Ein Zwillingspaar gegen die Unterwelt

Freunde guter Beat 'em ups können sich auf der Nintendo Switch einiger Perlen erfreuen, die einen stetigen Strom an Spielspaß garantieren. Young Souls, das neueste Werk des Entwicklers 1P2P, möchte nun in die Reihen von Streets of Rage 4 und Co. mit eintreten. Das gelingt erstaunlich gut, krankt aber auch an den mittlerweile leider typischen Wehwehchen der Nintendo Switch.


Im Kampf gegen die Unterwelt


Wenn man Spieler fragt, was an einem guten Beat 'em up stets ein herausstechendes Merkmal ist, dann wird in den seltensten Fällen die Geschichte genannt. Die Handlung von Young Souls kommt nun zwar auch nicht in Form eines erzählerischen Meisterwerks daher, weiß aber im Vergleich zu anderen Vertretern des Genres durchaus mit interessanten Wendungen und Charakteren zu überzeugen, die über die typische Genrekost hinausgeht. Ihr verkörpert die beiden Zwillinge Tristan und Jenn, die in einer Kleinstadt aufwachsen und von ihrem Ziehvater, einem recht exzentrischen Professor, großgezogen werden. Sowohl Jenn als auch Tristan sind ziemlich rotzig und frech geschrieben, was ihnen einen frischen Touch fernab der typischen Heldenfiguren gibt, denn hier wird auch Mal geflucht und sich gar nicht mal so korrekt verhalten. Nach einem Tripp in die örtliche Stadt finden die beiden Helden ihr Zuhause plötzlich verwaist und geplündert vor – vom Ziehvater fehlt jede Spur. Da kommt es dann auch wenig überraschend, dass der Professor in seinem Keller anscheinend an einem magischen Tor gewerkelt hat, das die Welt der Menschen mit der aus der Unterwelt verbindet – deren Bewohner den Professor nun entführt haben und einen Feldzug gegen die Oberflächenbewohner planen. Und so müsst ihr euch pflichtschuldig bewaffnen und losziehen, um die Welt und euren Ziehvater zu retten.


Zwischen den Leveln seid ihr immer wieder in der örtlichen Stadt unterwegs.

© The Arcade Crew

So klischeehaft die Geschichte auch anmutet, so sehr weiß sie auf anderen Ebenen zu überzeugen. Die Zwillinge, die Bewohner der Stadt sowie die späteren Bewohner der Unterwelt – sie alle kommen nicht etwa als leblose Abziehbildchen daher, sondern haben ihren eigenen Charakter. Der ist zwar nicht immer originell, aber hier wurden sich sichtbar Gedanken gemacht. Zudem kommt es im Verlauf der Geschichte zu der einen oder anderen Wendung, auf welche hier nun aus Spoilergründen nicht näher eingegangen werden sollen, die die Handlung allerdings auflockern. Davon ab verbringt ihr jenseits der eigentlichen Prügelei-Sequenzen eine Menge Zeit damit, mit anderen Charakteren zu sprechen und euch in Hub-Welten mit neuer Ausrüstung auszustatten oder eure Charaktere aufzuwerten.


Young Souls beschränkt sich in seinen Gameplay-Mechaniken nämlich nicht nur auf die reinen Kampfelemente, sondern vermischt diese noch mit einigen Mechaniken, die man aus allen gängigen Rollenspielen kennt. So erhaltet ihr im Laufe des Abenteuers Erfahrungspunkte, welche die Zwillinge irgendwann aufleveln lassen und deren Attribute erhöhen. Zudem könnt ihr im örtlichen Fitnessstudio immer wieder gezielt einige Attribute durch Minispiele steigern. Von dem schnöden Mammon deckt ihr euch mit neuen Waffen, Rüstungen und Tränken ein, die euch im Kampf unterstützen. Während die beiden ersteren Item-Arten mit passiven Boni und unterschiedlichen Schadens- und Abwehrwerten daherkommen, gibt euch letztere einen kleinen, aber oft entscheidenden Vorteil im Kampf.


Die Kämpfe gestalten sich recht herausfordernd.

© The Arcade Crew

So weit, so gut, doch wie schlägt sich Young Souls in seinem Kerngeschäft, den Kämpfen? Diese fallen fordernd aus, erfinden jedoch das Rad nicht neu. Ihr schlagt euch durch die verschiedenen Level, in denen ihr euch ganz klassisch von Bildschirm zu Bildschirm fortbewegt und anrückende Gegner bezwingt. Zu Beginn verfügt ihr noch über ein recht begrenztes Repertoire an Kampfkünsten, was sich jedoch im Laufe der Zeit auch dank der von euch mitgeführten Waffen erweitert. Die Gegner variieren dabei vom einfachen Handlanger, der kaum Treffer einsteckt und keinen nennenswerten Schaden austeilt, bis hin zu den spezialisierten Gegnern, die jeweils mit ihrer eigenen Taktik daherkommen und versuchen, euch das Leben schwer zu machen – und wer auf dem von den Entwicklern vorgesehenen Schwierigkeitsgrad spielt, der wird schnell feststellen, dass es den Bösewichten recht gut gelingt. Dabei wird das Spiel aber nie unfair, sondern fordert von euch die nötige Aufmerksamkeit und entsprechend abgestimmte Angriffe. Wenn die Lebensleiste eines eurer Zwillinge dann doch einmal zur Neige geht, könnt ihr per Knopfdruck zu eurem Geschwister wechseln und diesen kämpfen lassen. Fällt eure Gesundheitsleiste auf null, könnt ihr mit Bruder oder Schwester noch einen Reanimierungsversuch unternehmen, woraufhin eines eurer Leben abgestrichen wird. Und wem das Ganze dann noch zu schwer ist, kann jederzeit den Schwierigkeitsgrad senken oder mit einem Mitspieler auch im Koop-Modus antreten. Durch die verschiedenen Waffen und Ausrüstungen sowie der Tatsache, dass ihr die Zwillinge wenigstens ansatzweise spezialisieren könnt, ergibt sich ein angenehmes Kampfgefühl, das sich jedoch häufig etwas zäh anfühlt, gerade bei den Bosskämpfen.


Das technische Grundgerüst des Spiels baut auf der Unity-Engine auf und hier haben die Entwickler einiges herausgekitzelt. Vor allem die Animationen der Zwischensequenzen sehen ziemlich gut aus und kommen flüssig daher. Mir hat auch gefallen, dass die Dialoge nahtlos in den einzelnen Sequenzen abgespielt werden, sodass man das Gefühl hat, einem Mix aus Cartoon und Comic zuzuschauen. Im Spiel selbst kommt der comichafte Look gut zur Geltung, wenn es auch immer wieder zu Rucklern und Hängern kommen kann – vor allem bei den Levelübergängen. Zudem sind die Ladezeiten des Spiels auch nicht gerade kurz. Hier macht sich die Hardware der Nintendo Switch einmal mehr bemerkbar, denn auf dem PC und den übrigen Konsolen scheinen keinerlei Performance-Probleme aufzutreten. Das Spiel wurde zudem komplett ins Deutsche übersetzt – die Lokalisation ist solide, wirkt jedoch an manchen Stellen etwas bemüht. Wer dem Englischen mächtig ist, schaltet lieber auf die Originalversion um.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Florian McHugh

Mit Young Souls kommt ein Beat 'em up daher, das auch hinsichtlich seiner Geschichte mit einigen Interessanten Wendungen aufwarten kann. Gameplaytechnisch bekommt man es hier mit solider Kost zu tun, die Kämpfe sind durchaus herausfordernd und der Mix aus Rollenspiel und Prügeleien sorgt dafür, dass ein gewisses Maß an Spezialisierung Einzug ins Spiel hält. Während ihr euch durch die linearen kleinen Arenen kämpft, kommen allerdings gerade die Bosskämpfe manchmal etwas zäher daher. Wer noch damit leben kann, dass es zu gelegentlichen Performance-Einbrüchen kommt, der kann hier trotz allem zuschlagen. Beat 'em up-Fans bekommen hier neues und forderndes Futter.
Mein persönliches Highlight: Die fordernden Kämpfe sowie die vielen, gut animierten Sequenzen.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 2

  • Nanashi

    Turmritter

    Hab mich zwar riesig auf das Spiel gefreut und eigentlich ist es auch super, selber hatte ich teils schwerwiegende technische Probleme mit dem Spiel, sodass ich irgendwann keine Lust mehr hatte. Ständig traten irgendwelche Bugs auf, wodurch ich das Spiel neu starten musste. Hatte in den ersten 2 Spielstunden schon 5 Neustarts hinter mir. Am häufigsten hatte ich das Problem, dass Zwischensequenzen nicht richtig geladen wurde und ich die Charaktere in der Kulisse der Zwischensequenz noch steuern konnte. Wodurch die Zwischensequenz halt natürlich nicht abgespielt wurde und es nicht weiterging. Hab übrigens auf der Series X per Game Pass gespielt, also keine Ahnung ob das Problem allgemein am Spiel lag oder nur für die Xbox Version gilt.

  • Florian McHugh

    Retro-TowerCaster

    Nanashi Also solche Bugs hatte ich auf der Nintendo Switch zu keinem Zeitpunkt. Es kam nur immer wieder mal zu Rucklern, die auch ziemlich stören konnten aber in dem Ausmaße wie du es beschreibst, war nichts dergleichen bei mir. Kurios, normalerweise sinds ja doch eher die Switch-Portierungen die technisch gerne mal zicken.