. Dabei ist es euch überlassen, ob ihr die Titel streng nach Reihenfolge oder wie ihr es wollt spielt. Natürlich ist es aber sinnvoll, die Spiele in chronologischer Reihenfolge zu spielen. Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass die Spiele alle in einer Collection zusammengefasst sind und auch in einem Menü aufgerufen werden können.


.hack//G.U. Last Recode ist ein JRPG der alten Schule. Ihr spielt einen festgelegten Protagonisten, welcher sich nach seiner persönlichen Rache sehnt, diese aber nur erreichen kann, wenn er stärker wird. Stärke allein reicht aber leider nicht. Nur mit der Hilfe von Freunden kann Haseo seine Ziele erreichen. Genau an dieser Stelle tut sich für ihn ein für die „Zuschauer“ interessantes Problem auf: Er ist ein egoistischer, sturköpfiger und vulgärer Spieler, welcher nur spielt, um zu zeigen, was er kann. Andere Spieler spielen The World wegen der lebendigen Community oder um andere Spieler zu töten – in The World wird eine breite Spielerschaft abgebildet, die so auch im echten Leben vorhanden ist. Haseo hat besonders zu Beginn der Handlung Probleme, sich korrekt anderen gegenüber zu verhalten. Beleidigungen, Schikanen und Augenrollen sind seine Art der Kommunikation, die ihn aber nicht besonders weit bei den Problemen, die er hat, bringt. Ihr verfolgt in der gesamten Handlung die Charakterentwicklung von Haseo und seinen vielen Freunden, die er auf seinem Weg kennenlernt. Vom unberechenbaren Egomanen zum mächtigen Verbündeten dürft ihr Haseo über vier Titel hinweg begleiten, ohne dass es langweilig wird.


Auch wenn die Kämpfe nicht im Mittelpunkt stehen, bieten sie gelungene Abwechslung und ordentlich Würze.

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Der Aufbau der Spiele folgt einem simplen Rezept: animierte Cutscenes mit Dialogen, Kämpfen in Dungeons und das ständig im Wechsel. Die Dialoge sind langatmig und erzählen eine sehr bewegende Geschichte. Neben der Haupthandlung, welche direkt mit Tri-Edge und der digitalen Korruption von The World verbunden ist, erfahrt ihr auch viele Dinge über The World und die Spieler, die dieses Spiel kennen und lieben gelernt haben. Die einzelnen Charaktere wirken im Laufe der Zeit erschreckend realistisch in den Aussagen, die sie treffen. Hin und wieder emotional und manchmal einfach nervig – ihr werdet eine große Bandbreite an Gefühlen erleben, wenn es um die Dialoge geht. An dieser Stelle ist allerdings hervorzuheben, dass die meisten Dialoge auf Englisch oder Japanisch synchronisiert sind. Der Text ist jedoch in Deutsch. Somit gibt es keinerlei Probleme, der Geschichte zu folgen, und dies zeigt auch den Wunsch der Entwickler, westlichen Spielern einen echten Genuss zu bieten.


Die Kämpfe basieren auf einem Echtzeit-Kampfsystem. In Dungeons begegnet ihr Gruppen von Monstern, denen ihr ausweichen oder direkt in den Kampf ziehen könnt. Im Kampf habt ihr einen normalen Standardangriff und einen aufladbaren, starken Angriff zur Auswahl. Außerdem habt ihr Spezialangriffe, die ihr auf Kosten von FP (Fähigkeitspunkten) nutzen könnt. Schafft ihr es, einen Gegner mehrfach mit Angriffen zu treffen, könnt ihr eine mächtige Attacke ausführen, welche unter dem Namen Rengeki bekannt ist. Mit dem Rengeki nutzt ihr im Prinzip einen Spezialangriff, welcher noch härter trifft. Ziel ist es, alle Gegner zu besiegen und entsprechend Erfahrungspunkte abzukassieren.


Der Fokus bei dieser Spiele-Reihe liegt jedoch definitiv auf den Cutscenes und weniger auf den Kampfhandlungen oder der Dungeonerkundung. Das fällt vor allem daran auf, dass es nicht nötig ist, viel zu grinden, wenn man in der Story vorankommen möchte. Wenn man alle Pflichtmissionen gewissenhaft erledigt, steigt das Level so an, dass es ausreicht, die allermeisten Gegner zu besiegen. Das soll aber nicht bedeuten, dass das Farmen keine gute Idee ist: The World bietet nämlich viel zu entdecken. Über ein Hauptportal könnt ihr mithilfe von Wortkombinationen Dungeons mit verschiedenen Biomen als Thema besuchen. Die Wörter, die man für diese Kombinationen braucht, finden sich innerhalb der Story oder nach Abschlüssen von Dungeons. Je nach Kombination ist es möglich, das Gegnerlevel und auch die Umgebung zu manipulieren. Die Wortkombinationen ergeben nicht unbedingt einen Sinn. Es ist aber schon witzig, dass Kombinationen, die das Wort Schwiegereltern beinhalten, immer eine recht unangenehme Umgebung erzeugen.


Auf euren Abenteuern könnt ihr neben Erfahrungspunkten auch Waffen und andere hilfreiche Items ergattern. Diese könnt ihr allerdings nicht immer sofort nutzen. Damit Haseo andere Waffentypen, wie zum Beispiel Kampfäxte, nutzen kann, müsst ihr spezielle Nebenmissionen machen. Diese bestehen meist aus weitläufigen Arealen. Nicht selten ist das Labyrinth frustrierend und nervig, nicht nur wegen der Gegner sondern auch wegen der Länge. Leider fehlt es diesen Dungeons an der nötigen Spannung. Viele Räume sind gleich aufgebaut und bieten nur wenige Anreize, sie zu erkunden. Einzig die verschiedenen Schatzkisten bieten Grund, die verschiedenen Kammern aufzusuchen.


Ein wahrer Schatz perfekt auf der Nintendo Switch in Szene gesetzt


.hack//G.U. Last Recode ist hingegen eine wahre Perle, was die Lore angeht. The World hat eine ausgedehnte Geschichte, in welcher sich die Spieler bewegen. Über die Haupthandlung hinweg werden diese tiefgreifenden Inhalte nur selten und wenn dann nur grob angeschnitten. Spieler, die sich die Zeit für Nebenmissionen und das integrierte Forum nehmen, werden erkennen, wie viel Arbeit in The World steckt. Interessanterweise gibt es die Möglichkeit, dass Haseo sich aus dem Spiel The World ausloggen kann und wir Zugriff auf seinen Computer bekommen. Auf diesem Computer spielen sich viele verschiedene Dinge ab. Wichtig ist vor allem das Postfach. Dort bekommt Haseo häufig E-Mails zu verschiedenen Ereignissen in The World. Auch Gespräche mit Charakteren werden dort fortgeführt. So kann es sein, dass ihr die nächste Mission erst in eurem Postfach findet. Manche E-Mails lassen sich auch mit vorgefertigten Antworten beantworten. Das erhöht die Zuneigung der Charaktere zu Haseo und bietet euch die Chance, mehr Informationen zu sammeln.


Besonders die Mails des fiktiven Publishers CC Corp wirken authentisch und verleihen dem Spiel seine ganz eigene Note.

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Ein anderes interessantes Feature auf diesem PC ist das Forum, in welchem NPC über die Inhalte von The World diskutieren. Dabei sind diese Foreneinträge erschreckend authentisch umgesetzt. Viele Beiträge aktualisieren sich im Laufe der Zeit. Manchmal sind dort sogar hilfreiche Wortkombinationen gelistet, die helfen, bestimmte Dungeons freizuschalten. Innerhalb dieser „lebendigen“ Community werdet ihr vieles lesen und mitbekommen. Auch News aus dem echten Leben der Spieler werden gezeigt und verweben sich perfekt mit den Ereignissen und der Stimmung des Spiels. Insgesamt zeigt .hack//G.U. Last Recode, was alles möglich ist, wenn man nur genügend Zeit und Energie in eine Produktion steckt. Diese virtuelle Community wirkt zum Verwechseln echt und überzeugt auf ganzer Linie. Einziges Manko ist hier die Masse an Texten, die es deswegen zu lesen gibt. Als Spieler muss man schon eine echte Leseratte sein, wenn man das alles durchgehen möchte. Nicht selten sind die Eintröge dort obsolet, aber oft genug finden sich auch echt spannende Inhalte darunter.


.hack//G.U. Last Recode war seiner damaligen Zeit sehr weit voraus. So habt ihr kein festes Team, das ihr nutzt. Letztlich seid ihr nur auf Haseo als Muss beschränkt, die restlichen Slots für euer Team könnt ihr beliebig mit Charakteren füllen, mit denen ihr euch angefreundet habt. Aber Achtung: Wie im echten Leben ist nicht jeder immer online oder verfügbar. Tatsächlich ist es aber abhängig von der Story, ob jemand online ist oder nicht. Dieser Aspekt bringt viel Dynamik und Authentizität, die das Spielerlebnis nachhaltig positiv beeinflusst.


Grafisch sieht man dem Spiel sein Alter durchaus an. Zwar wurde die Grafik aufgehübscht, aber die teils simplen Leveldesigns und die niedrige Polygonzahl bei den Charaktermodellen gepaart mit vielen verwaschenen Texturen machen sich durchaus bemerkbar. Aus meiner Sicht ist das Spiel aber nicht schlecht gealtert und passt perfekt zur Nintendo Switch. Konstante Bildrate und ein ewig langes, fesselndes Abenteuer, welches sich auch unterwegs spielen lässt, sind traumhaft – die teils durchwachsene Grafik lässt sich nicht der Nintendo Switch zuschieben, sondern liegt am Alter des Spiels. Das Spiel überfordert das System dafür nicht und wirkt auf längere Spielzeit ansprechend und überzeugend.


Grafisch zeigt das Spiel Stärken und Schwächen. Nach längerer Spielzeit gewöhnt man sich an diese nostalgische Grafik.

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Weniger überzeugend finde ich die englische Synchronarbeit. Die Qualität mancher Stimmen wirkt nicht überzeugend. Die Klangqualität ist manchmal sehr blechern und wirkt nicht korrekt abgemischt. Das ist besonders bei der hohen Stimme von Atoli aufgefallen. Die Stimmbesetzung an sich ist trotzdem überzeugend und passt zum grafischen Flair, welches The World versprüht. Die Toneffekte sind gut miteinander abgemischt – nur die Hintergrundmusik macht manchmal Schwierigkeiten. Es gibt Dungeons, in welchen die Musik nicht abgespielt wird. Das ist ziemlich nervig, wenn man bedenkt, dass manche Dungeons 10–20 Minuten in Anspruch nehmen und visuell nicht viel zu bieten haben. Abgesehen davon ist die Musik sehr vielfältig und passend auf die Situationen zugeschnitten. Hin und wieder verweilte ich an bestimmten Orten, nur um der Melodie zu lauschen.


Neben der vier Hauptspiele gibt es auch viele Extras, die Spieler der Reihe erfreuen werden. So könnt ihr ein Videotagebuch eines In-Game-Entwicklers ansehen und die Probleme und Entwicklung von The World aus seiner Perspektive sehen. Außerdem gibt es einen Parodie-Modus, ich welchem Cutscenes aus den Spielen genommen und mit lustigen Dialogen versehen werden. In diesem Bereich hat man einfach nur Spaß und ich verspreche, dass kein Auge trocken bleibt. Für Spieler, die sich lieber auf die Handlung fokussieren möchten, gibt es die Option, direkt auf dem höchsten Level zu starten. Anhand dieser zusätzlichen Inhalte muss man einfach anerkennen, dass die Entwickler nicht nur viel Mühe, sondern auch viel Liebe, Kreativität und Zeit investiert haben. Das Spiel ist in seiner Gesamtheit ein großer Spaß mit Tiefe und einer breiten Palette an Emotionen für Spielende.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Simon Münch

.hack//G.U. Last Recode ist eine echte JRPG-Perle aus dem Jahr 2006. Die Handlung ist fesselnd, sehr ausgiebig gestaltet und wird mit der Charakterentwicklung der verschiedenen Personen hochkarätig in Szene gesetzt. Dass der Text vollständig in ein gutes Deutsch übersetzt ist, ist keine Selbstverständlichkeit im Genre JRPG und sollte entsprechend gewürdigt werden. Absolutes Highlight, welches nur selten so gut ausgearbeitet ist, ist die Lore rund um die Handlung des Spiels und auch der virtuellen Spielwelt The World. Die Interaktionen der Charaktere sind authentisch ausgearbeitet und lassen einen gerne vergessen, dass alles nur ein Spiel und nichts davon real ist. Zu beanstanden habe ich lediglich die Probleme bei der englischen Sprachausgabe und beim Abspielen der Hintergrundmusik. Letzteres lässt sich aber sicherlich mit einem Update beheben. Die Grafik versprüht viel Nostalgie von vergangenen Tagen auf der PlayStation 2. Durch die zusätzliche Politur glänzt diese Spiele-Reihe auf der Nintendo Switch durchaus überzeugend. Kleinere Spielereien, wie der Parodie-Modus oder interessante Details, wie zum Beispiel Fallen-Kisten, die durch ein Reaktions-Minispiel gelöst werden müssen, geben der Spielesammlung Tiefe und Spaß. Alle Spiele mit den Extras zusammengenommen bieten Spielspaß, welcher potenziell im dreistelligen Spielstunden-Bereich liegen kann. Von meiner Seite gibt es eine uneingeschränkte Kaufempfehlung für alle Fans von JRPGs und Spielen mit einer epischen und durchdachten Handlung.
Mein persönliches Highlight: Der unwiderstehliche Witz und die vielen spannenden Wendepunkte.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 4

  • Luminary

    Turmritter

    Der Test hört sich nicht schlecht an, interessiert mich auch jeden Fall. Vielleicht hüpft das ja bei der nächsten playAsia-Bestellung mit in den Warenkorb ^^.... zusammen mit Chrono Cross ;).

  • Vala

    Turmknappe

    Wie ist der Schwierigkeitsgrad?

  • Simon Münch

    Inselsprecher

    Wie ist der Schwierigkeitsgrad?

    Das Spiel macht nach meiner Erfahrung eigentlich kaum Probleme, solange man sich nicht überlevelten Gegnern stellt. Wer sich auf die Story fokussieren will, kann auch im Cheat-Modus spielen. Dort ist man direkt auf Maximallevel.

  • Vala

    Turmknappe

    Das Spiel macht nach meiner Erfahrung eigentlich kaum Probleme, solange man sich nicht überlevelten Gegnern stellt. Wer sich auf die Story fokussieren will, kann auch im Cheat-Modus spielen. Dort ist man direkt auf Maximallevel.

    Oh ne bisschen Herausforderung soll schön sein:)