Wenn eine gute Idee an vielen Kleinigkeiten kränkelt

Wenn ein Spiel mit einer interessanten und frischen Prämisse daherkommt, dann ist das etwas, was inmitten der Spieleschwemme der letzten Jahre durchaus positiv ist und was vor allem gewürdigt gehört. Solche Titel, gerade wenn sie nicht von einem der größeren Entwicklerstudios stammen, drohen dann nämlich auch gut und gerne unterzugehen und nicht die nötige Beachtung zu erhalten. Ein solcher Titel ist Foretales, dessen Spielprinzip und Optik meine Neugier geweckt haben und das ich unbedingt genauer unter die Lupe nehmen wollte. In diesem Test sollt ihr erfahren, inwiefern das erzählerische Deckbuilding-Rollenspiel durchaus überzeugen kann, aber letztendlich dann doch an einigen unvorteilhaften Spielmechaniken sowie einer eher dürftigen Portierung kränkelt.


Im Laufe der Handlung müsst ihr einige schwere Entscheidungen treffen.

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Entscheidungsfreiheit ist etwas, was mir an Spielen immer gefällt, vor allem, wenn ich das Gefühl habe, dass meine Entscheidungen tatsächlich eine Auswirkung auf die Handlung oder das Geschehen um mich herum haben. Ich mag auch die klassischen „Du entscheidest, wie das Abenteuer weitergeht“-Rollenspiele, bei denen ich gezwungen bin, eine Wahl zu treffen, im Wissen, dass dadurch irgendwo ein potenzieller Weg erst einmal verschlossen bleibt. Diese beiden Elemente möchte Foretales miteinander verbinden. In dem Rollenspiel, das hauptsächlich über Karten und einige Zwischensequenzen erzählt wird, muss ich genau das tun und nebenbei noch Kämpfe absolvieren oder – noch besser – sie geschickt vermeiden. Doch eines nach dem anderen, denn im Zentrum eines jeden guten Rollenspiels sollte schließlich auch seine Handlung stehen.


Foretales spielt in einer Welt, die von anthromorphen Wesen bevölkert wird. Ihr schlüpft dabei in die Rolle von Volepain, einem Ganoven, der zusammen mit seinem Partner eigentlich nur eine Lyra stehlen und diese seinem Auftraggeber bringen soll. Doch das Instrument scheint magischer Natur zu sein und als er es berührt, ergießen sich lauter Visionen über den Kriminellen, dem nun quasi das Ende der zivilisierten Welt offenbart wird. Als er dann endlich erwacht ist nicht nur sein Partner fort, nein, er erhält auch gleich zwei Visionen: In einer wird sein Partner in ein Gefängnis gebracht und dort hingerichtet, in der anderen darf er miterleben, wie der Aufstand einiger Minenarbeiter blutig niedergeschlagen wird, darunter sein Vater. Mit dieser plötzlichen Gabe – sei sie nun Segen oder Fluch – gilt es nun nicht nur, eine unmittelbare Entscheidung zu treffen, sondern auch langfristig eine Katastrophe abzuwenden.


Auf dem Spielbrett ist immer einiges los.

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Während der Diebstahl der magischen Lyra noch als Tutorial-Mission fungiert, kommt bereits mit der zweiten Mission eines der Kernelemente von Foretales zum Tragen. Volepain kann dank der Lyra in die Zukunft sehen und weiß, was manche Ereignisse mit sich bringen, doch gleichzeitig wird jedem Ereignis auch eine Rundenzahl zugeordnet, die schnell klarmacht: Ihr werdet nicht jedes Ereignis verhindern können und müsst entsprechend abwägen, was euch wichtiger ist. Während die ersten Entscheidungen, ob ihr euren Partner aus dem Gefängnis rettet oder den rebellierenden Minenarbeitern helft, noch gut miteinander vereinbar sind, kommen im Laufe der Handlung immer weitere Ereignisse hinzu, bei denen die Wahl gut und gerne Mal verzwickter erscheint.


Habt ihr euch in der Abenteuerübersicht für ein Ereignis entschieden, wird euch auch gleich das Spielbrett eingeblendet, auf dem ihr das gesamte Spiel verbringt. Dieses besteht aus den Karten eurer Charaktere, von denen euch später vier zur Verfügung stehen und maximal drei pro Abenteuer mitgeführt werden können, ihren Fähigkeiten, euren Gegenständen sowie bis zu vier Karten, die sich in der Mitte des Spielbretts befinden und eure Spielumgebung darstellen. Haben wir uns zum Beispiel dafür entschieden, Volepains Kameraden aus dem Gefängnis zu retten, zeigen die Karten Zellen, Gänge, Mitgefangene oder auch Wachtrupps, die sich uns in den Weg stellen. Hier kommen dann die Fähigkeiten eurer Charaktere zum Zuge, denn jedes Partymitglied verfügt über verschiedene Stärken. Volepain kann zum Beispiel NPCs belauschen, ihnen Geld stehlen oder Feinde mit einer ordentlichen Prise Pfeffer verwirren, die er ihnen ins Gesicht wirft. Sein Partner hingegen ist der geborene Späher, der Feinde aus dem Hinterhalt erledigt und dessen feines Näschen auch mal Nahrung auftreiben kann, wo augenscheinlich keine zu finden ist. Jede dieser Fähigkeiten wird durch Karten repräsentiert, von denen ihr eine begrenzte Anzahl zur Verfügung habt. Gehen euch die Karten aus, müsst ihr rasten, um sie wieder aufzufüllen, was wiederum nur eine bestimmte Anzahl Mal möglich ist.


Die Handlung wird zwischendurch in Form schöner Illustrationen weitererzählt.

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Mit euren Fähigkeiten könnt ihr so die unterschiedlichen Karten auf dem Spielbrett bespielen bzw. mit ihnen interagieren, wobei stets ein anderer Effekt zutage treten kann. Mal kann es sein, dass ihr durch eine wohltätige Tat temporäre Verbündete erhaltet, durch das Belauschen von Feinden neue Informationen erhaltet oder einfach neue Ortschaften findet; jede absolvierte Karte deckt eine neue auf. Dies soll euer Vorankommen in der jeweiligen Region simulieren, in dem das Abenteuer spielt und um eben dieses erfolgreich zu absolvieren, ist stets das Erfüllen eines konkreten Auftrags notwendig. Habt ihr diesen erfüllt, geht es weiter in die nächste Region und das wird so lange wiederholt, bis ihr das Endziel des Abenteuers erfolgreich abgeschlossen habt. Dabei gilt es stets abzuwägen, welche Fähigkeiten ihr wann und in Verbindung mit welcher Karte auf dem Spielbrett ausspielt, denn wer unüberlegt handelt, muss am Ende feststellen, dass er eine bitter benötigte Fähigkeit bereits verspielt hat und auch kein Rasten mehr möglich ist.


Doch ganz gleich, wie vorsichtig ihr vorgeht: Früher oder später trefft ihr auf Karten, die von Gegnern bewacht werden und die es zu bezwingen gilt, ehe ihr mit den Karten interagieren könnt. Sobald der Kampf startet, werden die gegnerischen Karten gegenüber eurer Gruppe aufgereiht und ihr könnt eure Fähigkeiten nutzen, um eure Widersacher zu bezwingen … oder ihr versucht euch an einer Alternative, denn hier tritt Foretales ebenfalls auf anderen Pfaden. Anstatt eine Auseinandersetzung gleich blutig zu beenden, könnt ihr auch eine friedlichere Herangehensweise wagen. So könnt ihr manche Gegner mit Geld bestechen, ihnen Nahrung anbieten, wenn sie hungrig sind oder sie mit euren Ruhm oder euren fiesen Taten beeindrucken bzw. einschüchtern. All diese Ressourcen könnt ihr mit Hilfe eurer Fähigkeiten auf dem Spielbrett erspielen und wahlweise auch in den Kämpfen verwenden. Und diese Vorgehensweise empfiehlt euch auch das Spiel ziemlich früh. Wer nämlich eine Spur an Leichen hinterlässt, dem wird das Schicksal irgendwann übel mitspielen. Dadurch werden die Scharmützel teils zu einer Art Puzzle, bei dem wieder abgewägt werden sollte: Will ich mein hart verdientes Gold nun ausgeben, um diesen einen Kampf zu gewinnen oder brauche ich es später vielleicht, um einen Gefangenen zu bestechen und für meine Zwecke zu rekrutieren? Davon ab kann zum Beispiel Volepain auch nicht allzu viele Treffer einstecken, weswegen ihr immer eine Alternative zum Kampf in petto haben solltet. Das eigentliche Kampfsystem läuft dann schon vergleichsweise konventionell ab: Sofern ihr keine eurer Fähigkeiten im Kampf verwendet, greifen sich alle Kontrahenten nacheinander an, bis einer keine Lebenspunkte mehr übrig hat.


Die Kämpfe solltet ihr möglichst gewaltfrei lösen.

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Das klingt alles erst einmal schön und gut, oder? Nun das stimmt zwar, wenn auch mit Einschränkungen. Während die einzelnen Handlungsstränge alle sehr gut erzählt sind, verfällt das eigentliche Gameplay immer wieder in eine teils monotone Routine. Denn oft verlangt das aktuelle Missionsziel, dass ihr bestimmte Gebiete oder Charaktere auf dem Spielbrett finden müsst. Das führt dann mitunter dazu, dass ihr euch erst einmal durch eine Menge an optionalen Karten durcharbeiten müsst, indem ihr mit ihnen interagiert, bis ihr endlich bei der gewünschten Karte angekommen seid. Wenn ihr für euer Vorankommen dann noch eine bestimmte Anzahl an Ressourcen benötigt und diese gerade nicht zur Hand habt, geht das Spiel von vorne los und ihr müsst mit Hilfe eurer Fähigkeiten das neue Ziel Stück für Stück erreichen. Dazu kommt, dass manche Missionsziele nicht immer ganz eindeutig sind. So musste ich in einem verlassenen Höhlensystem nach jemandem suchen und es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich per Zufall entdeckt habe, dass nur eine bestimmte Fähigkeit eines Gruppenmitglieds die benötigte Karte erscheinen ließ. Das ist zwar nicht die Regel, kann den Spielfluss aber doch unnötig in die Länge ziehen.


In Sachen technische Umsetzung läuft leider auch nicht alles rosig. Die schöne Optik, die mich von ihrem Stil an den alten Robin Hood-Film von Disney erinnert hat, kommt im Handheld-Modus leider nicht völlig zur Geltung, da die Zeichnungen und Texturen der Karte mitunter nicht in einer scharfen Auflösung dargestellt werden und so eher verwaschen wirken. Im stationären Modus können sich die Motive wiederum sehen lassen. Zudem kam es leider mehrmals vor, dass das Programm nach dem erfolgreichen Abschluss eines Abenteuers mit einem Fehler abgestürzt ist und ich das letzte Kapitel des jeweiligen Abenteuers noch einmal erneut bestehen musste. Wenn dann noch manche Aktionen verzögert ablaufen, ist das umso ärgerlicher. Zudem merkt man dem Spiel auch in Sachen Bedienung an, dass es eigentlich für den PC und eine Maus konzipiert wurde, denn bis man sich mit den Analogsticks mühsam zu manchen Karten durchmanövriert hat, vergeht gut und gerne etwas Zeit. Davon ab sind die einzelnen Charaktere liebevoll gezeichnet und das Geschehen wird von einem motivierten Sprecher kommentiert. Alle Texte wurden zudem gelungen ins Deutsche lokalisiert.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Florian McHugh

Foretales kommt mit einigen sehr vielversprechenden Spielmechaniken daher, die dann aber leider im Detail etwas an Fahrt verlieren. Sei es, dass manche der Abenteuer, die ihr bestreitet, sich vom Vorgehen her irgendwann stark ähneln oder dass die technische Umsetzung leider alles andere als gelungen ist und unter Spielabstürzen und Rucklern zu leiden hat. Dem Gegenüber steht eine Handlung, bei der ihr tatsächlich auch harte Entscheidungen treffen müsst, die einen direkten Einfluss auf das Spiel haben, sowie gut geschriebene Dialoge und Charaktere. Zudem hat mir die Tatsache, dass man die Kämpfe auch gewaltfrei lösen kann, mehr als gut gefallen, wodurch das Spiel um ein taktisches Element bereichert wird. Fans von Rollenspielen, bei denen ihr entscheiden müsst, wie die Handlung fortfahren soll und die mit den kleinen Mängeln leben können, dürften hier ihre wahre Freude haben.
Mein persönliches Highlight: Die Geschichte rund um Vorepain und die Entscheidungen, die mir teils gar nicht so leicht gefallen sind.

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