Einfallsreiches Gruselabenteuer mit technischem Defizit

Vor anderthalb Jahren stellten wir euch das Gruselabenteuer In Sound Mind in einer dazugehörigen Vorschau vor, welches zwischenzeitlich für die Xbox Series X|S, PlayStation 5 und den PC erschien, ursprünglich aber auch für die Nintendo Switch vorgesehen war. Nach etlichen Verschiebungen ist es nun endlich so weit: In Sound Mind kann seit wenigen Tagen auch auf dem Hybriden genossen werden. Das Entwicklungsstudio We Create Stuff hat noch keine allzu lange Vorgeschichte. Als Schöpfer der Modifikation Nightmare House 2 für den Ego Shooter-Hit Half Life 2 machte sich die Schmiede einen kleinen Namen in Horrorkreisen. Die Mod bot seinerzeit etwa zwei Stunden einfallsreiche Gruselunterhaltung und kann noch heute kostenfrei heruntergeladen werden. Nun soll das bewährte Rezept auf ein vollwertiges Spiel angewandt werden, welches einen Umfang von etwa 15 Stunden Spielzeit verspricht. Ob die Tugenden von Nightmare House 2 noch heute funktionieren, möchten wir euch mit dem nachfolgenden Text verraten.


Ganz normal: Eure redselige Katze Tonia kriecht mit euch durch den Lüftungsschacht, nachdem der Aufzug ausgefallen ist.

© We Create Stuff

In Sound Mind beginnt nebulös in der überfluteten Kleinstadt Milton Haven. Woher die Flut kam und wem die sonderbare Stimme aus der kurzen Einleitung gehört, bleibt zunächst unbeantwortet. Ihr seid Desmond Wales, seinerseits studierter Psychotherapeut und ebenso ratlos wie ihr, der in einem desolaten Kellergeschoss eines dreistöckigen Gebäudekomplexes aufwacht. Schnell wird euch allerdings klar, dass irgendwas nicht mit rechten Dingen zugeht, denn die Flure sind gesäumt mit kleinen Nachrichten an euch und die Mitteilungen klingen alles andere als wohlgesinnt. Zudem findet sich überall eine rätselhafte Chemikalie, deren Farbe nicht ganz zuzuordnen ist und die einen merkwürdigen Effekt hervorruft, wenn ihr damit in Kontakt kommt. Woher die seltsame Substanz stammt und was das alles mit euren ehemaligen Patientinnen und Patienten zu tun hat, entfaltet sich in den nächsten 15 Spielstunden.


In dieser Zeit rätselt ihr euch durch die Korridore des Gebäudes, was sich später als euer einstiger Arbeitsplatz herausstellt. Doch ehe ihr das Interesse verliert: Dies bleibt nicht der einzige Schauplatz, den In Sound Mind bietet. Denn im Vordergrund stehen vier eurer früheren Patientinnen und Patienten, deren verzerrtes Schicksal ihr mittels Tonaufnahme noch einmal erlebt. So entführt euch In Sound Mind in einen weitläufigen Supermarkt, an eine finstere Küste, auf ein ausgestorbenes Fabrikgelände und in einen düsteren Wald. Neben ein paar gefährlichen Kreaturen, die euch bei Sichtkontakt angreifen, erwarten euch auch die Manifestationen besagter Patientinnen und Patienten, die jeweils eng mit der persönlichen Geschichte der Betroffenen bzw. des Betroffenen verknüpft sind. Die abwechslungsreichen Abschnitte machen einen Großteil der Spielzeit aus und bieten viele kleine einfallsreiche Ideen, die auch Nightmare House 2 schon so besonders gemacht haben.


Trotz der wunderschönen Dekoration hält sich die Partystimmung in Grenzen.

© We Create Stuff

Primär werdet ihr damit beschäftigt sein, knifflige Umgebungsrätsel zu lösen und euch so durch die großflächigen Level zu manövrieren. Diese wirken niemals konstruiert und wurden sinnvoll in die Architektur der jeweiligen Umgebung eingewoben. In Sound Mind fühlt sich dabei durchweg an wie das Ende von Portal, wo ihr nicht mehr länger das Versuchskaninchen spielt und euch verhältnismäßig frei in der Forschungseinrichtung bewegt. Trotz ihrer großen Fläche haben die Level gewisse Wiedererkennungswerte, was gerade in Anbetracht der fehlenden Karte der fortlaufenden Orientierung dient. Habt ihr euch doch einmal verlaufen, schaffen im Level verteilte Karten mit Markierung eures aktuellen Standortes Abhilfe. In Sound Mind verliert sich nicht in ausufernden Tutorials und gibt auch selten Tipps, demnach solltet ihr eine gewisse Entdeckungsfreude mitbringen, möchtet ihr das Spiel vollumfänglich genießen. Apropos Entdeckung, die wird nicht nur mit aussagekräftigen Informationshäppchen belohnt, sondern auch mit Pillen, mit denen ihr vier Attribute – Tempo, List, Gesundheit und Ausdauer – eurer Spielfigur permanent verbessern könnt.


Denn anders als in den zuletzt im Horror-Genre vorherrschenden Walking-Simulatoren, müsst ihr in In Sound Mind auch einmal zur Waffe greifen, um euch gefährlicher Monster zu erwehren. Zwar ist das Arsenal nicht sonderlich üppig, erfüllt jedoch seinen Zweck und vermittelt eine gewisse Sicherheit in der lebensfeindlichen Umgebung. Das Spielgefühl lässt allerdings ein bisschen zu wünschen übrig, denn es wird schnell klar, dass In Sound Mind auf eine Steuerung mit Maus und Tastatur ausgelegt ist, was sich unter anderem in einer fehlenden Zielhilfe äußert. Auch das Sammeln von Items kann mit dem fummeligen Analog-Stick schon einmal den Geduldsfaden strapazieren, was vor allem in hektischen Situationen, die durchaus vorkommen, negativ auffällt. Abschließend soll hier noch erwähnt werden, dass In Sound Mind einzig automatische Speicherpunkte besitzt. Eine manuelle Speicherfunktion fehlt leider komplett und hätte manch nervige Situation vielleicht entschärfen können.


Auch die Optik büßt auf der deutlich schwächeren Nintendo Switch ordentlich an Glanz ein, wie schon in der vorangegangenen Vorschau befürchtet wurde. Zwar kann man In Sound Mind auch auf dem Hybriden genießen, muss aber mit teils gravierenden Einschnitten in der visuellen Präsentation vorliebnehmen, die aber immerhin noch ein homogenes Gesamtbild auf die Mattscheibe zaubert. Besitzt ihr hingegen eine andere Plattform, für die das Spiel ebenfalls erhältlich ist, wäre es ratsam, auf diese auszuweichen. So müsst ihr euch nicht mit der sehr viel geringeren Auflösung und schwankenden Bildrate, die gerne mal unterhalb der dreißig Bilder pro Sekunde verweilt, herumschlagen. Während des Testzeitraums konnte zudem ein Absturz verzeichnet werden. Was man allerdings noch hervorheben sollte, ist der durchaus gelungene Soundtrack, der in Zusammenarbeit mit dem Künstlerkollektiv The Living Tombstone entstanden ist. Dieser fängt die Geschehnisse auf dem Bildschirm gut ein und trägt zur herrlich skurrilen Atmosphäre des Spiels bei.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Felix Kraus

In Sound Mind vereint die Tugenden der einstigen Half Life 2-Mod „Nightmare House 2“ in einem vollwertigen Spiel und kann damit problemlos seine 15 Stunden Spielzeit füllen. Freilich handelt es sich hierbei nicht um einen Titel für jedermann. Wer lähmenden Horror mit Schockergarantie erwartet, wird ziemlich sicher enttäuscht werden. Ebenso solltet ihr eine gewisse Entdeckungsfreude mitbringen, denn In Sound Mind verliert nur wenige Worte und setzt vielmehr auf subtile Hinweise für die Lösung der vielen einfallsreichen Umgebungsrätsel. Leider müssen Spielerinnen und Spieler auf der Nintendo Switch mit gravierenden Einschnitten in der Bildqualität vorliebnehmen und eine schwankende Bildrate erdulden, weswegen sich ein Ausweichen auf eine andere Plattform empfiehlt. Beim Soundtrack macht In Sound Mind hingegen alles richtig. Dieser trägt deutlich zur Atmosphäre bei und untermalt die verschiedenen Situationen gekonnt.
Mein persönliches Highlight: Das gelungene Spielprinzip, welches bereits Nightmare House 2 zu einem kleinen Hit machte.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 1

  • VegetaBln

    Turmheld

    Ich hab mir das kürzlich geholt. Aber für PS5, nachdem ich gesehen hab, wie schlecht die Switch Version aussieht. :P

    Das Spiel ist aber richtig gut.