Gerade eben noch Gast, kurz danach schon Hauptgericht

Kochen in Videospielen übt eine gewisse Faszination aus und wurde im Laufe der Zeit immer wieder von verschiedenen Spielen aufgegriffen. Während man sich beispielsweise im Cooking Simulator komplett auf den Ablauf des Kochens in aller Tiefe beschränkt, rücken andere Spiele eher den Restaurantbetrieb in den Vordergrund. Hier müssen Zutaten gekauft, Rezepte geplant, die Bestellungen entgegengenommen, die Gerichte gekocht und schließlich serviert werden. Realismus im Kochprozess wird hier eher vernachlässigt. Diese Aspekte werden bei Godlike Burger interessanterweise noch mit einem Rogue-lite kombiniert. Für mich das perfekte Rezept für unterhaltsamen Spielspaß.


Godlike Burger erzählt mithilfe von textlosen Cartoonstrips die Geschichte eines Mannes, der wohl am Boden der Gesellschaft angekommen ist. Durch einen Unfall verlor er sein Bein, seinen Job und so ziemlich alles andere. Nur die Erinnerungen an die leckeren Burger seiner Großmutter, die überall in der Galaxie beliebt waren, sind ihm geblieben. Die und sonderbarerweise das Restaurant, das er geerbt und nie zu Geld gemacht hat. Er rafft sich also ein letztes Mal auf und will in die Fußstapfen seiner Großmutter treten und die weltbesten Burger machen! Leider versteht er wohl nicht viel vom Kochen und die ersten Burger sind ungenießbar. Eine gottähnliche Kreatur löscht daraufhin alle wütenden Gäste aus und lässt dem armen Koch die Wahl: Burger oder Tod. Da Sterben das Spiel stark verkürzen würde, entscheidet sich dieser für die Burger und möchte das Restaurant weiterbetreiben. Wenn er doch nur noch Geld für neues Fleisch hätte … Glücklicherweise liegen aber noch die Leichen der wütenden Gäste herum. Es wäre ja schließlich Verschwendung diese nicht nutzen, oder? So oder so ähnlich kann man den einleitenden Comicstrip deuten, das Ergebnis bleibt aber auch mit anderer Deutung dasselbe: Ihr verkauft Burger aus dem Fleisch eurer Kundschaft.


Auf der linken Bildschirmseite erscheinen alle Gäste mit ihren Bestellungen und Aktivitäten.

© Daedalic Entertainment GmbH

Das Spiel selbst ist in Tage unterteilt. Ihr startet bei Tag 1 auf einem Planeten mit armen nacktmullähnlichen Kreaturen. Diese besuchen euer Restaurant und wollen sehr anspruchslose Burger mit unterschiedlichem Belag. Eure Aufgabe ist es nun, Fleisch aus dem Kühlschrank zu holen, es anzubraten und anschließend auf einen Burgerbun zu legen. Zwischendurch möchten die Kunden dann noch Salat, Käse oder Zwiebeln dazu. Die fertigen Burger werden anschließend in eine Serviertheke gestellt, aus der der Gast kurze Zeit später seinen Burger abholt. Beim Abholen des Burgers bezahlt der Kunde diesen und nachdem er ihn gegessen (und er ihm geschmeckt) hat, gibt es noch Trinkgeld obendrauf. So weit, so gut, bis hierhin ist das Spiel recht simpel und man muss einfach nur die Bestellungen richtig ausliefern. Wenn da jetzt nicht das Problem mit dem Fleisch wäre … Während ihr Burgerbuns, Salat, Tomaten, Zwiebeln und alles mögliche andere vor Tagesbeginn einfach nachkauft, müsst ihr das Fleisch auf andere Art und Weise besorgen. Ihr müsst hierfür in einem günstigen Moment eure Kundschaft mit dem Hackebeil erschlagen und die Leichen anschließend beseitigen.


Der günstige Moment entsteht hierbei durch unterschiedliche Faktoren: So wollt ihr natürlich zuerst mal eure Kunden bedienen und die Bestellung mit optimalem Ergebnis abschließen. Dies ist notwendig, um Geld zu verdienen, mit dem ihr Rechnungen, Verbesserungen und Zutaten erwerben könnt. Tötet ihr einen Kunden, bevor er seinen Burger bestellt oder abgeholt hat, dann bekommt ihr von ihm keinen müden Cent mehr. Nachdem der Burger verspeist und im Idealfall noch mal mit Trinkgeld gegeben hat, müsst ihr nun noch nach einer günstigen Gelegenheit suchen. Im voll besetzten Speiseraum auf einen Gast mit dem Hackebeil loszugehen, würde vermutlich keinen guten Eindruck machen und schlimmstenfalls sogar die Polizei alarmieren. Besser ihr fangt euren Gast in der Toilette oder bei der Raucherpause hinterm Restaurant ab. Anschließend müsst ihr noch die Leiche ungesehen loswerden und euch vom Blut befreien, denn auch ein blutiger Koch sorgt bei den Gästen für Misstrauen. Gelegentlich finden an den Tagen auch noch erschwerende Spezialereignisse statt. So machen euch beispielsweise Demonstranten das Leben schwer, die einfach ungefragt und jederzeit in die einzelnen Räume (sogar besetzte Toiletten!) eindringen und protestieren.


Die Fleischbeschaffung ist anfangs noch sehr mühsam.


Der gesamte Prozess ist anfangs noch sehr aufwändig und muss selbst durchgeführt werden. Da hierbei an vielen Stellen die Gefahr besteht, erwischt zu werden, könnt ihr euer mühsam verdientes Geld in allerlei Verbesserungen investieren. So könnt ihr einerseits euer Restaurant verbessern und so beispielsweise dafür sorgen, dass die Burger auf dem Herd nicht mehr anbrennen, während ihr gerade einen Kunden zerstückelt. Andererseits könnt ihr auch den Koch selbst verstärken, wie etwa mit schnelleren Händewasch-Skills oder einem besseren Hackebeil. Und schließlich könnt ihr noch im Restaurant Fallen aufstellen und diese ebenfalls noch verbessern. So kann auf dem Hinterhof die Klimaanlage zu einer todbringenden Falle umgewandelt werden, die auf jeden Gast beim Vorbeilaufen herunterfallen kann. In Kombination mit dem Upgrade zur automatischen Leichenbeseitigung wird im Nu aus jedem Raucher ein leckerer Burger. Auch aus der Toilette lässt sich mit einem Tentakelmonster eine wunderbare Fleischquelle erstellen. Allerdings solltet ihr hierbei auch immer beachten: Sieht ein Gast wie ein anderer Gast von einer Klimaanlage erschlagen wird, wird er panisch die Polizei anrufen. Dauerhaft die Fallen aktiv zu haben, kann also unter Umständen keine gute Idee sein.


Oh Nein, die Polizei ist da. Glücklicherweise merken die Polizisten nicht, dass drei Gäste gerade im Fleischwolf sind.

© Daedalic Entertainment GmbH

Taucht die Polizei bei euch auf, beginnt der nervöse Schweißausbruch. In den meisten Fällen könnt ihr euch noch retten, indem ihr euch einfach ruhig und unauffällig verhaltet. Deaktiviert besser die Fallen und serviert einfach eure Burger. Nach einiger Zeit werden die Polizisten wieder abziehen und das Zerstückeln kann weiter gehen. Solltet ihr euch jedoch irgendwie verdächtig machen oder gar einen Polizisten angreifen, werden sich alle anderen auf euch stürzen und ohne Vorwarnung zurückschlagen. Verliert ihr so alle eure Herzen, heißt es leider Game Over. Glücklicherweise rettet euch die göttliche Gestalt aus dem Intro jedes Mal aufs Neue und ihr könnt wieder bei Tag 1 euer Glück versuchen. Alle erworbenen Upgrades dürft ihr in den neuen Spielverlauf mitnehmen, die erwirtschafteten Zutaten und das übrige Geld verliert ihr jedoch. Das Geld könnt ihr aber glücklicherweise auch im Tresor lagern, dieser bleibt ebenfalls nach einem gescheiterten Versuch bestehen.


Neben dem ersten Planeten, auf dem ihr nur auf die Nacktmulle trefft, warten noch viele weitere Himmelskörper auf eure köstlichen Burger. Hierbei bekommt ihr immer anspruchsvolleres und zahlungsfreudigeres Publikum. Da jede Alienart ihre eigenen Fleischvorlieben hat, müsst ihr hier außerdem etwas experimentieren, um euer Trinkgeld zu verdienen. Auch die Art des Todes müsst ihr unter Umständen auf die Aliens anpassen, da jede Spezies Immunitäten und bevorzugte Aktivitäten aufweisen kann. Aliens, die keine Raucherpausen einlegen, werden eher nicht in eure Klimaanlagenfalle tappen. Glücklicherweise könnt ihr hier etwas nachsteuern. Neben dem Fleisch versorgen euch die Kunden auch mit leckeren Soßenzutaten. Zu Beginn habt ihr lediglich das Rezept für eine Nikotinsoße, diese sorgt dafür, dass der Gast nach einem Burger zum Rauchen geht. Über Geld könnt ihr schließlich viele weitere Soßenrezepte erwerben und diese in der Pause zwischen den Tagen vorbereiten. So müsst ihr letztlich nur noch beachten, gegen welche Fallen die Kundschaft immun ist. Entkommt euer Opfer und sorgt dafür, dass die Polizei zu misstrauisch wird, könnt ihr zwischen den Tagen zu einem anderen Planeten wechseln, bis die Lage sich beruhigt hat. Hierfür müsst ihr lediglich ein wenig Geld für den Standortwechsel zahlen sowie die wechselnden Miniaufgaben für den neuen Planeten beendet haben. Diese Aufgaben müssen in jedem Spielverlauf immer wieder aufs Neue gelöst werden. Mal müsst ihr eine bestimmte Anzahl an Kunden zu Fleisch verarbeiten, ein andermal solltet ihr eine gewisse Menge an Kunden für Reputation am Leben lassen.


Optisch wird das doch etwas gewaltverherrlichende Rogue-lite in einen sehr ansprechenden und passenden Cartoonlook verpackt. Das Restaurant als einziger Schauplatz ist liebevoll und detailliert eingerichtet. Alle Texte im Spiel sind auf Deutsch verfasst, wobei ihr mit diesen nur in den Pausen zwischen den Tagen konfrontiert werdet. Im Tagesverlauf selbst wird viel mit Symbolik gearbeitet. Durch die kurze Dauer der einzelnen Tage lässt sich das Spiel sehr schnell für zwischendurch starten und pausieren. Wie bei jedem Rogue-lite wird das Spiel im Laufe der Zeit immer einfacher, da ihr außerdem keinerlei Notwendigkeit für komplexere Planeten habt, könnt ihr auf dem Planeten bleiben, mit dessen Schwierigkeit ihr am besten klar kommt. Auf diese Weise eignet sich das Spiel auch für Genre-Neueinsteiger. Allerdings solltet ihr definitiv nicht zu zartbesaitet sein, denn ihr müsst eure Kundschaft töten, hier führt über kurz oder lang kein Weg daran vorbei.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Philipp Freibauer

Godlikes Burger konnte mich durch die gute Mischung aus Rogue-lite und Restaurant überzeugen. Die vielen verschiedenen Alienrassen mit ihren jeweiligen Vorlieben zu bedienen ist bereits eine Herausforderung, vor allem da man beim Zutatenkauf schon die Bevölkerung des Planeten im Hinterkopf behalten muss. Gehen einem mitten am Tag die Zutaten aus, bleibt nur noch ein Amoklauf und das damit einhergehende Beschaffen von neuem Frischfleisch. Und auch hier muss im späteren Spielverlauf immer mehr berücksichtigt werden. Seien es nun die Immunitäten der Aliens oder einfach nur das Schadenspotenzial der jeweiligen Fallen. Gerade die späteren Kunden sind etwas härter im Nehmen, wodurch die Falle selbst den ein oder anderen nicht mehr direkt tötet. Dann ist schnelles Handeln gefragt oder die Polizei führt abermals eine Razzia durch. Da für jeden Planeten außerdem in jedem Spieldurchlauf andere Aufgaben gelöst werden müssen, verläuft der Weg durch die Galaxis immer wieder anders. Sehr schön finde ich hierbei, dass ich auch nicht gezwungen werde, die anderen Himmelskörper zu besuchen. So kann ich mich Stück für Stück vorbereiten und zuvor beispielsweise das Lieblingsfleisch der dort ansässigen Aliens erarbeiten. Selbst wenn ihr auf den anderen Planeten wechselt, bleibt euch auch immer noch der Weg wieder zurück. Leider vermisse ich ein bisschen einen Multiplayer-Modus und die Anpassbarkeit des Restaurants. Zwar können neue Herdplatten erworben werden, dennoch würde ich mich gern ein wenig an der Architektur des Restaurants zu schaffen machen.
Mein persönliches Highlight: Der pure Nervenkitzel, an einem Tag die meisten Kunden zerstückelt zu haben und dabei nicht aufgeflogen zu sein.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 2

  • [email protected]

    Turmknappe

    klingt interessant. Danke für den Test :)

  • Lockenvogel

    Dumm aber klug!

    HEAVY METTEL! Fleischbeschaffung rockt... nachdem im Nachbarort ein Metzger seinen 24-7 erreichbaren Automaten mit ordentlich Zwiebelmett bestückt hat, wurde meine Welt eh gleich porkey-rosig! :* :love: <3 :thumbup: