Alte Erzählungen in besserer Verpackung?

Life is Strange (2015) und Life is Strange: Before the Storm (2017) erschufen mit ihrer Veröffentlichung nicht nur ein Franchise mit starkem Handlungsbezug, sondern auch eine lebendige und passionierte Fanbase. Nachdem vergangenen Winter das Franchise sein Debüt mit Life is Strange: True Colors auf der Nintendo Switch feiern konnte (hier findet ihr unseren Test dazu), dürfen sich Fans des Originals und des Prequels freuen. Die Remaster-Editionen von Life is Strange und Life is Strange: Before the Storm finden in der Life is Strange Arcadia Bay Collection ihren Weg auf die Hybridkonsole. Dass das Spiel im Bereich Handlung überzeugt, wird wahrscheinlich nicht überraschen. Was ist aber mit der Technik? Wir haben uns die beiden Titel angesehen!


Das Spiel beginnt mit einer katastrophalen Vision.

© Square Enix Co., Ltd.

Bevor wir die technischen Gegebenheiten unter die Lupe nehmen, gibt es hier einen Überblick über die beiden Spiele in Bezug auf Handlung, Gameplay und Sound. Spieler, die mit den originalen Titeln vertraut sind, dürfen gerne zur Zwischenüberschrift „Die Performance erinnert stark an das Original” springen.


Im ersten Teil von Life is Strange spielt ihr die introvertierte Studentin Max Caulfield, welche aufgrund eines Stipendiums in ihre alte Heimat, Arcadia Bay, zurückkehrt. Während eines scheinbar gewöhnlichen Schultages beobachtet sie auf der Toilette den Tod eines Mädchens durch eine Schusswaffe. In dieser Schrecksekunde aktivieren sich ihre Fähigkeiten, welche sie die Zeit zurückdrehen lassen.


Erst perplex, ob sie nicht den Verstand verloren hat, beginnt sie ihre Kräfte zu erforschen und dann zu kontrollieren. Dabei tritt sie mit ihrer ehemaligen Kindheitsfreundin Chloe (deren Tod sie durch die Zeitreise verhinderte) in Kontakt. Neben Teenie-Dramen enthüllt ihr aus der Position von Max dunkle Geheimnisse, welche in Arcadia Bay schlummern. Rachel Amber, eine enge Freundin von Chloe, wird nämlich vermisst – ihr Verschwinden umgibt nicht nur ein Mysterium.


Die Fähigkeit der Zeitreise ist ein zentrales Gameplay-Element des Spiels. Über die Schultertasten könnten ihr die Zeit langsam oder schnell zurückspulen. Das kann hilfreich sein, um Gespräche zu wiederholen, Informationen zu sammeln und hoffentlich die richtigen Antworten zu geben. „Hoffentlich“ ist ein gutes Stichwort: Eure Aktionen und Antworten haben einen Einfluss auf den Verlauf der Handlung. Während manche Entscheidungen nur Nuancen der Geschichte abändern, haben andere Entscheidungen einen tiefgehenden Einfluss auf den Verlauf des Spiels.


Als Max Caulfield erkundet ihr die 3D-Umgebungen aus der Third-Person-Perspektive. Die Welt um sie herum ist gespickt mit Details und Personen, mit denen ihr interagieren könnt. Hin und wieder werdet ihr vor Rätsel gestellt, die von euch verlangen, die Umgebung zu beobachten, zu manipulieren und die Zeitkraft zu nutzen, um den gewünschten Ausgang zu erreichen. Dabei sind die Lösungen nicht immer sofort eindeutig zu identifizieren und zwingen euch regelrecht, euch mit der Umgebung ausgiebig auseinanderzusetzen.


Der Ball wird gegen ihren Kopf scheppern. Können wir das Schicksal wirklich ändern?

© Square Enix Co., Ltd.

Das Gameplay kann manchmal langwierig wirken. Hauptmerkmal des Spiels ist die Handlung, welche permanent läuft. Im Prinzip wechseln sich Gespräche, Cutscenes und Erkundungen von bestimmten Gebieten ab. Die Spielerfahrung ist linear. Dabei erlebt ihr eine Achterbahnfahrt der Emotionen, welche nicht oft in Videospielen so authentisch rübergebracht werden können. Viele Fans von Life is Strange sehen diesen Titel als einen der besten der Reihe an.


Im Prequel Life is Strange: Before the Storm steht Max nicht im Mittelpunkt. Vor den Ereignissen rund um die Zeitreisen von Max steht Chloe als Hauptcharakter im Fokus. In diesem Titel gibt es entsprechend auch keine Möglichkeit, die Zeit zu manipulieren. Sie hat keine Superkräfte, weiß aber gehörig mit scharfer Zunge auszuteilen. Manche Gespräche geben euch die Möglichkeit, Streitigkeiten zu beginnen. Innerhalb eines kurzen Zeitfensters könnt ihr aus Antworten wählen. Kontert ihr mehrmals gut auf die Worte eurer Kontrahenten, gewinnt ihr das Gespräch, was die Handlung positiv beeinflussen kann. Der Verlust einer solchen Debatte, kann negative Konsequenzen nach sich ziehen. Spannend ist auch, dass manche Debatten trotz Gewinns nicht immer den gewünschten Effekt erzeugen. Hier ist besonderes Fingerspitzengefühl gefragt, da sich die Zeit nicht einfach zurückspulen lässt. In Chloes Handlung erkundet ihr die Geschichte rund um sie und ihre beste Freundin Rachel – eben dem Mädchen, welches im ersten Teil verschwunden ist. Auch hier wartet eine emotionale Achterbahnfahrt mit vielen Höhe- und Tiefpunkten.


Erzählerisch punkten beide Spiele auf ganzer Linie. Wenn man die beide Spielzeiten addiert, kommt man auf eine Gesamtspielzeit von 20-30 Stunden, je nach eurer Spielweise. Highlight der Spiele ist der Sound, welcher mit passenden Soundeffekts begeistert. Die Stimmen der Charaktere sind vollständig auf Englisch synchronisiert und mit deutschen Untertiteln versehen. Der Cast liefert hierbei eine starke Arbeit ab, welche euch in das Geschehen hineinziehen wird. Ebenfalls positiv fällt die Musikauswahl der Titel auf. Fans von Life is Strange wissen, dass Musik in diesem Spiel eine wichtige Rolle spielt. Hierbei ist dem Produktionsteam des Originals eine gekonnte Auswahl gelungen.


Die Performance erinnert stark an das Original


Die beiden Titel erhielten bereits eine Remaster-Edition für andere Konsolen. Zu Release gab es einige technische Kritikpunkte, welche aufgekommen waren und einige Updates nach sich zogen. Die mehrmalige Verschiebung für die Nintendo Switch machte Fans besonders hellhörig. Ihr werdet die Spiele als zwei verschiedene Icons in eurem Nintendo Switch Home-Menü vorfinden.


Chloe hat so einige gemeine Sprüche bei Streitereien auf Lager.

© Square Enix Co., Ltd.

Nun, da die Spiele endlich da sind, kann ich Entwarnung geben. Die Titel laufen im Großen und Ganzen flüssig. Die grafische Aufmachung erinnert dabei stark an die Originaltitel. Zwar wirken die Gesichter insgesamt weicher, an vielen Stellen verschwimmen auch Texturen. In den Augen der Charaktere lässt sich beispielsweise eine Art schwaches Flimmern erkennen, welches unsauber wirkt. Der Prequel-Titel Life is Strange: Before the Storm wirkt grafisch hochwertiger als der erste Teil, was wohl auch an dem Zeitabstand zwischen den damaligen Release-Terminen liegt. Man merkt dem ersten Teil trotz Überarbeitung sein Alter schlicht an, was aber aus meiner Sicht nicht unbedingt schlimm ist.


Die Performance der Spiele auf der Nintendo Switch ist angemessen. An dieser Stelle muss ich aber sagen, dass es sich im Handheld-Modus wesentlich schöner spielt als auf dem Fernseher. Grafische Fehler fallen weniger auf und die Spiele wirken im Handheld-Modus um Längen stimmiger. Die Bildrate ist normalerweise konstant bei etwa 30 FPS, selten kommt es zu Einbrüchen der Bildrate. Diese fallen dann aber auch kaum auf und stören nicht wirklich.


Ein weiteres, eher nerviges Problem liegt in den Ladezeiten, die teilweise lang ausfallen können. Hier ist aber auch wichtig zu bedenken, dass diese Ladezeiten nur auftauchen, wenn der Raum gewechselt wird oder das Spiel startet. Dahingehend sind sie erträglich. Als rückkehrender Spieler habe ich die Spiele und zugehörige Handlung zwar (nochmal) sehr genossen. Für alle, die die Originaltitel bereits gespielt haben, bietet die Arcadia Bay Collection jedoch keine wirklich neue Spielerfahrung. Alle anderen sollten sich diese von Kritikern gelobten Titel unbedingt einmal anschauen.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Simon Münch

Lange gewartet und nicht enttäuscht. Die Urwerke des Life is Strange-Universums haben den Sprung auf die Hybridkonsole geschafft. Das Narrativ, die musikalische Arbeit und der Sprechercast begeistern mich noch nach Jahren. Diese Titel gehören nicht ohne Grund zu den Fanfavoriten. Im direkten Vergleich zu Life is Strange: True Colors fällt aber auf, dass die Performance nicht mit dem neuesten Ableger mithalten kann. Besonders grafisch wirkt das Spiel oft verschwommen oder nicht detailreich. Ich hatte mir aufgrund der Wartezeit tatsächlich mehr erhofft. Trotzdem tut das dem eigentlichen Spielerlebnis keinen Abbruch. Die Handlung beginnt ruhig und verwandelt sich schnell in einen tobenden Sturm aus Entscheidungen und Emotionen, welcher euch einfach mitreißen wird. Wer bisher noch keine Gelegenheit hatte, die Spiele zu spielen, kann hier beherzt zugreifen und sich fesseln lassen. Spielern, die wie ich die Originaltitel anderweitig spielen können, wurde hierbei jedoch wenig Anreiz für einen erneuten Kauf geschaffen, es sei denn, sie möchten die Titel unterwegs im Handheld-Modus genießen.
Mein persönliches Highlight: Die tragische Geschichte von Max, Chloe und Rachel.

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Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 7

  • DarkInside

    Turmheld

    Ein Spiel aus 2015 und die Performance immer noch nicht im Griff? Oh man, Square.

  • VegetaBln

    Turmbaron

    Naja, muss ich nicht haben. Hab mir die PS4 Versionen geholt als Limited Edition, ist mir lieber als diese halb physische Version und besser sieht da ja nichts aus. Scheinbar eher schlimmer.

  • Mamagotchi

    Do a barrel roll!

    Es ist eben auch nur ein Remaster und ich freue mich schon darauf das Spiel im Handheld-Modus nochmal durchzuspielen.

  • Cody

    Turmheld

    Fängt man mit dem Hauptteil an oder haben die es so umgearbeitet, dass man sogar besser mit dem Prequel anfängt?

  • Simon Münch

    Inselbewohner

    Fängt man mit dem Hauptteil an oder haben die es so umgearbeitet, dass man sogar besser mit dem Prequel anfängt?

    Wie im Test beschrieben, sind es zwei verschiedene Icons im Nintendo Switch Home-Menü. Du kannst also entweder den ersten Teil oder Before the Storm zuerst spielen.


    Neueinsteigern empfehle ich, den ersten Teil vor dem Prequel zu spielen, da das Erlebnis so spannender ist, zumindest meiner Meinung nach. Kenner können ja selbst bewerten, welche Reihenfolge besser passt.

  • Sebi.L.

    Meister des Turms

    Spiele es zum ersten Mal und der erste Teil nimmt mich emotional richtig mit.

  • JahJah192

    Turmritter

    Fängt man mit dem Hauptteil an oder haben die es so umgearbeitet, dass man sogar besser mit dem Prequel anfängt?

    definitiv mit dem ersten. Würdest du mit Before the Storm anfangen, würdest du dir ein paar Mysterien um gewisse Charaktere zerstören, im gewisser weise sogar das Ende des 1. BtS ist Fanservice und Ergänzung zu gewissen Beziehungen gewesen.

    Ich weiß noch wie geil das 2015 mit dem Episoden Häppchen Release war, nach jeder Episode ging das spekulieren über Story und Chars in den Fanforen los, tolle Erfahrung gewesen, deswegen auch eines meiner Lieblingsspiele/Erinnerungen im Gaming, war irgendwie was besonderes.