Ein interaktiver Zeitvertreib mit gefühlvoller Geschichte

Wenn man sich ein wenig mit Kunst beschäftigt, weiß man, dass die meisten Bilder eine Geschichte erzählen. Nicht jede ist so bedeutsam wie andere und doch steckt in jedem Kunstwerk etwas, das es zu entdecken gilt. Das Gleiche kann man auch vom Kreativ-Adventure Behind the Frame: Das schönste Bild behaupten, denn die Protagonistin hat ihre Erinnerungen verloren und will sie mithilfe verschiedener Kunstwerke wieder zum Leben erwecken, während sie gleichzeitig ihr letztes Bild für eine Ausstellung fertigstellen muss.


Sammelt mehr Farben, um das Bild zu vervollständigen.

© Akupara Games

Ihr spielt aus der Sicht der aufstrebenden Künstlerin und verbringt die meiste Zeit des Spiels in ihrem Apartment, wo sie ein letztes Gemälde basierend auf einer Skizze fertigstellt. Was ihr jedoch schnell bemerkt, ist, dass nicht alle Farben, die für das Gemälde notwendig sind, vorhanden sind, weswegen eure Aufgabe zunächst darin besteht, die fehlenden Farben in der Wohnung zu finden. Doch zuerst könnt ihr selbst den Pinsel in die Hand nehmen und zumindest die ersten Flächen des Bildes ausmalen. Dazu müsst ihr immer wieder einen Blick ins Skizzenbuch werfen, um zu sehen, welche Farbe wohin gehört. Das Malen an sich ist recht leicht und auch wenn die Pinselführung mehr als ungenau vonstatten geht und ihr über die Linien malen könnt, füllt sich die entsprechende Fläche schließlich von selbst. Echte künstlerische Fähigkeiten sind hier nicht erforderlich. Auch das Skizzieren von Personen oder Gegenständen ähnelt eher einem Rubbellos, was man online freirubbeln kann, als einer echten Skizze. So müsst ihr nur den Bleistift oft genug über das Papier bewegen und die entsprechende Zeichnung erscheint.


Nach den ersten Malerfolgen könnt ihr die Staffelei erst einmal stehen lassen und euch im Apartment umsehen. Hier gibt es jede Menge zu entdecken, wobei ihr immer am gleichen Platz steht und euch mit dem rechten Analogstick im Kreis drehen könnt. So könnt ihr in Ruhe alles inspizieren und in gewohnter Point-and-Click-Manier mit Dingen interagieren. Dadurch erfahrt ihr immer mehr über die Künstlerin und könnt ihr sogar ein Frühstück und Kaffee in der Küche zubereiten, ehe es wieder zurück an die Staffelei geht. Was ihr als Nächstes machen müsst, wird euch in den meisten Fällen vorgegeben und es ist eigentlich immer recht offensichtlich, was der nächste Schritt ist. Dennoch gibt es manche Momente, in denen ihr ein wenig länger knobeln müsst, und vor allem gegen Ende der Geschichte müsst ihr noch gute Detektivarbeit übernehmen.


Welche Verbindung besteht zwischen den beiden Künstlern?

© Akupara Games

Doch warum überhaupt? Die Künstlerin sitzt mit ihrer Staffelei am Fenster und im gegenüberliegenden Apartment wohnen ein älterer Mann und eine rotbraune Katze. Auch er ist ein Künstler, der unsere Protagonistin jedoch durchgehend zu ignorieren scheint. Auch nette Begrüßungen können den Herren nicht dazu bringen, mit ihr zu sprechen, und schnell stellt man fest, dass es eine eigenartige Verbindung zwischen den beiden Künstlern gibt. Denn die Bilder, die er malt, finden sich auch in der Wohnung unserer aufstrebenden Künstlerin wieder und hier setzt die Detektivarbeit ein. Wie stehen die beiden zueinander und kennen sie sich vielleicht schon länger?


Erinnerungen werden nach und nach aufgedeckt und so auch die Hintergrundgeschichte der beiden enthüllt. Diese Zwischensequenzen erinnern sehr stark an die Arbeiten von Hayao Miyasaki, der mit seinen Studio Ghibli-Filmen eine ganz besondere Atmosphäre erschafft. Das schaffen auch die Entwickler des Spiels, auch wenn viele Aktionen im Spiel repetitiv sind und man der Protagonistin in der ersten Viertelstunde drei Mal das gleiche Essen zubereiten muss. Dennoch fesselt einen die gefühlvolle Geschichte an die Staffelei, auf der nach und nach neue Bilder entstehen oder bereits vorhandene Bilder den letzten Feinschliff bekommen. Darüber hinaus findet ihr überall kleine Notizzettel, die euch die Geschichte näher bringen, und je mehr verlorene Farben die Künstlerin findet, umso mehr erhält sie ihre Erinnerungen zurück.


Ohne ein gutes Frühstück kann auch eine Künstlerin nicht kreativ sein.

© Akupara Games

Behind the Frame: Das schönste Bild ist ein kurzweiliges Spiel, das man an einem Abend beenden kann. Die Geschichte hinter den beiden Künstlern bleibt jedoch länger im Kopf, was vor allem der wundervollen Erzählweise zu verdanken ist. Leider läuft das Spiel aber nicht ganz reibungslos und vor allem die Zwischensequenzen dauern länger als nötig. Hier sitzt man teilweise ein oder zwei Minuten vor einem gefühlt festgefrorenen Bildschirm, ohne dass sich etwas bewegt, ehe man wieder mit der Geschichte interagieren kann. Dadurch passiert es leider oft, dass man einmal zu oft klickt, das Spiel weiter geht und man erneut die gleiche Passage anhören muss, inklusive der Minute Wartezeit. In einer Zwischensequenz fing der Monolog mehrmals von vorne an, ehe sich die Geschichte letztendlich doch fortsetzte, und auch die Dialogtexte überlagerten sich manchmal, sodass man einen Teil davon nicht lesen konnte. Hier geht dann leider etwas von der Handlung verloren, da es keine Möglichkeit gibt, einen verpassen Dialog erneut zu lesen. Zwar habt ihr immer Zugriff auf das Skizzenbuch unserer Künstlerin, das sich stetig erweitert, aber andere Kommunikationswege kann man letztendlich nur einmal erleben.


Große Pluspunkte macht das Spiel aber mit seiner Grafik, der Umgebungsgestaltung, die sehr detailliert ist, und der wundervollen Musik, die euch im Hintergrund begleitet. Zwar sind die erwähnten Bugs nervig und sie kosten euch zusätzliche Minuten an der Konsole, allerdings konnte ich aufgrund der tollen kleinen Geschichte dann doch damit leben. Denn die Art und Weise, wie die Geschichte zum Leben erweckt wurde, überschattet die Fehler. Schön ist auch, dass es noch ein Zusatzkapitel gibt, nachdem man die Hauptgeschichte beendet hat, sodass man noch mehr Facetten der Geschichte erfahren kann.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Kerstin Steiner

Behind the Frame: Das schönste Bild ist definitiv kein Spiel, das großes Können von euch in irgendeiner Hinsicht verlangt, da die Rätsel und das generelle Gameplay sehr leicht sind und sich auch oft wiederholen. Zwar müsst ihr hier und da etwas puzzeln und knobeln, im Großen und Ganzen könnt ihr diese Hürden aber schnell hinter euch lassen. Allerdings gleicht die Geschichte dahinter einem von Studio Ghibli inspirierten Film, den man plötzlich neu in der Mediathek entdeckt und noch nicht gesehen hat. Das Spiel beschäftigt euch einen Abend lang und berührt einen darüber hinaus deutlich länger, da die Entwickler es trotz Bugs schaffen, dass man bis zum Ende und darüber hinaus spielen möchte. Vor allem der Detailreichtum in den verschiedenen Umgebungen ist großartig und erinnert stark an die vielen Orte, die auch schon Hayao Miyasaki auf den Bildschirm gezaubert hat. Hier steht definitiv die Geschichte der beiden Künstler im Vordergrund und beim Drumherum muss man manchmal zwei Augen zudrücken.
Mein persönliches Highlight: Die gefühlvolle Geschichte und die wunderschöne Musik

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