Metroidvania-Überraschung in der Roboter-Apokalypse

Obwohl einst Nintendos Metroid-Spiele sowie Konamis Castelvania-Reihe ein eigenes Genre begründeten, erhalten Metroidvania-Fans heutzutage neues Spielmaterial hauptsächlich aus der Hand unabhängiger Entwicklerstudios. Während sich unter diesen Veröffentlichungen sicherlich eine Menge vielversprechender Titel tummeln, die letzten Endes doch schnell wieder in Vergessenheit geraten, stechen doch auch hin und wieder richtige Videospiel-Perlen, wie Hollow Knight oder die Ori-Spiele aus der Menge hervor. Schon als ich den ersten Trailer zu Haiku, the Robot sah, machte mir der niedliche Roboter schöne Augen und erweckte in mir das Gefühl, dass schon bald eine weitere Perle im Metroidvania-Genre das Licht der Welt erblicken könnte. Ob sich Haiku mit den ganz Großen messen kann oder doch im Einheitsbrei verschwindet, verrate ich euch in unserem Test.


Ein kleiner Roboter in einer Welt voller tödlicher Maschinen


In einer Welt, in der die Maschinen einst in Harmonie lebten, verbreitete sich ein Virus, der beinahe alle mechanischen Gesellen korrumpierte. Wie es das Schicksal will, soll ausgerechnet der kleine, unscheinbare Roboter Haiku dem Virus trotzen und sich auf den Weg begeben, den Ursprung der Bedrohung ausfindig zu machen. Mit seiner treuen Klinge erkundet er dabei die Welt von Arkadia und trifft dabei neben zahlreichen feindlich gesinnten Maschinen auch den ein oder anderen metallischen Kollegen, der sich ebenfalls noch nicht dem Virus ergeben hat. Einer davon leitet euch an, nach den Schöpfern Ausschau zu halten, um deren Hilfe bei der Beseitigung des Virus zu erbitten.


In Platformer-Passagen ist Geschick gefragt: Hier müsst ihr Wandsprünge so ausführen, dass ihr keine elektrischen Leitungen berührt.

© Mister Morris Games

In klassischer Metroidvania-Manier begebt ihr euch auf ein 2D-Abenteuer, im Laufe dessen ihr diverse neue Fähigkeiten erlangt, die euch dann wiederum Zugang zu vorher unerreichbaren Gebieten verschaffen. Die Auswahl der Fähigkeiten bringt dabei gewiss keine bahnbrechenden Innovationen mit sich. Sie reichen von einem Wand- oder Doppelsprung über ein kleines, fliegendes Glühbirnchen, das euch den Weg in der Dunkelheit erhellt, bis hin zur Fähigkeit, euch in eine Kugel zu verwandeln, die euch durch schmale Tunnel rollen lässt – Wo habe ich das bloß schon einmal gesehen? Spannender ist dagegen das Chip-System, das es euch erlaubt, Haiku nach euren Vorlieben zu modifizieren. Diese Chips lassen sich in dafür vorgesehenen Sockeln abringen und verlängern beispielsweise die Reichweite des Schwertes, zeigen Geheimnisse auf der Karte an oder verstärken eure Fähigkeiten. Ändern könnt ihr eure Chip-Konfiguration jedoch nicht wann immer ihr mögt, sondern nur an den über die Spielwelt verteilten Speicherstationen.


Interessant ist auch der Umgang mit Haikus Gesundheit. Steckt ihr einen Treffer ein, habt ihr nur zwei Möglichkeiten, eure Gesundheit wiederherzustellen. Entweder begebt ihr euch zu einer Speicherstation und lasst sie dort auffüllen oder ihr repariert euch selbst per Knopfdruck. Dazu müsst ihr jedoch eine Weile stillstehen, was besonders während eines Kampfes zur Herausforderung wird, und Ersatzteile investieren. Ersatzteile stellen die Währung des Spiels dar und können von Gegnern oder beim Erkunden der Spielwelt erbeutet werden. Aus ihnen ergibt sich also eine gewisse taktische Komponenten, wenn ihr überlegen müsst, ob ihr die Ersatzteile für euren nächsten Einkauf in einem Laden, wo ihr meist neue Chips und nützliche Gegenstände erwerben könnt, aufspart oder euch doch lieber repariert, bevor ihr das Zeitliche segnet. Im Falle eures Ablebens verliert ihr nämlich einen Teil eurer Ersatzteile, was das Ganze gleich doppelt schmerzhaft macht.


Bei Bossgegnern kann es durchaus vorkommen, dass ihr mehrere Anläufe braucht, bis ihr die Bewegungsmuster durchschaut.

© Mister Morris Games

Glücklicherweise dürfte Letzteres nicht besonders häufig passieren, vorausgesetzt, ihr stellt eure Gesundheit rechtzeitig wieder her und geizt nicht mit den Teilen. Durch die Möglichkeit der Reparatur stellen Gegner schnell kein besonders großes Hindernis mehr dar und auch Hindernisse in der Umwelt, die es zu überwinden gilt, stürzen euch dank eurer regenerativen Fähigkeit nicht ins Verderben. So kamen während meines gesamten Spieldurchlaufs keinerlei Frustmomente beim Erkunden der Welt auf. Bosskämpfe hingegen sind von Anfang an erfrischend herausfordernd, da es euch hier nur in seltenen Fällen möglich ist, lange genug ruhig stehenzubleiben, um euch selbst zu reparieren. Stattdessen kann es durchaus vorkommen, dass ihr Bossgegnern mehrere Besuche abstatten müsst, um ihre Angriffsmuster zu lernen und sie letztendlich in die Knie zu zwingen. Kurze Laufwege vom letzten Speicherpunkt zurück zur Bossarena sowie das stetige Gefühl, Bosse mit jedem Versuch besser im Griff zu haben, lassen auch diese Herausforderungen stets fair erscheinen.


Haiku schlägt sich das gesamte Spiel über mit derselben Klinge durch alle mechanischen Widersacher. Manche Fähigkeiten, zum Beispiel die Power-Bombe, eignen sich jedoch neben dem Eröffnen neuer Wege in Arkadia auch als Schaden verursachende Waffen im Kampf. So empfand ich es als nicht sonderlich eintönig, den gesamten Spielverlauf über auf dieselbe Waffe angewiesen zu sein. Kritisieren könnte man, dass Haiku, the Robot euch nur selten an die Hand nimmt und gelegentlich sogar nicht eindeutig klar ist, wohin ihr euch als nächstes begeben müsst. Ich persönlich empfand dies jedoch gerade als erfrischend, da ich bei Metroidvania-Titeln stets meinem Drang zur Erkundung folge und jede noch so unscheinbar wirkende Ecke nach Geheimnissen absuche, weshalb ich aufdringliche Hinweise auf meinen nächsten Zielort meist eher als störend empfinde. Schade ist definitiv, dass es die ein oder andere Mini-Quest gibt, die bei Abschluss auf Steam wohl Achievements freischaltet, in der Nintendo Switch-Version jedoch keinerlei Würdigung erhält.


Haiku, the Robot präsentiert sich in einer hübsch anzusehenden Pixel-Grafik, der es wunderbar gelingt, die Welt ansprechend darzustellen. Obwohl ich anfangs etwas Angst hatte, dass die ganze Spielwelt in monochromer Maschinen-Optik daherkommt, überzeugt Arkadia mit verschiedenen Biomen in unterschiedlichen Gebieten. Auch die musikalische Untermalung trägt toll zur Atmosphäre bei, wenngleich auch keine besonderen Ohrwürmer dabei sind, die mir nach dem Durchspielen länger im Gedächtnis geblieben sind. Die Bildschirmtexte wurden in die deutsche Sprache übersetzt, gelegentlich wurden jedoch einzelne Sätze vergessen, sodass diese noch in englischer Sprache sind. Auch kleinere Übersetzungsfehler haben sich eingeschlichen, die dem Verständnis jedoch nicht im Wege stehen.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Philipp Pöhlmann

Haiku, the Robot ist ein Metroidvania-Abenteuer rund um den titelgebenden niedlichen Roboter, der sich durch eine Welt voller gefährlicher Maschinen kämpfen muss. Während die im Verlauf des Spiels freigeschalteten Fähigkeiten keine nennenswerten Innovationen liefern und so bereits in ähnlicher Form in anderen Vertretern des Genres zum Einsatz kamen, überzeugen vor allem die Art, wie mit Gesundheit und Schaden umgegangen wird, sowie die optisch im Pixel-Look ansprechend gestaltete Spielwelt. Bosskämpfe sind herausfordernd, bleiben gleichzeitig jedoch stets fair. Obwohl Haiku, the Robot sicherlich nicht auf einer Stufe mit Genre-Krachern wie Hollow Knight oder den Ori-Spielen steht, sticht das charmante Metroidvania dennoch aus der Menge heraus und macht definitiv Lust auf hoffentlich weitere Abenteuer mit dem putzigen Roboter in der Zukunft.
Mein persönliches Highlight: Die Erkundung der verschiedenen Areale sowie die zahlreichen Bosskämpfe.

Meinung von Michael Barg

Mit seinem süßen Pixel-Look und charmantem Auftreten kann sich Haiku, the Robot im Genre wirklich sehen lassen. Nicht nur lädt die Welt zum Entdecken ein und beherbergt das ein oder andere Geheimnis, auch die Kämpfe mit den facettenreichen Gegnertypen sorgen für ständige Motivation. Als Belohnung eines abgeschlossenen Bereiches gibt es noch einen Bosskampf, der es manchmal in sich hat, aber stets mit ein wenig Übung zu meistern ist. Leider kann Haiku, the Robot im Gameplay nicht wirklich herausstechen, da ihr nur einen Angriffstyp zur Verfügung habt, was ich aber ziemlich gelassen nehme und drüber hinwegschauen kann. Vor allem das Movement im späteren Spielverlauf hat es mir angetan und die ständige Weiterentwicklung des kleinen Roboters. Der Erhalt neuer Fähigkeiten findet ebenfalls im sehr guten Pacing einen treffenden Platz und frischt das Metroidvania angenehm auf.
Mein persönliches Highlight: Das schnelle Movement im späteren Spielverlauf und das Entdecken der verschiedenen Areale.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 6

  • Tabby

    Turmbaron

    Schöner Test. Vom Stil erinnert mich das Spiel total an Kunai, weshalb es direkt auch auf meine Wunschliste gewandert ist.

  • nailujx

    Hollow Knight Fanatic

    Klingt sehr vielversprechend. Das wandert auf jeden Fall auf meine Liste und wird demnächst angespielt. :) Ich freue mich schon!

  • acrid

    Turmritter

    Interessantes Spiel. Und anscheinend bestehen gute Chancen auf einen physical Release. Ich warte.

  • Wowan14

    Gamer aus Leidenschaft

    Ich wünschte bei solchen Tests würde auch immer ein Video in irgendeiner Form verlinkt sein. Ohne bewegte Bilder reicht Text alleine gerade bei actionlastigen Spielen nicht aus. Ntower ist schließlich keine Handelszeitschrift ^^

  • Tabby

    Turmbaron

    Ich wünschte bei solchen Tests würde auch immer ein Video in irgendeiner Form verlinkt sein. Ohne bewegte Bilder reicht Text alleine gerade bei actionlastigen Spielen nicht aus. Ntower ist schließlich keine Handelszeitschrift ^^

    Einfach mal selbst kurz auf YouTube schauen?

  • Wowan14

    Gamer aus Leidenschaft

    Tabby nach der Logik braucht es auch keine Bilder hier mehr geschweige denn eine Review, da es schon woanders welche gibt bestimmt :dk:


    Ich finde es halt praktischer, dass man gleich dahin springen kann oder sich das Video parallel zum Text anschaunen kann um bessere Vorstellung zu haben. Natürlich habe ich mir die Mühe gemacht es selbst rauszusuchen. Gehöre schließlich zu den wenigen Menschen, die bereit sind selbst was in die Hand zu nehmen anstelle alles automatisch serviert zu bekommen.