Wie meine Nintendo Switch zu einem Zombie wurde

Zombies, Weltuntergang und der Kampf um das Überleben. Es ist keine neue Entwicklung, dass verschiedenste Medien mit diesem Thema versuchen, Konsumenten zu faszinieren, anzuwidern und zu fesseln. Nach den bahnbrechenden Erfolgen von The Walking Dead als Serien-Franchise und Resident Evil als Franchise, das sich im Gaming-Bereich einen großen Namen geschaffen hat, gehören Zombies zu einem beliebten Thema in Horror-Games. Was nun aber passiert, wenn man Zombies mit Landwirtschaftssimulationen wie Harvest Moon mischt, ist bisher nicht wirklich intensiv erforscht worden. DEADCRAFT hat sich eben diese beiden Themen auf die Fahne geschrieben und einen recht eigenwilligen Hybriden geschaffen. Was an diesem Experiment gelingt und wieso das Spiel letztlich selbst nur ein untotes Game auf der Nintendo Switch ist, erfahrt ihr in diesem Test.


Es sieht zwar schäbig aus, bietet aber alles, was man zum Überleben braucht.

© Marvelous Inc.

Die Handlung von DEADCRAFT ist simpel: Die Welt ist durch die Hand der Menschen untergegangen. Die Rache der Natur kommt aus dem All. Ein Meteorit mit einem mysteriösen, neuen Virus befällt tote Menschen, welche sich dann in Zombies verwandeln. Dabei befällt das ZIV-Virus nur die Toten, nicht die Lebenden. Da der Planet momentan sehr lebensfeindlich ist, sterben Menschen wie die Fliegen, sodass entsprechend viele Leichen unterwegs sind.


Viele Jahre nach der Ankunft des Virus kommt ein Halb-Zombie zur Welt und überlebt den Kampf in der Wildnis. Reid, so heißt unser ungewöhnlicher Geselle, ist als Erwachsener auf der Suche nach Rache und Antworten, denn sein Wegbegleiter ist in einem der letzten Bollwerke menschlicher Zivilisation verstorben. Durch seine ungestüme Art wird Reid gefangen und gefoltert, kann aber letztlich entkommen. Hier beginnt für euch das Spiel – mit Zombiekräften, Landwirtschaft und gruseligen Experimenten versucht ihr das Rätsel rund um die Arche, dem besagten Bollwerk, zu lüften und eure Rache mit einer eigens gefertigten Zombie-Armee zu vollziehen.


Das Spiel setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen, welche ineinander fließend übergehen. Ihr spielt Reid, welcher versucht, einen Weg zurück in die Arche zu finden. Er strandet zunächst in einer baufälligen Hütte, welche euer neues Zuhause darstellen soll. Dort könnt ihr gärtnern, craften und euch ausruhen. Außerhalb eures Heimes findet ihr ein kleines Ödland, welches ins Armenviertel führt. In diesem Ödland seht ihr andere Menschen, Zombies und allerlei Müll, den es einzusammeln gilt.


Ihr seht das Spiel aus der Third-Person-Perspektive. Dabei ist die Kamera weit oben und ihr blickt auf die Welt. Mittels Joysticks bewegt ihr Reid und dreht die Kamera. Mit ZR könnt ihr Standard-Angriffe mit der ausgerüsteten Handwaffe ausführen. Ihr könnt auch ausweichen oder eure besonderen Fähigkeiten aktivieren. Wie bereits erwähnt, ist Reid ein Halb-Zombie – sehr selten anzutreffen und ungeheuer mächtig. Er kann die Kraft eines Zombies aktivieren und damit verheerende Angriffe auslösen. Außerdem erhöht seine Zombiekraft auch sein Durchhaltevermögen.


Mit euren Zombie-Fähigkeiten zerfetzt ihr jeden Gegner.

© Marvelous Inc.

Alles hat aber seinen Preis: Seine menschliche und seine untote Seite sind im ewigen Kampf um die Vorherrschaft. Konsumiert Reid menschliche Lebensmittel, so stärkt es seine menschliche Seite, aber seine Untote Seite wird schwach und kann keine Macht mehr geben. Dafür ist aber eure Verteidigung höher. Wenn ihr aber Produkte konsumiert, welche mit dem ZIV-Virus in Kontakt gekommen sind, dreht sich der Effekt um. Je stärker der Zombie in Reid, desto höher ist eure Lebenszahl. Ihr könnt damit auch mächtige Angriffe nutzen und alles und jeden in die Knie zwingen. Ihr büßt aber dafür eure Verteidigung ein und zu viel Zombiekraft lässt euch selbst zum Zombie werden, sodass Menschen euch angreifen.


Die neue Welt ist aber auch ohne das Zombie-Problem unerbittlich. Nahrung und Wasser sind Mangelware und Verhungern oder Verdursten sind eine reale Gefahr in diesem Spiel. So habt ihr verschiedene Anzeigen, welche den Hunger, Durst, Lebenspunkte und die Energie darstellen. Wenn ihr verhungert oder verdurstet, sterbt ihr. Kurz vor dem Tod werdet ihr auch nur noch langsam laufen können oder weniger sehen. Habt ihr keine Energie mehr, verliert ihr mit jeder Aktion Lebenspunkte, bis ihr sterbt. Umgehen lassen sich diese Dinge durch Nahrung, die ihr anbauen, finden oder kaufen könnt. Im Haus könnt ihr auch eure Lebenspunkte und die Energie wiederherstellen. Nur wer genügend gegessen und getrunken hat, wird ausreichend Regeneration im Schlaf finden. Geht ihr hungrig ins Bett, werdet ihr am nächsten Tag auch weniger Energie haben. Dieses Element macht das Spiel ungeheuer authentisch und spannend.


Ebenfalls positiv hervorzuheben ist die Waffenauswahl, welche sich im Laufe des Abenteuers stetig vergrößert. Durch das Erlernen neuer Fähigkeiten im Fähigkeitenbaum könnt ihr neue Waffen mit Material herstellen. Ein besonders witziges Schmankerl ist der Rasentrimmer, welcher ein wirklich blutiges Fest für die Augen schafft. Apropos Fest für die Augen: Hin und wieder bekommt ihr auch eine epische Tötungsanimation zu sehen. Da spritzt das Blut schon fast durch den Bildschirm in euer Gesicht.


DEADCRAFT hat viele verschiedene Ideen, die es unbedingt einarbeiten wollte. Neben eines abgespeckten Farmsimulators bekommen wir auch einen Fähigkeitenbaum und ein Crafting-System. Diese Dinge sind eher zweckdienlich und bieten lediglich die Möglichkeit viel zu farmen, um in der Kampagne oder den Nebenmissionen voranzukommen. Dabei haben die Entwickler zusätzlich ein Zeitsystem implementiert: Ihr habt eine Uhr, die die aktuelle Uhrzeit und den Tag anzeigt. Je nach Tages- und Wochenzeit, ändern sich die Interaktionsmöglichkeiten in der Stadt. Monate gibt es nicht – leider wirkt dieses Gimmick eher einfach und nicht voll ausgeschöpft.


Hier lassen sich allerlei Fähigkeiten freischalten. Werdet zum ultimativen Halb-Zombie!

© Marvelous Inc.

Meine Nintendo Switch dagegen ächzte unter dem Spiel, wie ich es nur selten gesehen habe. Wenn ihr zum Beispiel das Taschenmenü öffnet, könnt ihr nur sehr langsam die einzelnen Items ansehen. Ein Befehl des Joy-Cons nimmt das Spiel dann sehr langsam auf und wirkt insgesamt überfordert. So kann es sein, dass ihr bis zu 15 Sekunden warten müsst, um einen Slot weiterzukommen. Dieses Problem zieht sich durch fast jede Art von Menü. Es stockt, wirkt als hätte es sich aufgehängt und macht nur langsam weiter. Gerade in einem Spiel mit viel Grinding und Crafting ist ein solcher Umstand nicht nur unangenehm, sondern wirklich zeitraubend.


Ebenfalls unschön zu betrachten ist die grafische Arbeit des Spiels. Es wirkt durch seine teils verwaschenen Texturen und die ungenau konzipierten 3D-Modelle wie aus der Zeit gefallen. Die Bildrate kann auch nicht immer mit Kontinuität glänzen. Die schwankende Bildrate fällt auch Leuten auf, die normalerweise weniger auf solche Dinge achten. Die technischen und grafischen Probleme sind aber eher auf der Nintendo Switch zu finden. Versionen anderer Konsolen haben diese Probleme meiner Recherche nach nicht oder nicht in diesem Ausmaß. Hier wurde eher wenig feinfühlige Optimierungsarbeit seitens der Produzenten für die Nintendo Switch-Version vorgenommen.


Die Charakterdesigns dagegen wirken kreativ in Szene gesetzt, scheitern aber insgesamt an der Überzeichnung der Charaktere und die vielen Klischees, welche einfach blind umgesetzt wurden. Die Handlung selbst überrascht dabei auch eher wenig, trotz der verschiedenen Höhe-und Wendepunkte. Musikalisch werden passende Stücke geliefert. Dabei wirken die Melodien sehr erwachsen und an die Stimmung angepasst. Viele Teile der Dialoge wurden auf Englisch synchronisiert. Die Untertitel auf Deutsch sind gut zu lesen und bieten auch hierzulande die Chance, das Spiel zu genießen. Besondere Ideen, wie das Heranzüchten einer Zombie-Armee aus Leichenteilen oder das Entwickeln von ZIV-Hybrid-Pflanzen, begeistern auf dem Papier und sind gut mit einer Prise Humor umgesetzt. Leider stehen diese letztlich im Schatten der technischen Limitierung. Besonders die stockende Menüführung muss dringend mit einem Patch nachgebessert werden.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Simon Münch

Ähnlich wie bei Hauptcharakter Reid kämpfen auch bei DEADCRAFT zwei verschiedene Elemente um die Vorherrschaft. Die grafische und technische Limitierung des Spiels bildet hierbei das Zombie-Virus, welches das Spielerlebnis nicht selten eintrübt und insgesamt Geschwindigkeitsprobleme macht. Auf der anderen Seite stehen verschiedene Gameplay-Ideen, die durchaus zu unterhalten wissen und Spieler erfolgreich fesseln. Im Endeffekt kann das Spiel leider nicht sein volles Potenzial auf der Nintendo Switch zeigen – andere Konsolenversionen kommen da nach meiner Recherche wesentlich besser weg und bieten auch den wahren Spielspaß. Die Charakterdesigns sind zwar selbst interessant in Szene gesetzt, leiden aber unter zu vielen Klischees. Diese führen auch zu einer Vorhersehbarkeit in der Handlung, welche zwar ihre Höhen hat, aber nicht den Wow-Effekt bringen kann. Schlussendlich zeigt sich mit DEADCRAFT ein durchwachsenes Bild und stellt zur Schau, worauf man bei einer Portierung auf die Nintendo Switch achten sollte – kopflose Runterskalierung von Grafik ist nicht immer die beste Medizin.
Mein persönliches Highlight: Dass ich mit Gemüseanbau während der Apokalypse reich wurde.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 2

  • Vala

    Turmknappe

    Spielerisch hat mir die Demo sehr gefallen von Performance Problem hab ich nichts gemerkt, außer wie hier erwähnt die Probleme in den Menüs. Ein Patch soll übrigens diesen Monat noch kommen.

  • Hightower76

    Turmritter

    Schade, eigentlich ein Spiel, das ich mögen könnte. Zombies gehen immer und Garten auch!