So unvollständig wie ein Bus mit fehlenden Sitzen

Der öffentliche Personennahverkehr ist nichts für schwache Nerven. Kaum vorstellbar, dass es dann auch noch Personen gibt, die dies gerne in der Freizeit erleben möchten und sich hierbei virtuell selber als Busfahrer oder Zugführer vorne ins Fahrzeug setzen möchten. Vielleicht möchten diese einfach alles besser machen als die Verkehrsbetriebe in der jeweiligen Stadt.


Beim Anhalten an der Bushaltestelle nie vergessen den Blinker zu setzen.

© astragon Entertainment

Der deutsche Publisher astragon Entertainment ist bekannt für viele Simulationen, darunter auch die Bus Simulator-Serie, die bereits in vielen Ausführungen erschienen ist und seit dem Jahr 2016 in der Hand der österreichischen stillalive studios ist. Nachdem diese Bus Simulator 16, Bus Simulator 18 sowie Bus Simulator 21 entwickelt und erfolgreich veröffentlicht hatten, erscheint nun mit Bus Simulator City Ride eine speziell kreierte Version für die Nintendo Switch. Es ist schön zu sehen, dass der Nintendo Switch besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird, allerdings hat dies nicht immer nur Vorteile. In diesem Test werde ich euch die Vor- und Nachteile dieser speziellen Version aufzählen.


In Bus Simulator ist es die Aufgabe die eigene Busflotte durch den Kauf neuer Busse aufzubauen und als Busfahrer bestimmte Routen abzufahren und die Fahrgäste an ihr Ziel zu bringen. Es ist dabei natürlich kein Grand Theft Auto, sondern ein Spiel, in welchem es eher ruhiger zugeht. Geschwindigkeitsbegrenzungen sollten beachtet werden, Fahrten über rote Ampeln werden geahndet und auch der Blinker sollte gesetzt werden. Je weniger Fehler, umso besser die Bewertung. Auch der Fahrplan muss beachtet werden und Verspätungen werden ebenfalls mit Minuspunkten bestraft. Es ist ein Spiel, welches möglichst viel auf Realismus setzt. Zwischendurch muss der Scheibenwischer betätigt werden, der schlafende Fahrgast durch das Autoradio geweckt werden und der Ausstieg am Fahrbandrand geöffnet werden. Ihr habt als Busfahrer viel zu tun, wenn auch deutlich weniger als in Bus Simulator 21.


Technisch ist das Spiel ganz gut, inhaltlich allerdings besonders mangelhaft.


Großer Vorteil der exklusiven Nintendo Switch-Version ist die technische Umsetzung des Spiels. Es wirkt so als würde das Spiel von Grund auf neu aufgebaut worden sein und somit läuft das Spiel flüssig und ruckelt nicht. Ein großer Kritikpunkt von vielen Nintendo Switch-Portierungen von Spielen, die ursprünglich für PlayStation- und Xbox-Konsolen erschienen sind, ist dass die Texturen ziemlich unscharf und verwaschen sind. Da es sich bei dem Spiel nicht per se um einen Port handelt, ist dies kein Problem. Kleine technische Fehler sind dennoch vorhanden, ein Mal ist mir das Spiel sogar abgestürzt und bei jedem Neustart des Spiels werden immer wieder die bereits freigeschalteten Inhalte als neue Inhalte verkauft. Hoffentlich wird ein Patch diese Fehler noch beheben.


Ticketverkäufe sind in diesem Spiel richtig sinnlos. Ihr wählt genau den Punkt aus, der oben angezeigt wird.

© astragon Entertainment

Ebenfalls erfordert die Steuerung nur kurze Eingewöhnungszeit und geht recht leicht von der Hand. Dies könnte allerdings auch damit zusammenhängen, dass die Steuerung deutlich vereinfacht wurde und weniger realistisch ist. Wenn ihr im Bus Simulator 21 in eine scharfe Kurve abbiegt, braucht das Lenkrad ein wenig, um sich wieder gerade auszurichten. Dieses Merkmal gibt es auf der Nintendo Switch nicht. Durch die einfache Steuerung ist Bus Simulator City Ride weniger herausfordernd als Bus Simulator 21. Dies kann man je nach Spielertyp positiv oder auch negativ interpretieren.


Inhaltlich ist Bus Simulator City Ride deutlich abgespeckter als der große Bruder auf der Xbox, PlayStation und dem PC. Nehmen wir zum Beispiel die Fahrscheinverkäufe. In Bus Simulator 21 werden Fahrscheine über die Kasse verkauft. Der Fahrgast sagt, ob dieser ein Studenten-, Erwachsenen- oder Seniorenticket haben möchte und wie lange die Gültigkeit davon sein soll. Der Kunde gibt das Geld und man muss diesem das Rückgeld über den Geldwechsler zurückgeben. In der Nintendo Switch-Version öffnet sich ein Pop-Up-Menü und man muss nur den entsprechenden Menüpunkt auswählen, welcher darüber angezeigt wird. Dies hat nichts mit Realismus zu tun und die Funktion kann meiner Meinung nach auch komplett gestrichen werden. Viele weitere Funktionen wurden eingeschränkt oder komplett weggelassen, wie zum Beispiel die Funktion des Absenkens von Bussen. Dies sorgt zwar für eine größere Übersichtlichkeit, es geht allerdings dabei viel Realismus verloren. Bus Simulator 21 bietet sowohl einen neuen Open-World-Ansatz sowie einen kooperativen Mehrspielermodus. Beide sind in City Ride nicht vorhanden und wurden alternativlos gestrichen. Auch die deutschsprachige Vertonung ist deutlich schlechter umgesetzt als in dem größeren Spiel, es ist schon ein wenig merkwürdig, wenn die Stimme einer älteren Dame ein Studententicket erwirbt. Aber gut, heutzutage kann man auch mit 70 studieren.


Ihr könnt sowohl in der Ego-Perspektive als auch in der Third-Person-Perspektive spielen.

© astragon Entertainment

Rein spielerisch bietet der Titel eine Vielzahl an Routen in der europäischen Fantasiestadt Havensburg. So gibt es verschiedene Stadtviertel, die von eurem Bus angefahren werden. Sicherlich ist die Stadt nicht besonders schön, allerdings funktionell. Es gibt ein wenig Verkehr, welchen man beachten soll, Fußgänger sind deutlich seltener anzutreffen als in Bus Simulator 21. Neue Routen werden nach Levelaufstiegen und dem erforderlichen verdienten Geldbetrag freigeschaltet und auch neue offiziell lizenzierte Busse können mit dem verdienten Geld freigeschaltet werden. Problem ist allerdings, dass die Levelaufstiege teilweise nicht schnell genug sind, denn oftmals muss man alte Level zwei bis drei Mal spielen, um genug Erfahrungspunkte zu sammeln, die neue Level freischalten. Dies ist sehr nervig und nimmt dem Spiel viel Spaß. Für Spieler, die einfach nur alle Routen abfahren wollen, hat man die Hürden besonders hoch gesetzt und zwingt somit den Spieler immer wieder das Gleiche zu spielen.


Etwas undurchsichtig ist die Bewertung einer Busfahrt. Ich hatte schon mehrmals Fahrten, bei denen ich komplett fehlerfrei gefahren bin und immer wieder Bonuspunkte für das Blinken eingesackt habe, allerdings hat das Spiel mich abschließend mit drei von fünf Sternen bewertet. Ich hätte hier gerne aus Transparenzgründen eine Erklärung für die Bewertung gehabt. Zwischenzeitlich wurden fehlerbehaftete Fahrten mit fünf Sternen bewertet. Ich würde mich ja auch gerne verbessern, aber ich wüsste nicht, was ich besser machen kann, um fünf Sterne für alle Fahrten zu bekommen.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Ilja Rodstein

Bus Simulator City Ride ist eine eigens kreierte Version des Bus Simulators für die Nintendo Switch. Im Vergleich zum aktuellsten Spiel der Reihe, Bus Simulator 21, sind auf dem Weg dahin ziemlich viele Inhalte verloren gegangen. Von 30 Bussen sind nur noch 10 im Spiel vorhanden, viele Funktionen, wie die Ticketverkäufe oder die lebendige Stadt, wurden deutlich verschlankt oder einfach gestrichen, wie zum Beispiel das Open-World-Konzept oder der Mehrspielermodus. Dabei ist das besonders schade, denn rein technisch hat es dem Spiel ganz gut getan, keine Portierung zu sein, denn mit einem zugedrückten Auge bei kleineren Fehlerchen läuft das Spiel einwandfrei und mit konstanter Bildrate. Solltet ihr einen Bussimulator spielen wollen, so greift lieber zu Bus Simulator 21, solltet ihr allerdings keine Alternativkonsole zur Nintendo Switch haben, dann könnt ihr dem Spiel doch eine Chance geben. Für die Fahrt zwischendurch ist der Titel recht amüsant.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 2

  • Darkseico

    Turmfürst

    Ja schade drum dann halt nicht. Netter Versuch. :D

    Und danke für den Test. :)

  • Rob64 Gaming

    Turmheld

    Ich kann mich nicht beschweren. Bin sicher schon 10 Stunden gefahren und hatte viel Spaß. 5er Wertung finde ich etwas har aber ich kann die Kritik nachempfinden.