Love and Peace

Gal*Gun. Es geht um Mädchen, es geht ums Schießen. Wer da an etwas Perverses denkt, für den könnte diese Serie genau richtig sein. Ursprünglich von Inti Creates entwickelt und von PQube in den Westen gebracht, steht mit der Neuveröffentlichung von Gal*Gun Double Peace nun praktisch die ganze Serie auf der Nintendo Switch zur Verfügung. Auch wenn man davon absieht, es im Spieletitel zu nennen, handelt es sich hierbei tatsächlich um eine Definitive Edition zum zweiten Serienteil aus dem Jahr 2016. Nicht nur sind fast alle DLC-Kostüme inkludiert, es gibt auch ein neues Opening-Video zu bestaunen und loyale Fans können sich über interessante Speicherdaten-Boni freuen. Wir haben den außergewöhnlichen Titel für euch unter die Lupe genommen.


Lasst die Mädchen bloß nicht zu nah an euch ran! Trefft am besten ihren Schwachpunkt, bevor sie euch mit Küssen oder Liebesbriefen attackieren.

© Inti Creates Co., Ltd.

Mit über 10 Jahren auf dem Buckel hat das ausgefallene Konzept der Gal*Gun-Spiele fast schon Tradition. Der Protagonist wird von einer zu starken Ladung an Amors Pfeilen getroffen, was ihn für alle Mädchen im Umkreis kurzzeitig unwiderstehlich macht. Die übernatürliche Popularität hat jedoch einen Haken: Schafft er es in diesem Zustand nicht, seine große Liebe zu finden, wird er für den Rest seines Lebens keine Chance mehr dazu haben. Im Falle von Gal*Gun Double Peace ist Houdai Kudoki der (Un-)Glückliche und die Engelsschülerin Ekoro die Verantwortliche für dieses Schlamassel. Mit dem „Pheromone Shot“ ausgerüstet versucht ihr nun, Wellen an liebestrunken Oberschülerinnen abzuwehren, während ihr um euer Traummädchen kämpft.


Dabei nimmt das Spiel die Form eines Rail-Shooters an. Vollautomatisch schlendert ihr in First-Person über und um das Schulgelände der Sakurazaki Academy und besänftigt auf eurem Weg anstürmende Mädels mit Schüssen aus eurer Pheromonkanone. Das klingt nicht nur verrückt, sondern ist es auch. Das Spiel betont die Absurdität dieser fundamentalen Gameplay-Mechanik durch eine bewusst übertriebene und so auch schon einmal anzügliche Inszenierung. Da gehört es zum Standardprogramm, Mädchen in aufreizenden Posen oder Outfits zu sehen und nahezu ununterbrochen von einem Stöhnen beschallt zu werden. Zoomt ihr heran, könnt ihr durch Objekte und Kleidung hindurchsehen und so sogar die Maße der virtuellen Damen herausfinden – für Recherchezwecke versteht sich.


Davon abgesehen, dass Gal*Gun Double Peace eine beherzte Portion an Fanservice bietet – und dies je nach Geschmack positiv oder negativ sein kann –, hat man es spielerisch mit einem soliden Rail-Shooter zu tun, der aber nicht ohne Macken auskommt. Im Vergleich zu Gal*Gun Returns fallen die Level ein wenig abwechslungsreicher aus oder bieten sogar hin und wieder Abzweigungen, kommen aber noch nicht an die Qualität von Gal*Gun 2 ran. Als besonders störend empfinde ich die teils plötzlichen Bewegungen der Kamera, welche das genaue Zielen erschweren und so den Spielfluss beeinträchtigen. Mancher Levelverlauf wirkt deshalb eher willkürlich und ist schwierig vorauszusehen. Das frustriert besonders dann, wenn man Ziele wie Sammelitems verpasst.


Für jedes Level stehen euch diverse Nebenquests zur Verfügung, bei denen ihr einen versteckten Gegenstand oder ein bestimmtes Ziel treffen müsst.

© Inti Creates Co., Ltd.

Nun darf man aber nicht die andere Hälfte vernachlässigen, die Gal*Gun ausmacht. Wenn ihr nicht gerade damit beschäftigt seid, den wild gewordenen Mädchenscharen davon zu laufen, dann versucht ihr in Dating-Sim-Manier bei eurem Schwarm zu landen. Im Vordergrund dieses Ablegers stehen dabei besonders Shinobu und Maya aus der Kamizono-Familie. Nicht nur kennt der Protagonist die beiden schon seit Kindheitstagen, sondern geht auch mit ihnen auf die Sakurazaki Academy. Was Houdai aber nicht wusste: Die Schwestern sind insgeheim Dämonenjäger! Das passt gut zur serientypischen Engel-gegen-Dämonen-Thematik und wird relativ interessant in die Story eingearbeitet. Es ist kein Shakespeare, aber die Handlung war meist Motivation genug, um sich durch das ein oder andere dröge Level zu schlagen.


Um die Gunst seiner favorisierten Herzensdame zu gewinnen, muss Houdai einige Hürden bewältigen. Dazu gehören Smalltalk, aber auch Story-Events. Nach fast jedem Level erhaltet ihr die Gelegenheit, kurz mit dem von euch gewählten Mädchen zu quatschen. Ob ihr bei ihr punkten könnt, hängt dann davon ab, für welche der Antwortmöglichkeiten ihr euch entscheidet. Manche Optionen sind allerdings gesperrt, wenn eure Werte – im Spielverlauf sammelt ihr Punkte für Intelligenz, Sportlichkeit, Style und Lüsternheit – nicht hoch genug sind. Wer das perfekte Ende in einer jeweiligen Route anstrebt, wird nicht an einem Guide oder an höllisch nervigem Trial-and-Error vorbeikommen. Diese Art von Spieldesign mag im Genre üblich sein, erscheint mir in der vorliegenden Umsetzung aber spielerunfreundlich.


Dann gibt es da noch die Story-Events. Oh ja, die Story-Events. Lasst es mich so sagen. Hier ist definitiv etwas Gameplay-Abwechslung geboten, indem das Shooter-Gameplay um Minispiel- oder Bosskampf-Ansätze angereichert wird. Aber wenn ich einen Part vom Spiel nennen müsste, den man besser nicht vor den Augen der Öffentlichkeit spielen sollte, dann wäre es genau dieser. Zweideutige Dialoge, gewagte Outfits, unanständige Situationen – es gibt kaum einen Fetisch, der nicht bedient wird. Und … oh Schreck, da klopft jemand an der Tür. Schnell den Minusknopf drücken und so tun, als würde man ein klassisches RPG spielen! „Diese Mr. Happiness sind ja echt putzige Kerlchen“ … ist die Luft rein? Okay, weiter im Text.


Klebrige Angelegenheit! In Story-Events werdet ihr mit schlüpfrigen Situationen konfrontiert, die sich durch Minispiel oder Bosskampf lösen lassen.

© Inti Creates Co., Ltd.

Das erfolgreiche Abschließen der Story-Events bringt euch Pluspunkte bei eurem Schwarm ein. Wollt ihr die Sympathie weiter steigern und im Smalltalk immer die richtige Antwort parat haben, bietet es sich an, eure Werte zu erhöhen. Das geht am einfachsten entweder durch den ikonischen Doki-Doki-Modus, bei dem ihr Mädchen hautnah mit dem Pheromone Shot behandelt, oder durch Hilfsitems vom Schulkiosk. Bei letzterem gebt ihr Engelfedern aus, welche ihr durch Level oder Nebenquests verdient habt. Andere hier erhältliche Items verstärken den Pheromone Shot, geben euch besseren Schutz gegen wollüstige Angreiferinnen oder haben andere „nützliche“ Effekte. Wer Speicherdaten vorheriger Serienteile besitzt, kann zudem das Teigtaschen- oder das Schneidebrett-Item erwerben und so die Körbchengröße aller Figuren im Spiel beeinflussen.


Beim Thema Wiederspielwert beweist Gal*Gun Double Peace mal wieder, dass es immer zwei Seiten einer Medaille gibt. Einerseits ist es toll, dass es viele verschiedene Story-Routen gibt; dass man einige unterschiedliche Level und Events bewältigen muss; dass allgemein jede Menge freigeschaltet werden kann. Andererseits jedoch wird auf den Routen auch viel Recycling betrieben; nutzen sich Level und Events schnell ab; richtet sich das Freischaltbare vor allem an 100-Prozent-Jäger. Natürlich klingt es erst einmal – ähm – beeindruckend (?), dass es 450 verschiedene Arten an Höschen gibt, aber trägt dies groß zum Spiel bei? Nein, würde ich meinen – und ein solcher Schein-Umfang lässt sich auf diverse Aspekte des Spiels anwenden. Mein Fazit deshalb: Wiederspielwert? Nur bis zu einem gewissen Grad.


Nach einem ereignisreichen Tag an der Sakurazaki Academy geht allmählich die Sonne unter und es ist Zeit, darüber zu reflektieren, was man gesehen und erlebt hat. Auch wenn Gal*Gun Double Peace zu den neueren Serienablegern gehört, merkt man dem Titel sein Alter stellenweise an. Optisch, weil die Umgebungen nicht gerade vor Details strotzen, und technisch, weil Funktionen wie das Zielen per Gyro-Steuerung fehlen. Der Anime-inspirierte Stil ist nichtsdestotrotz charmant und lässt gerade die Figuren gut rüberkommen. Das kaschiert die Mängel ein wenig. Auf die Ohren gibt es serientypisch einigermaßen eingängige, aber wenig spektakuläre Musik, dazu die zahlreichen japanischen Stimmen – und das Stöhnen – der Charaktere. Die englische Lokalisierung ist gut gelungen, Deutsch wird wiederum nicht angeboten.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Daniel Kania

Ohne Tabus und völlig überspitzt: Aus Japan erreicht uns mal wieder ein Titel der schlüpfrigen Sonderklasse. In Gal*Gun Double Peace erlebt ihr eine merkwürdige Mischung aus Rail-Shooter und Dating-Sim, in der ihr um eure wahre Liebe kämpfen müsst, während euch Scharen von liebestrunken Mädchen auf Schritt und Tritt verfolgen. Das Konzept als außergewöhnlich zu bezeichnen, wäre ein Understatement. Der zweite Teil baut sinnvoll auf das Fundament des Serieneinstands auf und bietet bessere Level, mehr Abwechslung und allerhand Freischaltbares, ohne die besondere Ecchi-Würze zu verlieren. Der vermeintlich große Umfang trügt aber in mancher Hinsicht, immerhin scheut das Spiel nicht vor Inhalt-Recycling oder Trial-and-Error zurück, um die Spielzeit zu strecken. Wie sehr das ins Gewicht fällt, hängt jedoch von euren Spielgewohnheiten ab. Routinierte Fans dieser Nische an Spielen werden sich wahrscheinlich kaum dran stören. Es ist nämlich trotz allem ein abgedrehtes Abenteuer mit Herz und Höschen, an das man sich bestimmt lange erinnern wird, vorausgesetzt ihr seid nicht allzu prüde. Für loyale Serienfans bietet die Neuveröffentlichung auf der Nintendo Switch nicht nur fast alle DLC-Kostüme, sondern auch einen kleinen Bonus, den es so wohl nur in der Gal*Gun-Reihe geben kann.
Mein persönliches Highlight: Die vielen unterschiedlichen Endings, die man erreichen kann

Die durchschnittliche Leserwertung

2 User haben bereits bewertet

Kommentare 6

  • Tabby

    Turmbaron

    Gefällt mir persönlich besser als Returns und Gal*Gun 2.

  • Zplatoon

    Turmknappe

    Also wer sowas kauft hat echte Probleme mit seiner Sexualitaet... Also kauf ichs

  • Trifolium

    Und der nächste Uralt-Schinken.


    In diesem Fall sogar ein ziemlich mieser, der schon seit Ewigkeiten für wenige Euro in der Grabbelkiste zu haben ist.

  • Phantomilars

    Weltraummönch

    Die vielen unterschiedlichen Endings sind ein wahrer Höhepunkt, aha :paperm:

  • Darkseico

    Turmfürst

    Verstehe ich das richtig, mit Double Peace sind jetzt alle Teile die es bislang gibt auf der Switch erhältlich? Gab es nicht noch mehr Teile? :/

  • Tabby

    Turmbaron

    Verstehe ich das richtig, mit Double Peace sind jetzt alle Teile die es bislang gibt auf der Switch erhältlich? Gab es nicht noch mehr Teile? :/

    1. Gal*Gun Returns

    2. Gal*Gun Double Peace

    3. Gal*Gun 2


    So müsste die offizielle Reihenfolge der Reihe sein. Gibt aber wohl noch Gal*Gun VR.