Augen zu und durch!

Yomawari: Lost in the Dark markiert den dritten Teil der schaurigen Videospielreihe des japanischen Entwicklungsstudios Nippon Ichi Software und erschien bereits vergangenen April in Fernost unter dem Titel Yomawari 3. Nun ging das Horror-Abenteuer auch hierzulande an den Start und verspricht unheimliche Gruselunterhaltung für die finsteren Herbsttage. Yomawari: Lost in the Dark verfolgt dabei dasselbe Spielprinzip wie seine beiden Vorgänger und entlässt euch in eine finstere Kleinstadt, durch deren Gassen der vielseitige Spuk flaniert. Auch optisch schlägt der Titel in dieselbe Kerbe und bietet abermals eine knuffige Präsentation mit verstörenden Nuancen. Wir haben den neuesten Ableger unter die Lupe genommen und möchten euch nun verraten, ob die bewährten Tugenden zum dritten Mal überzeugen können.


Auch das Inventar eurer Heldin präsentiert sich stilsicher.

© Nippon Ichi Software / NIS America

In Yomawari: Lost in the Dark schlüpft ihr in die Rolle einer jungen Schülerin, die aus zunächst unerklärlichen Gründen von ihren Mitschülerinnen und -schülern gehänselt wird. Das Spiel beginnt in einer Kabine der Schultoilette, wo das Mädchen Zuflucht vor dem unbegründeten Zorn ihrer Klassenkameradinnen und -kameraden sucht. Leider kann sie dort nicht den ganzen Tag verbringen und macht sich wenig später auf den steinigen Weg ins Klassenzimmer. Dort angekommen, setzt sie sich an einen mit Schmierereien verunstalteten Tisch und lässt weiterhin die schelmischen Streiche ihrer Schulkolleginnen und -kollegen über sich ergehen. Nach dem Unterricht flüchtet das Mädchen auf das Dach der Schule, blickt in den abendlichen Himmel – und befindet sich urplötzlich in einem seltsamen verschneiten Wald. Dort trifft sie auf ein anderes Mädchen, dass ihr von einem furchtbaren Fluch erzählt, der sie und nun auch euch befallen hat. Um besagten Bann zu brechen, müsst ihr zurück in die Stadt und eure Erinnerungen wiederfinden, ehe die Morgendämmerung anbricht. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.


Um eure Gedächtnislücken zu füllen, müsst ihr bestimmte Orte in der besagten Kleinstadt aufsuchen und dort wiederum spezielle Objekte finden, die zuvor einmal in eurem Besitz waren. Die Schauplätze fallen dabei vielseitig aus und bieten einen angenehmen Kontrast zum urbanen Knotenpunkt. So verschlägt es euch auf ein Reisfeld, in einen Bambuswald, ans Ufer der düsteren See und auf steile Klippen. Jede Umgebung kommt mit ihrer eigenen Geschichte und individuellen Schreckgespenstern daher. Den Abschluss eines solchen Ausflugs bildet zumeist ein knackiger Bosskampf – obwohl es sich hierbei vielmehr um einen abschließenden Geschicklichkeitstest handelt als um ein physisches Handgemenge.


Yomawari: Lost in the Dark schreckt nicht vor verstörenden Bildern zurück.

© Nippon Ichi Software / NIS America

Denn eure Spielfigur ist äußerst zerbrechlich und stirbt bereits nach der kleinsten Berührung mit einem Feind. Ihr solltet also stets vorsichtig sein und nicht blindlings in die Dunkelheit sprinten. Nähert ihr euch einem Widersacher, fängt euer Herz an zu klopfen. Häufig reicht es aus, in solchen Momenten per Knopfdruck die Augen zu schließen und die Gefahr in einem gemäßigten Tempo zu umgehen. Das hilft jedoch nicht bei allen Kreaturen – und so bleibt immer ein gewisser Überraschungseffekt, begegnet ihr einem unbekannten Monster. Solltet ihr den Ungetümen allerdings doch einmal zum Opfer fallen, müsst ihr keine harschen Konsequenzen fürchten. In der Spielwelt stoßt ihr regelmäßig auf sogenannte Jizō-Statuen. Diese dienen nicht nur als Speicher- und Rücksetzpunkte, sondern auch als praktisches Schnellreiseziel. Um euren Spielstand zu sichern, benötigt ihr lediglich Münzen, die ihr zuhauf bei der Erkundung finden werdet. Apropos Erkundung: Die ist ein zentrales Spielelement von Yomawari: Lost in the Dark, weswegen ihr eine gewisse Entdeckungsfreude mitbringen solltet, um den Titel vollumfänglich genießen zu können. Tipps oder Hinweise gibt es selten, es sei denn, ihr habt diese zuvor selbst gefunden. Ebenso solltet ihr der englischen Sprache mächtig sein, deutsche Texte gibt es nämlich nicht.


Obwohl das neugierige Umherschlendern einen großen Teil des Spiels ausmacht, müsst ihr keine Eintönigkeit fürchten. Yomawari: Lost in the Dark bietet nämlich auch viele kleine Rätsel, die eure Spielsitzungen zusätzlich auflockern. Die stellen zwar nur selten echte Kopfnüsse dar, versorgen euch aber regelmäßig mit kleinen Euphorieschüben, habt ihr mit eurem scharfen Verstand die passende Lösung kombiniert. Die Spielzeit von Yomawari: Lost in the Dark beträgt um die zehn bis fünfzehn Stunden, kann jedoch auch deutlich länger ausfallen, möchtet ihr jedes Item in der weitläufigen Spielwelt einsammeln und alle Geheimnisse zutage fördern. Der Schwierigkeitsgrad fällt indes zumeist moderat aus und nimmt mit fortschreitender Spieldauer etwas zu.


Optisch macht Yomawari: Lost in the Dark einen stimmigen und sauberen Eindruck. Sowohl im mobilen als auch im stationären Modus der Nintendo Switch läuft der Titel einwandfrei und ohne jegliche Ruckler. Auch die Ladezeiten fallen angenehm kurz aus und trennen euch nur wenige Sekunden von einem etwaigen Neustart. Das liegt natürlich auch daran, dass Yomawari: Lost in the Dark trotz seines detailverliebten Zeichenstils verhältnismäßig simpel daherkommt. Der Titel verzichtet auf ressourcenhungrige Effekthascherei und setzt komplett auf Charme, was unterm Strich auch wunderbar aufgeht. Erwartet ihr hingegen ein deutliches Upgrade zu den Vorgängern, werdet ihr höchstwahrscheinlich enttäuscht. Das gilt auch für den Soundtrack. Yomawari: Lost in the Dark bietet nur vereinzelte Musikstücke und verlässt sich ansonsten auf unheimliche Umgebungsgeräusche. Kommt jedoch mal ein Instrument zum Einsatz, münden besagte Ensembles zumeist in einen melodischen Kracher.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Felix Kraus

Yomawari: Lost in the Dark unterscheidet sich kaum von seinen beiden Vorgängern, macht aber dennoch eine Menge Spaß, insofern man dem gemäßigten Spieltempo etwas abgewinnen kann. Die Optik ist verhältnismäßig schlicht, besticht aber durch einen schönen, detailverliebten Zeichenstil, der auch schon in den vorherigen Ablegern zu überzeugen wusste. Der Fokus des Spiels liegt weiterhin auf der eigenhändigen Erkundung der abwechslungsreichen Spielwelt. Selten nimmt euch das Spiel an die Hand, sondern appelliert stattdessen an euren Entdeckungsdrang. Neben der erforderlichen Eigeninitiative solltet ihr auch ein Verständnis für die englische Sprache mitbringen, denn deutsche Texte sucht man in Yomawari: Lost in the Dark vergeblich. Für den nächsten Teil wäre außerdem eine Sprachausgabe wünschenswert. Gerade in den Erinnerungen eurer Spielfigur wirkt es manchmal seltsam still und dadurch gelegentlich nicht mehr ganz so zeitgemäß. Hat euch die Videospielreihe bisher gefallen, könnt ihr auch mit diesem Eintrag nichts falsch machen. Konnten euch hingegen schon die Vorgänger nicht überzeugen, wird euch Yomawari: Lost in the Dark auch nicht umstimmen.
Mein persönliches Highlight: Die charmante Präsentation und die teils pfiffigen Rätsel.

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