Aller guten Dinge sind drei, nicht wahr?

Wenn von einer Spielreihe innerhalb nicht mal eines Jahres drei Ableger erscheinen, dann kann man entweder anerkennend ob der emsigen Produktivität nicken, sich über Nachschub zu seiner Lieblingsreihe freuen oder skeptisch die Augenbraue heben und sich fragen, ob heutzutage nicht die Qualität darunter leidet. Im Falle von Square Enix' Voice of Cards: The Beasts of Burden hängt die Reaktion wahrscheinlich von eurer Erwartungshaltung ab. Denn seit dem zweiten Ableger der Reihe, The Forsaken Maiden, sind ein bisschen mehr als sechs Monate vergangen und schon dürfen wir uns erneut in ein episches Abenteuer stürzen. Was der neueste Streich des Spielkarten-RPGs anders als seine Vorgänger macht und wieso letztendlich doch alles irgendwie beim Alten bleibt, das erfahrt ihr in unserem Test.


Ein dritter Ableger mit ersten Abnutzungserscheinungen


Zu Zeiten des Erstlingswerks, The Isle Dragons Roar, kam Voice of Card mit einem recht frischen und originellen Konzept daher: Die gesamte Spielwelt inklusive ihrer Charaktere, Monster, Gegenstände und Umgebungsdetails wird in Form von Spielkarten dargestellt. Während die meisten Karten anfangs noch umgedreht daliegen, werden sie beim Näherkommen aufgedeckt und offenbaren die oft sehr schönen Illustrationen. Untermalt wird das Ganze noch von einem sehr imposanten Soundtrack sowie einem Erzähler, der zwischen den beiden ersten Titeln ausgewechselt und auch im dritten Ableger neu besetzt wurde. Dieser Erzähler, der im ersten Teil noch deutlich mehr als im Nachfolger glänzen konnte, übernahm dabei auch den Sprecherpart für alle Charaktere im Spiel, denn zu Beginn wird euch dieser als der Spielleiter vorgestellt – quasi wie in einer Partie Pen & Paper, bei der eine Person in so gut wie alle Rollen schlüpft. Spielerisch kamen die bisherigen Teile hingegen sehr klassisch daher und unter der interessanten Optik steckte ein konventionelles JRPG mit speziellen Fertigkeiten, unterschiedlichen Charakterklassen sowie der Möglichkeit, durch Erfahrungspunkte aufzuleveln. Soweit das Bekannte.


Im Laufe des Kampfes könnt ihr mächtige Kreaturen erbeuten und für euch kämpfen lassen.

© Square Enix Co., Ltd

Doch inwiefern hat sich The Beasts of Burden in Sachen Gameplay und Optik geändert? Nun, nicht sonderlich viel. Doch kommen wir erst einmal zur Handlung, denn jeder Ableger der Reihe hat bisher eine in sich geschlossene Geschichte erzählt, die man ohne weitere Vorkenntnisse erleben konnte – und auch hier ist es nicht anders. Ihr schlüpft in die Rolle eines jungen Mädchens, das mit mehreren anderen Menschen zusammen in einem Höhlensystem lebt, welches stets von Monstern angegriffen wird. Ihr seid eine der wenigen Kriegerinnen, die es mit den Biestern aufnehmen können und so müsst ihr Tag für Tag auf Patrouille gehen, angreifende Monster vernichten und gleichzeitig den Optimismus innerhalb eurer Gemeinschaft hochhalten, denn eure Mitbewohner sind alles andere als optimistisch, dass die Zukunft rosig aussieht. Und wie es das Schicksal will, entwickelt sich die Handlung in eine ebensolche Richtung, weswegen es euch eines Tages hinaus in die Welt zieht und die Rache dabei euer Leitmotiv bleibt. Und zugegeben: Keiner der beiden Vorgänger hat ähnlich stark begonnen wie The Beasts of Burden. Die Hoffnungslosigkeit, die euch anfangs umgibt, die sich entwickelnden Ereignisse sowie die Charaktere, die ihr im Laufe der Geschichte trefft, strotzen nur so vor Potenzial … und dann wird es nicht genutzt.


Denn ab einem gewissen Punkt verkommt die Handlung zu einer durchgehenden Jagd nach diversen McGuffin. Wer nicht weiß, worum es sich dabei handelt, dem sei kurz ein Zitat aus dem dazugehörigen Wikipedia-Artikel präsentiert: „McGuffin ist der Begriff für mehr oder weniger beliebige Objekte oder Personen, die in einem Film dazu dienen, die Handlung auszulösen oder voranzutreiben, ohne während der Handlung selbst von besonderem Nutzen zu sein“. Und genau dazu verkommt die Geschichte des Spiels. Ihr begebt euch eigentlich am laufenden Band auf die Schnitzeljagd nach Personen, Gegenständen oder Orten, ohne dass es letztendlich wirklich sinnvoll ist. Der einzige Grund hierfür ist, euch von A nach B zu schicken und die Handlung weiter in Richtung Finale voranzutreiben. Nicht falsch verstehen: zwischenzeitlich gibt es eine Menge toller Momente, in denen vor allem die Dialoge glänzen können und auch das eine oder andere moralische Dilemma eröffnet wird, jedoch wirkt alles um diese Momente herum künstlich und aufgesetzt. Dass ich trotzdem noch lange genug am Ball bleiben wollte, lag nicht zuletzt an der neuen Erzählerin. Ja, richtig gelesen, diesmal leiht Carin Gylfri dem Erzähler die Stimme und sie leistet einen hervorragenden Job darin, den einzelnen Charakteren den gewissen einzigartigen Touch zu verpassen und kommt auch mit einer guten Portion Witz und Persönlichkeit daher. Von allen bisherigen Erzählern gefällt sie mir eindeutig am besten.


Solche Bossgegner wirken zwar imposant, stellen aber die meiste Zeit über keine wirkliche Herausforderung dar.

© Square Enix Co., Ltd

In Sachen Gameplay hat man sich ebenfalls vorgenommen, neue Pfade zu betreten und die alten Spielweisen zumindest etwas aufzulockern. Denn euer Protagonist stellt bereits früh im Spielverlauf fest, dass sie Monster quasi in Kartenform bannen und sie so im Kampf verwenden kann. Das führt dazu, dass ihr nach erfolgreichen Scharmützeln ab und an die Möglichkeit erhaltet, das besiegte Monster als Karte abzustauben. Jedes der Biester kommt dabei mit einer besonderen Fertigkeit daher, sei es dass man Gegner vergiften oder Verbündete heilen kann oder ihr fügt mit ihrer Hilfe eurer Widersacher dreifachen Schaden zu. Dabei kommen die Monster-Karten in verschiedenen Stufen daher und ihr könnt pro Charakter eine gewisse Anzahl dieser Karten ausrüsten. Das klingt im ersten Moment innovativ, es stellt sich jedoch schnell heraus, dass die Monster-Fertigkeiten nichts anderes als ein Ersatz für die bisherigen Skills darstellen, die ihr in den Vorgängern bei Stufenaufstiegen erhalten habt.


Anstatt also für jeden Charakter in eurer Gruppe eine vorbestimmte Anzahl an Fähigkeiten zu haben, könnt ihr hier nun deutlich freier und flexibler vorgehen. Das führte dazu, das ich im Laufe der Handlung einem Charakter die typische Heiler-Rolle aufgebürdet habe, während die anderen mit einem Mix aus Angriffs- und Elementarfertigkeiten den Feind beharkt haben. Diese Freiheit kommt mit einem kleinen Wermutstropfen daher. Denn durch die Tatsache, dass ihr bei Stufenaufstieg nun, außer ein paar gelegentlichen passiven Boni, keinerlei neue Fertigkeiten erhaltet, sorgte zumindest bei mir ein Level-Up für nicht mehr als ein Schulterzucken und stellte nichts mehr wirklich Erstrebenswertes dar. Nichtsdestotrotz ist die grundlegende Idee mit den Monsterkarten ganz nett, allerdings nicht ansatzweise so originell, wie es im ersten Moment anmutet.


Eines der späteren Rätsel: Eine Partie Memory.

© Square Enix Co., Ltd

Davon ab leidet The Beasts of Burden an so ziemlich den gleichen Krankheiten wie seine beiden Vorgänger. Wer diese gespielt hat, wird feststellen, dass sehr viele Kartenmotive recycelt und wiederverwendet wurden und auch in diesem Teil bewegt ihr euch durch teils künstlich in die Länge gezogene Areale wie Tempel oder Wüsten. Das ist optisch nicht wirklich abwechslungsreich, wäre aber verschmerzbar, wären da nicht die JRPG-typischen Zufallskämpfe, die zumindest für meinen Geschmack einen Tick zu häufig auftreten. Zwar fallen die einzelnen Scharmützel wie schon bei den vorherigen Teilen sehr leicht aus, doch gerade dieser Umstand hat dazu geführt, dass die Kämpfe irgendwann zu einer nervigen Routine verkommen sind, die ich möglichst schnell hinter mich bringen wollte. Und natürlich zieht der Schwierigkeitsgrad in den letzten paar Kämpfen wieder so plötzlich an, dass es in keinem Verhältnis zur bisherigen Schwierigkeitskurve steht – auch das hat sich The Beasts of Burden von seinen Vorgängern abgeschaut. Zwar kommt das Spiel auch mit einigen Rätseln daher, diese sind jedoch so simpel, dass sie sich teils schon durch stumpfes Durchprobieren lösen lassen oder so offensichtlich sind, dass auch hier eher der Eindruck entsteht, dass das Spiel noch etwas künstlich gestreckt werden sollte.


In Sachen Performance macht das Spiel eine gute Figur. Die vielen animierten Fähigkeiten und Angriffe laufen flüssig und die Bildwiederholrate bleibt durchgehend stabil. Einzig die Ladezeiten können sich, vor allem zu Spielbeginn, etwas hinziehen. Die Stimme der Erzählerin könnt ihr wahlweise auf Englisch oder Japanisch stellen, für die Texte wird euch eine solide deutsche Lokalisation geboten.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Florian McHugh

The Beasts of Burden, der mittlerweile dritte Ableger der Voice of Cards-Reihe innerhalb eines Jahrs, kommt mit einigen interessanten Konzepten sowie einer wirklich gelungenen Sprecherin daher. Doch leider verkommt die Idee hinter den Monster-Fähigkeiten zu einem bloßen Ersatz für die Skills aus den Vorgängern. Das neue System gibt euch zwar einiges an zusätzlicher Freiheit, kann aber letztendlich nicht so sehr überzeugen wie es auf dem Papier klingen mag. Ansonsten erbt The Beasts of Burden die kleinen Stolpersteine seiner Vorgänger: Teils sehr in die Länge gezogene Dungeons und Areale, ein Recycling von Assets sowie teils zu häufig auftretende Zufallskämpfe, die anfangs viel zu leicht sind und gegen Ende dann in Sachen Schwierigkeitsgrad enorm anziehen. Während The Forsaken Maiden und The Isle Dragon Roars dies jedoch mit einer interessanten und abwechslungsreichen Geschichte wieder mehr als wettmachen konnten, startet die Handlung von The Beasts of Burden sehr stark, nur um dann abzuflachen, indem sie euch regelmäßig auf diverse Schnitzeljagden schickt, die der eigentlichen Handlung jedoch nicht wirklich viel beisteuern. Wer die beiden Vorgänger mochte, der wird auch hier nicht enttäuscht werden, doch im Vergleich zu den beiden Titeln schwächelt der neueste Ableger dann doch etwas zu sehr, weswegen ich im Vergleich einen Wertungspunkt abziehen muss.
Mein persönliches Highlight: Die neue Erzählerin.

Die durchschnittliche Leserwertung

0 User haben bereits bewertet

Kommentare 4

  • Kel

    Turmamazone

    Also ist es in der japanischen Sprachausgabe auch eine Frau? (mit typisch japanischer...ehm...(sorry) "quietsch-Stimme" :rolleyes:

  • Darkseico

    Turmfürst

    Ich mag die Reihe wirklich sehr. Aber für meinen Geschmack bringt Square Enix die Teile zu schnell raus. Es gibt einfach zu viele Games dieses Jahr. ^^

  • Florian McHugh

    Retro-TowerCaster

    Kel


    Von dem was ich beim Reinhören feststellen durfte, ist die Stimme eher ruhig und weniger "quietschig"

  • Kel

    Turmamazone

    Florian McHugh

    Ah ok, danke. :D Ich höre japanisch ja schrecklich gerne, aber diese oft kindlichen und sehr hohen Stimmen der Japanerinnen mag ich leider überhaupt nicht. :notlikethis: