Alle guten Dinge sind drei

Mit Prinny Presents NIS Classics Volume 1 und dem Nachfolger erhielten wir die Chance, relativ unbekannte Strategietitel neu zu erleben. Dabei fokussieren sich die Kollektionen jeweils auf zwei Ableger des NIS-Katalogs, die häufig entweder niemals außerhalb Japans erschienen oder so unbekannt sind, dass sie abseits hartgesottener Fans nur wenig Beachtung erhalten. Volume 3 folgt einer ähnlichen Struktur und entführt euch erneut in die Welt zweier leichtherziger Perlen der Vergangenheit.


Trotz kleiner Ungereimtheiten können sich beide Titel optisch noch sehen lassen.

© Nippon Ichi Software, Inc. / NIS America, Inc.

Als erstes hätten wir La Pucelle Ragnarok – das im Jahre 2002 veröffentliche PlayStation 2-Spiel. Sieben Jahre später folgte eine erweiterte Fassung für das PSP-System, welche niemals Japan verließ und wir somit endlich die ultimative Version des Rollenspiels genießen können. Die Handlung selbst ist wie in fast allen Spielen der Prinny-Kollektionen simpel gestrickt und fokussiert sich eher auf amüsante Charakterinteraktionen. Das Geschwisterpaar Prier und ihr kleiner Bruder Culotte sind als frische Mitglieder der Kirche dafür verantwortlich, das Land von bösartigen Geistern und Dämonen zu befreien. Natürlich geht die Geschichte über diese einfache Prämisse etwas hinaus, allerdings wäre es schade, die wenigen spannenden Momente jetzt schon vorwegzunehmen. Stattdessen entzücken die vielen kleinen Dialoge innerhalb der Gruppe als auch mit NPCs, welche nun keinen Comedypreis gewinnen, aber sicherlich für den ein oder anderen Schmunzler sorgen.


Das Gameplay ist ebenso einfach gestrickt und bietet traditionelle Strategiekost mit kleinen Eigenheiten. Aus der Vogelperspektive kommandiert ihr die Protagonisten durch gefährliche Dungeons und müsst in rundenbasierten Gefechten häufig schlichte Voraussetzungen wie das Besiegen sämtlicher Gegner erfüllen. Das besondere Feature stellt hierbei die Fähigkeit, Feinde in Freunde zu verwandeln, dar. Nachdem ihr ein Monster mithilfe einer Reinigungsmagie völlig bekehrt habt, könnt ihr den Widersacher auf eure Seite locken, trainieren und in zukünftigen Schlachten aufs Kampffeld schicken. Auf diese Weise erhält das Spiel gewissermaßen einen speziellen Sammelfaktor, der euch ständig vor die Entscheidung stellt, ob ihr lieber eure Kontrahenten schnell ausschaltet oder aber mehrere Runden in Kauf nehmt und versucht, sie für euch zu gewinnen. Während des Bekehrungsprozesses erhält der Gegner nämlich die Chance, einen Angriff auszuführen, weswegen ihr stets das gesamte Spielfeld und die Anzahl von Monstern im Auge behalten solltet.


Grafik und Unterschiede im Detail


Strukturell hebt sich La Pucelle Ragnarok ebenfalls von klassischen Rollenspielen ab. Absolviert ihr eine Ebene eines Verlieses, müsst ihr euch häufig zwischen alternativen Routen entscheiden, die entweder zu optionalen Items führen oder tatsächlich die Handlung ein wenig beeinflussen. Nennenswerte Auswirkungen haben diese Entscheidungen nicht, nichtsdestotrotz war es überraschend zu sehen, wie viel Liebe zum Detail der anfangs so plumpe Handlungsstrang am Ende doch noch erhielt. Das Gleiche gilt für die Grafik, die mit hübschen Pixelanimationen daherkommt und kein bisschen an Charme verlor. Wie schon in den vorherigen Kollektionen werden manche Texturen jedoch leider etwas unscharf dargestellt und wurden scheinbar lediglich hochskaliert, was sich gerade im TV-Modus zeigt. Des Weiteren müsst ihr euch bewusst sein, dass beide Titel schon einige Jahre hinter sich haben und in manchen Aspekten ein wenig altertümlich erscheinen. Trotz alledem besitzen beide Spiele eine Handvoll „Quality of Life“-Verbesserungen und lassen unter anderem das Tempo eines Kampfs flexibel anpassen.


Das Kampfsystem ist in Rhapsody unheimlich zugänglich.

© Nippon Ichi Software, Inc. / NIS America, Inc.

Der zweite Titel, Rhapsody: A Musical Adventure (erschienen für die PlayStation), spiegelt gewissermaßen La Pucelle wider und wirkt auf dem ersten Blick unheimlich ähnlich. Der visuelle Stil mag zwar Gemeinsamkeiten aufweisen, jedoch unterscheidet sich das Gameplay in seiner Ausrichtung erheblich und fällt wesentlich zugänglicher aus. Anstatt in weitläufigen Verliesen Gegner strategisch auszuschalten, findet das Kampfgeschehen in diesem Fall auf einem extrem überschaubaren Feld statt und erlaubt nur wenig Freiraum für ausgeklügelte Taktiken. Somit ist ein Gefecht ebenso schnell auch wieder vorbei und macht Rhapsody gerade für Anfänger schmackhaft. Man möge zwar meinen, der Anspruch kommt demgemäß etwas zu kurz, trotzdem passt die Einsteigerfreundlichkeit unheimlich gut zum allgemein sorglosen Ton des Spiels und weiß sich infolgedessen ganz genau der Zielgruppe anzupassen.


Genauso verhält es sich auch mit der Geschichte, die ihr Augenmerk dieses Mal auf die junge Dame Cornet und ihre sprechende Puppe Kururu setzt. Zusammen versuchen sie den Prinzen des Königreichs von einem Fluch zu befreien, der ihn in Stein verwandeln ließ. Insgesamt fällt das Spiel sowohl thematisch als auch akustisch sehr viel musikalischer aus und betont, wie überzeugend der generelle Soundtrack dieser Kollektion ausfällt. Das einzig wirklich nervige Manko ist die Tatsache, dass sowohl Rhapsody als auch La Pucelle gerne von euch verlangen mit bestimmten NPCs zu sprechen, um weiterzukommen. Hat man erst mal einen gewissen Fortschritt erreicht, kann es schwierig werden, jede einzelne Figur im Kopf zu behalten, weswegen man hier leider häufig ratlos durch die Städte rennt und jegliche Charaktere noch mal ansprechen muss.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Kevin Becker

Erneut bietet Prinny Presents NIS Classics Volume 3 genau das, was man mittlerweile erwartet, und wertet zwei Taktikklassiker etwas auf, ohne den Kern der Spiele beträchtlich zu verändern. Dieses Mal sind die Rollenspiele jedoch wesentlich besser gealtert und überraschen gerade mit ihrer Zugänglichkeit für Neueinsteiger. Dadurch können Anfänger einen Blick in die Vergangenheit bekommen und müssen nicht besorgt sein, überflüssige Tutorials oder unverständliche Mechaniken zu verstehen. Selbstverständlich sind nicht alle Features modern und leiden teilweise am Verschleiß der Zeit, allerdings hatte ich nie den Eindruck, abgehängte Strategiespiele zu erleben. Der leichtherzige Humor und die liebenswerten Charaktere sind nämlich durchaus die Stars der jeweiligen Ableger und ergeben zusammen mit der bezaubernden Grafik eine mehr als gelungene dritte Kollektion.
Mein persönliches Highlight: Die sorglose Atmosphere beider Titel.

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