Blitzschnelles Arcade-„Dodge ‘em up“ mit Rogue-like-Elementen

Geschicklichkeitsspiele, die schnelle Reaktionen benötigen, aber auch durch simples Erlernen schaffbar sind, stoßen immer auf mein Interesse. Vor allem, wenn sich die Kontrolle über das zu steuernde Subjekt butterweich anfühlt und die Schuld des eventuellen Versagens vorrangig bei der Spielerin oder beim Spieler zu finden ist, sorgt dies für unheimliche Befriedigung, wenn das Level endlich geschafft wurde. Zu diesem Genre zählt nun auch das selbsternannte „Dodge 'em up“ namens Swordship, der Debüt-Titel aus dem Hause Digital Kingdom, der sich von Genre-Namensvettern abspalten möchte, indem er statt auf Schießen nämlich auf Ausweichen setzt. Ob Swordship wegen Kontrollverlusts nicht doch mit Vollspeed an die Wand fährt, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.


Waghalsige Manöver unter post-apokalyptischen Bedingungen


Bei Arcade-Titeln sticht die Story in den seltensten Fällen hervor. Da ist es nicht verwunderlich, dass auch die Geschichte von Swordship lediglich als erklärende Randerscheinung dient. Demnach setzt der Titel einige Jahre nach den verheerendsten Folgen der globalen Erderwärmung an, das nicht nur an den schnellen und extremen Wetterumschwüngen zu erkennen ist, sondern auch an dem präsentierten Cyber-Setting. Durch globale Krisen, die Nahrungsmängel und Ressourcenknappheit zur Folge haben, kann die Menschheit außerhalb der technisch vorangeschrittenen und unter Wasser liegenden Städte nur noch bedingt überleben. Um diesen Orten also Unterstützung zu leisten, schwingt ihr euch hinter's Steuer der „ultraschnellen“ Schiffe und liefert gestohlene Container mit allerlei Grundversorgung an außenliegende Zivilisationen. Dennoch bekommt ihr in Swordship nur den Akt des Stehlens geboten, das eigentliche Ziel eurer Fahrten, die Außenwelt, bleibt abgesehen von kleinen Einspielern dann doch eher unbekannt. Grundsätzlich erfahren wir über das Universum des Arcade-Titels nicht allzu viel.


In Swordship wird nicht geschossen, sondern ausgewichen.

© Thunderful Publishing AB

Das ist aber auch nicht weiter schlimm, denn hier steht nämlich das Gameplay, der Progress und die Motivation von Swordship im Mittelpunkt. So bewegt ihr das schnelle Schiff über Flüsse, um die dort befindlichen Container den bisherigen Eigentümern unbeschadet abzuluchsen, was ein wenig an das Prinzip von Robin Hood erinnert. Anfangs noch startet ihr mit einem Schiff ohne Upgrades. Quasi nackt begebt ihr euch auf eure erste Mission, die in verschiedenen Abschnitten mit jeweils eigenen Leveln daherkommt. Die Schwierigkeit der Level steigert sich mit jedem Abschluss, die zu erhaltenen Punkte auch; will also heißen: Es tauchen zunehmend mehr Gegnertypen auf, die verschiedene taktische Ausweichmanöver von euch erwarten. Darüber hinaus können sie mit geschickten Moves gegeneinander ausgespielt werden: Beispielsweise könnt ihr durch Annähern eine Mine auslösen, welche durch ihre Explosion einen Radius an Schaden anrichtet und so unter anderem ein Geschütz ausschalten kann – hier wird taktische Freiheit großgeschrieben und gelingt dem Titel unheimlich gut.


Wie eingangs angerissen, greift hier stark das Risk-Reward-Prinzip; je waghalsiger ihr in die Level startet, desto mehr Belohnungen fließen am Ende in eure Taschen. Solche Belohnungen hängen stark von der Anzahl der gesammelten Container ab: Am Ende eines jeden Abschnitts könnt ihr euch nämlich aussuchen, ob die Container euch zufällige Upgrades für das Schiff bescheren sollen oder ob ihr 1.000 zusätzliche Punkte auf euer Konto gutgeschrieben bekommen wollt. Die Punkte sind wiederum wichtig für den Fortschritt im Spiel: Pro Durchlauf könnt ihr einen Highscore erreichen, mit welchem ihr unterschiedliche technische Ausstattungen für euer Schiff freischaltet, beispielsweise einen Bullet-Time-Modus. Entscheidet ihr euch gegen die Punkte, erhaltet ihr ein temporäres Upgrade und ein zusätzliches Leben für den Durchlauf. So steht euch frei, ob ihr eher riskant und mutig ins nächste Level startet, dafür aber 1.000 zusätzliche Punkte mit nach Hause nehmt, oder euch lieber absichert, falls der nächste Abschnitt dann doch ein Stück zu schwer für euch ist. Hier kommt auch das ausmachende Merkmal von Swordship zum Tragen: Nicht nur im Gameplay selbst, sondern auch wie ihr im Spiel vorankommen wollt, hängt zwar einerseits von eurem Skill ab, auf der anderen Seite aber auch von eurem Risiko, welches ihr eingehen wollt. Nicht selten dachte ich, dass der nächste Abschnitt bestimmt „machbar“ sein wird, also entschied ich mich statt für weitere Credits für das Abschicken der Container, damit ich am Ende meines Durchlaufs mehr Punkte bekomme – nur damit ich daraufhin kläglich scheiterte und die dazugewonnen Punkte ebenfalls futsch waren. Diese Balance zwischen Skill, Eigeneinschätzung und Risikofreude bzw. -aversion bekommt Swordship wunderbar hin, sodass ein angenehmer Gameplay-Loop entsteht.


Gebt ihr Container ab, erhaltet ihr Punkte, die euch Upgrades fürs Schiff ermöglichen.

© Thunderful Publishing AB

Dieser Gameplay-Loop führt unter anderem zur nicht schrumpfen wollenden Motivation, am späten Abend „dann doch noch eine Runde“ machen zu wollen – Fans des Rogue-like-Genres wissen, wovon ich spreche. Je nachdem, wie viele Punkte ihr im Laufe des Spiels in einem Durchlauf sammelt, schaltet ihr zudem neue Wetterbedingungen und Gegnertypen frei, die euch euer Gelerntes stets aufs Neue abverlangen und Swordship damit schwieriger gestalten. Zwar könnt ihr nach einiger Zeit zwischen drei Schwierigkeitsgraden entscheiden – und abhängig davon mit Punkten belohnt werden – dennoch musste ich nicht selten nach dem Freischalten neuer Bedingungen wieder eine Stufe zurückschalten, um diese neuen Eingriffe zu lernen. Erst nach einigen Runden unter neuen Eigenschaften wagte ich mich wieder auf die nächste Schwierigkeitsstufe. Was sich im ersten Moment nun mühselig anhört, teilweise wieder unten anfangen zu müssen, wirkte sich bei mir nicht negativ auf die Spielmotivation aus. Im Gegenteil: Die dazugekommenen Stürme und Gegnertypen lehrten mich neue Manöver, die ich anwenden musste, um die Level erfolgreich abzuschließen. Später gibt es eine löbliche Palette an Herausforderungen und Belohnungen, die Swordship zu einem tollen Arcade-Erlebnis machen.


Besonders Geschicklichkeit und Schnelligkeit sind bei Swordship gefragt, die nur mit präziser Kontrolle des Schiffes wirklich zum Tragen kommen und nicht im Frust enden – hier hadert es wirklich minimal. Zu Beginn fühlt sich das Manövrieren mit den Sticks zwar etwas unbefriedigend an; so als wäre ich durch den Controller nicht zu einhundert Prozent in der Lage, das Schiff zu steuern. Mit der Zeit konnte ich aber den kleinen Schluckauf unter Kontrolle bringen und Swordship ließ sich letztendlich mit etwas Eingewöhnungszeit recht angenehm steuern. Die Nintendo Switch-Version des Spiels kann die 30 Bilder pro Sekunde nahezu immer halten – selbst dann, wenn der Bildschirm durch zahlreiche Projektile und Explosionen sehr unübersichtlich wird. Durch den gelungenen Elektro-Soundtrack, der von seichtem Techno bis zum actionreichen Drum and Bass reicht, wird das schnelle und risikoreiche Spielerlebnis gut untermauert.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Michael Barg

Swordship möchte trotz seiner Nähe nicht dem Shoot 'em up-Genre zugeordnet werden. Es geht hier nämlich so gar nicht um das aggressive Beschießen der Feinde, sondern ausschließlich um das geschickte Ausweichen. Durch taktische Manöver säubert ihr den klassisch überladenen Bildschirm, indem ihr die große Auswahl an Feinden gegeneinander ausspielt – alles fast schon im Takt der tollen Begleitmusik. Die Motivation wird durch das Sammeln und Knacken von Highscores erhöht, wodurch ihr nahezu jede Runde neue Upgrades für das Schiff, neue Wetterbedingungen oder neue Gegnertypen freischaltet, die fast alle Neustarts einzigartig machen. Technisch läuft Swordship auf der Nintendo Switch einwandfrei. Das Manövrieren des Schiffes kann vor allem zu Beginn zwar etwas fremd wirken, ist aber gut zu erlernen.
Mein persönliches Highlight: Der Gameplay-Loop, das schnelle Gameplay an sich und der fantastisch unterstützende Soundtrack.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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