Klassiker-Sammlung mit Höhen und Tiefen

Als im Mai letzten Jahres bekannt gegeben wurde, dass Sonic Origins für die Nintendo Switch erscheint, schlug das Herz von all den Nostalgikern unter uns wohl etwas schneller. Eine Sammlung mit den fünf Titeln Sonic the Hedgehog, Sonic the Hedgehog 2, Sonic the Hedgehog 3, Sonic & Knuckles und Sonic the Hedgehog CD versprach eine Menge Potenzial. Wir haben uns das Gesamtpaket mittlerweile genauer angesehen und blicken trotz eines Heidenspaßes etwas unzufrieden auf die Kollektion zurück. Wieso, das könnt ihr nachfolgend erfahren.


Die Animationen sehen allesamt toll aus!

© SEGA

Zu Beginn muss mit einer Unstimmigkeit aufgeräumt werden, die sich im Newsgeschäft seit Ankündigung bis hin zum Release zog: Sonic Origins enthält nicht fünf Spiele im eigentlichen Sinne, denn Sonic the Hedgehog 3 und Sonic & Knuckles wurden zu einem Spiel zusammengeführt. Somit besteht die Sammlung aus insgesamt vier Titeln. Zu den Geschehnissen der Spiele gibt es nicht allzu viel zu sagen. Unser blauer Held Sonic stellt sich Dr. Eggmann im Kampf, um seine fiesen Pläne zu vereiteln. Dabei dürft ihr je nach Spiel die Kontrolle über Sonic, Tails und sogar Knuckles übernehmen. Eine der wohl größten Stärken von Sonic Origins sind jedoch die neu animierten Sequenzen im Zeichenstrick-Stil, welche zu Beginn und zum Ende eines jeden Titels auf euch warten und sogar als Fernsehsendung durchgehen könnten. Hier wurden die alten Schinken mit toller Arbeit deutlich aufgewertet.


Inhaltlich ist es euch als Spieler überlassen, wie ihr die Titel angeht. Ihr habt dabei die Wahl, alle nacheinander als eine lange Story zu spielen oder ihr pickt euch jedes Spiel einzeln in eurer favorisierten Reihenfolge heraus. Dann wird gehüpft, gerannt, gekämpft und gesammelt und auch wenn alle Spiele schon einige Jahre auf dem Buckel haben, macht es noch immer unheimlich viel Spaß und man merkt Sonic an, wie gut Platformer zu ihm passen. Im Regelfall lauft ihr hierfür von links nach rechts über den Bildschirm, wobei es auch einige Level gibt, die in einem Pseudo-3D dargestellt sind und mehr Spieltiefe suggerieren. Darüber hinaus gibt es auch einen zusätzlichen Spielmodus, durch welchen alle Level nochmals verändert werden. Da dieser jedoch erst freigespielt werden muss, hüllen wir uns an dieser Stelle in Schweigen.


Kämpfe gegen Dr. Eggmann gehören zum Tagesgeschäft.

© SEGA

Zu erwähnen ist an dieser Stelle, dass Sonic Origins in seinem Jubiläumsmodus ohne Leben auskommt. Das beutetet, dass jeder Bildschirmtod ohne Folgen für euch bleibt. Dies nimmt zwar den Druck für Neulinge etwas raus, dennoch fühlt es sich nicht wirklich richtig an. Zudem bietet der Klassik-Modus lediglich ein Spielen im Bildverhältnis 4:3 inklusive einer begrenzten Anzahl an Versuchen. An dieser Stelle hätte ich mir ein wirkliches Klassik-Erlebnis gewünscht. Zudem sind Optionen, die aus anderen Kollektionen bekannt sind, nicht enthalten. Beispielsweise dürft ihr weder verschiedene Filter und Hintergründe einstellen noch die Geschehnisse zurückspulen oder individuelle Checkpoints setzen. Hier wäre mehr drin gewesen!


Habt ihr alle Titel einmal absolviert, dürft ihr euch darüber hinaus auch in einem Boss-Rush-Modus ausprobieren, in welchem ihr euch nacheinander allen Endgegnern im Kampf stellt. Dies macht zwar ebenfalls spaß, konnte mich jedoch nicht wirklich motivieren, da die Kämpfe mit denen in der Story identisch sind und keinerlei weitere Anreize bieten. Dafür bekommt ihr jedoch noch einen Missions-Modus spendiert, der mir persönlich fast besser gefallen hat als die Originalspiele. Dies ist vor allem darin begründet, dass bekannte Levelabschnitte mit besonderen Kniffen und Veränderungen daherkommen, die auch Kennern aller Spiele etwas gänzlich Neues bieten und abverlangen. Zudem steigt der Schwierigkeitsgrad von Mission zu Mission merkbar an, was für längere Herausforderungen sorgt.


Die Missionen sorgen für eine tolle Abwechslung innerhalb der bekannten Szenerien.

© SEGA

Beim Absolvieren der Missionen und auch in den Hauptstorys könnt ihr zudem Münzen erhalten, welche ihr in einem für Nostalgiker schönen Museum einlösen dürft. Dadurch erhaltet ihr Artworks, Soundtracks und Videos oder ihr könnt die Münzen auch in die enthaltenen Minispiele investieren. Ich bin kein Spieler, der auf eine 100%ige Komplettierung aus ist; dennoch holt mich das Spiel mit dieser Mechanik ab, indem ich in den Genuss weiterer Musikstücke, Videos und Artworks komme. Das Stöbern durch diese gewährt nicht nur tiefe Einblicke in die Ursprünge der Reihe, sondern ist auch durch eine angenehme Anzahl an benötigten Münzen sehr fair gestaltet.


Die Musikstücke selbst werden euch an einigen Stellen bestimmt bekannt vorkommen, wobei Sonic Origins auch mit gänzlich neuen Titeln glänzen kann. Glänzen dahingehend, da diese wirklich gut in die Spielesammlung passen. Kenner der Originale werden sich jedoch ärgern, da die ursprünglichen Musiktitel unheimlich gut waren. Aufgrund von Lizenzproblemen durften jedoch nicht alle verwendet werden. Dafür kann die Optik punkten und insgesamt läuft Sonic Origins angenehm flüssig ohne Aussetzer oder Ruckler.


Habt ihr noch nicht genug erlebt, gibt es zudem einige Mehrspieler-Optionen. In diesen dürft ihr euch zu zweit in Rennen messen, was jedoch nur bedingt begeistern kann. Für eine kurze Runde im Zug oder auf einer Autofahrt ist dies eine nette Abwechslung, mehr jedoch nicht. Darüber hinaus gibt es seit dem Release auch zwei zusätzliche DLCs, welche für jeweils rund vier Euro erworben werden müssen. Auch wenn diese natürlich nur optional sind, fühlt es sich nicht richtig an, dass weitere Musiktücke, Animationen und schwere Missionen hinter einer zusätzlichen Paywall stecken. Vor allem stört mich daran, dass das Hauptspiel mit etwa 40 Euro zu Buche schlägt. Dadurch bleibt trotz des Spielspaßes und der positiven Aspekte ein mulmiges Gefühl zurück.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Maik Styppa-Braun

Sonic Origins hätte so viel mehr sein können, als es am Ende ist. Ihr bekommt im Paket eine tolle Sammlung an Spielen geboten und gerade der Missions-Modus und das Museum werden euch auch längerfristig an den Bildschirm fesseln. Dafür fühlen sich die Hauptspiele trotz ihres guten Kerns jedoch nicht ausreichend aufpoliert an, da neben der hübscheren Optik nicht viel passiert ist. Hier wären einige Quality-to-Life-Funktionen, wie das Setzen von eigenen Checkpoints, sehr wünschenswert gewesen. Zudem fühlt sich der Klassik-Modus keineswegs klassisch an, was vor allem die Kenner der Originale ärgern dürfte. Die Krone wird dem Ganzen dann mit den zusätzlichen DLCs zum Start aufgesetzt, die tolle Inhalte, wie weitere Missionen und Musikstücke, hinter einer Paywall verstecken. Das alles trübt das eigentlich so positive Bild, welches ich von dem Spiel gewonnen habe, weshalb es für mich am Ende nicht zum Spiele-Hit gereicht hat.
Mein persönliches Highlight: Die abwechslungsreichen und herausfordernden Missionen, die auch bekannte Szenerien verändern.

Die durchschnittliche Leserwertung

3 User haben bereits bewertet

Kommentare 4

  • Tomek2000

    Meister des Turms

    Sonic konnte mich irgendwie nie vollends begeistern…

  • LETSPLAYmarkus

    Youtube Let's Player

    Zu erwähnen ist an dieser Stelle, dass Sonic Origins in seinem Jubiläumsmodus ohne Leben auskommt. Das beutetet, dass jeder Bildschirmtod ohne Folgen für euch bleibt. Dies nimmt zwar den Druck für Neulinge etwas raus, dennoch fühlt es sich nicht wirklich richtig an. Zudem klammert der Klassik-Modus, welcher ein Spielerlebnis in der Original-Form verspricht, diese Spielmechanik ebenfalls aus und bietet lediglich ein Spielen im Bildverhältnis 4:3.

    Entweder lese ich das falsch oder es liegt tatsächlich ein Irrtum vor. Zwar basiert der Klassik-Modus auch auf die neue Engine, aber neben 4:3 verfügt dieser eben doch über Extraleben und Game Over. Dass seperate, individuelle Einstellungen (z.B. 16:9 MIT Extraleben-System oder 4:3 mit unendlich Versuchen) insgesamt die bessere Wahl gewesen wären, steht da aber außer Frage.


    Persönlich finde ich es gut, quasi unendlich Extraleben im Jubiläumsmodus zu haben. Neueinsteiger würden die Spiele nach einem Game Over womöglich heutzutage so schnell nicht mehr anrühren. Rewind- oder Savestate-Funktionen halte ich persönlich wirklich nicht für notwendig, da Checkpoints gefühlt nach jeder zweiten Ecke oder jeden fünften Sprung wieder platziert sind, bis zu 15-25 Stück pro Level. Das ist schon ausreichend dosiert und fair verteilt.

  • Maik Styppa-Braun

    Redakteur

    LETSPLAYmarkusdu hast natürlich recht! Da waren die Finger wohl schneller als die Gedanken 😀 also meine Kritik zielte darauf ab, dass es sich eben nicht wie „klassisch“ anfühlt, sondern wie modernisiert mit leben. Danke! :)

  • nec3008

    Turmbaron

    Ich bin sowieso nie ein richtiger Sonic Fan gewesen (außer den genialen Realverfilmungen), da erst Nintendo und später noch Sony meine Konsolen der Wahl waren.

    Aber wenn ich den Test so lese, haben die wohl wirklich ein bisschen Potenzial verschenkt. Allein, dass man für Nostalgiker nicht ein wenig an der Darstellung schrauben kann ist schade und gehört ja bei solchen Remakes eigentlich schon zum guten Ton. Per Knopfdruck zwischen der neuen und alten Grafik zu wechseln wäre auch toll gewesen.

    Der DLC wirkt wirklich unnötig und hätte ruhig im Spiel sein dürfen, vor allem wenn es Musikstücke sind, die zum Spiel gehören.