Kleiner Funke für die Rettung der Sonne

Perfekt zum Frühlingsbeginn kommt ein kleiner Funke geflogen, welcher Fans von Metroidvania-Titeln begeistern soll. Imp of the Sun ist ein neues Side-Scrolling-Abenteuer mit spannendem Narrativ. Wieso unsere Redaktion hin und weg von dem kleinen Sonnen-Kobold und seinem Abenteuer ist, erfahrt ihr nachfolgend.


Imposante Hüter warten auf eine flammende Herausforderung. Könnt ihr bestehen?

© Sunwolf Entertainment

Die Welt wird sterben – eine Sonnenfinsternis versperrt dem Licht den Weg auf die Erde; nur noch wenige Sonnenstrahlen brechen hindurch. Mit seiner letzten Kraft versucht der Sonnengott dem unausweichlichen Schicksal zu entrinnen und schickt seinen letzten Funken auf die Erde, um sie und sich selbst vor dem Untergang zu bewahren. Der Funke, ein kleiner, flammender Kobold, landet in einer Umgebung, welche lateinamerikanisch anmutet – angehaucht von der Welt und den Vorstellungen, die wir von der damaligen, längst verschollenen Maja-Kultur haben. Die Aufgabe des Funkens ist klar: Er muss die Hüter der vier Regionen finden und besiegen, um ihre Kraft zu rauben. Ob dies reicht, um der Sonne eine neue Chance zu geben?


Der kleine Funke, welcher im Verlauf des Spiels durch eine junge Anwohnerin des heimischen Dorfes liebevoll Nin genannt wird, begibt sich auf ein episches Abenteuer. Im Prinzip gibt es fünf verschiedene Gebiete, die von Anfang an frei zu erkunden sind. Es gibt die Wüste und die Unterwelt auf der einen Seite sowie die Gebirgskette und den Dschungel auf der anderen Seite. Im Zentrum steht das kleine Dorf, in welchem die restlichen Menschen leben und dem Untergang entgegenblicken. Hauptaufgabe ist es, dass ihr mit Nin die verschiedenen Regionen besucht und deren Hüter findet. Einst waren dies eingeschworene Diener der Sonne, verrieten aber plötzlich den Sonnengott und verursachten so die Sonnenfinsternis. Im Laufe des Spiels werdet ihr die genauen Hintergründe dieser Vorfälle erfahren und euer eigenes Schicksal annehmen.


Die Handlung von Imp of the Sun wird eher langsam und über die Errungenschaften in den Regionen erzählt. Durch die Umgebung und Begegnungen mit verschiedenen Charakteren wird die Hintergrundgeschichte weitererzählt. Als Spieler werdet ihr euch schnell selbst einen Reim auf die Geschichte machen und nicht selten kleine Überraschungen erleben. Die Handlung wird stets durch eine Konstante begleitet: der Tod. Tatsächlich ist der Sensenmann wie ein Speicherpunkt an verschiedenen Teilen der Welt zu finden. Statt euch gegenüber aber böse gesonnen zu sein, bevorzugt er es, euch Geschichten und Informationen mitzuteilen. Hauptsächlich möchte er, wie es scheint, nur helfen.


Innerhalb des Abenteuers stehen euch verschiedene Aktionen zu Verfügung. Ihr beginnt zunächst damit, die Grundlagen zu lernen: Sprünge, Bogenschüsse und einfache Schläge mit eurer brennenden Waffe. Die Aktionen sind leicht durchführbar und erinnern an verschiedene andere Titel dieser Art durch eine ähnliche, passende Tastenbelegung. Besonders zu Beginn des Abenteuers ist euer Bewegungsrepertoire aber begrenzt. Erst durch den Besuch verschiedener Regionen lernt ihr neue Fähigkeiten, die euer Abenteuer bereichern. So lernt ihr im Gebirge zum Beispiel, an Wänden zu klettern. Wohingegen ihr in der Unterwelt lernt, eure Kraft zu kanalisieren, um selbst wie eine Sonne zu leuchten – brennend und strahlend. Nach dem Besiegen eines Hüters erhaltet ihr zudem Spezialangriffe, welche durch normale Angriffe aufgeladen werden müssen. Je weiter ihr es in diesem Abenteuer treibt, desto mehr Möglichkeiten habt ihr zur Erkundung und zum Kämpfen.


Jede Kreatur hat Stärken und Schwächen. Manchmal ist eine genaue Beobachtung der Schlüssel zum Erfolg.

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Interessant wird das Kämpfen durch die Energieanzeige, die Nin besitzt. Steht Nin in der Sonne oder in der Nähe brennender Fackeln, lädt er seine Energieanzeige auf. Wenn er dann eine spezielle Fähigkeit nutzt, welche seine Energie benötigt, wird diese verbraucht. So braucht zum Beispiel das helle Strahlen oder das Verschießen von Pfeilen Energie. Nin kann mit dieser Energie sogar, sofern er auch genügend davon hat, einzelne Lebenspunkte wiederherstellen. Eine Mechanik, die nicht nur Spaß macht, sondern regelmäßig das Überleben sichert. Die Entwickler nutzen diese Mechanik auch, um eine bessere Tiefe für das Gameplay zu liefern. In der Unterwelt oder im Dschungel herrscht Finsternis, da die wenigen Sonnenstrahlen nicht durch das Erd- bzw. Blattwerk kommen. Ihr müsst hier also mit eurer Energie geschickt haushalten, denn andernfalls fehlt euch hinterher die Kraft, euch zu heilen oder Fernangriffe zu wagen.


Neben der Erweiterung der Fähigkeiten gibt es auch die Möglichkeit, Nin aufzuleveln. Habt ihr Gegner besiegt, sammelt ihr deren Sonnenenergiepunkte ein. Man kann sich das vorstellen, als würde Nin deren Seelen absorbieren. Diese Energie wird in Punkte oben auf dem Bildschirm angezeigt. Bei unserem lieben Herrn Tod könnt ihr diese Energie dann investieren. So ist es möglich, die Anzahl an Leben zu erweitern oder die im Kampf verfügbare Sonnenenergie zu erhöhen. Außerdem könnt ihr euren Angriffswert erhöhen. Neben dieser Fähigkeit ist der Tod, wie bereits erwähnt, euer Checkpoint. Wenn ihr an ihm vorbeigeht, wird automatisch gespeichert. Sterbt ihr an einer Stelle, weil ihr keine Lebenspunkte mehr habt, werdet ihr zum nächstgelegenen Tod zurückgebracht.


Die Welt von Imp of the Sun steckt voller Geheimnisse und Überraschungen. Geht ihr in eine Region, werdet ihr nie alle Geheimnisse sofort lüften können, da oft Fähigkeiten anderer Gebiete gebraucht werden, um sammelbare Gegenstände zu finden. Statt Spieler dazu zu zwingen, jeden Ort erneut zu Fuß aufzusuchen, hat der Tod auch eine Reiseoption, die es aber nicht geschenkt gibt: Der Tod hat die Karten der Regionen verloren. Findet ihr eine solche Karte, könnt ihr euch im Gebiet selbst zwischen den Checkpoints bewegen, sofern der jeweilige Punkt freigeschaltet ist. So ist es weniger kompliziert, wenn ein Ort noch einmal aufgesucht werden will.


Die Kosten für Verbesserungen steigen immer weiter an. Besonders hartgesottene Spieler können es aber auch ohne versuchen.

© Sunwolf Entertainment

Da viele Arten von Gegnern kurze Zeit nach dem Besiegen wieder auftauchen, kann man so Sonnenenergiepunkte für Orte farmen, die zum jeweiligen Zeitpunkt noch zu schwer sind. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Dschungel. Anfangs machte ich den Fehler, nur kaum mit dem Tod zu sprechen, obwohl er tolle Tipps hat und mich auch gewarnt hätte, wie gefährlich der Dschungel ist. Ich ging blindlings in die erste Region, die ich finden konnte und zu meinem Leidwesen war es der Dschungel. Ein feuchter Ort mit Monstern, die sehr stark sind. Ich versuchte mein Bestes – doch kehrte von Selbstzweifeln zerfressen ins Dorf zurück. Tatsächlich lassen sich zwar alle Regionen frei besichtigen, sie sind trotzdem verschiedenen schwer. Mutiges Erkunden kann Belohnungen und Strafen bringen. Selbstüberschätzung hat in diesem Spiel keinen Platz. Der wahre Spaß kommt dadurch zustande, dass man auch geschickt vorgehen kann: Beispielsweise wollte ich stärker werden, um den Hüter der Wüste zu besiegen. Um dies zu erreichen, ging ich in die wesentlich schwerere Unterwelt und trainierte meine spielerischen und Nins Fähigkeiten. Durch Zufall habe ich dort sogar die Spezialfähigkeit der Erleuchtung entdeckt. Nach diesem Fund kehrte ich sofort in die Wüste zurück – und verlor immer noch gegen den Hüter. Tja, Pech gehabt: Aufstehen, Feuerkrone richten und weiter geht’s.


Highlight des Spiels ist definitiv die grafische und musikalische Arbeit. Die Umgebung wirkt detailreich, vielseitig und herausfordernd. Man fühlt sich direkt in die Welt von Nin versetzt und kann sich kaum sattsehen. Die feindlichen Kreaturen glänzen mit ihren Fähigkeiten und dem Artwork. Besonders schön anzusehen sind die Bewegungen von Nin, welche sehr flüssig laufen und seinen flammenden Körper authentisch abbilden. Besonders süß ist das Detail, dass Nin sich streckt und gähnt, wenn man zu lange stehen bleibt – Niedlichkeitsfaktor: 100 Prozent. Die Musik auf der anderen Seite ist zum Verlieben. Die Melodien, welche für jede Region eigens komponiert wurden, harmonieren perfekt mit der Umgebung und der Stimmung, die vermittelt werden soll. Exotische Klänge bilden eine Wohltat für die Ohren – besonders Klänge der Panflöte sind ein echtes Meisterwerk. Auch die Kämpfe gegen die Gegner vermitteln Stimmung und Spaß. Negativ aufgefallen ist ein Umstand, welcher immer dann auftritt, wenn gerade viel in der Welt geschieht: Die Musik beginnt zu stottern und braucht einige Sekunden, um wieder normal zu laufen. Es geschieht glücklicherweise nur selten, sollte aber nicht unerwähnt bleiben. Das Spiel kommt zwar mit einer Synchronisation daher, ihr werdet aber kein Wort verstehen. Die Personen reden eine unverständliche Sprache, die in Richtung Die Sims oder Animal Crossing geht. Die Texte sind vollständig und gut in unserer Sprache lokalisiert.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Simon Münch

Imp of the Sun hat bereits im Ankündigungstrailer faszinierende Elemente gezeigt. Das Narrativ ist überzeugend und entfaltet sich langsam durch die eigene Spielgeschwindigkeit. Getreu des Metroidvania-Genres sind verschiedene Welten von Beginn an frei zugänglich. Diverse Fähigkeiten, die man als Errungenschaften in den Regionen als Belohnung bekommt, bieten den Wert, ein Gebiet mehrfach zu inspizieren. Nin als Hauptcharakter spricht kein Wort, sondern lässt sich von den anderen handverlesenen Charakteren beraten. Nins Mission ist die Umkehrung der Sonnenfinsternis und diese verfolgt der Protagonist schweigsam, authentisch und fokussiert. Das Verbessern von Fähigkeiten ist eine nette Ergänzung, welche Spieler dazu bringt, mehr Zeit in das Spiel zu investieren. Getreu vieler Indie-Titel ist Imp of the Sun ein kurzes, durchdachtes Vergnügen mit epischen Soundtracks und malerischem Design. Neugierige Spieler sollten diesen Titel ausprobieren – hier wird sich die Investition sicherlich lohnen.
Mein persönliches Highlight: Die mehr als überzeugende musikalische und grafische Arbeit.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 5

  • _Mallymkun_

    Turmheld

    Also optisch ist Imp of The Sun genau mein “cup of tea” (erinnert mich trotz völlig anderem Setting etwas an Teslagrad), aber ich war mir nicht ganz sicher, ob Story und Gameplay da so ganz mithalten können. Deshalb: Danke für euren Test! Das hört sich doch so an, als sollte man dem Titel bei Gelegenheit mal eine Chance geben.


    Wie lang würdet ihr die Gesamtspielzeit denn so einschätzen?

  • Simon Münch

    Inselsprecher

    Wie lang würdet ihr die Gesamtspielzeit denn so einschätzen?

    Das variiert sehr stark mit deiner Art des Spielens. Nach meiner subjektiven Erfahrung ist man aber nach weniger als 10 Stunden mit der Haupthandlung + Erkundung durch.

  • _Mallymkun_

    Turmheld

    Simon Münch

    Ok, danke! Dann habe ich immerhin einen Richtwert. :)

  • playersdestiny

    DestinysPlayer

    Gestern auf meine Wunschliste gesetzt, heute der (gute) Test von euch! Danke :)

  • Kell Conerem

    Xenoblade Ultra

    Gleich mal geholt und angespielt. Bin begeistert.