Auch für unterwegs ein tierischer Spaß

Nachdem Tunic im vergangenen März erstmals für Xbox One, Xbox Series X|S und PC erschien, wurden nun auch PlayStation 4, PlayStation 5 und die Nintendo Switch bedient. Das charmante Action-Adventure konnte seinerzeit acht Punkte in unserem dazugehörigen Test einstreichen. Gerade die stimmungsvolle Präsentation, das pfiffige Spieldesign und der knuffige Held haben es uns angetan und das Prädikat eines Hits zücken lassen. Nun muss der heldenhafte Fuchs beweisen, dass seine rätselhafte Reise auch auf schwächerer Hardware funktioniert. Im folgenden Text möchten wir euch verraten, ob ihm das gelungen ist und mit welchen Einschränkungen ihr rechnen müsst.


Der Start einer Heldensage


Ohne große Worte zu verlieren, wirft euch Tunic ins Spiel. Euer Held, der besagte Fuchs, wacht bar jeglicher Ausrüstung an einem weißen Sandstrand auf. Was genau dazu geführt hat, dass ihr an der Küste angeschwemmt wurdet, wird euch erst einmal nicht verraten, ebenso wenig, wo ihr euch überhaupt befindet. Auch erste Schriftstücke und Schilder geben keinerlei Hinweise darüber, wo ihr euch derzeit aufhaltet, denn abseits einiger Schlagworte könnt ihr nichts von der Fantasiesprache entziffern, in der die Dokumente verfasst sind. Wenige Schritte später stoßt ihr allerdings auf eine große goldene Tür, die euch mittels Vision eure Mission mitteilt: Ihr müsst euren eingesperrten Artverwandten aus einem mysteriösen magischen Käfig befreien. Hierfür müsst ihr drei Juwelen finden, die das seltsame Gefängnis außer Kraft setzen. Nebenbei sammelt ihr die Seiten eines geheimnisvollen Handbuchs ein, was euch offenbar deutlich mehr beibringt als die einzelnen Spielmechaniken. Euer Abenteuer beginnt ...


Was euch an der Spitze dieses Turms wohl erwarten wird?

© ISOMETRICORP Games Ltd.

Tunic bleibt über seine 15 Stunden Spielzeit durchweg kryptisch. Zwar liefern die einzelnen Seiten des Handbuchs vielsagende Illustrationen über die Hintergrundgeschichte der Spielwelt, um diese aber vollumfänglich zu verstehen, ist eure Eigeninitiative gefragt. Hier ähnelt das Action-Adventure den Spielen von From Software, die auf einen ähnlich nebulösen Erzählungsstil setzen. Nichtsdestotrotz habt ihr stets das Gefühl, Teil von etwas Großem, einer waschechten Heldensage, zu sein. Möchtet ihr hingegen einer klar erzählten Handlung lauschen, könnte euch Tunic vor Probleme stellen, denn verständlich ist hier erst einmal nichts.


Das Spielprinzip von Tunic setzt sich aus der Erkundung, gelegentlichen Rätseln und spannenden Kämpfen zusammen. Zunächst nur mit einem Stock bewaffnet, füllt sich euer Inventar im Verlauf des Spiels mit weiteren Gegenständen, die euch Vorteile verschaffen oder gar neue Abschnitte der überschaubaren Spielwelt erkunden lassen. Tunic erinnert deshalb nicht selten an The Legend of Zelda. Nicht nur weckt die Kleidung eures Helden Erinnerungen an den mutigen Hylianer Link, auch die sich immer weiter erschließende Umgebung dient als Parallele. Musstet ihr zuvor noch in einem Dungeon kehrtmachen, weil ihr aufgrund der Dunkelheit keinen Meter weit sehen konntet, lässt sich das Höhlensystem später mit eurer neuen Laterne problemlos passieren. Doch auch die Seiten des eingangs erwähnten Handbuchs liefern wichtige Tipps, die für das Vorankommen unerlässlich sind. Tunic appelliert an euren Entdeckungsdrang und motiviert euch mithilfe von einzelnen Informationsschnipseln zur eigenhändigen Erkundung. Hierfür schafft die Spielwelt einige Anreize in Form von Schatztruhen, deren Inhalt variiert. Mal findet ihr Verbrauchsgegenstände, ein anderes Mal Opfergaben und sehr häufig auch Geld, welches ihr unter anderem beim monströsen Händler ausgeben könnt. Da fällt es auch nicht allzu sehr ins Gewicht, dass euch die Suche nach dem nächsten Meilenstein eurer Reise gelegentlich planlos umherirren lässt.


Je tiefer ihr hinabsteigt, desto bizarrer gestaltet sich die Umgebung.

© ISOMETRICORP Games Ltd.

Während die allgemeine Erkundung einem The Legend of Zelda gleichkommt, bedient man sich beim Kampfsystem wieder bei den Werken von From Software. Euer Charakter beherrscht neben einer dreiteiligen Schlagkombination eine flotte Ausweichrolle, mit deren Hilfe ihr feindlichen Hieben elegant entfliehen könnt. Der oben erwähnte Stock muss alsbald einem Schwert weichen, welches wenig später um einen Schild erweitert wird, mit dessen Hilfe ihr unter Berücksichtigung eurer Ausdauerleiste die meisten gegnerischen Angriffe blocken oder sogar parieren könnt. Auch Magie spielt eine Rolle und kann im Gefecht gewirkt werden, insofern ihr die passenden Gegenstände ausgerüstet habt. Unterm Strich spielen sich die Auseinandersetzungen flott, fallen aber längst nicht so erbarmungslos aus wie die Vorlage. Segnet ihr einmal das Zeitliche – und ihr werdet sterben –, verliert ihr einen kleinen Teil eures Geldes und startet am letzten Schrein neu. Besagte Altäre findet ihr in der gesamten Spielwelt und dienen euch als Rücksetzpunkte oder Möglichkeiten der Opfergabe, um die eigenen Fähigkeiten zu verbessern. Sucht ihr anschließend den Ort eures Todes auf, könnt ihr die verlorenen Moneten wieder einsacken. Sterbt ihr auf dem Weg erneut, ist die Kohle jedoch futsch.


Habt ihr keine Lust auf jene Bestrafung, könnt ihr über das Optionsmenü unter dem Menüpunkt „Zugänglichkeit“ den Schwierigkeitsgrad des Spiels nach euren Wünschen anpassen. Dort könnt ihr beispielsweise den Ausdauerverbrauch deaktivieren, Rätselunterstützung anfordern oder gar den Tod mittels Häkchen überlisten. Es ist besser, ihr genießt das Spiel nach euren Vorstellungen, als es aufgrund einiger Designentscheidungen links liegen zu lassen. Auch die vielen Abkürzungen, die sich überall freischalten lassen, wirken dem Frust entgegen, da damit die Laufwege zwischen Schrein und Ort des Ablebens drastisch verkürzt werden. Insgesamt fällt die Herausforderung trotz einiger Spitzen, die allen voran Bosskämpfe betreffen, moderat aus.


Trotz halbierter Bildrate ein Augenschmaus


Grafisch macht Tunic auch auf der Nintendo Switch eine verdammt gute Figur. Die Optik hat einen eigenen Stil und glänzt mit einer simplen, aber effektiven Darstellung. Ob waldiges Gebiet, Ruinen, felsige Berghänge oder futuristische Gewölbe: Tunic vereint all das in einer harmonischen Spielwelt ohne irgendwelche Nähte durchblitzen zu lassen. Ein raffiniertes Licht- und Schattenspiel verfeinert die Präsentation zusätzlich und sorgt für einprägsame Bilder. Hinsichtlich der Bildrate müssen Spielerinnen und Spieler jedoch mit dreißig statt den ursprünglichen sechzig Bildern pro Sekunde vorliebnehmen, was angesichts der Stabilität allerdings zu verschmerzen ist. Ebenso fällt die Auflösung geringer aus als auf den restlichen Plattformen, was aber in Anbetracht des einfachen Grafikstils nicht allzu stark auffällt. Tunic läuft sowohl im mobilen als auch im stationären Modus der Nintendo Switch geschmeidig und fehlerfrei. Musikalisch erwartet euch ebenfalls ein stimmungsvolles Gesamtpaket, das elektronische Synthesizerklänge mit harmonischen Klavierläufen kombiniert und sich auch abseits des Spiels gut anhören lässt.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Felix Kraus

Tunic ist ein überaus gelungenes Action-Adventure, dessen wenige Schwächen getrost ignoriert werden können, solltet ihr Interesse am Genre hegen. Das Abenteuer verliert nicht besonders viele Worte, motiviert jedoch zu eigenen Schlussfolgerungen und zur selbstständigen Erkundung, was einen erfreulichen Kontrast zum modernen Videospielmarkt darstellt. Trotz der technischen Einschränkungen glänzt Tunic mit einer detailverliebten, stimmungsvollen Präsentation, die euch immer wieder gerne in die überschaubare Spielwelt zurückkehren lässt. Zwar ist das Spiel an ausgewählten Stellen durchaus knackig, gibt euch jedoch stets die Möglichkeit, den Schwierigkeitsgrad mittels Optionsmenü anzupassen. So kann jeder diese kleine Perle genießen und die Hürde auf eine individuelle Höhe senken.
Mein persönliches Highlight: Die stimmungsvolle Spielwelt, die mit ihren vielen Geheimnissen lockt.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 5

  • Solaris

    Der mit dem Yoshi tanzt

    Steht ganz oben auf der Liste die im GamePass noch gespielt werden wollen. Aber schön, dass es auch auf der Switch trotz Perfomance Abstrichen recht rund läuft. :thumbup:

  • Windwaker

    Day One Switcher

    Ich muss zugeben das der Titel von mir als Zelda Fan, bisher sehr skeptisch beäugt worden ist obs ggf. nur irgendein "Zelda Wannabee" ist.


    Euer Lesertest hat mir sehr geholfen dieses Spiel als vollwertig anzuerkennen.

    Wird definitiv noch nachgeholt,

    aber aktuell bin ich noch zu gut beschäftigt.

  • Ninjasexparty

    Turmfürst

    Hab es Anfang des Jahres auf der Xbox gespielt und war schwer begeistert. Wäre Monkey Island nicht dieses Jahr noch erschienen, dann wäre Tunic sogar mein Indie-Spiel des Jahres. Ich finde auch das es sich nicht vor einem 2D Zelda verstecken muss, da es auch vieles erfrischend neu und anders macht.

    Hat mich auf jeden Fall sehr in seine Welt reingezogen. Würde sogar eine 9 geben, aber durch die technischen Abstriche zur Xbox Version ist eine 8 wohl auch okay.

  • giu_1992

    Herzloser

    Hatte das Game zum Release damals direkt kaufen wollen, man konnte es aber nicht vorbestellen und am Release Tag kam es dann glücklicherweise völlig überraschend in den Gamepass, was auch dann erst bekannt gegeben wurde.


    Habe das Spiel durchgesuchtet und zu 100% abgeschlossen und sogar die Secrets wie das Entwicklerlevel freigeschaltet. Vieles konnte ich mir denken und selbst erspielen, allerdings sind einige Rätsel und Geheimnisse mMn ohne Youtube nicht zu schaffen, zumindest für mich nicht. Es schlägt ganz klar in die Kerbe vom Zelda Links Awakening Remake und war für mich eine glatte 10/10 gemessen an den verfügbaren Ressourcen des Entwicklers. Hätte auch gutes Geld dafür gezahlt, ein wahres Indie Highlight neben Spielen wie Deaths Door. Solche Games sind mir oft lieber als viele AAA Titel.

  • SeeYou

    Turmritter

    Sooviele gute Spiele aktuell, ich komme einfach nicht mehr hinterher... Danke dir für den Test