Ein liebevolles Abenteuer mit ganz vielen LEGO-Projekten

Videospiele mit den bunten Steinen sind nichts neues, denn dutzende Franchises wurden bisher aus LEGO-Steinen zum Leben erweckt. Dennoch stellt LEGO Bricktales ein neues Spiel dar, denn hier muss man keinen Ring nach Mordor tragen oder den, der nicht genannt werden darf, vernichten. LEGO Bricktales bringt seine eigene Geschichte mit und eine Mechanik, die jeden Baumeister oder jede Baumeistern begeistern dürfte. Ich hab mir das ganze mal genauer angeschaut, ohne auch nur auf einen einzigen LEGO-Stein zu treten ...


Die verschiedenen Gebiete sind sehr liebevoll gestaltet.

© Thunderful Publishing / ClockStone Software / The LEGO Group

Euer Abenteuer beginnt im Freizeitpark eures Großvaters. Der Park ist allerdings sehr in die Jahre gekommen und hat schon lange keine Besucher mehr gehabt. Auch die Fahrgeschäfte stehen still, da euer Großvater wie versessen ein Portal bauen möchte. Ihr findet euren Großvater, den besagten Erfinder, in seinem Labor, in das er sich gewisser weise selbst eingesperrt hat. Hier kommt ihr ins Spiel und euren Großvater aus dem Labor zu befreien dient als euer Tutorial. Denn sämtliche Rätsel im Spiel müssen mit LEGO-Bausteinen gelöst werden und ihr erhaltet Schritt für Schritt Anleitungen, wie sich das Bau-Menü verhält. Das ist auch bitter nötig, denn das Bauen stellt nicht nur einen essentiellen Teil des Spiels dar, es ist auch noch hoch komplex und gar nicht so leicht zu handhaben.


Zu Beginn müsst ihr nur einen Stein auf den anderen setzen, kurze Zeit später jedoch schon kleine Brücken oder eine Treppe bauen. Der Clou ist jedoch, dass ihr nicht einfach wild Stein auf Stein setzen könnt, sondern auch die Physik im Hinterkopf behalten müsst. Die könnt ihr während der Bauphase immer wieder mit einem kleinen Roboter überprüfen und solltet es auch, denn hier kann einiges schief gehen, wenn man nicht zwischendurch mal ausprobiert, ob die eigene Konstruktion auch hält.


Nachdem ihr euren Großvater befreit habt, geht es auch schließlich an die Rettung des Parks und euch steht der Roboter Rusty zur Seite. Der kümmert sich zunächst um das Portal, an dem euer Großvater schon seit längerem arbeitet und durch seine kleine Roboter-Magie wird das Portal schnell zu Leben erweckt. Dadurch können wir in verschiedene Gebiete reisen, um Fröhlichkeitskristalle zu sammeln. Die erscheinen nämlich, wenn man Menschen in Not aushilft und wir benötigen sie, um den Themenpark wieder ans Laufen zu bekommen, da normale Elektrizität zu schwach ist.


Kein Bauprojekt gleicht dem anderen und es gibt immer mehr als eine Lösung.

© Thunderful Publishing / ClockStone Software / The LEGO Group

Durch das Portal teleportieren wir uns in verschiedene Biome, in denen wir weitere Rätsel lösen müssen. Die entsprechenden Stellen werden wie zuvor als Hammer auf dem Boden angezeigt, worüber wir in den entsprechenden Baumodus kommen. Die einzelnen Gebiete sind keine offene Welt, die wir groß erkunden können, sondern werden als Dioramen dargestellt, die jedoch aus mehreren Teilen und Ebenen bestehen. Sie sind dadurch zwar überschaubar, bieten dennoch einige Ecken zum erforschen und entdecken. Schaut euch also in Ruhe um und baut die entsprechenden Gegenstände, um die Gebiete weiter zu erforschen und um den anderen Charakteren vor Ort zu helfen.


In den Bauphasen müsst ihr übrigens nicht immer alle Bausteine nutzen, sodass ihr zwischendurch immer mal probieren solltet, ob die Brücke etc. auch stabil ist. Allerdings könnt ihr nach Fertigstellung des Projekts den Sandbox-Modus aktivieren, um euer Projekt weiter zu gestalten. Eine Brücke sieht mit Geländer dann doch deutlich schöner aus! Hier bekommt ihr noch mehr Steine zur Auswahl, die im ursprünglichen Projekt nicht verfügbar sind, um dem ganzen einen besonderen Flair zu verleihen. Die Auswahl erweitert sich natürlich im Verlauf eurer Reise und ihr schaltet auch immer mehr Farben frei.


Unterwegs könnt ihr auch verschiedene Tiere einsammeln. Die zählen unter anderem in euren Spielfortschritt hinein, aber manche Charaktere benötigen sie auch als Questgegenstand. In versteckten Schatztruhen findet ihr zudem Bananen, die als Währung im Spiel dienen. Die könnt ihr wiederum gegen neue Farben für eure LEGO-Bausteine eintauschen oder aber auch zusätzlich Steine kaufen. Ihr könnt auch eure LEGO-Figur mit neuen, thematischen Outfits ausrüsten, die ihr jederzeit im Menü unter „Garderobe“ ändern könnt.


Es gibt viel zu erkunden in den unterschiedlichen Gebieten.

© Thunderful Publishing / ClockStone Software / The LEGO Group

Neue Fähigkeiten oder Gegenstände, wie eine Peitsche, findet ihr ebenfalls auf eurer Reise. Die helfen euch, bisher unerreichbare Gebiete zu erkunden und werden euch automatisch während des Spielverlaufs verliehen. Generell ist der Weg durchs Spiel recht leicht zu folgen, ganz im Gegenteil zu den verschiedenen Bau-Projekten. Die haben es teilweise nämlich wirklich in sich und sind gar nicht so leicht zu bewerkstelligen. Daher ist es durchaus möglich, dass ihr an manchen Projekten länger sitzt als an anderen und die können sich auch immer von Spieler zu Spieler unterscheiden. Schön ist auch, dass eure einzigartige Konstruktion dann direkt im Spiel sichtbar ist, sodass ihr dadurch selbst Einfluss auf das Spielgeschehen habt.


Die Steuerung fühlt sich LEGO-vertraut klobig an, allerdings ist das in diesem Fall kein negativer Aspekt. Denn LEGO-Figuren sollten sich etwas kantig bewegen und das wurde hier gut umgesetzt. Das einzige, was mich etwas gestört hat, war, dass man die Dioramen nicht selbst drehen konnte. Die drehen sich nämlich automatisch erst dann, wenn man um eine Ecke läuft oder eine Leiter hinabsteigt und man sonst nicht mehr sieht, wo man hinläuft. Immerhin funktioniert das sehr präzise, weswegen es einfach eine Gewöhnungssache ist. Zum Glück gibt es hier aber eine Übersichtsfunktion, in der ihr das aktuelle Diorama selbst drehen könnt, um nach geheimen Gängen zu schauen. Dafür muss man jedoch immer die Ansicht wechseln, was manchmal etwas friemelig ist.


Der kleine Roboter testet für euch, ob eure Konstruktion stabil genug ist.

© Thunderful Publishing / ClockStone Software / The LEGO Group

Apropos friemelig. Der Bau-Modus ist sehr komplex und auch wenn ihr ein sehr detailliertes Tutorial durchlauft, dauert es manchmal doch etwas länger, bis der Stein am gewünschten Ort platziert ist. Es ist ein bisschen Übungssache und doch entweicht einem öfter ein Seufzen der Frustration, wenn es dann doch wieder ein paar mehr Klicks sind. Allerdings wurde das System schon ziemlich gut für eine Controller-Steuerung umgesetzt, sodass man einfach damit leben muss. Der Spaß am Bauen verliert sich dadurch nur minimal, denn es ist so cool zu sehen, ob die eigenen Bauwerke auch in der Praxis funktionieren.


Die Performance auf der Nintendo Switch ist ebenfalls in Ordnung, vor allem im Handheld-Modus läuft das Spiel recht flüssig. Das ist vor allem bei den Bauprojekten sehr schön zu sehen, denn es wäre unglaublich frustrierend, wenn hier irgendwas stocken würde. Im Dock jedoch konnte ich einige Ruckler feststellen und gerade wenn die Figur durch die verschiedenen Gebiete läuft, kommt die Hybrid-Konsole nicht gut hinterher. Für mich hatte es aber noch einen gewissen Charme, da es einfach zum klotzigen Gesamtbild passte und nicht so störend auffiel, wie zum Beispiel bei einem geschmeidig aussehenden Rollenspiel. Die Sprache ist zudem komplett auf Deutsch, auch wenn es keinerlei Vertonung gibt. Die Charaktere sind insgesamt aber super witzig gestaltet und es gibt dutzende Anspielungen auf bekannte Franchises, die einen immer wieder zum schmunzeln bringen. Auch die Grafik kann mit ihrem vertrauten Design punkten, sodass man sich als LEGO-Fan direkt zurechtfindet und dennoch immer wieder etwas neues entdeckt.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Kerstin Steiner

Seit der Veröffentlichung des ersten LEGO-Videospiels war ich begeistert davon, wie toll sich die Spiele spielen und wie kreativ die Steine immer und immer wieder zum Einsatz kommen. Meist konnte man aber nicht selbst Hand anlegen, weswegen LEGO Bricktales in der Hinsicht eine tolle Neuerung bietet. Egal ob einfache Treppen oder komplexe Bauten, das Tüfteln in jeder Bauphase macht einfach Spaß und es ist so niedlich zu sehen, wie dann die eigenen Kreationen den Charakteren im Spiel oder einem selbst weiter helfen. Auch die Geschichte ist recht liebevoll gestaltet, sodass LEGO-Bricktales ein wirklich rundes Gesamtpaket abliefert. Zudem kann man mehr Zeit in das Spiel stecken, wenn man einfach noch mehr bauen möchte, weswegen das Spiel auch nach Abschließen der Geschichte noch Spaß machen kann. Einzig die Steuerung ist fummelig, auch wenn die Entwickler schon ihr Bestes gegeben haben, das Spiel an die Controller-Steuerung anzupassen. Hier muss man einfach etwas mehr Geduld mitbringen, denn Spaß macht das Bauen trotzdem.
Mein persönliches Highlight: Die vielen Anspielungen an bekannte Franchises und die Möglichkeit, sich kreativ ausleben zu können, ohne ständig neue LEGO-Sets zu kaufen.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

2 User haben bereits bewertet

Kommentare 3

  • ONKLDNS

    Turmritter

    Danke für den Test! Liest sich gut. Leider ist mir Lego mit seinen Machenschaften sehr unsympathisch geworden, weshalb ich die lieber nicht supporten möchte.

  • playersdestiny

    DestinysPlayer

    Das Spiel klingt echt gut. Die gelegentlichen Performance-Probleme sehe ich weniger kritisch, eher würde ich mit der Steuerung hadern.


    Was ich cool finde, dass auch die Physik berücksichtigt wurde :)

  • Tarek-Taifoon

    Gleiche Baujahr wie Mario

    Gibt's das nur digital oder auch Retail?