Ein düsteres Fest für alle Crafting-Fans

Das Spiel The Serpent Rogue besticht zu Beginn vor allem durch seinen einzigartigen Grafikstil und seine dunkle Atmosphäre. Denn mit einer Pestmaske ausgerüstet stürzt ihr euch hier als ein Wächter ins Abenteuer und seid nur mit einem Forschungstisch ausgerüstet, um Zutaten direkt vor Ort zu untersuchen und zu verarbeiten. Doch was kann das düstere Spiel sonst noch bieten und für wen könnte The Serpent Rogue eine Langzeitbeschäftigung werden? Ich habe es mir einmal genauer angeschaut, jedoch nicht ohne passende Maske und ein paar leeren Phiolen in der Tasche.


Salomon ist euer Mentor, auch wenn er manchmal sehr wortkarg ist.

© Team17

Wir beginnen The Serpent Rogue ganz unspektakulär auf einem recht leeren Feld in der Zwischenwelt und lernen zunächst ein paar wenige Steuerungselemente kennen. Wenig ist hier noch übertrieben, denn im Spiel wird man nur sehr selten wirklich an die Hand genommen. Doch wir lernen direkt das kennen, was den Plot des Spiels ausmacht und warum wir alle mit gruseligen Pestmasken durch die Gegend rennen: die Verderbnis. Wie in fast jedem Spiel ist auch hier das Gleichgewicht aus den Fugen geraten und es liegt an uns, das in besagter Zwischenwelt zu ändern. Die Quelle dieser Verderbnis liegt am Fuße des Berges Morbus und bei ihr handelt es sich um die namensgebende Schlange, die es zu bezwingen gilt. Das Wort "serpent" leitet sich vom englischen Wort für Schlange ab und kann auch verbreitende Krankheit bedeuten, wenn man vom lateinischen Wort serpens ausgeht. Beides passt zumindest, wodurch direkt dir passende Stimmung für unser Abenteuer gesetzt wird.


Das Verdorbene Land ist eure erste Anlaufstelle und dient als Basis eures Abenteuers. Hier findet ihr neben eurem Mentor Salomon auch euer Forschungslabor inklusive Forschungstisch, eine Kochstelle im Verlassenen Haus und den Kiosk, an dem ihr im weiteren Spielverlauf Aufträge von anderen Wächtern findet, die ihr absolvieren könnt. Im Lager findet ihr weitere Gebäude und Orte, die nützlich sind und hier stoßt ihr auch auf weitere Charaktere, die in ebenso rätselhaften Zungen reden wie Salomon selbst. Hier findet ihr auch die Vorratskammer, in der ihr all eure Lebensmittel lagern könnt. Davon gibt es viele und es ist bereits zu Beginn nicht leicht zu entscheiden, welche ihr einlagern wollt und welche ihr lieber doch mitnehmen möchtet.


Kleine Informationstexte helfen euch zu Beginn, einiges besser zu verstehen.

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Eure Hauptaufgabe in The Serpent Rogue ist das Erkunden der Gebiete und das Sammeln von Zutaten, da ihr Tränke brauen sollt und müsst. Immerhin ist das euer Job als Alchemist, weswegen ihr auch schnell die Tasche voll habt mit diversem Zeug. Zutaten findet ihr nämlich überall und ihr solltet stets einen zweiten Blick ins Gebüsch oder in eine dunkle Ecke werfen, um auch die letzte absurde Zutat einzustecken. Jedoch ist es wie im echten Leben und nur weil ihr einen Brokkoli gekauft habt, wisst ihr nicht instinktiv, wie man ihn zubereiten kann. Daher müsst ihr jede Zutat und jedes Material im Forschungslabor genauer unter die Lupe nehmen, um die Strukturen kennenzulernen. Oft benötigt ihr mehrere Einheiten einer Zutat, um sie erfolgreich zu erforschen, weswegen ihr zu Beginn alles einstecken solltet, was ihr in die Finger bekommt.


Habt ihr eure gesammelten Schätze erforscht, könnt ihr Tränke herstellen oder sie zu Gerichten verkochen. Denn in The Serpent Rogue müsst ihr auch immer darauf achten, dass ihr genug gegessen habt, ehe ihr euch wieder ins Abenteuer stürzt. Fröhliches Herumexperimentieren ist zwar erwünscht, jedoch kann es ohne Rezepte gut passieren, dass ihr eure hart gesammelten Zutaten verliert und nur grüne Grütze herstellt, die weder schmeckt noch sonst irgendwelchen Nutzen mit sich bringt. Ein Vorteil ist hier, dass die meisten Zutaten beim Wechsel des Ortes wieder nachgewachsen sind, sodass ihr vor allem zu Beginn fröhlich herumexperimentieren könnt. Rezepte findet ihr ebenfalls überall in der Welt, wo wir wieder beim Erforschen der Gegend sind, was die meiste Zeit in Anspruch nimmt. Doch es gibt auch viel zu entdecken und manche Dinge, die ihr für den weiteren Spielverlauf braucht, findet ihr auch nur, wenn ihr eure grauen Zellen anstrengt. Daher ist euer Entdeckungsdrang doppelt gefordert, wenn es in die Welt hinaus geht.


Die Verderbnis ist euch stets auf den Fersen.

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Schließlich führt euch euer Weg in die Einöde, die dunkel, gefährlich und von der Verderbnis bereits heimgesucht wurde. Hier findet ihr zwar viele nützliche Zutaten und Gegenstände, jedoch auch fiese Gegner, die es zu Beginn noch in sich haben. Hier kann ein Rattenbiss bereits euer Todesurteil bedeuten, weswegen ihr euch immer bedacht bewegen solltet. Doch zum Glück gibt es auch hier passende Hilfsmittel und Waffen, wodurch ihr euch zumindest ein bisschen sicherer bewegen könnt. An dieser Stelle kommen schließlich die gebrauten Tränke ins Spiel, denn die geben euch nicht nur nützliche Buffs oder ähnliche Vorteile, ihr könnt auch Tiere zähmen, die an eurer Seite kämpfen oder ihr werdet selbst zum Tier. Letzteres hat einen bedeutenden Vorteil, wenn es ums Entdecken geht, denn als Ratte passt ihr zum Beispiel auch in die kleinen Löcher, um versteckte Gegenstände oder Zutaten zu finden. Eure Tierfreunde wiederum müsst ihr füttern und an einem sicheren Ort unterbringen, damit die Verderbnis sie nicht auch noch heimsucht. Eure Tiere richtig zu versorgen erfordert ebenfalls, dass ihr euch auch mit der Tierwelt in The Serpent Rogue genauer auseinandersetzt, da jedes Lebewesen anders tickt und auch seine eigenen Bedürfnisse hat.


Die ersten Kämpfe gestalten sich noch schwierig und eher unspektakulär. Auch im Verlauf des Spieles waren die Kämpfe eher ein notwendiges Übel, da das Erkunden viel mehr Spaß gemacht hat und auch einfach im Fokus des Spiels steht. Die Kämpfe werden zwar etwas spannender, wenn man gezähmte Tiere mit sich führt, allerdings liegt in The Serpent Rogue der Fokus deutlich woanders. Eine weitere Sache, die ihr hinnehmen müsst, ist, dass ihr nicht an die Hand genommen werdet und das meiste selbst herausfinden müsst. Man bekommt zwar kleine Informationen von NPCs und es werden euch auch Dinge wie das Forschungslabor oder das Kochen erklärt, dennoch ist man größtenteils auf sich alleine gestellt. Daher kommt es auch nicht selten vor, dass man einfach stirbt, da noch ganz andere Dinge da draußen auf einen warten, vor denen man nicht unbedingt gewarnt wird.


Viele Gebiete warten darauf, von euch erforscht zu werden.

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Die Verderbnis ist ein stetiger Begleiter von euch und greift auch in Form eines Verderbnissturms einfach aus dem Nichts an. Dieser streckt euch nieder, ohne das ihr irgendwas dagegen tun könnt. Diese Stürme werden allerdings auch durch ein kleines Infofenster angekündigt, weswegen ihr euch schnell in Sicherheit bringen solltet, wenn ihr könnt. Schafft ihr es nicht, werdet ihr vom Sturm mitgerissen und sterbt. Doch Sterben gehört zum Spiel dazu und wie man es bereits von anderen Spielen kennt, werdet ihr zwar an einen sicheren Ort zum Wiedererwachen gebracht, eure Beute und euren Forschungstisch müsst ihr jedoch selbst wieder holen. Denn wie es das Schicksal so will, liegt euer Loot natürlich an dem Ort, an dem ihr ins Gras gebissen habt. Sterbt ihr noch einmal, ist euer gesamtes Hab und Gut fort und ihr fangt bei null an. Oder in diesem Fall beim Bestatter, der sich um die Verlorenen und Gefallenen kümmert.


Hier kommen noch mal die Lagermöglichkeiten ins Spiel, denn alles, was wirklich wichtig ist, solltet ihr stets wegräumen, sodass euch die Sachen nicht verloren gehen. Zwar könnt ihr euren Forschungstisch selbst wieder herstellen, jedoch sind die Ressourcen vor allem zu Beginn nur mühselig zu beschaffen. Außerdem könnt ihr nur ein bestimmtes Gewicht mit euch herumtragen, wodurch ihr eh schauen müsst, wohin mit dem überflüssigen Kram. The Serpent Rogue zwingt euch so gesehen, euch zu entscheiden und das zieht sich durch alle Ebenen des Spiels. Denn jede Entscheidung hat ihre Konsequenz, und während es bei verlorenen Materialien nach einem Tod bleibt, sind andere Entscheidungen weitaus gravierender. Habt ihr nämlich zu viele Tiere gezähmt und haltet sie an einem Ort, werden ihr von blutrünstigen Schnittern heimgesucht. Das gleiche gilt für Leichen, die ihr nicht rechtzeitig begrabt, denn dann habt ihr nervige Ghule am Hals hängen.


Die Karte bietet euch eine gute Übersicht und eine Schnellreiseoption.

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Um trotz allem den Überblick zu behalten, habt ihr ein äußerst nützliches Notizbuch dabei, das nicht nur all eure Forschungsergebnisse festhält, sondern auch als Questlog dient. Unterteilt ist es in die Zutatenliste, ein Bestiarium und eure Missionen und Aufträge, die ihr am ehesten im Blick behalten solltet. Denn nur über sie erfahrt ihr, was ihr als Nächstes zu tun habt und wo euch das Spiel hinführt. Das Buch ist auch recht übersichtlich gestaltet, jedoch ist es im Handheld-Modus wirklich sehr winzig. Die Schriften sind sehr klein und die wunderschönen Skizzen kommen erst auf einem großen Bildschirm wirklich zur Geltung. Das gleiche gilt leider auch für die Karte, die euch zwar eine gute Übersicht gibt und euch das Schnellreisen ermöglicht, jedoch ist auch dort alles recht klein gehalten.


Highlights des Spiels sind auf jeden Fall die generelle Atmosphäre, die Grafik und die Musik, die wunderbar ineinandergreifen und dem Spiel etwas Besonderes verleihen. Leider hatte ich während meines Spielverlaufs manchmal mit Frameeinbrüchen zu kämpfen und es ruckelte, was auf Dauer etwas den Spielspaß stört. Meist war es aber in Gegenden, wo viel zu berechnen ist, weil sich einfach viel auf dem Bildschirm tummelt. Interessant fand ich auch eine kleine Übersicht im Menü, in der eure Tode, eure gebrauten Tränke, gesammelte Münzen und mehr Fakten gesammelt werden. Hier könnte man bei einem zweiten Durchlauf schauen, dass man die Werte möglichst gering hält.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Kerstin Steiner

Während The Serpent Rogue viele Spieler durch seine Atmosphäre begeistern wird, sollte man sich dennoch bewusst machen, dass hier das Entdecken und das Crafting im Mittelpunkt steht. Das bedeutet, dass man viel umherläuft und Zutaten sammelt. Zurück im Lager verarbeitet man seine Funde und lagert sie ein, bevor es dann erneut auf die Erkundung geht. Das wird für manche wohl zu eintönig sein und für andere ein wahres Fest. Denn das Craften hat deutlich mehr Tiefgang als in anderen Spielen und dadurch, dass die Welt so liebevoll und detailreich gestaltet ist, macht das Erkunden und Entdecken so viel Spaß, sodass man einfach die Zeit vergisst. Hinzu kommt eine einzigartig düstere Atmosphäre, die gespickt von Absurditäten ein besonderes Erlebnis bietet. Wenn man auf große Kämpfe aus ist, sollte man lieber zu einem anderen Spiel greifen. Wenn man jedoch voll und ganz darin aufgeht, Dinge zu sammeln, sie zu erforschen und bereit ist, sich auf die Welt einzulassen, ist man mit The Serpent Rogue mehr als gut bedient.
Mein persönliches Highlight: Die düstere Atmosphäre, die absurden Gestalten und Gegenstände sowie der Grafikstil.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 1

  • Pascal Hartmann

    I'm not a cat

    Irgendwie finde ich das Spiel ja interessant, weil der Fokus so auf dem Erkunden liegt. Aber das Sammeln und Crafting zieht es für mich dann wieder runter.