Wer Augen so blau wie seine eigenen austeilt ...

Drei Generationen an Heimkonsolen hat es gedauert, aber heute schlägt Kao (wie das englische "K. o." ausgesprochen) buchstäblich zurück. Tate Multimedia bringt das kultige Känguru auf moderne Plattformen und interpretiert die Reihe unter dem schlichten Namen Kao the Kangaroo neu. Das bedeutet ebenfalls, dass die Handlung komplett unabhängig der anderen Teile spielt und keinerlei Vorkenntnisse notwendig sind. Nach unserer vorangegangenen Vorschau zur Beta-Demoversion für Steam, die das zweite Level zur Schau stellte, liefern wir euch heute unseren vollwertigen Spieletest, dieses Mal für Nintendo Switch.


Das richtige Werkzeug für die richtigen Fäuste


Im Schlaf geplagt: Kao wird von einem Albtraum nach dem anderen gejagt. Und jedes Mal scheint in diesen seine Schwester Kaia verwickelt zu sein. Doch der Letzte fühlte sich anders an als die anderen. Besorgt erwacht, möchte Kao mit Erlaubnis seiner Mutter seinen Kampf-Coach Walt um Rat fragen. Und so beginnt auch schon der Trip ins erste Level. Diese Reise macht euch mit diversen Charakteren bekannt, wie etwa Gadget, einem altbekannten Pelikan-Kumpel oder dem Boss eines Unternehmens, der neuerdings ... Energydrinks herstellt? Alles begleitet von Zwischensequenzen und optionalen Dialogen mit einem ebenso großartigen wie auch neumodischem Humor und zahlreichen Anspielungen. Alles in der Hoffnung, nicht nur Kaia, sondern auch euren verschollenen Vater Koby zu finden.


Geschickte Ausrede oder verzweifeltes Argument?

© Tate Multimedia

Kao the Kangaroo ist kein bloßes Jump 'n' Run, bei dem ihr über Abgründe hopst und vielleicht mal einem Widersacher mit einem Sprung die Birne staucht. Der Kampfsport, wofür Kao schließlich leibt und lebt, machen diesen 3D-Plattformer zu etwas eigenem. Zwar gehören Stampfattacken und Lufthiebe zu seinem Repertoire dazu, aber meistens werden die Schlägereien Boden-zu-Boden ausgetragen. Mit einfachen Kombos, bestehend aus mehrmaligem Drücken der Y-Taste, zeigt ihr zahlreichen Gegnern wie Frösche oder Affen, wo der Hammer hängt. Den Löffel geben sie auch gerne ab, sobald ihr mit einer gefüllten Kombo-Leiste die X-Taste drückt und so einen besonders starken Hieb mit Flächenschaden entfesselt.


Nicht nur Gegnern verpasst ihr damit blaue Flecken, auch zahlreiche Teile der Kulisse lassen sich von euch zerlegen, um so an die Währung namens 'Dukaten' zu gelangen oder auch ein paar Geheimgänge zu entdecken. Das alles klingt zwar ganz spannend, aber erfahrene Spieler sollten wissen, dass der Schwierigkeitsgrad definitiv an jüngere Spieler orientiert ist. Auch die Bosskämpfe werden meines Erachtens eher leichter als schwerer, auch wenn die Gestaltung immerhin besser wird.


Für diese Kunststücke bedient sich Kao einem Paar besonderer Handschuhe – die Ewigen Handschuhe. Besser gesagt gibt es in diesem Spiel eine Menge, was auf den Begriff “Ewigkeit” hört. Aber grundsätzlich haben wir es hier mit einer kleinen Bereicherung des Gameplays zu tun. So fügen unter anderem die Ewigen Kristalle, welche sich mit der Ewigen Welt verbinden, neue Objekte der Umgebung hinzu. Es können aber auch zusätzliche Gegner sein, um euch etwas zu fordern. Eine Rückkehr feiern die Bumerange, die nun ebenso der Ewigkeit entstammen. Die Ewigen Handschuhe machen euch auch mit den elementaren Aufladungen, Feuer, Eis und Wind (was sich eher wie Elektro anhört) bekannt. 'Bekannt' trifft es gut, denn ja, sie sprechen mit euch. Zu viele Jayabomben getrunken? Vielleicht. Doch die Aufladungen geben ebenfalls etwas Pepp ins Geschehen. Im Endeffekt erlaubt jede Ladungsart eine Aktion, die den anderen vorenthalten ist. Diese belaufen sich oft auf das Öffnen von Pfaden oder das Verschieben von Objekten. Führt ihr so eine Aktion aus, wird die entsprechende Ladung verbraucht. Benötigt ihr eine solche Aufladung, ist sie in der Regel immer in der Nähe zu finden.


Ob Umgebung oder Gegner: Eure Fäuste regeln das schon.

© Tate Multimedia

Interessant sind auch die Ewigen Brunnen. Von diesen gibt es insgesamt 14 Stück; meistens sind zwei pro vollwertiges Level verteilt. Diese Brunnen sind quasi sub-instanzierte Level und enthalten nach mehr oder weniger kurzen Herausforderungen und Spielereien diverse Kristalle und Truhen, die nicht zur Statistik des übergeordneten Levels gehören. Jeder von euch gefundene Ewige Brunnen kann anschließend auch in den Hub-Level wiederholt gespielt werden. Ihr müsst also nicht andauernd die Orte aufsuchen, an denen ihr sie das erste Mal gefunden habt.


Das schlichte aber schöne Leveldesign ist weder Hexenwerk noch Raketenwissenschaft. Die Spielwelt ist in vier Kapitel eingeteilt, die man auch grob in Biomen aufteilen könnte. Jedes Kapitel hat ein Hub-Level, worin ihr euch größtenteils frei bewegen könnt. Ausgehend hiervon könnt ihr die eigentlichen Level erreichen. Doch auch diese Hub-Level bieten euch einige auffindbare Sammlerstücke oder können unvorsichtigen Füßen gefährlich werden. Außerdem gibt es in jedem Hub-Level einen Laden, der euch einige Erwerbsstücke, wie beispielsweise Herzfragmente, anbietet. Dazu gesellt sich ein Kleiderschrank. Nach und nach schaltet ihr neue Outfits und Kopfbedeckungen frei, die sich anschließend gegen Dukaten einkaufen lassen. Und ja: Unter den Outfits findet ihr sogar einen Retro-Kao, wie den aus dem Screenshot meiner Vorschau. Nur von lebhaften Gesichtsausdrücken scheint er nichts zu halten.


Die Umgebung der einzelnen Level hingegen ist in Kao The Kangaroo linear gestaltet. Und wenn ihr mal auf eine Abzweigung stoßen solltet, dann handelt es sich dabei wohl um einen abgelegenen Pfad, der gegebenenfalls zusätzliche Herausforderungen, aber stets auch weitere Belohnungen bereithält. Apropos Belohnungen. Wie schon erwähnt, handelt es sich bei Kao the Kangaroo um einen 3D-Plattformer für Sammelfreudige. Und nicht nur die bloße Menge an Loot ist beeindruckend, sondern auch die Anzahl der Typen an Gegenständen. Es folgt eine Auflistung darüber, was es so alles zu finden gibt:

  • Kristalle: Existieren. Einfach so.
  • "KAO"-Buchstaben: Bezwecken nichts besonderes, können aber Voraussetzung für das Erhalten von Kleidungsstücken sein. PS: Die Kongs haben angerufen.
  • Runen: Werden zum Öffnen neuer Level benötigt. Banjos Puzzleteile lassen grüßen.
  • Herzfragmente: Sammelt vier und eure maximalen Herzen (Gesundheit) werden um eins erhöht. Dürfte so manchem Abenteurer ebenfalls bekannt vorkommen.
  • Schriftrollen: Sie decken neue Einträge in der Kaopädie auf. Dabei handelt es sich um Hintergrundwissen zu Orten oder Charakteren.


Genug für alle da


Das sind ziemlich viele Gegenstände, die es zu finden gilt. Zu viele? Hin und wieder habe ich den Sinn einiger Teile infrage gestellt. So etwa bei den Runen: Sie werden gebraucht, um die Level zu öffnen. Gut. Allerdings weist die Erzählung der Geschichte gezielt auf die nächste Aktion hin, sodass die Reihenfolge der Level festzustehen scheint. Dazu kommt, dass es Runen gibt, die erst später in den Hub-Leveln erscheinen und somit erhalten werden können, obwohl ihr Standort schon früher erreichbar war. Es gibt hin und wieder die Möglichkeit, dass ihr die Entscheidung trefft, ob ihr Level A oder B zuerst spielt, aber die Freischaltung der Level hätte man auch an den Abschluss der vorangegangenen Level knüpfen können. Auch die Kristalle und KAO-Buchstaben scheinen nicht mehr zu tun, als euch bei dem Erreichen der 100%-Marke zu unterstützen.


Kommen wir zu dem üblichen Problemkind: Die Technik. Optik und Leistung erachte ich grundlegend als fair gelöst, auch wenn das Gesamtbild deutlich besser ausfallen könnte. Die Framerate ist mit 30 Bildern pro Sekunde zunächst stabil – richtig, 'zunächst'. Denn aus irgendeinem Grund scheint mir das Spiel unter dem Problem zu leiden, dass die Leistung sich immer weiter in die Knie zwingt, je länger die Software am Stück läuft. In sehr seltenen Fällen gibt es im späten Spielverlauf sogar enorme, spontane Einbrüche. Manche grafischen Details, wie die Schattenkaskadierung, sind zwar stark reduziert, helfen aber anderen Aspekten nicht zu sehr zu leiden.


Die Level konfrontieren euch gern mit neuen Spielereien.

© Tate Multimedia

Das getrübte Gesamtbild ist aber nicht dem Spiel direkt verschuldet: Die Unreal Engine ist ein mächtiges Werkzeug und es gibt schon so einige darauf basierende Titel auf der Nintendo Switch. Und fast all diese Spiele werden auf der Hybrid-Konsole von Einbußen bezüglich Grafik und Leistung geplagt, gerade im Vergleich zu manch anderen Spielen auf derselben Konsole. Dazu kommt ein kleiner Störfaktur an der 720p-Auflösung. Diese wirkt sich nicht nur auf das gerenderte 3D-Bild aus, sondern betrifft auch das Interface selbst. In vielen Spielen haben zumindest Menüs und HUD eine Auflösung von 1080p, auch wenn die Spielauflösung eigentlich niedriger ist.


Doch was ebenso auffällt, ist das fehlende Polishing. Die Optimierung. Ich bin während des Verlaufs auf unzählige kleine Ungereimtheiten gestoßen, die meistens mit Animationen, Sammelobjekten, Fehlreaktionen (schlage Objekt A, Objekt B zerbricht auf Abstand ebenfalls) oder Soundfehlern (Geräusche, die nicht (mehr) hätten spielen sollen; oder aber vertauschte Soundeffekte) zu tun haben. Einige davon sind vermutlich rein auf die Nintendo Switch-Version beschränkt, andere gibt es wahrscheinlich auf allen Plattformen. Von all diesen Dingen müssen wir uns aber nicht weiter beirren lassen, denn die meisten haben keine großen Auswirkungen auf das Geschehen. Das größte Problem kommt erst noch.


Diesen Absatz hätte ich mir durch Bereitstellen eines Patches seitens der Entwickler gerne erspart. Die Ewigen Brunnen können auf Nintendo Switch fatal enden. Zum technischen Verständnis: Das Spiel nutzt ausschließlich eine automatische Speicherfunktion, andere Speichermethoden gibt es nicht. Aufgrund der technischen Instabilität ist mir das Spiel während des vierten Levels abgestürzt – vermutlich als Folge der ständig zunehmenden Ruckler. Doch als ich das Spiel wieder startete, fand ich mich im zweiten Level wieder. Mir ist aufgefallen, dass alle Sammelgegenstände bis zum ersten Ewigen Brunnen erhalten geblieben sind. Alle danach waren weg. Rechnen wir hier Eins plus Eins zusammen, kommen wir wohl zu dem Entschluss, dass das Betreten eines Ewigen Brunnens die Autosave-Funktion lahmlegt, bis die Software neu gestartet wurde. So beendete ich das Spiel letzten Endes mit fast 100 Prozent; ausgenommen die Ewigen Brunnen, deren Fundorte ich mir zwar notiert habe, die ich allerdings aufgrund des Fehlers übersprungen habe.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Maik Dallherm

Kao the Kangaroo gibt sich viel Mühe, um ein tolles Comeback zu landen. Der schlagkräftige 3D-Plattformer hat einen passenden Umfang für Jung und Alt, einen coolen Humor, ein hübsches Leveldesign und einen angemessenen, frustfreien Schwierigkeitsgrad. Spielelemente wie die Ewigkeit oder die Handschuhaufladungen geben dem Titel eine besondere Würze, sodass er sich von den Vorgängern abheben kann. Und wer viel sucht, findet nicht nur eine Menge Zeug, das wohl auch mehr oder weniger überflüssig sein kann, sondern sogar weitere Level. Und genau hier beginnt die, leider ziemlich wuchtige, Schattenseite. Zumindest auf der Nintendo Switch-Version müssen jene 'Ewigen Brunnen' aufgrund des zuvor beschriebenen Fehlers gemieden werden, um das Spiel überhaupt speichern zu können. Auch Ruckler oder kleine Patzer mangels Optimierung häufen sich, je weiter ihr im Spielverlauf vorankommt. Es bleibt zu hoffen, dass diese Probleme alsbald gelöst werden, denn rein inhaltlich halte Ich Kao the Kangaroo für einen reifen und spaßigen Titel.
Mein persönliches Highlight: "Wir kennen uns kaum und schon beleidigst du uns? Ich glaube, wir werden uns gut verstehen." – Ewige Handschuhe

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Die durchschnittliche Leserwertung

0 User haben bereits bewertet

Kommentare 10

  • BuckUbel

    Tower of Earth

    Oh schade, dass das Spiel so mit der Technik zu hapern scheint. Hatte mich echt darauf gefreut. Mal schauen ivh werd es mir schon holen, aber vielleicht doch nicht wie geplant gleich zu Release

  • Vala

    Turmknappe

    Nicht nur auf der Switch hakt es. Dann lasse ich die Finger von, Schade

  • Tabby

    Turmbaron

    Schade, da hatte ich mir mehr von erhofft.

  • Phantomilars

    Weltraummönch

    „Das kultige Känguru [...]“


    ...von dem ich hier und heute das erste Mal höre :dk:

  • VegetaBln

    Turmheld

    Bin auch froh, dass ich erstmal gewartet hab

  • Trifolium

    Tipp für alle, die Steam nutzen und Jump'n'Runs mögen:


    Kao the Kangaroo 2 kostet auf Steam nur 1,99€. Ist ein grund solides Jump'n'Run, das technisch rund läuft und Spaß macht. Es beinhaltet vieles, was man aus dem Genre von anderen Spielen kennt. Und wie immer das beste: Wenn es einem nicht gefällt, kann man es anstandslos zurück geben.


    Ich spiele es gerade seit einer Stunde und es für den Preis wie geschenkt.


    Phantomilars Stimme dir da zu. Richtig wäre noch die Bezeichnung "das damals kultige Jump'n'Run / Spiel". Aber selbst das wäre etwas weit her geholt und die Bezeichung kultig etwas ausgedehnt.

  • BrezelBrother

    Turmknappe

    Fuckkkk hätte ich mir gerne geholt, schade :)

  • Maik Dallherm

    Hüter aus der Zerrwelt

    Vielleicht nochmal sicherheitshalber für alle bloßen Zahlengucker angesprochen: Mit der technischen Reife wäre der Titel ein solider Achter. Das Spiel ist sehr gut, die Switch-Version weniger. Ich weiß nur nicht, welche Macken es noch auf den anderen Plattformen gibt. ;)

  • WalkerGP6

    Turmheld

    Maik Dallherm Tja leider habe ich das Problem ebenfalls. Ich starte immer wieder bei Level 2 wenn ich das Spiel neu starte. Kann man das Problem iwie lösen? Mir bleibt wohl nichts anderes über als auf in patch zu warten. Es bringt ja nichts weiterzuzocken wenn nichts davon am Ende gespeichert bleibt. Es ist nur noch zum brechen diese ständigen unfertigen/verbuggten Spiele....

  • Maik Dallherm

    Hüter aus der Zerrwelt

    Maik Dallherm Tja leider habe ich das Problem ebenfalls. Ich starte immer wieder bei Level 2 wenn ich das Spiel neu starte. Kann man das Problem iwie lösen? Mir bleibt wohl nichts anderes über als auf in patch zu warten. Es bringt ja nichts weiterzuzocken wenn nichts davon am Ende gespeichert bleibt. Es ist nur noch zum brechen diese ständigen unfertigen/verbuggten Spiele....

    Bevor ich auf den Nenner mit den Brunnen kam, hab ich stellenweise manuell das Level abgebrochen und zwischen Dorf und Dojo gependelt. Aber eigentlich sollte es sich erledigt haben, indem du wie gesagt die Ewigen Brunnen auslässt. Danach konnte ich ganz normal weitermachen. Vorher aber sicherheitshalber nochmal das Spiel neustarten.