Auf den Spuren von Käpten Cabeca

Indie-Spiele finden verstärkt Einzug in den Nintendo eShop der Nintendo Switch. Viele gute Spiele von kleineren Entwicklungsteams bzw. sogar einzelnen Entwicklern werden derzeit für die Hybridkonsole veröffentlicht. Eine dieser kleinen Perlen ist Cleo – a pirate’s tale, das von einem einzelnen deutschen Entwickler erdacht und produziert wurde. Christoph Schultz ist Fan von Point-and-Click-Adventure-Titeln der alten Schule wie Monkey Island und Day of the Tentacle. Mit selbst beigebrachten Kenntnissen über die Spieleentwicklung brachte er eine erfolgreiche Kickstarterkampagne für Cleo auf den Markt und veröffentlichte schließlich Ende letzten Jahres sein Spiel auf Steam. Nun endlich folgt auch eine Version für die Nintendo Switch.


Na, kommt euch der Tentakel bekannt vor? Die Inspirationsquellen lassen sich nicht leugnen.

© Greycap Audiovisual Mediadesign UG (haftungsbe.)

Im anfänglichen Tutorial übernehmt ihr die Rolle von Käpten Cabeca, einem furchtlosen Piraten und bekannten Abenteurer. Nachdem ihr die grundlegende Steuerung gemeistert und schließlich auch das seltene Irrlicht gefunden habt, beginnt das eigentliche Spiel. Nun übernehmt ihr die Rolle des jungen Mädchens Cleo. Diese ist ein absoluter Fan von Käpten Cabeca und verschlingt alle seine Bücher – sehr zum Unmut von ihrem Vater, der eine lokale Taverne für Fischer führt. Da sie ihre häuslichen Pflichten vernachlässigt, wird sie zur Strafe in die Küche geschickt. Zwischen den ganzen Fischen, die zu Suppe verarbeitet werden sollen, findet Cleo ein Tagebuch. Nach einer Begegnung mit einem Geist steht euer Ziel fest: Ihr wollt den sogenannten Schatz der Erinnerung finden.


Im Laufe des Abenteuers besucht ihr die unterschiedlichsten Inseln, findet neue Freunde und lernt seltsame Personen sowie Sumpfmonster kennen. In klassischer Point-and-Click-Manier sammelt ihr unterwegs alles Brauchbare auf, um es später für verschiedene Rätselpassagen zu verwenden. Hierbei überfrachtet euch das Spiel auch nicht mit nutzlosen Gegenständen. Alles, was ihr finden und mitnehmen könnt, wird auch tatsächlich gebraucht. Zudem empfand ich die Verwendung jeweils immer nachvollziehbar. Leider wird das Spiel dadurch aber recht einfach. Dennoch kann Cleo durch den Humor und die Geschichte überzeugen.


Der Geist schmiert Jichomelele an die Wand. Was es damit wohl auf sich hat?

© Greycap Audiovisual Mediadesign UG (haftungsbe.)

Zwischendurch dürft ihr noch „Kraken Fodder“ spielen – das Spiel im Spiel für echte Seemänner. Hierbei handelt es sich um ein Minispiel, das mit Würfeln und Karten bestritten wird. Hierin tritt Cleo in einer Seeschlacht gegen ihren Gegner an. Zunächst wird eine Karte aufgedeckt, die eine Aktion bedeutet. Bei einer Kanone greift ihr an (wenn eure Kanone einen höheren Wert hat als die gegnerische), mit einer Seehexe holt ihr euch verlorene Karten wieder, der Kraken vernichtet automatisch die gegnerische Karte und der Kapitän führt einen mächtigen Angriff aus. Die Angriffe selbst werden mit Würfeln bestritten. Zunächst wählt der Angreifer eine bestimmte Anzahl an Würfeln aus. Anschließend bestimmt der Verteidiger ebenfalls, wie viele Würfel er verwenden will. Allerdings darf er hierbei nur maximal so viele Würfel nehmen wie der Angreifer. Hat jeder seine Würfel gesetzt, werden diese geworfen und die höhere Zahl gewinnt. Der Verlierer legt seine Karte ab, der Gewinner legt seine Karte wieder in seinen Kartenstapel und die nächste Runde beginnt. Dies wird solange wiederholt, bis einer von beiden Spielern keine Karten mehr hat (seine gesamte Crew wurde sozusagen besiegt). Während Kraken Fodder anfangs noch eine lustige Abwechslung war, ging es mir persönlich am Ende dann doch etwas auf die Nerven. Allerdings war dies Christoph Schultz bei der Entwicklung wohl schon durchaus klar. Denn ihr erhaltet später die Möglichkeit, auf Kraken Fodder zu verzichten.


Grafisch überzeugt Cleo mit einem Retro-Pixel-Look. Es erinnert hierbei stark an seine großen Vorbilder und sorgt so für nostalgische Gefühle. Besonders überrascht war ich von der kompletten deutschen Sprachausgabe, die bei einem kleinen Indie-Titel doch eher ungewöhnlich ist. So sind alle Texte vollständig in deutscher und englischer Sprachausgabe vorhanden. Der Humor kommt hierbei durch den sarkastischen Unterton von Cleo oder den verschiedenen Dialekten besonders gut hervor. Auch die restliche technische Umsetzung ist für ein Quereinsteiger-Werk sehr gut. Einer der wenigen Kritikpunkte, den ich an dieser Stelle hervorbringen könnte: Das Spiel ist recht kurz. Nach wenigen Stunden Spielzeit erlebt ihr bereits das Ende von Cleos Abenteuer. Dennoch hoffe ich, in Zukunft erneut mit Cleo auf Entdeckungstour gehen zu können, schließlich gibt es noch wesentlich mehr Schätze außer dem Schatz der Erinnerung.

Unser Fazit

9

Geniales Spiel

Meinung von Philipp Freibauer

Christoph Schultz hat sich von alten Point-and-Click-Adventure-Titeln inspirieren lassen, was auch im gesamten Spielverlauf von Cleo deutlich wird. Dies soll keineswegs negativ klingen, denn die Umsetzung ist wirklich sehr gut gelungen. Sowohl der Humor als auch die Geschichte rund um Cleo konnte mich voll und ganz überzeugen. Etwas enttäuscht war ich allerdings, als ich dann schließlich bei den Credits ankam. Gerne wäre ich noch weiter mit Cleo auf neue Abenteuer gegangen, aber so bleibt die Hoffnung auf eine Fortsetzung. Die knapp zwölf Euro für das Spiel sind jedenfalls sehr gut investiertes Geld, auch in Hinblick darauf, dass damit ein einzelner Entwickler aus Deutschland unterstützt wird.
Mein persönliches Highlight: Der Cocktail-Roboter, der im Laufe des Spiels die unterschiedlichsten Getränke zubereitet.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 5

  • Fang

    Turmbaron

    Klingt sehr gut. Damit werde ich mir die Wartezeit auf Return to Monkey Island verkürzen. Schön dass ihr auf solche Perlen hinweist die bei mir in den ganzen Veröffentlichungen im E-Shop untergehen würden.

  • River_1st

    Turmknappe

    Habe es am Release Tag auf Steam gekauft. War ganz nett, fand den Anfang wirklich stark, hat für mich aber etwas Nachgelassen gegen Ende. Die Sprecher sind wirklich sehr gut. Die 12 Euro haben sich gelohnt und ich würde mich über einen Nachfolger wirklich freuen.

  • Mallenaut

    Turmknappe

    Da blutet mir als Norddeutsche das Herz, dass Seemannsgarn als Synonym für schlechte Geschichten verwendet wird. ;(

  • Philipp Freibauer

    Redakteur

    Mallenaut bedank dich beim Duden :saint:

    Ich hoffe du nimmst es mir nicht krumm

  • Mallenaut

    Turmknappe

    Mallenaut bedank dich beim Duden :saint:

    Ich hoffe du nimmst es mir nicht krumm

    Ach, das war auch eher mit einem Augenzwinkern gemeint. :D


    Seemannsgarn ist meistens einfach eine sehr stark ausgeschmückte und übertriebene Geschichte, nicht aber unbedingt eine schlechte. :)


    Danke für den Test im Übrigen. Hatte das Spiel vorher nicht auf dem Schirm und werde da jetzt mal reinschauen.