Simplifizierte F1-Action auf der Nintendo Switch

Seit dem 15. April 2022 ist Formula Retro Racing, das von den klassischen Arcade-Racern der 90er-Jahre inspiriert wurde, im Nintendo eShop für die Nintendo Switch erhältlich. Das Spiel setzt auf ganz einfache Low-Poly-Grafiken und simple Spielmechaniken, um das damalige Spielgefühl möglichst gut zu replizieren. Einzig die Bildrate ist der modernen Technik angepasst und sorgt für flüssige Gameplay-Action.


Formel 1 mit Polygon-Retro-Grafik.

© CGA Studio Games

Der Umfang des Titels ist überschaubar: Euch stehen zu Beginn ein paar leichte Strecken zur Verfügung und ihr könnt durch Siege drei etwas anspruchsvollere Strecken freischalten. Insgesamt bietet Formula Retro Racing acht Strecken, darunter ein runder Speed-Oval, eine Strand-Strecke, eine Wüsten-Piste, eine anspruchsvolle Gebirgs-Strecke und die klassische Monte Carlo-Strecke durch Monacos Innenstadt. Die Grafik ist sehr simpel gehalten, fängt aber recht gut das Retro-Gefühl ein – manche Umgebungen wie Berge oder Bäume im Hintergrund wissen trotz oder gerade aufgrund der Low-Poly-Blöcke durchaus zu gefallen. Bei den Fahrzeugen wird weniger Abwechslung geboten, denn es steht lediglich ein Fahrzeugtyp mit jeweils unterschiedlichen Lackierungen zur Verfügung.


In Formula Retro Racing tretet ihr gegen 19 weitere Fahrer an und könnt zwischen drei Schwierigkeitsgraden auswählen: Auf Leicht könnt ihr euch einige Kollisionen leisten und aufgrund der langsamen Fahrer recht rasch auf Platz 1 vorschlängeln, während ihr auf Schwierig sehr hart dafür kämpfen müsst, eine Spitzenposition zu erlangen, und bei wenigen Berührungen bereits mit einem Totalschaden rechnen müsst. Die Autos sind nämlich zerstörbar und eine Schadensleiste zeigt den Zustand eures fahrbaren Untersatz an – ist das Auto von euch oder eines Gegners zerstört worden, so ist das Rennen jedoch nicht ganz vorbei, nach kurzer Zeit respawnt das Fahrzeug wieder auf der Strecke.


Vermeidet Kollisionen, ansonsten rückt der Sieg in weite Ferne.

© CGA Studio Games

Der spaßigste Modus ist der klassische Arcade-Modus, in dem ihr euch sowohl gegen die Konkurrenten als auch gegen die Zeit durchsetzen müsst. Auf der Strecke sind Checkpunkte verteilt, die ihr innerhalb einer bestimmten Zeit durchfahren müsst, um nicht eliminiert zu werden. Ziel ist, alle Checkpunkte rechtzeitig zu durchqueren und zugleich das jeweilige Rennen möglichst weit vorne, im Idealfall auf Position 1, zu beenden.


Im Grand Prix-Modus absolviert ihr klassisch mehrere Rennen, darunter einige Strecken mehrmals hintereinander, um am Ende in der Gesamtpunktzahl möglichst weit vorne zu liegen. Im Eliminierer-Modus ist euer Ziel wiederum, möglichst lange unter den Top 10 zu bleiben, ansonsten endet das Rennen für euch. Mit jeder Runde wird das Tempo der Konkurrenten erhöht und ihr werdet früher oder später automatisch eliminiert. Auf dem hohen Schwierigkeitsgrad kann es passieren, dass schon nach der ersten Kollision das Rennen vorbei ist, während sich der Modus auf dem niedrigen Schwierigkeitsgrad sehr in die Länge ziehen kann – beides macht nicht sonderlich viel Spaß.


Ähnlich wie Sega Ages: Virtua Racing bietet auch Formula Retro Racing einen lokalen Mehrspielermodus mit geteiltem Bildschirm, allerdings „nur“ mit 4 Spielern, was für die meisten jedoch auf jeden Fall ausreichend sein dürfte. Wer sich einen Online-Modus erhofft hat, den muss ich leider enttäuschen. Es gibt allerdings immerhin eine Online-Rangliste, wo ihr die besten Renn- und Rundenzeiten mit anderen Spielern global vergleichen könnt.


Der Mehrspieler-Modus kann auch mit geteilten Joy-Con-Controllern gespielt werden.

© CGA Studio Games

Das Gameplay bietet kaum Spieltiefe, denn ihr könnt lediglich beschleunigen, abbremsen, lenken, die Kameraperspektive ändern und optional die manuellen Gangschaltung aktiveren. Doch es war nie die Intention des Spiels, in der Hinsicht mehr zu bieten: Formula Retro Racing fühlt sich wirklich so an, als würdet ihr einen Arcade-Racer spielen und es kann durchaus unterhaltsam sein, sich wieder und wieder in dieselben Rennen zu stürzen.


Ein paar Kritikpunkte am simplen Gameplay gibt es dennoch: Die Erkennung der Kollisionen ist nicht sehr genau und hin und wieder bleibt ihr ganz stecken oder euer Fahrzeug dreht sich, obwohl dies eigentlich nicht passieren sollte. Manchmal respawnen gegnerische Fahrzeuge nach einem Totalschaden so schnell, dass sie nach kurzer Zeit trotzdem wieder vor euch sind, was ebenfalls etwas unrealistisch wirkt. Auch liegt eure Maximalgeschwindigkeit bei automatischer Gangschaltung bei 295 Kilometern pro Stunde, während diese bei den gegnerischen Fahrzeugen viel höher liegt - manche Gegner fahren auf der höchsten Schwierigkeitsstufe bei geraden Streckenteilen deutlich schneller und es scheint generell schwierig zu sein, auf gerade Abschnitten Überholmanöver auszuführen. Ganz anders verhält es sich bei Kurven, wo Gegner stets viel Zeit verlieren und man diese am leichtesten überholen kann. Die manuelle Gangschaltung ist deutlich schwieriger, jedoch könnt ihr damit, als Ausgleich für den erhöhten Aufwand, höhere Geschwindigkeiten erreichen (was einem vom Spiel nicht gesagt wird). Etwas kurios ist die Entscheidung, die Rückspiegelfunktion nicht auf die unbelegte X-Taste, sondern auf die hintere rechte Schultertaste zu platzieren, während zugleich bereits die vordere rechte Schultertaste zum Beschleunigen genutzt wird – Tastenbelegungen lassen sich leider nicht manuell konfigurieren.


Formula Retro Racing bietet übrigens auch eine deutsche Textsprache, allerdings wurden die Texte nur teilweise übersetzt – einige Bezeichnungen bleiben unübersetzt, wodurch sich ein merkwürdiger Mix aus Deutsch und Englisch ergibt. Im Endeffekt ist der Text allerdings ohnehin nebensächlich, da die Rennanweisungen relativ selbsterklärend sind. Die Musik wirkt beim ersten Eindruck ganz passend für einen Arcade-Racer, doch schon recht rasch kommt die Ernüchterung, dass es in den Rennen lediglich drei Musiktracks gibt, die sich auf die 8 Strecken verteilt ständig wiederholen. Irgendwann war ich an einen Punkt angelangt, wo ich die Musik nicht mehr hören konnte und mir mehr musikalische Abwechslung gewünscht hätte.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Felix Eder

Formula Retro Racing enthält 8 Strecken, nur einen Fahrzeugtyp in verschiedenen Farbkombinationen und ein paar wenige Spielmodi, die sich allesamt sehr ähneln und nicht für sonderlich viel Abwechslung sorgen. Was sowohl den Umfang, die Grafik, als auch das Gameplay angeht, hat Andrew Jeffrey mit seinem Indiestudio Repixel8 bewusst einen minimalistischen Ansatz gewählt und sich lediglich auf das Wesentliche konzentriert. Formula Retro Racing dürfte vor allem Genre-Fans ansprechen, denen es primär um das Arcade-Spielgefühl geht. Als eine Hommage an das günstigere Sega Ages: Virtua Racing spielt sich das flotte Rennspiel nämlich durchaus gut und kann auch mit einem lokalen Mehrspielermodus für bis zu vier Spieler punkten. Wer Fan von Retro-Racern ist, kann bedenkenlos zuschlagen. Der Reiz dieses Nintendo eShop-Spiels besteht darin, Strecken immer wieder zu spielen, eigene Bestzeiten zu verbessern und die perfekte Linie zu finden – wem dies nicht gefällt, wird hingegen eher weniger bzw. nur kurze Freude mit Formula Retro Racing haben.
Mein persönliches Highlight: Die Monte Carlo-Strecke

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 7

  • Lockenvogel

    Dumm aber klug!

    Naja, wer ein Game mit dem namen 'Formula Retro Racing' im eShop kauft und auch nur das Titelbild gesehen hat, dürfte eigentlich wissen was ihn erwartet. Da die Anzahl der Strecken und Fahrzeuge durchaus der von üblichen 16bit Racing-Simulationen (oder was man damals dafür gehalten hat) entspricht, dürfte wohl kaum ein geneigte Käufer groß enttäuscht sein, es erwartet doch niemand ernsthaft ein weiteres Forza oder Gran Tourismo. Von daher finde ich deine 5 Punkte mit dem einzigen wirklichen Kritikpunkt, dass das Spiel in Sachen Umfang wirklich zu authentisch ist, nicht ganz nachvollziehbar.

  • blubbafassel

    Falling Angel

    Sehe ich ähnlich wie Lockenvogel. Fürn 10ner halte ich den gebotenen Inhalt für angemessen. Auf Steam kriegt mans sogar schon fürn 5er.

    Das Wichtigste bei solchen Spielen ist der Spielspaß, der durch Steuerung und Fahrgefühl zustande kommt und natürlich auch das bereits angesprochene jagen von Bestzeiten. Schade ist allerdings, dass es anscheinend keinen Online-Multiplayer gibt. Das hat Virtua Racing, wenn auch nur für 2-Spieler.


    EDIT: Habe mir mal ein Gameplay-Video angesehen. Mag sein, dass das durch das Video einem nur so vorkommt, aber im Vergleich zu Virtua Racing scheint das Geschwindigkeitsgefühl eher gemächlich zu sein. Finde ich etwas schade, falls das wirklich so sein sollte.

  • Felix Eder

    I can see the future

    Lockenvogel

    Auch wenn die 5 hart klingt, heißt es nicht, dass das Spiel schlecht ist, sondern es ist wie gesagt durchaus ein solider Titel für Genre-Fans. Ich hatte früher auch sehr viel Spaß mit Arcade-Racern wie beispielsweise Road Fighter, hier bei Formula Retro Racing war der Spaß aber doch etwas weniger bzw schneller wieder vorbei. 12,99 € sind auch eher etwas auf der teureren Seite, aber wer interessiert ist, sollte jetzt zuschlagen, gibt ja eine Aktion für die ersten Tage nach Release um 9,99 €. Ich war ansich kurz davor, eine 6 zu geben, aber wirklich fesseln konnte mich das Spiel leider nicht und einige Kritikpunkte, auch abseits des Inhalts, habe ich ja im Test schon angesprochen.

  • blubbafassel

    Falling Angel

    Felix Eder


    Ja gut, aber ein Virtua Racing hat auch nur drei Strecken. ;)


    Was schon damals die Spreu vom Weizen getrennt hat, war nicht die Anzahl der Strecken, sondern Steuerung und das Fahrgefühl. Auch bei einem simplen Arcade-Racer ist das enorm wichtig. Deshalb spielt man lieber Sega Rally (3 bzw. 4 Strecken) als z.B. V-Rally 1 (ca. 30 Strecken). Zwar bietet letzteres mehr Langzeitmotivation, aber wenn Steuerung und Fahrverhalten nicht überzeugen und das Spiel keinen Spaß macht, wo liegt dann überhaupt der Sinn dahinter? Ich will hier das erste V-Rally eigentlich gar nicht klein reden (Teil 2 ist aber wesentlich besser), aber während Sega Rally sich immer noch wunderbar spielen lässt, ist das erste V-Rally einfach schlecht gealtert und da täuscht auch der recht große Umfang nicht drüber hinweg. Und ich hab hier bewusst zwei relativ ähnliche Spiele gewählt, um darzustellen, dass der Umfang nicht entscheidend dafür ist, ob ein Spiel gut oder schlecht ist.


    Heutzutage würde sich selbstverständlich keiner trauen, ein Rennspiel mit drei Strecken zum Vollpreis herauszuhauen. Das waren damals einfach andere Zeiten. Damals hatten Arcades noch einen großen Einfluss, denn sie galten technisch als das Nonplusultra. Rennspiele mit vergleichsweise wenig Strecken waren dementsprechend keine Seltenheit. Für 10 € hingegen... warum eigentlich nicht? Geht doch voll klar. Das sind 2-3 Döner, oder im Falle von Formula Retro Racing 1,25 € pro Strecke. Mehr wäre sicherlich schön, aber ich finde, das ist absolut im Rahmen.

  • heart_of_chrome

    Turmheld

    Fürn 10ner halte ich den gebotenen Inhalt für angemessen.

    Ich erinnere mich an Automobili Lamborghini auf dem N64, das hatte glaube ich sechs Fahrzeugtypen und sechs Strecken. Hat damals stolze 129 DM gekostet (Inflationsbereinigt heute 180 Mark bzw. 90 Euro), und der Blick meiner Mutter, als sie es mir nach langem Betteln doch gekauft hat, hätte mich fast getötet. Andere Zeiten... :D

  • Cody

    Turmheld

    Ich bedanke mich für den Test. Ich kann die Bewertung nachvollziehen, denn das Wort "Retro" sollte nicht für alles als Entschuldigung herhalten. Also "6" hätte ich ganz klar zu hoch gefunden. Es war innerhalb des Looks noch so einiges zusätzlich möglich und alleine die gemischten Übersetzungen oder Songauswahl haben schon zur Abwertung führen müssen. Wem dieser Look sehr wichtig ist, der kann das Spiel doch dennoch kaufen und Spaß damit haben.

  • alfalfa

    Turmfürst

    Ich sehe es nicht ganz wie Lockenvogel, denn es gibt auch Spiele mit bewusst minimalistischer Grafik im 16 Bit Style, die richtig Spaß machen und einen auf modernem Niveau so beglücken, dass sie richtig Spaß machen.

    Dazu zähle ich ganz klar Horizon Chase Turbo mit seinem ähnlich bekloppten Namen und das Spiel ist meilenweit vor dem, was hier geboten wird.