Mit sieben Leben im Kugelhagel

Immer mal wieder darf man ein Spiel testen, bei dem man am Ende denkt: Was in aller Welt war das? In genau diese Kategorie fällt der Action Shooter Wildcat Gun Machine, das erste Spiel vom Entwicklerteam Chunkybox Games. Im Nintendo eShop ist es derzeit für 15 Euro zu haben und wird dort vom Publisher Daedalic Entertainment vertrieben. Daedalic sollte den meisten von euch vielleicht bekannt vorkommen, zum Beispiel durch großartige, storylastige Spiele wie Deponia oder Harveys neue Augen.


Die (nicht vorhandene) Story dreht sich wohl um die Rettung großer Mechs.

© Daedalic Entertainment

Umso verblüffender ist es, dass Wildcat Gun Machine gänzlich ohne Story zurechtkommt. Ohne große Vorworte oder Cutscenes werdet ihr direkt in das Spielgeschehen reingeworfen. Ihr übernehmt die Steuerung einer weißhaarigen jungen Frau mit Augenklappe, die aus unerklärlichen Gründen mit Hilfe von Katzen wiedergeboren werden kann. Das Spiel unterteilt sich hierbei in mehrere Akte, die alle labyrinthartig aufgebaut sind. Im Zentrum dieser Labyrinthe befindet sich jeweils ein Speicherpunkt, an dem ihr auch mit gefundenen Knochen Verbesserungen für eure Pistole oder Fähigkeiten erwerben könnt.


Im Labyrinth selbst wollen zwei Minibosse von euch besiegt werden, um schließlich das Tor zum Endboss zu öffnen. Doch bevor ihr zu den Minibossen vordringen könnt, müsst ihr diverse Kammern mit Gegnern und Fallen durchwandern sowie mehrere Schlüssel auftreiben. Begleitet werde ihr hierbei von eurer treuen Pistole. Diese besitzt einen unendlichen Munitionsvorrat und stellt eure Standardwaffe dar. Daneben können noch 40 verschiedene Zweitwaffen gefunden werden, wovon ihr allerdings immer nur eine gleichzeitig mit euch nehmen könnt. Diese Waffen unterscheiden sich in ihrer Wirkung und Munitionskapazität stark und können leider auch nicht verbessert werden. Hier zeigt sich bereits eine der Schwächen des Spiels. Die neuesten Waffen sind nämlich immer die Stärksten und hängen alle vorherigen Waffen mühelos ab. Es gibt also keinen Grund, auf ältere Waffen zurückzugreifen. Ich hätte mir hier gewünscht, die Waffen ebenfalls verbessern zu können, um so strategischer für die Bosskämpfe gewappnet zu sein.


Neben den Feuerwaffen besitzt ihr noch Handgranaten. Hier wird in der Regel nach dem ersten Miniboss jedes Aktes eine neue Art von Handgranaten freigeschaltet, die euch taktische Vorteile geben können. So fügt die erste Handgranate einfach nur Flächenschaden zu, während andere beispielsweise eine Sogwirkung haben und so Gegner für kurze Zeit zusammentreiben. Für die Handgranaten habt ihr einen unendlichen Vorrat, müsst jedoch zwischen jedem Wurf etwas Zeit vergehen lassen. Als letzte Bewaffnungskomponente kommt noch die Gunmachine dazu. Hierbei handelt es sich um eine Spezialfähigkeit, für die ihr zuerst euren Powerbalken durch Gegnerkills auffüllen müsst. Danach könnt ihr kurzzeitig in euren Mech-Anzug steigen und wild um euch feuern. Während dieser Zeit seid ihr unverwundbar und besitzt enorme Feuerkraft. Im Laufe des Spiels lassen sich ebenfalls verschiedene Arten der Gunmachine freischalten, wobei auch hier kein Anreiz geboten wird, wieder auf ältere Modelle zurückzugreifen.


Hoffentlich habt ihr eine gute Reaktionsgeschwindigkeit. Euer Leben ist begrenzt und der Kugelhagel unerbittlich.

© Daedalic Entertainment

In den Kämpfen gilt es häufig einfach nur dem Kugelhagel bestmöglich auszuweichen und gleichzeitig möglichst schnell und viel Schaden an euren Feinden zu hinterlassen. Viel taktischer Tiefgang ist hierbei leider nicht gegeben. Als wachsende Schwierigkeit wirft euch das Spiel immer noch mehr Gegner entgegen, die immer noch mehr Treffer einstecken können. Dieses Vorgehen kennt man in der Regel eher von prozedural generierten Spielen und nicht von händisch gestalteten Dungeon-Crawlern. Solltet ihr dann im Kugelhagel doch mal das Zeitliche segnen, ist dies auch nicht weiter tragisch. Ihr habt dann die Wahl, ob ihr am zentralen Speicherpunkt wiederbelebt werden wollt (hierbei werden alle Gegner ebenfalls wiederbelebt) oder ob ihr direkt vor der gescheiterten Begegnung auf Kosten einer Katze wiederbelebt werden wollt. Von diesen Katzen habt ihr zu Beginn nur eine, könnt aber im Laufe des Spiels über Knochen weitere erwerben. Berührt ihr außerdem den Speicherpunkt, so werden alle verbrauchten Katzen wiederhergestellt. Auf diese Weise ist es möglich, sich einfach direkt vor der Begegnung wiederbeleben zu lassen und bei Katzennotstand kurz zurück zur Speichersäule zu laufen.


Die technische Umsetzung sieht sehr solide aus. Das Spiel bietet eine ansprechende 2D Grafik und in jedem Akt unterschiedliche Gegner, die sich in ihrem Aussehen unterscheiden und zum jeweiligen Akt gut passen. Zwar ist keine Sprachausgabe vorhanden, aber da es keine Story oder Cutscenes gibt, dürfte das auch ziemlich egal sein. Die Bildschirmtexte sind vollständig auf Deutsch.

Unser Fazit

4

Erträglich

Meinung von Philipp Freibauer

Für Genrefans, die schon vom Kugelhagel in Enter the Gungeon nicht genug bekommen haben, könnte Wildcat Gun Machine tatsächlich etwas sein. Zwar ist das Spiel nicht besonders lange, allerdings könnte es als Überbrückung bis zum nächsten großen Highlight ausreichen. Für Bewegungslegastheniker wie mich passiert einfach zu viel auf dem Bildschirm. Gerade in den höheren Leveln tauchen so viele Gegner gleichzeitig auf, dass jeder Raum nur zur Qual wird. Normalerweise hilft mir dann eine gute Story, das Spiel dennoch zu Ende zu bringen. Diese fehlt aber natürlich ausgerechnet hier. Das Spiel hat zwar keine technischen Probleme, allerdings hapert es dafür für meinen Geschmack zu viel am Gameplay.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 2

  • ButterKnecht

    Turmknappe

    Irgendwie macht das überhaupt keinen Sinn das es jemand testet der keinerlei Berührungspunkte mit Shmups hat. Und das merkt man in jeder Zeile....

  • Solaris

    Der mit dem Yoshi tanzt

    Kommt definitiv auf meine Muss-ich-nicht-gespielt-haben Liste. :thumbup: ;)